07.11.2022

Diese Startups pitchen beim aws First Pitch Day

Am kommenden Dienstag, 15. November, gehen der aws First Pitch Day und die Verleihung des Staatspreis Innovation erstmalig gemeinsam am Erste Bank Campus in Wien über die Bühne. Im Zuge der Veranstaltung matchen sich sechs Startups um einen Start-Bonus. Meldet Euch jetzt für die Teilnahme an!
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aws First Pitch Night
2019 gewannen die Teams Luftlift, Train Tec und Semina | (c) aws
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Mit aws First Inkubator unterstützt die Austria Wirtschaftsservice GmbH bereits seit acht Jahren junge Menschen bei der Umsetzung ihrer innovativen Startup-Ideen. Die Teilnehmenden des Programms erwartet projektindividuelles Mentoring, Workshops zur Weiterentwicklung der Ideen und finanzielle Mittel zu deren Umsetzung. Seit mehr als 30 Jahren wird der Staatspreis Innovation, ebenso von der Austria Wirtschaftsservice GmbH abgewickelt, an innovative Unternehmen verliehen.

aws First Pitch Day & Staatspreis Innovation

Heuer werden am 15. November die Projekte des Staatspreis Innovation und des aws First Inkubators erstmalig ihre Projekte in einer gemeinsamen Ausstellung präsentieren. Anlass bieten die aufeinanderfolgenden Veranstaltungen des „aws First Pitch Day“ sowie die Verleihung des Staatspreis Innovation 2022.

Im Rahmen des aws First Pitch Days werden 14 Projekte des Programms aws First Inkubator ausgestellt sowie sechs Projekte des Programms im Rahmen eines Pitches auf der Bühne präsentiert. Die pitchenden Teams kämpfen um ein Preisgeld in Höhe von 3000 Euro. Das Siegerprojekt wird von einer Jury gekürt, die zeitgleich drei Projekte auswählen wird, die später bei der Verleihung des Staatspreis Innovation nochmals im Zuge eines Publikumsvotings um weiteres Preisgeld in Höhe von 3000 Euro pitchen.

In der Ausstellung ebenso vertreten sind alle nominierten Projekte des Staatspreis Innovation sowie der beiden Sonderpreise VERENA und ECONOVIUS. Die Siegerprojekte werden im Rahmen der Preisverleihung des Staatspreis Innovation ausgezeichnet.

Infos zur Anmeldung | 15. November 2022


aws First Pitch Day:

Beginn des aws First Pitch Day: 16:30 Uhr (Einlass ab 15:30 Uhr) | Grand Hall, Erste Campus, Am Belvedere 1, 1100 Wien

+++ jetzt für den aws First Pitch Day anmelden +++.

Staatspreis Innovation:

Beginn der Preisverleihung: 18:30 Uhr (Einlass & Ausstellung der nominierten Projekte: ab 17:30 Uhr) | Grand Hall, Erste Campus, Am Belvedere 1, 1100 Wien

+++ jetzt für den Staatspreis Innovation anmelden +++


aws First Pitch Day | Diese Teams nehmen am Pitch teil

Hier liefern wir euch einen Überblick über die sechs Startups & Teams, die im Zuge des aws First Pitch Day um das Preisgeld kämpfen.

Glasskube

Glasskube möchte Unternehmen die Kontrolle über ihre eigenen Daten zurückgeben. Mit einer One-Klick-Installation ermöglicht das Startup automatisiertes Updaten von getesteter Open-Source-Software im eigenen Rechenzentrum oder der Cloud des Unternehmens. Dadurch soll auch die Abhängigkeit von Drittanbietern abgebaut werden.

