Dieses Hopfen-Startup schützt Bier vorm Klimawandel
Noch ist nicht Hopfen (und Malz) verloren. Aufgrund heißer Sommer und Extremwetterereignissen fand das spanische Startup Ekonoke eine eigene Methode, Hopfen im Inneren anzubauen.
Die Bierbranche ist in Gefahr: Die Hopfenpflanze, deren leuchtend grüne Blüten seit Hunderten von Jahren zur Aromatisierung und Stabilisierung von Bier verwendet werden, fällt zunehmend dem Klimanotstand zum Opfer, da heißere Sommer und unvorhersehbares Wetter die Erträge und die Qualität verringern. Ekonoke, ein spanisches Startup, hat eine Antwort darauf.
Ekonoke: Geheime Methode verbraucht weniger Wasser
Der jährliche Bierkonsum in Österreich liegt, umgerechnet auf die Gesamtbevölkerung, bei rund 97 Litern Bier im Jahr. Die größten heimischen Anbaugebiete befinden sich im Mühl- und Waldviertel sowie rund um den südsteirischen Ort Leutschach. Allein im Mühlviertel, das seit dem 13. Jahrhundert Hopfen anbaut, werden auf 168 Hektar bis zu 40 Prozent des Bedarfs für österreichische Brauereien gedeckt.
Trockenheit und Wasserversorgung stellen dabei, nicht bloß in Österreich, Hürden dar. Die Methoden von Ekonoke – die ein streng gehütetes Geheimnis bleiben – sollen eigenen Angaben nach mit dem Innenanbau von Hopfen 15-mal weniger Wasser verbrauchen als der traditionelle Anbau im Freien. Ebenso würden sie einen 15-mal geringeren CO₂-Fußabdruck als der Anbau im Freiland aufweisen. Und da der Hopfen in Innenräumen unter streng kontrollierten Bedingungen angebaut werde, seien keine Pestizide erforderlich.
Sinkende Qualität von Hopfen
Ines Sagrario, Mitbegründerin und Geschäftsführerin des Unternehmens, verweist auf einen Bericht von Forschern aus der Tschechischen Republik, die die Qualität und Quantität des in verschiedenen europäischen Ländern angebauten Hopfens über einen Zeitraum von 40 Jahren analysiert haben.
„Sie haben gesehen, dass die Auswirkungen von zwei oder mehr extremen Wetterereignissen sowohl auf die Qualität als auch auf die Quantität enorm sind“, wird sie im Guardian zitiert. „Letztes Jahr zum Beispiel gab es eine brutale Dürre und sehr, sehr hohe Sommertemperaturen. In Deutschland, wo die Temperaturen bis zu 35 oder 38 Grad Celsius erreichten, ging die durchschnittliche Hopfenproduktion pro Hektar um 28 Prozent zurück. In einigen Teilen Deutschlands fielen 80 Prozent der Ernte aus. Der Hopfen, der überlebt hat, war von schlechter Qualität.“
Das Hydrokultur-Hopfenprojekt von Ekonoke hat nach vier Jahren Existenz das Interesse globaler Bierunternehmen geweckt und ist Teil eines von AB InBev – der weltweit größten Brauerei – initiierten Beschleunigungsprogramms.
Ekonoke mit über 4 Mio. Investment
Mit den 4,2 Mio. Euro, die das Unternehmen im vergangenen Jahr in Investitionsrunden erhalten hat, konnte Ekonoke eine 1.200 m² große Pilotfabrik in der nordwestspanischen Region errichten, die Ende Juni fertiggestellt werden soll.
Da das spanische Startup mit seinen Methoden einen 40-mal höheren Hopfenertrag pro Hektar erbringe als der Freilandanbau, könnten große Mengen an Land für die Regeneration des Bodens oder die Wiederaufforstung freigesetzt werden, so die Idee.
Problem: Energiekosten
Ob die spanische Hopfen-Anbau-Methodik wirklich ein Ende der Freiland-Bauern bedeutet, bleibt abzuwarten. Denn, Willy Buholzer, Direktor für globale Hopfenbeschaffung bei AB InBev, sagte gegenüber Reuters, die großen Fragen seien, ob die „sehr vielversprechenden“ Indoor-Farmer die derzeit hohen Energiekosten überstehen könnten und ob sie in einem konservativen und sehr gut etablierten Sektor vorankommen können: „Man sollte die traditionellen (Freiland-)Hopfenbauern nicht unterschätzen. Sie kommen immer wieder mit neuen Ideen daher.“
25 Jahre Riz up Genius Ideen- und Gründerpreis: Das sind die Sieger:innen des Jubiläumsjahrgangs
Der Riz up Genius Ideen- und Gründerpreis wurde zum 25. Mal vergeben. Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner brachte bei der Verleihung einen "Tag der Fehlerkultur" nach finnischem Vorbild ins Spiel.
