07.12.2018

Sandra Thiers Digitalagentur diego5 expandiert nach Deutschland

Österreichs erstes Influencer-Unternehmen wagt den Schritt nach Deutschland. Im Gespräch mit dem brutksten erzählt die ehemalige "RTL 2 News-Anchorwoman" und diego5 Geschäftsführerin Sandra Thier über ihr Vorhaben und die Vorteile des deutschen Markts.
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diego5, Sandra Thier, RTL 2, RTL II, Kobza
(c) Lisa Maria Trauer - Rudi Kobza und Sandra Thier visieren mit ihrer Digitalagentur diego5 einen großen Markt an.

Sandra Thier führt ein bewegtes Leben. Sie ist Journalistin, Moderatorin und Unternehmerin. Sie hat in ihrer Laufbahn bisher für Ö3, ATV und zehn Jahre lang für RTL 2 gearbeitet. 2014 machte sich die Unicef-Botschafterin selbstständig und gründete mit Rudi Kobza, Eigentümer der Kobza Media Group, das erste österreichische Multi-Plattform Network diego5 studios. Vier Jahre später soll nun ein großer Markt erobert werden: Deutschland.

+++ Sandra Thier und Elena Traindl über die Influencer Video Con 2018 +++

diego5: über drei Millionen Abonnenten

Der Digital-Video-Spezialist diego5 studios umfasst Angebote wie Branded Content, Influencer-Marketing, TV-Produktion und Events. Das Unternehmen gilt als ein wichtiger Treiber der Digital Video Revolution im deutschsprachigen Raum. Darüber hinaus ist es Partner für Kreative, Unternehmen, Institutionen, Medien und die Werbewirtschaft. Mit 3,2 Millionen Abonnenten und über 280 Millionen Video-Aufrufen wächst das Wiener Unternehmen gemeinsam mit seinen 80 vorwiegend österreichischen Web-Influencern kontinuierlich.

Influencer als fixer Marketing-Bestandteil

Neben Größen wie Joanna Zhou von „Cute Life Hacks“ und Celina Blogsta, die beide seit Beginn bei diego5 unter Vertrag sind, kamen noch Künstler wie Sam Masghati, die Lochis oder Kiki’s World hinzu. „Wir freuen uns über den großen Anstieg. Der Andrang auf Webstars ist enorm – vor allem wird die Zahl der Fans immer größer. Darum sind auch zunehmend unsere Werbepartner derart begeistert, dass Influencer Marketing bereits einen fixen Bestandteil in ihrem Marketing-Mix darstellt“, so die Gründerin einst im Brutkasten-Interview. Nun ist man bereit für die Expansion: Seit dem Sommer des heutigen Jahres gibt es einen deutschen Ableger mit Sitz in München.

Deutschland: „Mehr Budget und offener für Kreation“

Bisher lotete man das Nachbarland „undercover“ aus, wie es die gebürtige Grazerin nennt. Gesprächen mit potentiellen Kunden und Mitarbeitern folgt nun die eigentliche Geschäftstätigkeit. Man wolle sich für Unternehmen als der Partner für digitale Transformation positionieren. „Deutschland ist ein größerer Markt, bietet größere Budgets und ist offener für Kreation und Umsetzung“, sagt Thier. „Mir fällt etwa kein heimischer ‚Edeka-Case‘ ein“. Anmerkung: Hiebei handelt es sich um ein Youtube-Video, bei dem der deutsche Unternehmensverbund im Einzelhandel Edeka ein Statement gegen Ausländerfeindlickeit macht. Und dabei zeigt, wie leer ein Supermarkt aussehe, der nur mit deutschen Produkten gefüllt wäre.

Organisch wachsen

Hierzulande besteht das diego5-Team aus 25 Angestellten und diversen Freelancern und Praktikanten. In Deutschland möchte man mit ein bis zwei Mitarbeiter starten und „organisch wachsen“, wie Thier erzählt. An die große Konkurrenz am deutschen Markt verschwendet die Gründerin keine Sorgen: „Die bisherigen Reaktionen sind sehr positiv“.