Hubiana

Hubiana digitalisiert die Wildfleisch Direktvermarktung. Konsument:innen beziehen mit Hubiana Wildfleisch direkt von Jäger:innen aus der Umgebung. Aktuell validiert das Startup sein MVP und ist auf der Suche nach Verstärkung im Bereich Softwareentwicklung und UX/UI Design.

money:care

money:care sammelt Informationen zur Nachhaltigkeit börsengelisteter Unternehmen und bereitet diese verständlich auf. Mit dem digitalen Filtertool werden Privatanleger:innen dazu ermächtigt, durch ihre bewusste Geldanlage positiven Wandel voranzutreiben.

Zeitgeber

Zeitgeber integriert biologisch und therapeutisch wirksame Anwendungen von Licht in einen harmonischen Aufwachprozess. Im Gegensatz zu Lichtweckern ist das Produkt dabei das erste, das den Biorhythmus an einen gewünschten Zeitplan anpassen kann.

inQmate

Das Team von inQmate automatisiert mit seiner Entwicklung zeitintensive Routinetätigkeiten in biologischen und medizinischen Forschungslaboren. Das Startup legt Wert auf Sterilität und Reproduzierbarkeit , was den Wissenschaftler:innen die Möglichkeit schafft, ihre Ressourcen effizienter einzusetzen. Unternehmen können dadurch die Entwicklungsprozesse neuer Medikamente verbessern und gleichzeitig Geld und Einwegmaterial einsparen.

ProtectLIB

Das Team von ProtectLIB entwickelt im Zuge des aws First Inkubator 2022-Programms einen sogenannten „Nail-Penetration-Tester“, mit welchem Lithium Ionen Batterien (LIB)  gezielt zerstört werden können. Hierbei wird unter anderem die Brandgefahr von LIBs analysiert, um die Entsorgung und infolgedessen das Recycling sicherer und nachhaltig zu gestalten.


aws First Pitch Day | Diese Teams sind in der Ausstellung vertreten

Diese Teams von aws First Inkubator werden auch in der Ausstellung vertreten sein.

Savvy

Savvy unterstützt Eltern bei der Finanzbildung ihrer Kinder und bringt Jugendlichen auf eine spielerische Art und Weise bei, wie man mit Geld umgehen sollte. Savvy, die mobile Finanzapp, bietet dabei einen umfangreichen Lehrkatalog für Teenager:innen sowie eine Plattform zum sicheren und gleichzeitig spielerischen Erlernen von finanziellen Inhalten wie Sparen, Budgetieren und Investieren.

Reisigo

Mit Reisigo soll der Marktzugang für Gruppenreisen revolutioniert werden. Die digitale Lösung begleitet Nutzer:innen von der Planung bis zur Abwicklung.

Gs’hund

Gs’hund bietet Insektenprotein als Hundefutter an. Die tierische Proteinquelle der schwarzen Soldatenfliege deckt dabei alle essenziellen Amino- und Fettsäuren, die ein Hund braucht und spart zugleich bis zu 90 Prozent der Emissionen gegenüber konventionellen Hundefutter.

ICU

ICU ist ein vollautomatisiertes Videoüberwachungssystem für Motorroller zur Aufklärung von Parkschäden bei Fahrerflucht. Es handelt sich um ein kleines Device, das einfach unter der Sitzbank des Rollers angebracht werden kann.

SeedCup 

Das Startup Seedcup nutzt Kaffeesatz, der als Nebenprodukt in jedem Café weltweit anfällt, um daraus einen 100 Prozent biologisch abbaubaren Einweg Coffee-to-Go Becher herzustellen. Diese Becher werden direkt vor Ort in den Cafés dezentral mit einer Maschine produziert und geben damit einer unterschätzen Ressource, genau dort wo sie als Abfall anfällt, ein zweites Leben.

Grätsli

Grätsli ist eine interaktive und personalisierte Geschenkeschatzsuche durch die eigene Umgebung. Auf der Mission den Schatz zu finden, dürfen Kinder spannende Rätsel lösen, um so weitere Hinweise an unterschiedlichen Orten zu entdecken. Auf der Internetseite www.graetsli.com kann mit wenigen Klicks ein personalisiertes Grätsli-Erlebnis bestellt werden.

