07.08.2025
WIRTSCHAFTSSTANDORT

Diese Pläne verfolgt die neue gemeinnützige World Venture Forum Stiftung

Interview. Österreich verliert seit Jahren an internationaler Wettbewerbsfähigkeit – die neu gegründete World Venture Forum Stiftung will mit Bildungsinitiativen und internationaler Vernetzung gegensteuern. Im Interview spricht Vorstand Berthold Baurek-Karlic über die Ziele der Stiftung und die veränderten wirtschaftlichen Rahmenbedingungen.
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Berthold Baurek-Karlic, Stiftungsvorstand der World Venture Forum Stiftung | (c) Wilke

Bereits 2023 wurde sie im Rahmen des World Venture Forums in Kitzbühel angekündigt, nun ist sie offiziell gegründet: Die gemeinnützige World Venture Forum Stiftung verfolgt das Ziel, den Wissenschafts-, Technologie- und Wirtschaftsstandort Österreich langfristig zu stärken. Im Fokus stehen Bildungskooperationen, Stipendien, internationale Partnerschaften und die Förderung von unternehmerischem Denken.

Die Stiftung wurde mit Unterstützung von KPMG, RIZZI Rechtsanwälte, dem Iridium Family Office und dem European Super Angels Club ins Leben gerufen. Als Stiftungsvorstände agieren Berthold Baurek-Karlic (Venionaire Capital) und Alexander Rapatz (Black Manta Capital). Mit der neuen Struktur soll das bereits etablierte Forum weiterentwickelt und jungen Gründer:innen der Zugang zu globalen Innovationsnetzwerken erleichtert werden. Wir haben mit Berthold Baurek-Karlic über die Hintergründe und Ziele gesprochen.


brutkasten: Die Stiftung wurde schon 2023 angekündigt, offiziell gegründet wird sie erst jetzt: Welche Umstände haben zu dieser zweijährigen Übergangsphase geführt?

Berthold Baurek-Karlic: Eine gemeinnützige Stiftung zu gründen ist ein langwieriger Prozess und erfordert auch die Zusammenarbeit mit mehreren Behörden. Dies hat länger gedauert als wir es ursprünglich angenommen hatten. Weiters gab es nach dem Gemeinnützigkeitsreformgesetz, das mit 2024 in Kraft trat, einen hohen Andrang, der die sowieso schon knappen Ressourcen der Behörden nochmals weiter belastete. Auch wenn es länger dauerte als erwartet, freuen wir uns, jetzt endlich unsere Arbeit aufzunehmen und Bildungsinitiativen zu starten, die den Standort Österreich langfristig stärken werden.

Hat sich das Konzept seit der ersten Ankündigung und der Gründung inhaltlich verändert?

An unserer Motivation, eine gemeinnützige Stiftung zu gründen, und an ihrem Grundkonzept hat sich nichts geändert. Seit jeher war es unser Ziel, den Wirtschafts-, Technologie- und Wissenschaftsstandort Österreich zu stärken. Dies gelingt aber nur, wenn man in Bildung und Ausbildung investiert. In Österreich gibt es eine große Anzahl an Hidden Champions. Wir wollen der nächsten Generation die Möglichkeit geben, ihre innovativen Ideen in die ganze Welt zu tragen und zum Aushängeschild Österreichs und auch Europas zu werden. Das heißt aber nicht, dass wir uns abkapseln, ganz im Gegenteil. Wir setzen stark auf die globale Vernetzung. Wir wollen dieses Silo-Denken aufbrechen und verhindern, dass eine österreichische Innovation auf der Strecke bleibt oder ins Ausland abwandern muss, nur weil es dafür in Österreich nicht die richtigen Partner gibt. Unter dem Motto „Collaborate to innovate“ wollen wir es jungen, innovativen Geistern ermöglichen, mit den richtigen Partnern auf der ganzen Welt zusammen zu kommen und dabei „Made in Austria“ beibehalten.

Wurde auch das Business Angel Institute eingegliedert bzw. welchen Stellenwert hat es künftig?

Bildung ist das Fundament der World Venture Forum Stiftung. Mit dem Business Angel Institute bilden wir seit mittlerweile 13 Jahren zertifizierte Business Angels aus, geben Tipps zu nachhaltigen und innovativen Investitionen und Gründungen. Das deckt sich exakt mit unserem Stiftungszweck, weswegen das Business Angel Institut voll in die Obhut der Stiftung übergeht.

Wie haben sich in den letzten zwei Jahren die Rahmenbedingungen für Investoren aus deiner Sicht verändert?

Die Rahmenbedingungen haben sich nicht stark verändert, wenngleich wir hier nicht von Investoren, sondern von Spender:innen sprechen. Sie erhalten keinen klassischen Return und können so aus einer Million nicht zwei machen. Wer allerdings die Stiftung unterstützt, stärkt damit eine junge, innovative, aufstrebende und wissenschaftlich fundierte Wirtschaft und ihre Ideen. Und davon profitieren wir letztlich als ganzes Land. Das Einzige, das sich mit der Eintragung der Stiftung und der Aufnahme unserer Arbeit nun ändert: Aus zahlreichen Interessensbekundungen werden jetzt Spenden.

