26.04.2022

„Digital Entrepreneurship“ in Graz: gleichzeitig Master machen und Startup aufbauen

Startup kann man studieren - und dabei bereits gleichzeitig das eigene Unternehmen aufbauen. Zwei Studierende erzählen über den Masterstudiengang "Digital Entrepreneurship" an der FH JOANNEUM in Graz.
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Johannes Meindl und Mariëtte Boslooper mit Studiengangsleiterin
Johannes Meindl und Mariëtte Boslooper mit Studiengangsleiterin "Digital Entrepreneurship" Doris Kiendl | (c) FH JOANNEUM
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Erst studieren und dann gründen? Oder nicht studieren und gleich gründen? Am Versuch, ein Studium abzuschließen und gleichzeitig ein Startup aufzubauen scheitern Gründer:innen immer wieder. Anders sieht es natürlich aus, wenn der Aufbau des Unternehmens Teil des Studiums ist. Genau das ist im Masterstudiengang „Digital Entrepreneurship“ an der FH JOANNEUM in Graz der Fall. Das „berufsermöglichende“ Studium, das Innovator:innen mit technischen, wirtschaftlichen und persönlichen Skills versorgt, gibt es seit Oktober 2021. 16 Studierende schlossen das erste Semester erfolgreich ab. Zwei davon gaben uns einen Einblick, wie ihr Studium bislang läuft.

Lehrende direkt aus der Szene und „Entrepreneurial Mindset“ als Schwerpunkt

„Unsere Lehrenden kommen häufig direkt aus der Startup-Szene und bringen zahlreiche Erfahrungen mit. Das macht die Einheiten sehr lehrreich“, erzählt Mariëtte Boslooper. Die Studierenden lernen im Studiengang „Digital Entrepreneurship“ auch von bekannten heimischen Gründer:innen, etwa Bernadette Frech von Instahelp oder Matthias Ruhri von Probando. Studienkollege Johannes Meindl bezeichnet den Schwerpunkt „Entrepreneurial Mindset“ als sein bisheriges Highlight. „Dabei geht es darum, wie man sein Tun durch den Glauben daran beeinflussen kann“, erklärt er. Studiengangsleiterin Doris Kiendl ergänzt: „Zum Thema Entrepreneurial Mindset zählt für uns auch, dass man sich mit körperlicher und mentaler Fitness auseinandersetzt. Viele Gründerinnen und Gründer laufen Gefahr, in ein Burn-out zu geraten. Daher ist das Fach ‚Stay healthy‘ Teil unseres Curriculums. Wir wollen auch die Resilienz unserer Studierenden stärken“.

Mariëtte Boslooper studiert
Mariëtte Boslooper studiert „Digital Entrepreneurship“ an der FH JOANNEUM | (c) FH JOANNEUM

Sowohl Boslooper als auch Meindl bauen bereits jetzt, wenige Monate nach dem Start des Studiums, parallel ihre Startups auf. Für die gebürtige Niederländerin Boslooper gab eine eigene Erfahrung den Ausschlag für die Geschäftsidee. 2018 zog sie von Rotterdam nach Graz. „Vor allem das soziale Ankommen in Österreich war für mich nicht ganz einfach. Ich hätte mir mehr Vernetzung mit den Einheimischen gewünscht. Die Ankommensphase in Österreich kann definitiv verbessert werden“, meint sie. So sei gemeinsam mit einer Studienkolleg:innen die Idee zur „ServusApp“ entstanden. Diese soll den Integrationsprozess auf intuitive und digitale Art und Weise vereinfachen. Dazu werden Neuankömmlinge und Einheimische vernetzt: „Wir möchten Menschen mit vielfältigen Hintergründen miteinander verbinden und somit ihren gegenseitigen Horizont erweitern“.

„Digital Entrepreneurship“: Exkursionen zu Startup-Hotspots im In- und Ausland

Meindl baut ein PropTech-Startup auf und führt bereits Investor:innengespräche. „Bei diesen Gesprächen kommt sehr häufig Fachsprache zum Einsatz. Durch mein Studium stellte dies für mich kein Problem mehr dar“, erzählt er. Die innovative Entfaltung ist ihm nicht immer so leicht gefallen. „Ich habe dann bei mehreren größeren Firmen gearbeitet, wo man neue Ideen nur langsam und spärlich umsetzen konnte. Diese träge, starre Firmenstruktur hat mich gestört. Nachdem ich mich immer mehr mit Firmengründungen und Startups befasste, kam ich zu Digital Entrepreneurship“, sagt Meindl.

Johannes Meindl studiert „Digital Entrepreneurship“ an der FH JOANNEUM | (c) FH JOANNEUM

Er brachte einen Bachelor in Wirtschaftsinformatik mit. Kommilitonin Boslooper zeigt aber, dass es auch ohne technischen Hintergund geht – sie war zuvor im Tourismus tätig. „Technische Vorkenntnisse hatte ich keine. Diese sind zwar von Vorteil, aber nicht zwingend nötig. Ich wurde mit dem Studium sehr gut abgeholt“, erzählt sie. Der Anteil an technischen Themen im Studium liegt bei einem Viertel. Neben anderen Startup-relevanten Fächern wie Marketing bietet das Studium auch Vernetzungsaktivtäten im In- und Ausland. So gibt es nationale und internationale Exkursionen zu Startup-Hotspots. Außerdem können Studierende im dritten oder vierten Semester einen Erasmus-Aufenthalt absolvieren.