Adorares

Adorares vereint handgefertigte Möbel und Interieurs aus den Werkstätten der letzten Kunsthandwerker Europas. Die von Expert:innen kuratierte digitale Plattform öffnet die Türen weit entfernter Werkstätten. Seltene Kunsthandwerker erzählen erstmals ihre Geschichten und werden neben ihren feinen Erzeugnissen präsentiert.

CityRiddler 

CityRiddler bietet interessensbasierte Städteabenteuer mit interaktiven Rätseln. Die User:innen wählen ihre Interessen, die Zeitdauer sowie den Start- und Endort flexibel aus, daraus wird eine individualisierte Tour erstellt. Zusätzlich können User:innen selbst Rätsel erstellen und daran mitverdienen.

Preswipe

Mit in der Ausstellung vertreten ist auch Preswipe, das künftig das berufliche Netzwerken vereinfachen möchte. Über eine Plattform sollen Nutzer:innen so neue Kontakte in ihren Arbeitswelten kennenlernen.


Staatspreis Innovation | Diese Projekte sind nominiert

Der Staatspreis Innovation wird auch dieses Jahr wieder zahlreiche Projekte auf die Bühne holen.

AVL List GmbH, Steiermark | Projekt: „BIC4FUTURE-BATTERY“

Eine neuartige Plattform ermöglicht die Entwicklung von Batteriemodulen sowie deren Produktionsprozesse. Damit werden günstige und zuverlässige Batterien mit höchster Energiedichte für die Großserie geschaffen.

Treibacher Industrie AG, Kärnten | Projekt: „Auernox® – Materialien für Umweltkatalysatoren“

Durch Vorwegnahme des Aktivierungsschritts für ein neues Katalysatorprodukt kann dieses nicht nur Giftstoffe unschädlich machen, sondern kann auch mit temperaturempfindlichen Filtern zur Staubabscheidung kombiniert werden.

DSM Austria GmbH, Niederösterreich | Projekt: „ZENzyme®“

Ein Beitrag zur sicheren Ernährung für Tier und Mensch: Gegen Zearalenon wurde ein Enzym entwickelt, das das Schimmelpilzgift in ein unschädliches Stoffwechselprodukt umwandelt.

Cubicure GmbH, Wien | Projekt „3D-Druck-System Cerion“

Ein neues 3D-Druck-System überwindet die traditionellen Beschränkungen der Stereolithographie. Es ist die Krönung jahrelanger Entwicklungsarbeit eines Wiener Technologieunternehmens.

Künz GmbH, Vorarlberg | Projekt: „Aerodynamische Stahlbaustrukturen“

Gegen die Tradition kastenförmiger Stahlträger erlangt die Künz GmbH mit aerodynamisch geformten Strukturen ein Alleinstellungsmerkmal im Kranbau. Verschleiß und Energieverbrauch nehmen dank der patentierten Neuentwicklung deutlich ab.

Ebner Industrieofenbau GmbH, Oberösterreich | Projekt: „Zero-Emission-Saphir-Produktion für die Mikroelektronikindustrie“

Musterbeispiel für den EU Green Deal: Ein effizienteres Produktionsverfahren für den zugrunde liegenden Saphirkristall garantiert emissionsfrei hergestellte LED-Endprodukte.


ECONOVIUS | Diese Projekte sind nominiert

Im Zuge des Staatspreis Innovation wird auch der Econovius von der Wirtschaftskammer Österreich verliehen. Hier ein Überblick über die Projekte.

Luxinergy GmbH, Steiermark | Projekt: „Maßgeschneiderte Medizinprodukte mittels 3D Druck“

Ein biokompatibles Material für den 3D-Druck erleichtert das Maßschneidern von Produkten der (Kiefer-)Orthopädie. Eine Ersparnis für Betriebe, bequem für Patientinnen und Patienten.