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25 Jahre Riz up Genius: Niederösterreichs Gründeragentur riz up hat am Montagabend im Congress Center Baden das Jubiläum ihres Ideen- und Gründerpreises gefeiert, brutkasten war vor Ort. Heuer wurden über 230 Geschäftsideen eingereicht, so viele wie nie zuvor, von der Bahnstrom-Versorgung bis zur „Smartwatch“ für Pferde. In den vier Kategorien innovativ genial, regional genial, digital genial und ökologisch genial waren jeweils sieben Projekte für das Finale nominiert. Die bestplatzierten Ideen erhielten zwischen 2.000 und 6.000 Euro Preisgeld, gesponsert von Industriellenvereinigung Niederösterreich, ecoplus, Niederösterreichs Wirtschaftsagentur, Wirtschaftskammer Niederösterreich, Raiffeisen Niederösterreich-Wien, Land Niederösterreich, Flughafen Wien, EVN, Novomatic, Wiener Städtische, accent, dem RIZ Förderverein Süd sowie riz up selbst.
„25 Jahre Riz up Genius-Preis, einfach eine Sensation, wo viele Erfolgsgeschichten bereits geschrieben worden sind und wo wir jetzt neue Erfolgsgeschichten schreiben“, so Mikl-Leitner im Rahmen der Preisverleihung. „Und ich bin unglaublich stolz auf so viel Innovationsgeist.“
Die Gewinner
Kategorie: innovativ genial
In der Kategorie innovativ genial ging der erste Platz an Cybershell Technologies aus Mödling. Das von Mario Curvelo Carvalho eingereichte Projekt ist eine modulare physische Safety-Architektur für industrielle humanoide Roboter. Während Plattformhersteller KI und Antrieb optimieren, setzt Cybershell bei mechanischer Robustheit, CE-Operationalisierung und Versicherbarkeit an und will so eine standardisierbare Schutzschicht für den europäischen Markt schaffen (5.000 Euro, Industriellenvereinigung Niederösterreich).
Platz zwei belegte ein Team aus Neunkirchen um Gerald Höllinger, Alexandra Bernegger und Sebastian Nowak, das BNCT-Anlagen zur Krebstherapie entwickeln will. Ein Linearbeschleuniger ersetzt dabei den Kernreaktor, die Behandlungszeiten sollen unter zehn Minuten liegen (4.000 Euro, Wiener Städtische). Den dritten Platz holte sich EquiShape aus Baden (Janine Rybin), eine Art „Smartwatch für Pferde“: Sensor-Gamaschen, eine App mit Dashboards und ein KI-Trainingsassistent sollen das Training fairer, gesünder und transparenter machen (2.000 Euro, riz up).
In der Kategorie regional genial gewann die Norphluchs GmbH aus Mödling mit ihrer Plattform für DSGVO-konforme Backgroundchecks. Das Unternehmen von Stephanie und Christoph Böhm bündelt Personenrecherchen aus offenen Quellen und offiziellen Registern für HR- und Sicherheitsabteilungen. Dafür gab es 6.000 Euro von der Wirtschaftskammer Niederösterreich.
Platz zwei ging an die electrify smart energy GmbH aus Mistelbach (Dominik Kohl), die auf KI-gesteuerte Schwarmspeicher für die Energiewende setzt (4.000 Euro, EVN). Den dritten Platz teilen sich zwei Projekte. neuSTADTPILZE aus Wiener Neustadt (Joachim Hintenberger) lässt Frischpilze in einem vormals leerstehenden Kellergewölbe aus dem Mittelalter wachsen, ohne Befeuchtung und Klimatisierung. MoveOn aus Wiener Neustadt Land (Carina Polly, Dominik Lerch, Laurin Levai) bietet Eltern von Kindern und Jugendlichen, die vom Schulbesuch befreit oder dauerhaft krankgeschrieben sind, mobilen Unterricht zu Hause, psychosoziale Begleitung und die Koordination von Hilfskräften. Ziel ist, Schulabbrüche zu vermeiden. Beide erhielten je 2.000 Euro vom RIZ Förderverein Süd.
