05.06.2023

Die Wiener Tech-Meetup-Szene braucht Deine Hilfe

Im Gastkommentar erklärt Rob Axelsen von Dynatrace, was die Wiener Tech-Meetup-Szene bräuchte, um noch besser zu werden.
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Rob Axelsen | (c) Dynatrace
Rob Axelsen | (c) Dynatrace
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Stell dir vor, du hast neu mit einer Aktivität begonnen – sagen wir Salsa Tanzen oder Schach. Oder du bist schon mit dem Thema vertraut, vielleicht sogar ein:e Expert:in. Aber du hast niemanden, mit dem du an dieser Aktivität teilnehmen kannst. Was tust du dann? Einer Meetup-Gruppe beitreten und an einem Meetup-Event teilnehmen natürlich!

Die Teilnahme an einem Meetup-Event kann eine magische Erfahrung sein. Ich war vor etwa zehn Jahren das erste mal bei einem Meetup dabei, kurz nachdem ich nach Wien gezogen war. Es ging um das Thema WordPress (ein Tool, mit dem man Websites und Blogs erstellen kann), und der Name der Gruppe war WordPress Meetup Vienna. Es fand im wunderbaren (inzwischen geschlossenen) Co-Working-Space “sektor5” statt, und ich erinnere mich noch gut an die Aufregung, als ich mich zum ersten Mal auf den Weg zu dieser Veranstaltung machte. “Gehe ich in die richtige Richtung?”, “ist das die richtige Tür?”, “oh schön, ein Schild!” – alles Gedanken, die mir auf dem Weg dorthin kamen.

Eine lange, aber angenehme Reise, mit vielen Erfahrungen und schönen Momenten

Ich wurde von einem freundlichen Gastgeber, einem Schild, auf das ich meinen Namen schreiben konnte, und einer offenen Atmosphäre empfangen. Das Programm bestand aus zwei Vorträgen zum Thema WordPress, gefolgt von einem geselligen Beisammensein. Ich war nicht der kontaktfreudigste Teilnehmer der Veranstaltung, aber es hat mir sehr gut gefallen. Und ich verließ die Veranstaltung mit einem Lächeln im Gesicht und plante, wiederzukommen.

Seitdem habe ich an über 100 Meetups teilgenommen, von denen ich die meisten selbst organisiert habe. Es war eine lange, aber angenehme Reise, mit vielen Erfahrungen und schönen Momenten. Ich hatte Redner:innen, die nicht erschienen sind, Änderungen des Veranstaltungsortes in letzter Minute und logistische Probleme – für die wir alle eine Lösung gefunden haben. Aber vor allem blicke ich auf großartige Erinnerungen zurück, auf neue Freundschaften, darauf, wie aus Anfänger:innen erfahrene Redner:innen wurden, darauf, dass ich viel von unglaublichen Menschen gelernt habe, und darauf, dass ich gleichgesinnte IT-Fachleute kennengelernt und Kontakte geknüpft habe.

So steht es um die Tech-Meetups in Wien

Und heute? Ich möchte einige Beobachtungen zum Status der Tech-Meetups in Wien teilen, und zeigen, wie wir es noch besser machen können.

Die Meetup-Szene floriert wieder, nachdem sie in den letzten Jahren aufgrund der Covid19-Pandemie einen deutlichen Dämpfer erhalten hat. Während einige Meetup-Gruppen verschwunden sind, haben sich andere an die neuen Zeiten angepasst. Die größte Veränderung, die ich festgestellt habe, ist, dass es mehr hybride Treffen gibt als je zuvor – es wird sogar fast erwartet, während es früher ein Novum war.

Zweitens bieten immer mehr Unternehmen an, Meetups in ihren Geschäftsräumen zu veranstalten, was zum Teil darauf zurückzuführen ist, dass es immer weniger kostenlose Räumlichkeiten gibt. Jede Partei muss in irgendeiner Weise von einer Standortpartnerschaft profitieren, und immer mehr Unternehmen sehen darin eine Win-Win-Chance.

Die Organisatoren von Meetup-Gruppen sind auf der Suche nach Standorten, die Teilnehmer:innen freuen sich über kostenloses Essen und Getränke, und die Unternehmen freuen sich über eine „organische“ Gelegenheit zu erwähnen, dass sie Mitarbeiter:innen suchen.