KECKEX GmbH, Vorarlberg | Projekt: „RailEX – chemiefreie Schiene“

Statt schädliche Herbizide für die Beseitigung von Ruderalpflanzen aus dem Schienennetz zu verwenden, arbeitet ein neues Verfahren mit dem gezielten Ausbringen von Heißwasser und dessen Dampf.

enspired GmbH, Wien | Projekt: „augmented Trading as a Service“

Mit einer KI-gestützten Handelsplattform können Kundinnen und Kunden aktiv am kurzfristigen Strommarkt teilnehmen. Während so die Gewinne steigen, sinken die Emissionen.

FerRobotics Compliant Robot Technology GmbH, Oberösterreich | Projekt: „FerRobotics Active Taping Kit (ATK)

Roboter tun sich oft schwer mit der sensitiven Aufgabe ein Klebeband unabhängig von der Oberflächen-Topografie aufzutragen. Eine Linzer Firma schließt diese Automatisierungslücke mit einem intelligenten Taping-Kit.

Renner Print Media GmbH, Salzburg | Projekt: „Circular PP – Klimaneutrale Produktion von Pflanzenetiketten aus 100 % Kunststoff-Kreislaufwirtschaft“

Bisher war er wegen der Druckerfarbe und Lacke schwer recycelbar. Nun wird Kunststoff auf dem Wege der Kreislaufwirtschaft zum nachhaltigen Bedruckstoff für Pflanzenetiketten.


VERENA powered by Verbund AG

Ein weiterer Sonderpreis ist der VERENA, der von Verbund zur Verfügung gestellt wird.

enliteAI GmbH, Wien | Projekt: „Stromnetz 4.0 – KI-basierte Steuerung und Optimierung des Stromnetzes“

Wie lenkt man Strom intelligent, um Blackouts zu verhindern? Beim Stromnetz 4.0, entwickelt von einem Wiener Startup und Kooperationspartnern, eruiert das eine KI.

Austria Email AG, Steiermark, und World-Direct eBusiness Solutions GmbH, Tirol | Projekt: „Der smartBoiler ECO Grid aus Österreich“

Ein in überregionaler Zusammenarbeit entstandener smarter Warmwasserspeicher kann Energieüberschüsse gezielt aufnehmen und lässt Haushalte in Mehrfamilienhäusern Teil der Energiewende werden.

Dynell GmbH, Oberösterreich | Projekt: „Hocheffiziente modulare Bodenstromversorgung

Wenn ein Flugzeug nicht fliegt, kann es genauso gut Energie sparen: Eine oberösterreichische Firma konkurriert auf dem Weltmarkt mit ihrem praktischen Bodenstromaggregat.


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Vom Gründer-CEO zum Profi-Manager: Wie neoom die Übergabe an der Spitze organisiert hat

Anfang Februar 2026 verkündete Walter Kreisel auf LinkedIn das Ende eines Kapitels: Nach acht Jahren als CEO übergab der Gründer des oberösterreichischen Cleantech-Scaleups neoom die operative Führung an Nikolas Iwan. Was nüchtern betrachtet wie eine Personalmeldung klang, ist in Wahrheit eine der heikelsten Operationen, die ein Scaleup durchlaufen kann – und ein Tabuthema in der österreichischen Wirtschaft. Wir haben mit Kreisel und seinem Nachfolger über die schwierige Choreografie der Übergabe und den Aufbruch in eine neue Wachstumsphase gesprochen.
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Neoom Ex-CEO Walter Kreisel (l.) und sein Nachfolger Nikolas Iwan © Antje Wolm

Dieser Text ist zuerst im brutkasten-Printmagazin von Mai 2026 „Die nächste Stufe“ erschienen. Eine Download-Möglichkeit des gesamten Magazins findet sich am Ende dieses Artikels.


Wer das neoom-Headquarter in Freistadt betritt, blickt zuerst nach oben: Im Eingangsbereich hängt ein Astronaut von der Decke, daneben führt eine Wendeltreppe empor, die an eine startende Rakete erinnert. Das Gebäude trägt den Namen „Free City“. Walter Kreisel, neoom-Gründer und seit Anfang des Jahres nicht mehr CEO, nennt es „Freistadt neu interpretiert als Raumschiff“ – mit Stadtmauer, grünem Turm, Stadtgraben und Zugbrücke.