Sandra Thier, Gründerin und CEO von diego5 studios und der Webstar  im Livegespräch über ihre Geschäftsfelder, das Influencer-Marketing und die Webstars-Tour


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Giacomo Benassi (Kinsect), Matthäus Kircher (Solos) und Manuel Mairinger (Reploid) zeigen, wie Startup-Kollaboration funktionieren kann. © NOI Techpark/Marco Parisi

Dieser Text ist zuerst im brutkasten-Printmagazin von August 2026 „Aufbrechen“ erschienen. Eine Download-Möglichkeit des gesamten Magazins findet sich am Ende dieses Artikels.


Es wurlt in der Larvenkiste des österreichischen Scaleups Reploid: Larven der Schwarzen Soldatenfliege werden hier seit einigen Tagen gemästet. Sie ahnen natürlich nicht, dass sie bald eine wichtige Rolle im Kreislaufkonzept dreier Jungunternehmen spielen werden.

Zuerst aber dorthin, wo alles begonnen hat: an den NOI Techpark in Bozen, Südtirol. Auch hier wurlt es, nur bringen statt Insektenlarven Startups Leben in das 12 Hektar große Innovationsviertel. Aktuell arbeiten 76 Unternehmen, 37 Startups, drei Forschungsinstitute, vier Fakultäten der Freien Universität Bozen und insgesamt 2.400 Menschen hier gemeinsam für nachhaltigen Fortschritt. Man tüftelt in den Laboren an Prototypen, vernetzt sich auf Events, feilt beim Spaziergang über den 2017 eröffneten Campus, der sich inzwischen stark vergrößert und weiterentwickelt hat, an der nächsten Idee. Was Gründer:innen hier aber am meisten schätzen: das weitreichende Netzwerk.

Nicht gesucht – trotzdem gefunden

„Wer am NOI Techpark Fuß fasst, bekommt Zugang zu etablierten Akteuren und Investoren in Südtirol“, erklärt Manuel Mairinger, Managing Director und CEO von Reploid Italia. Das ursprünglich aus Österreich stammende Insekten-Scaleup hat sich bei der Expansion nach Italien wegen der hervorragenden Lage zwischen Österreich und Mailand für das Acceleration & Scale-up Programme des NOI Techpark als Launchpad entschieden. „Das NOI baut als renommierter Partner die Brücke zu potenziellen Kund:innen und Partner:innen, ganz ohne die Hilfe von Plattformen wie LinkedIn“, fügt der Reploid-Italia-CEO hinzu.

Mairinger weiß genau, wovon er spricht. Reploid Italia ist eines von drei am NOI inkubierten Jungunternehmen, die zeigen, wie Startup-Kollaboration funktionieren kann. Initiiert hat die Zusammenarbeit Sonja Tetter vom Team des Start-up Incubator. „Wir arbeiten sehr eng mit unseren Startups zusammen, kennen ihre Geschäftsmodelle, Technologien und Herausforderungen. Deshalb sehen wir relativ früh, wo eine Kooperation wirklich Mehrwert schaffen könnte“, erläutert Tetter. Gemeinsam wollen die drei Unternehmen zur regionalen Kreislaufwirtschaft in Bozen beitragen. Und hier kommt die Larve der Schwarzen Soldatenfliege wieder ins Spiel.

Die Schwarze Soldatenfliege als Gamechanger

Die Larve der Schwarzen Soldatenfliege wird rund 25 Millimeter groß. © Reploid/Fabian Fallend

Nach nur einer Woche sind die Larven laut Reploid mit rund 25 Millimetern ausgewachsen und überzeugen mit innerer Größe: Sie sind sehr reich an tierischem Protein. Das aus ihnen gewonnene Mehl kann einen Proteingehalt von über 62 Prozent aufweisen.