In der Kategorie digital genial siegte die METUSAN FUTURE GmbH aus Mistelbach (Michael Fischer, Sascha Hassa, Günther Unger) mit WOLTRONIC SNM. Das Sensor-Netzwerkmodul überwacht die Bahnstromversorgung und zentrale Teile der Bahninfrastruktur in Echtzeit, Störungen sollen sich damit punktgenau erkennen lassen (6.000 Euro, ecoplus).
Zwei Projekte landeten auf Platz zwei: Legal Rankings AI von Law Business aus St. Pölten (Alexander und Sophie Dillinger) automatisiert die aufwendigen Einreichungen von Anwaltskanzleien bei Kanzlei-Rankings. Laut den Einreicher:innen sind 98 Prozent der Kanzleien weltweit bisher nicht gerankt (4.000 Euro, accent). Die Soxware Interactive GmbH aus Amstetten (Peter Soxberger) entwickelt eine schweißbeständige VR-Brille für den professionellen Dauerbetrieb, die Mehrspieler-Tracking auf bis zu 1.200 Quadratmetern Spielfläche ermöglichen soll (4.000 Euro, Novomatic).
In der Kategorie ökologisch genial wurden gleich zwei Projekte mit einem ersten Platz und je 6.000 Euro ausgezeichnet. Roadeye von Christoph Pasching aus Melk ist nach eigenen Angaben der weltweit erste serienreife, patentierte Straßenleitpflock, der als energieautarker, KI-gestützter Sensor Straßen- und Umweltzustände erfasst und die Daten in Echtzeit nutzbar macht. Der Sensor ersetzt die schwarze Kappe auf den bestehenden weißen Leitpflöcken und lässt sich per Plug and Play nachrüsten (Sponsor: Land Niederösterreich).
Die Zellhofer Engineering GmbH aus Gänserndorf (Sebastian und Tobias Zellhofer) gewann mit Solarpellet, einer mobilen, automatisierten Anlage, die überschüssigen Photovoltaik-Strom vor Ort in Holzpellets umwandelt und Solarenergie damit biologisch speichert (Sponsor: Raiffeisen).
Platz zwei ging an die IceEx GmbH aus Amstetten (Johannes Üblacker) mit einer mobilen Solemischanlage für den Winterdienst, mit der sich Salzsole mit einem Gefrierpunkt von minus 19 Grad herstellen lässt (4.000 Euro, Flughafen Wien).
Mikl-Leitner: „Ab heute arbeiten wir am Tag der Fehlerkultur“
Auf die Frage, was die Entbürokratisierung konkret für Gründer:innen bedeutet, antwortet die Landeshauptfrau gegenüber brutkasten zunächst grundsätzlich: „Gerade in so herausfordernden Zeiten sollten wir daran denken, was uns stark gemacht hat in diesem Land. Und das ist eben Leistung, vor allem auch Eigenverantwortung und Hausverstand.“ Gepaart mit Innovationsgeist und dem Abbau von Regulatorik bringe das Niederösterreich weiter. Man habe im Rahmen der groß angelegten Verwaltungsreform bereits jedes sechste Landesgesetz entbürokratisiert und vor allem die Bauordnung vereinfacht. „Das heißt, Bauen und Sanieren wird effizienter und vor allem auch billiger“, so Mikl-Leitner. Mit der neuen Initiative Taskforce Wirtschaft soll es zudem eine eigene Plattform geben: „Unternehmerinnen und Unternehmer, wenn sie mit Bürokratie ein Problem haben, als auch mit Genehmigungen, dann ist dort die richtige Stelle, um eben komplexe Dinge auch ordentlich und anständig bearbeiten zu können.“
Bei der Verleihung hatte Mikl-Leitner zudem die Idee eines „Tag der Fehlerkultur“ ins Spiel gebracht. In Finnland werde ein solcher Tag groß gefeiert, sagt sie gegenüber brutkasten. „Aus Fehlern kann man lernen. Fehler sind nicht zu verurteilen.“ Vielmehr solle man sie als Motivation für den Weg nach vorne nehmen. Wenn es nach ihr geht, soll der Tag schon 2027 starten: „Das heißt, ab heute arbeiten wir am Tag der Fehlerkultur.“
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