Außen setzt sich diese Konsequenz fort: Schwarze Photovoltaikmodule nord-, ost-, west- und südseitig, dazu am Dach; rund 400 Kilowatt verteilt auf eine Bauwerkshülle, die zuerst Strom produziert und den Überschuss im 1,2 Megawattstunden großen Speicher zwischenlagert. Davor: ein Parkplatz, auf dem fast jedes Fahrzeug ein Elektroauto ist, fünfzig Ladestationen. Rund hundert neoom-Mitarbeiter:innen arbeiten hier auf 780 Quadratmetern, weitere hundert verteilt auf andere Standorte. 80 bis 85 Prozent der verbrauchten Energie produziert das Gebäude selbst.

Es ist eine Inszenierung, die Kreisels Stil als CEO über acht Jahre präzise zusammenfasst: Vision, Symbolik, Größe. Umso bemerkenswerter, dass dieser Mann seit Februar nicht mehr operativ verantwortlich ist – er hat das Steuer übergeben; an Nikolas Iwan, der zuvor bei Shell, H2 MOBILITY und McKinsey in Führungspositionen die Energiewende mitgestaltet hat. Mitte April 2026, am Tag des neoom-Live-Events, zu dem die wichtigsten Geschäftspartner – die „Power Partner“ – nach Freistadt anreisen, übernimmt erstmals Iwan die Hauptbühne. Kreisel hat sich am informellen Abend zuvor bewusst zurückgehalten.

„Wenn Walter gestern aufgetaucht wäre, hätte sich vieles auf ihn konzentriert“, sagt Iwan. „Er hat die Beziehungen zu den Power Partnern aufgebaut. Wir haben uns vorher abgestimmt.“ Diese Abstimmung – wer wann sichtbar ist, wer wo nicht auftaucht – ist seit Monaten Teil des täglichen Geschäfts der beiden. Sie ist der Grund, warum das Unternehmen den Wechsel an der Spitze bisher reibungslos gemeistert hat.

Denn ein CEO-Wechsel ist für ein Scaleup eine der riskantesten Operationen überhaupt. „Du hast dauerhaft den Zünder einer ungesicherten Handgranate in der Hand“, sagt Kreisel. „Wenn du da nicht stabil bist, sprengt es dir das Unternehmen; weil der Prozess völlig undefiniert abläuft – und ein massives Risiko ist.“

Das Tabuthema

Kreisels offene Worte sind selten – obwohl es zuletzt einige ähnliche Fälle gab. Im November 2025 gab Bitpanda-Mitgründer Eric Demuth seine Co-CEO-Rolle ab und wechselte als Executive Chairman in den Verwaltungsrat; Lukas Enzersdorfer-Konrad führt das Krypto-Unicorn nun allein. Im Januar 2026 zog sich Prewave-Mitgründerin Lisa Smith aus der Geschäftsführung zurück, ihr Co-Founder Harald Nitschinger übernahm die alleinige operative Verantwortung. Drei prominente Fälle innerhalb weniger Monate – das deutet auf einen Trend hin.

Während in den USA der Wechsel vom Gründer-CEO zum professionellen Manager als normaler Skalierungsschritt gilt – Investor Hermann Hauser hat wiederholt darauf hingewiesen, dass Europa nicht nur ein Kapital-, sondern auch ein Management-Problem habe –, herrscht hierzulande Schweigen über das Wie. „Bei Herr und Frau Österreicher ist so etwas ein Tabuthema“, sagt Kreisel. „Der Eigentümer ist Geschäftsführer bis zu seinem Tod, dann macht der Sohn oder die Tochter weiter.“

Witzigerweise ist der CEO ein massives Tabuthema. Aber an COO, CFO – da wird permanent rumgeschraubt.