Mit welchen Partnern – ob Startups, etablierte Unternehmen oder öffentliche Institutionen – stellst du dir idealerweise eine Zusammenarbeit vor, und welche Formen der Co-Creation sind für dich denkbar?

Wir freuen uns über jegliche Partner:innen, die an einen nachhaltigen und innovativen Standort Österreich glauben und dabei mitwirken möchten, diesen zu schaffen. Im Bildungsbereich arbeiten wir schon lange mit der Hochschule Fresenius zusammen und Interesse zur Kooperation im Bereich Angel und Venture Finance Education besteht auch von Seiten anderer internationaler Universitäten. Ein weiterer wichtiger Punkt ist das internationale Netzwerk, das wir einerseits mit Venionaire, andererseits mit dem European Super Angels Club, seit über einem Jahrzehnt aufgebaut haben. Dieses Netzwerk nutzen wir auch in der Stiftung für Partnerschaften und den internationalen Austausch.

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Die Quivo-Geschäftsführer Christoph Glatzl und Georg Weiß | (c) Quivo
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Mit rund 55 Millionen Euro Schulden war die Insolvenz des von Katharina Schneider aufgebauten Unternehmens MediaShop im Februar eine der aufsehenerregenderen in diesem Jahr. Zunächst war die Zukunft der Marke ungewiss. Mit dem Unternehmer Christoph Bauer mit One Spot fand sich ein Käufer, der die Marke seit Anfang Juni weiterführte und neu aufstellte. Im Zuge dessen wird nun auch die Logistik am deutschen Markt umgestellt. Dieser ist mit rund der Hälfte der Gesamtumsätze der wichtigste Einzelmarkt des Unternehmens. In den drei Monaten nach dem Neustart Anfang Juni wurden dort nach Unternehmensangaben mit rund 60.000 Bestellungen mehr als vier Millionen Euro Umsatz erzielt.

Neuer Partner im Fulfillment ist das vom österreichischen Gründer-Duo Christoph Glatzl und Georg Weiß geführte Scaleup Quivo, das stark auf Automatisierung setzt. Dieses war 2022 aus der Fusion des Wiener Startup Logsta mit der deutschen Ancla hervorgegangen und hat seinen formellen Hauptsitz in Deutschland, seinen operativen Sitz aber in Wien. Vor etwa einem Jahr machte es mit einer großen Finanzierungsrunde auf sich aufmerksam, wie brutkasten berichtete.

Logistische Herausforderungen durch kurzfristige Peaks

Mit der Logistik-Umstellung von MediaShop in Deutschland werden nun rund 10.000 Paletten Ware vom bisherigen Zentrallager in Augsburg nach Frankfurt verlagert. Das ist aber nur die erste von vielen zu erwartenden logistischen Herausforderungen, will das Teleshopping-Unternehmen seine Präsenz am deutschen Markt doch noch stärker ausbauen. So steigerte man die TV-Einschaltungen in Deutschland seit dem Neustart von zwischenzeitlich nur drei Sendern auf zwölf. International stieg die Zahl der Sender seit dem Neustart von 16 in zwei Ländern auf 50 in fünf Ländern.

Das Geschäftsmodell von MediaShop stelle enorme Anforderungen an Geschwindigkeit und Flexibilität, sagt Quivo-CEO Weiß: „Bei MediaShop zeigt sich besonders deutlich, dass modernes Fulfillment weit mehr ist als Lagerfläche und Paketversand. Wenn innerhalb kurzer Zeit große Bestellmengen eingehen, müssen Technologie, Prozesse und Personal nahtlos zusammenspielen.“ Die Plattform verbinde unterschiedliche Systeme und automatisiere große Teile der Bestellabwicklung. „Gleichzeitig haben wir die Infrastruktur und die personellen Ressourcen, um auch kurzfristige Nachfragespitzen abzufangen. Genau für solche Wachstumsszenarien haben wir Quivo aufgebaut“, so der Gründer.

„Wir haben MediaShop in sehr kurzer Zeit neu aufgestellt und sind wieder auf Kurs. Dafür brauchen wir eine Logistik, die nicht nur unser heutiges Bestellvolumen zuverlässig bewältigt, sondern auch mit uns wachsen kann“, kommentiert der neue MediaShop-Inhaber und -Chef Christoph Bauer. „Mit Quivo haben wir einen Partner gefunden, der Technologie, operative Erfahrung und die notwendige Skalierbarkeit verbindet. Das ist für uns insbesondere in einem Geschäft entscheidend, in dem Nachfrage sehr kurzfristig entstehen kann.“

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