So könnte man es noch besser machen

Ich habe aber auch einige Dinge beobachtet, wie die Meetup-Szene noch besser werden könnte. Wir haben bereits die Möglichkeit angesprochen, dass Sponsoren Meetups an ihren Standorten veranstalten können. Ich würde mich freuen, wenn mehr Unternehmen diese Möglichkeit wahrnehmen würden – was sich auch gut mit dem zunehmenden Fokus auf Employer Branding in der Branche vereinbaren lässt. Die Bereitstellung eines Raums für Meetups kann für Unternehmen eine großartige Möglichkeit sein, ihre Kultur und ihre Einrichtungen unverfälscht zu präsentieren und zu zeigen, dass ihnen die Tech-Community im Allgemeinen am Herzen liegt.

Ein weiterer Bereich, der den meisten Meetup-Organisator:innen am Herzen liegt und bei dem Hilfe immer willkommen ist, sind Redner:innen. Während erfahrene Organisator:innen oft auf ein Netzwerk ehemaliger Speaker:innen zurückgreifen können, benötigen neue Meetup-Gruppen oft Hilfe bei der Suche nach Vorträgen für ihre Veranstaltungen. Neue Redner:innen sind in den Meetup-Gruppen häufig besonders willkommen, und ich würde jedem empfehlen, sich einfach zu melden, wenn man einen Vortrag halten will.

Und schließlich kann die Meetup-Szene nur davon profitieren, wenn sich mehr Organisator:innen – insbesondere Gastgeber:innen – beteiligen und helfen. Obwohl die Organisation eines Treffens eine lohnende Erfahrung sein kann, haben viele Organisator:innen Schwierigkeiten, die Zeit und die Ressourcen zu finden, um dies konsequent zu tun. Co-Gastgeber und Organisator:innen, die sich die Arbeit teilen, können einen großen Unterschied machen. Und es gibt immer die Möglichkeit, eine eigene Meetup-Gruppe zu gründen, wenn man Lust dazu hat.

Trotz der genannten Herausforderungen floriert die Wiener Tech-Meetup-Szene weiterhin. Im Laufe der Jahre haben die Meetups den Teilnehmer:innen die Möglichkeit geboten, zu lernen, Kontakte zu knüpfen und dauerhafte Freundschaften zu schließen. Meetups wie das freeCodeCamp Vienna, Vue.js Vienna, Vienna.go Golang und ViennaJS (bei dem der Autor des Artikels einer der Organisatoren ist) bieten Technikbegeisterten eine Plattform, um ihr Wissen zu teilen und sich mit Gleichgesinnten zu treffen. Bei vielen dieser Treffen sind neue Redner:innen mit ihren Themen aufgeblüht und haben ihr Selbstvertrauen gestärkt, was durch die unterstützende Gemeinschaft möglich gemacht wurde.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Wiener Tech-Meetup-Szene eine lebendige Gemeinschaft ist, der es weiterhin gut geht. Allerdings könnte sie in Bereichen wie der Suche nach Redner:innen, Standortsponsor:innen und Organisator:innen mehr Hilfe gebrauchen. Meetup-Gruppen sind immer auf der Suche nach neuen Talenten und Unterstützung, um Veranstaltungen erfolgreich durchführen zu können. Die Wiener Meetup-Szene ist eine großartige Möglichkeit für Technikbegeisterte, zu lernen, sich auszutauschen und gemeinsam zu wachsen. Wenn du also daran interessiert bist, an einem Meetup teilzunehmen, als Organisator zu helfen, einen Ort zur Verfügung zu stellen oder einen Vortrag zu halten – zögere nicht, dich zu engagieren.

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Anton Osika, Gründer und CEO von Lovable, bei der Slush 2025 in Helsinki | (c) brutkasten / Martin Pacher

Lovable hat am Mittwoch eine Series C über 400 Mio. US-Dollar bekanntgegeben. Die Bewertung des schwedischen Unternehmens liegt damit bei 13,3 Mrd. US-Dollar. Lead-Investor ist Menlo Ventures, co-angeführt wird die Runde vom Scaleup Europe Fund, der von EQT gemanagt wird.

Neu an Bord kommen laut Aussendung Balderton Capital und Carmignac aus Europa, Kaszek Ventures und LTS Growth aus Lateinamerika, Tencent und World Innovation Lab aus Asien sowie Regent aus den USA. Von den bestehenden Investoren gehen unter anderem Accel, Antler, CapitalG, DST Global, Evantic Capital, HubSpot Ventures und Salesforce Ventures mit.

60 Millionen Projekte seit dem Start

Lovable lässt Nutzer:innen Software per Chat bauen, ohne Programmierkenntnisse. Seit dem Start im November 2024 wurden nach Unternehmensangaben mehr als 60 Millionen Projekte angelegt. Die damit gebauten Apps kommen demnach zusammen auf über 900 Millionen Besuche pro Monat.