Die Reaktionen auf seine Ankündigung im Februar bestätigen das. In der Region Freistadt wurde gefragt: „Haben sie ihn rausgehaut?“ In der Startup-Bubble wurde gefragt: „Wie viel Geld hast du rausgezogen?“ Dass der Gründer freiwillig in den Aufsichtsrat wechselt und keine Anteile verkauft hat, passte nicht ins gängige Schema. „Vom Aufsichtsrat über die Berater bis zu den Headhuntern: Niemand kennt sich aus“, kritisiert Kreisel. „Das war ein leerer Wald, ohne Baum und ohne Holz.“ Best-Practice-Modelle? Fehlanzeige. „Witzigerweise ist der CEO ein massives Tabuthema. Aber an COO, CFO – da wird permanent rumgeschraubt“, ergänzt Iwan.

Acht Jahre – ein Kilimandscharo

Schon während seines MBA-Studiums habe er sich mit Nachfolge beschäftigt, sagt Kreisel. Konkreter wurde es, als neoom vom freiwilligen Advisory Board zum echten Aufsichtsrat überging und schließlich zur AG wurde. Mitte 2023 entschied sich Kreisel, an der Donau-Universität Krems eine Ausbildung zum zertifizierten Aufsichtsrat zu absolvieren; nicht als formaler Akt, sondern um die Rolle in der Tiefe zu verstehen. Im Frühjahr 2025 schloss er ab.

Parallel begann ein bewusster persönlicher Reset – nach acht intensiven Jahren symbolisch verankert in einer Bergbesteigung. Es war der Kilimandscharo, ein 18 Jahre alter Traum, den Kreisel öffentlich als sein Ziel nach dem CEO-Ausstieg kommunizierte.

Die CEO-Suche selbst lief über eine internationale Executive-Search-Firma. Aus einer Longlist wurde eine Shortlist von sieben Kandidat:innen, am Ende blieb Iwan – obwohl er die entscheidende LinkedIn-Nachricht der Recruiterin beinahe übersehen hätte: „Die Nachricht kam am 30. Juni. Erst am 18. Juli habe ich sie zufällig gesehen – und bin gerade noch auf den Zug aufgesprungen“, erinnert sich Iwan. In der zweiten Interview-Runde lernten sich Kreisel und Iwan persönlich kennen. Die offizielle Zeit war nach 45 Minuten vorbei – sie redeten noch eine halbe Stunde weiter.

„Ich war noch nicht bereit“

Rückblickend würde Kreisel den Prozess sogar früher anstoßen, sagt er. Iwan widerspricht lachend: „Also ich wäre noch nicht bereit gewesen!“ Der Satz verweist darauf, dass Iwans Werdegang genau jetzt in die Rolle passte: Acht Jahre bei Shell in unterschiedlichen Managementpositionen, zuletzt als Country Manager für das Tankstellengeschäft in Österreich. 2016 der Wechsel als CEO zum deutschen Wasserstoff-Startup H2 MOBILITY, das er bis 2023 führte. Anschließend Geschäftsführer bei ennoo Rental in Berlin und als Senior Advisor bei McKinsey.

Dass Iwan ausgerechnet aus der Wasserstoffwelt zu einem Strom-Scaleup wechselt, ist kein Zufall – „ich komme aus der Molekülwelt“, sagt er. „Über 80 Prozent der Energie werden in Molekülform bewegt. Aber wir stehen am Beginn des Elektronen-Zeitalters.“

Bei H2 MOBILITY habe er sieben Jahre lang erlebt, dass Wasserstoff „nicht so schnell kommt, wie wir damals dachten“. Im Stromspeicher-Markt ist das Tempo ein anderes: 2025 wuchs der europäische Batteriespeichermarkt nach Daten von SolarPower Europe um 45 Prozent gegenüber dem Vorjahr; seit 2021 hat sich die installierte Kapazität auf 77,3 Gigawattstunden verzehnfacht
. BloombergNEF prognostiziert für 2026 weltweit 33 Prozent Zuwachs. Bis 2030 erwarten Analysten eine weitere Verzehnfachung. Entsprechend hoch sei allerdings auch der Wettbewerb bereits, merkt Iwan an