Das macht die Larven zum potenziellen Proteinersatz, vor allem im Futtermittelbereich, etwa für Fische. „Wir züchten Welse, das sind Fleischfresser“, erklärt Matthäus Kircher, Gründer von Solos. Das Südtiroler Startup betreibt Aquaponik und verbindet Fischzucht mit dem Anbau von Kräutern und Salat.

Das Prinzip dahinter: Die Fische reichern das Wasser durch ihre Ausscheidungen mit natürlichen Nährstoffen an, ein Biofilter leitet es ins Pflanzenbecken, wo Salat und Kräuter die Nährstoffe aufnehmen und das Wasser reinigen, bevor es zurück zu den Fischen fließt. So entsteht ein geschlossener Kreislauf im Zeichen der Nachhaltigkeit.

Ein Punkt war Kircher dabei allerdings von Anfang an ein Dorn im Auge: das mit Fischmehl angereicherte Futter. „Bereits vor vier Jahren haben wir uns gefragt, wie wir tierische Proteine ohne Fischmehl verfüttern können“, erzählt er. Insekten bildeten schließlich die Lösung. Eine Studie ergab: Futtermischungen auf Insektenmehlbasis, angereichert mit Spirulina-Algen, lassen den Omega-3-Gehalt im Fischfilet höher ausfallen als bei herkömmlich gefütterten Tieren.

Aus Reststoffen wird Futtermittel

Insektenlarven werden durch die Kooperation zu nachhaltigem Fischfutter © NOI Techpark/Marco Parisi

Hier kommt Reploid ins Spiel: Das Unternehmen implementiert modulare Anlagen, die sogenannten „ReFarm-Units“. Dort verarbeiten Larven der Schwarzen Soldatenfliege regionale Reststoffe zu Insektenprotein und -fett für Futtermittel- sowie Industrieanwendungen. Ein weiteres Nebenprodukt ist der Insektenfraß, also die Ausscheidungen, aus denen organischer Dünger entsteht. Den dritten Baustein liefert Kinsect: Das italienische Startup entwickelt Technologien für die industrielle Zucht der Fliege und liefert Eier sowie Junglarven.

Am Standort von Solos in Tramin greifen so die unterschiedlichen Kompetenzen ineinander: Die von Kinsect bereitgestellten Larven werden in einer Insektenmastanlage von Reploid mit Lebensmittelnebenprodukten wie Apfeltrester, Kartoffelschalen oder Altbrot gefüttert. Solos nutzt sie anschließend als nachhaltiges Futtermittel in der Fischzucht. So soll Fischmehl ersetzt, sollen organische Reststoffe sinnvoll verwertet werden. Neben den ökologischen Vorteilen ergeben sich durch das Vorzeigeprojekt und den realen Usecase natürlich auch wirtschaftliche Vorteile, von denen die drei Startups profitieren.

Drei Ansätze, ein gemeinsamer Nenner

Es ist eine Kooperation im Namen der Kreislaufwirtschaft, die ohne den NOI Techpark nie zustande gekommen wäre. „Am NOI Techpark konnte diese Synergie organisch entstehen“, fasst Kinsect-CEO Giacomo Benassi zusammen. „Dank der Zusammenarbeit im selben Ökosystem konnten wir viel schneller Vertrauen zueinander aufbauen.“ Der NOI Techpark ermöglicht damit nicht nur grenzüberschreitende, sondern auch branchenübergreifende Vernetzungen, die Startups entscheidend weiterbringen.

Und so wurlt es weiter am NOI Techpark. Jedes Jahr kommen neue Startups zur NOI-Community dazu. Für den Herbst-Batch kann man sich noch bis zum 5. Oktober bewerben – vielleicht entsteht daraus bald die nächste erfolgreiche grenzüberschreitende Startup-Kooperation.

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