Innerhalb des ersten Jahres erreichte Lovable eigenen Angaben zufolge Mitarbeiter:innen bei der Hälfte der Fortune-500-Konzerne, mittlerweile seien es knapp zwei Drittel. Als Referenzkund:innen nennt das Unternehmen unter anderem Adidas, Nvidia und die Deutsche Telekom sowie Zendesk, Handshake und Checkr.

Laut einer Nutzer:innenbefragung, auf die sich Lovable beruft, bauen fast acht von zehn Nutzer:innen ein Unternehmen oder ein Nebenprojekt, das sie monetarisieren wollen. Mehr als ein Drittel davon erwirtschafte bereits Umsatz.

Vom App-Baukasten zur Betriebssoftware

Die Positionierung verschiebt sich mit der Runde: Lovable will nicht mehr nur das Werkzeug sein, mit dem Software entsteht, sondern jenes, mit dem Unternehmen laufen. Seit der Series B im Dezember 2025 hat das Unternehmen Payment-Funktionen, SEO- und AI-Search-Tools sowie Integrationen zu Google Workspace, Microsoft 365, Salesforce, Stripe und ElevenLabs ergänzt. Dazu kamen automatisierte Security-Scans, Governance-Funktionen und die AIUC-1-Zertifizierung für KI-Agenten.

Drei Prioritäten nennt Lovable für die kommenden Monate. Erstens soll das Produkt proaktiver werden und Aufgaben erkennen und übernehmen, ohne dass Nutzer:innen sie anstoßen müssen. Zweitens will das Unternehmen sein System darauf trainieren, welche Bauentscheidungen zu erfolgreichen Produkten führen, gemessen an Umsatz, verbesserten Workflows und Unternehmenswachstum. Modellseitig bleibt Lovable bei einem Multi-Model-Ansatz und will weiter offene Modelle nachtrainieren. Drittens soll das Team heuer auf rund 450 Personen wachsen, vor allem in Machine Learning, Produkt, Infrastruktur und Security. Der Hauptsitz bleibt Stockholm, ausgebaut wird in London, Boston, San Francisco und New York.

Wie weit der Anspruch reicht, zeigt ein Kundenbeispiel aus der Aussendung: Beim US-Unternehmen Nursa baute ein Produktverantwortlicher ein neues Enterprise-Produkt an einem Wochenende, danach wurde Lovable auf über 200 Mitarbeiter:innen ausgerollt. Aktuell ersetze das Unternehmen zehn SaaS-Systeme durch selbst gebaute Tools.

Testfall für den europäischen Wachstumsfonds

Für Europa ist vor allem der Co-Lead relevant. Der Scaleup Europe Fund wurde von der Europäischen Kommission gemeinsam mit europäischen Investoren aufgesetzt und im Juni beim European Innovation Council Summit in Brüssel präsentiert. Der Fonds hat ein Zielvolumen von fünf Milliarden Euro, wird von EQT unabhängig und marktbasiert gemanagt und soll die Lücke bei großvolumigen Wachstumsfinanzierungen schließen, wegen der europäische Tech-Unternehmen bislang häufig auf US-Kapital angewiesen waren. Zu den Zielbranchen zählen neben Quanten- und Halbleitertechnologien, Robotik, Energie- und Weltraumtechnologien auch Künstliche Intelligenz.

Bemerkenswert ist das Tempo. Bei der Präsentation im Juni hieß es noch, die ersten Investments seien für Herbst 2026 geplant. Lovable zählt laut Aussendung nun zu den ersten Beteiligungen des Fonds, das allererste Investment war es allerdings nicht.

Victor Englesson, Partner bei EQT und Co-Head des Scaleup Europe Fund, verweist in der Aussendung darauf, dass Anton Osika, Fabian Hedin und ihr Team eines der ambitioniertesten und am schnellsten wachsenden KI-Unternehmen aufgebaut hätten. Genau dafür sei der Fonds geschaffen worden. Matt Murphy, Partner bei Menlo Ventures, argumentiert, Lovable adressiere jene Milliarden Menschen, die Ideen hätten, aber bislang an der technischen Umsetzung scheiterten.

Osika selbst hatte diese Europa-Perspektive bereits im vergangenen November auf der Slush in Helsinki betont. „Europa ist in vielerlei Hinsicht ein besserer Ort, um ein KI- oder Tech-Unternehmen aufzubauen“, sagte er dort auf der Hauptbühne.

Bemerkenswert bleibt dabei ein Detail der Investorenliste: Mit Tencent steigt zeitgleich ein chinesischer Konzern ein. Der Anspruch, ein europäisches Tech-Unternehmen mit europäischem Kapital zu skalieren, trifft damit in derselben Runde auf globale Beteiligungsstrukturen.

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