Sichtbarkeit als Strategie

Die heikelste Phase eines Wechsels ist nicht die Auswahl des Nachfolgers, sondern die Choreografie danach. „Es muss einen Cut geben“, sagt Kreisel, „sonst wird die Rollenveränderung durch die natürlichen Emotionen ein Stück weit überschrieben.“ Iwan formuliert nüchterner: „Wenn Walter jeden Tag hier rumlaufen würde, würden diese informellen Verbindungen meine Autorität ganz leicht unterminieren; obwohl alle wissen, dass es formal nicht mehr so ist.“ Deshalb stimmen sich die beiden vor jedem öffentlichen Auftritt ab. Es ist eine Disziplin, die Kreisel sich abverlangen muss: „Ich stehe auch gerne im Mittelpunkt. Aber es ist gerade wichtig, dass ich es nicht mehr bin – sonst funktioniert das Loslösen gar nicht.“ Gleichzeitig hat sich Iwan bemüht, die DNA des Unternehmens nicht anzutasten. Er nennt sich „neoomian“, trägt die Firmenkleidung.

„Normalerweise ist das Erste, was ein neuer Vorstand macht: Logo ändern, Vision umformulieren. Da gehen zwei Jahre drauf, in denen man sich gar nicht auf das Wesentliche konzentriert“, sagt Kreisel. „Dass Nikolas das nicht macht, ist ein riesiger Unterschied. Es zeigt, wie stark er sich mit der Vision und vor allem der Mission des Unternehmens und mit der Leidenschaft des Teams identifiziert.“

„It’s not about strategy, it’s about execution“

Inhaltlich hat Iwan in seiner ersten Aufsichtsratssitzung im März 2026 einen klaren Rahmen gesetzt: „Es geht nicht um Strategie – es geht um Umsetzung.“ Vision, Produktportfolio, Zielmärkte – all das stehe. Was fehle, sei methodische Umsetzungsstärke. In den ersten sechs Wochen habe er vor allem zugehört: „Ich saß stundenlang in den Wohnzimmern von Endkund:innen, habe den Vertrieb begleitet, mit Partnern und Industriekunden gesprochen.“ Erst danach wurden gemeinsam mit dem Management sechs Prioritäten für drei Monate festgelegt – inspiriert von OKR-Methoden. Intern werden sie „ROKKS“ genannt, visualisiert als sechs Berggipfel.

Es ist genau jener konsequente Stil, den Kreisel im eigenen Führungsverhalten als Schwachstelle identifiziert: „Diese Konsequenz habe ich als Gründer nicht immer eingehalten. Ein Markt, der jetzt anstrengender ist, braucht jemanden, der mehr Erfahrung mitbringt.“ Iwan formuliert den Unterschied: „Walter hat Ideen, die so stark sind, dass sie manchmal einfach rausmüssen, auch wenn kurz vorher noch eine andere wichtig war. For the good kannst du damit ein Unternehmen gründen; for the bad ist das in der täglichen Führung schwierig.“

Deutschland, Konsolidierung, schwarze Null

Operativ steht 2026 unter klaren Vorzeichen: organisches, profitables Wachstum, keine Hyperscale-Vorhaben. Österreich, wo neoom Marktführer ist, soll konsolidiert werden. Den eigentlichen Hebel sieht Iwan in Deutschland. Das mag überraschen, denn Deutschland gilt als der weiter entwickelte Markt. Beim regulatorischen Rahmen ist es aber umgekehrt: Während Österreich bei der Smart-Meter-Durchdringung bei rund 90 Prozent liegt, sei sie in Deutschland im einstelligen Prozentbereich, sagt Iwan. Energiegemeinschaften sind in Österreich seit Jahren etabliert, in Deutschland gibt es sie noch gar nicht. „Da können wir mit dem Absender Österreich punkten.“ Der Markt selbst sei riesig und weitgehend unbearbeitet. Erst zwei von zehn Dächern in Österreich tragen Photovoltaik, nur eines von zehn Gebäuden hat einen Stromspeicher. „Die Branche hat eigentlich noch alles vor sich“, sagt Kreisel. „Das war kurz gehypt mit Greta und Putin; jetzt mit dem Iran. Aber es ist nicht mehr so sexy, weil KI alle Aufmerksamkeit zieht.“