Die Bewerbungsphase für den nächsten Jahrgang des Masterstudiengangs „Digital Entreprenuership“ an der FH JOANNEUM läuft noch bis zum 30. Mai 2022. Alle Infos findet man hier.

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Isabell Claus, Ashley Zvaniashvili, Eva Reder (v. l.) | (c) xchannels.ai

Das Wiener KI-Startup xchannels.ai setzt seinen internationalen Expansionskurs fort. Wie das Unternehmen am Donnerstag bekannt gab, geht es eine strategische Partnerschaft mit der im Silicon Valley ansässigen Marketingagentur GrowthMasters.io ein. Für das von Isabell Claus und Ashley Zvaniashvili geführte Startup ist die Kooperation der nächste Schritt seiner internationalen Wachstumsstrategie. „Die Präsenz im Silicon Valley ist für uns keine symbolische Geste, sondern essentieller Teil unserer Strategie“, sagt Ashley Zvaniashvili, Co-Geschäftsführerin von xchannels.ai.

Im Mittelpunkt der Partnerschaft steht der Wissenstransfer zwischen dem Silicon Valley und Europa. Xchannels.ai will die lokale Marktkenntnis und das Netzwerk von GrowthMasters.io nutzen, um neue Entwicklungen rund um KI, digitales Marketing und AI Visibility direkt im US-Markt aufzugreifen. AI Visibility bezeichnet die Sichtbarkeit von Unternehmen in KI-gestützten Such- und Antwortsystemen wie ChatGPT.

„Im Silicon Valley entstehen nahezu alle Trends, die später weltweit Marketingstrategien und digitale Geschäftsmodelle bestimmen. Europäische Unternehmen – insbesondere KMU – haben häufig erst mit starker Verzögerung Zugang zu diesem Wissen“, sagt Co-Geschäftsführerin Isabell Claus. Die gewonnenen Erkenntnisse aus den USA will xchannels.ai in konkrete Marketinglösungen übersetzen, die die europäischen Kunden nutzen können.

US-Marketingagentur mit österreichischen Wurzeln

Mit GrowthMasters.io holt sich xchannels.ai einen Partner an Bord, der bereits seit mehreren Jahren im US-amerikanischen Marketingmarkt tätig ist. Die Agentur wurde von der Oberösterreicherin Eva Reder gegründet und ist auf LinkedIn-Content, digitales Marketing und bezahlte Werbekampagnen spezialisiert.

Der Kontakt zwischen den beiden Unternehmen entstand durch ein anderes österreichisches Startup. GrowthMasters.io sei auf der Suche nach einer technischen Lösung gewesen, wie sie xchannels.ai anbietet, erklärt Claus. Die Zusammenarbeit soll dabei in beide Richtungen funktionieren: Während GrowthMasters.io seine Erfahrung und sein Netzwerk im US-Markt einbringt, stellt xchannels.ai seine KI-basierte Marketingplattform zur Verfügung. Diese unterstützt Unternehmen dabei, Marketinginhalte automatisiert zu erstellen und über verschiedene digitale Kanäle zu verbreiten. GrowthMasters.io will die Plattform künftig auch für seine eigenen Kunden in den USA einsetzen.

Erste US-Kunden über GrowthMasters.io erwartet

Die Partnerschaft markiert laut Claus erst den Beginn der US-Expansion. Das Startup, dass in Kürze erste Bestandskunden von GrowthMasters.io auch die Plattform von xchannels.ai nutzen werden.

Darüber hinaus plant das Unternehmen noch vor Jahresende eine Reise in die USA, um potenzielle Geschäftspartner zu treffen, die eigene Plattform vorzustellen und sein Netzwerk weiter auszubauen. Neben dem Silicon Valley steht dabei auch New York im Fokus. Vor allem die dort stark vertretene Kreativ- und Werbeindustrie mache den Standort für xchannels.ai interessant.

Von acht auf zehn internationale Märkte

Auch in Europa setzt xchannels.ai seinen Wachstumskurs fort. Bereits im August war das Startup nach eigenen Angaben mit rund 50 Unternehmenskunden in acht Ländern aktiv. Mittlerweile zählt das Unternehmen laut Claus 86 Kunden und zehn Mitarbeitende. Die Zahl der internationalen Märkte ist auf zehn gestiegen, zuletzt kamen Lettland und Italien hinzu.

Beim internationalen Wachstum setzt xchannels.ai weiterhin auf strategische Partnerschaften. Unter anderem arbeitet das Startup bereits mit der Deutschen Telekom zusammen. Die nun geschlossene Kooperation mit GrowthMasters.io soll diesen Ansatz auf den amerikanischen Markt ausweiten.

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