Wie konsequent neoom aufgestellt ist, zeigt ein Gang durchs Headquarter: ein Schaltschrankraum mit 1,2 Megawatt Netzanschluss, ein eigenes Hochvolt-Testlabor in Holzbau, eine Holzkiste, in der nach Kreisels Worten „neoom eigentlich begonnen hat“. Das Unternehmen entwickelt selbst Software, testet und integriert Hardware. Verkauft wird über Partner: Rund 20% der Installationsbetriebe machen 80 Prozent des Umsatzes, über 200 sind registriert. Das Geschäftsmodell ist B2B2C.

Oberstes Ziel für 2026: Profitabilität aus eigener Kraft. Eine konkrete Zahl wollen die beiden nicht nennen. „Profitabilität, ein wertvolles Unternehmen – das ist das oberste Ziel“, sagt Kreisel. „Darum ist das auch kein Rückschritt, sondern ein Anlauf; ein Anlauf, um in einer Branche, die noch gar nicht richtig gestartet hat, mit voller Kraft loszulegen.“

KI als Hebel

Eine zentrale Rolle spielt KI – nicht als Buzzword, sondern als Werkzeug für Effizienzgewinne. neoom hat knapp 100.000 Geräte an über 16.000 Standorten in seiner Cloud zu einem virtuellen Kraftwerk vernetzt. Diese Software-Schicht ist nach Iwans Überzeugung ein zentraler Enabler. „Hardware-Innovation kommt von externen Zulieferern. Aber die Innovationskraft im Software-Bereich entsteht bei uns Inhouse – und zeichnet uns gegenüber Wettbewerbern aus.“ Der KI-Hebel sei dramatisch: zwischen 50 und 1.000 Prozent Effizienzsteigerung in der Code-Entwicklung, je nach Review-Tiefe. Kreisel ergänzt: „Wir haben in den letzten Jahren genügend Ressourcen in Software investiert. Und wir haben keine Legacy. Das ist heute, mit KI, plötzlich unfassbar relevant.“

Was das österreichische Startup-Ökosystem lernen kann

Sowohl Kreisel als auch Iwan verstehen das, was sie gerade durchlaufen, als Beitrag zu einer offeneren Diskussion. „Ich glaube, viele würden Geld dafür bezahlen, diese Learnings zu hören“, sagt Kreisel. Was es brauche, seien sichtbare Best-Practice-Fälle. Iwan nennt einen strukturellen Grund, warum europäische Scaleups beim CEO-Thema zögern: „Es hängt mit dem knappen Kapital und dem Horizont der Investoren zusammen. Die erste Euphorie ist riesig. Dann läuft es nicht so wie gedacht – und die Euphorie ist plötzlich ganz klein.“ Statt pragmatisch nach Stellschrauben zu suchen, werde dann das Unternehmen als Ganzes infrage gestellt – nur die CEO-Frage bleibe das letzte Tabu.

Für neoom kommt jetzt die eigentliche Bewährungsprobe: das Hochfahren in einen Markt, der aufwärts geht – mit einem Team, das eine Konsolidierungsphase hinter sich hat, und einem Gründer im Aufsichtsrat, der sich bewusst zurücknimmt, ohne wegzugehen. Sein Nachfolger sieht die Aufgabe als langfristig an: „Ich bin hier, um zu bleiben“, sagt Iwan.

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