01.12.2015

Die Top 10 Erfindungen aus Österreich 2015

Von smarter Beleuchtung bis hin zum Undercover-E-Bike: Österreich war heuer erfinderisch! Der Brutkasten hat die besten Hardware-Produkte des Jahres zusammengefasst.
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(c) Mikme

Fluxo

(c) Luke Roberts, Fluxo ist eine smarte Lampe, die teilweise automatisiert funktioniert
(c) Luke Roberts, Fluxo ist eine smarte Lampe, die teilweise automatisiert funktioniert

Die ehemaligen Unternehmensberater Robert Kopka und Lukas Pilat haben unter dem Firmennamen LukeRoberts die smarte Lampe Fluxo entwickelt, mit der das Licht in einem Raum an jede beliebige Stelle gelenkt werden kann. Das Besondere ist nicht nur die Steuerbarkeit von Lichtsituationen. Die Lampe ist lernfähig und schaltet automatisch bestimmte Lichtsituationen ein – und sie ist die erste smarte Lampe, die sich sehen lassen kann: Beim London Design Award war immerhin ein „Silver“-Plätzchen drin.

Playbrush

© Playbrush: Langeweile beim Zähneputzen gehört der Vergangenheit an.
© Playbrush: Langeweile beim Zähneputzen gehört der Vergangenheit an.

Die Zahnbürste als Gamecontroller für eine Spiele-App – damit will das Startup Playbrush Kinder zu Zahnputz-Fans machen. Wird richtig – also weder zu schnell, noch zu langsam – geputzt, bewegt sich die Figur problemlos durch das Spiel. Entwickelt wurde der Zahnbürsten-Controller zwar in London, aber Gründer Paul Varga ist Österreicher.

Robo Wunderkind

Robo Wunderkind kann von Vorschulkindern programmiert werden

Noch einmal Lernspielzeug: Robo Wunderkind bietet eine Roboter-Version klassischer Bauklötze an. Das Spielzeug funktioniert ähnlich wie Lego, in den Bausteinen steckt jedoch Elektronik, die das Bastelergebnis zu einem Roboter macht.

Mikme

(c) Mikme
(c) Mikme

Mikme soll die GoPro der Mikrofone werden: Gründer Philipp Sonnleitner will höchste Aufnahmequalität mit einfachster Bedienung kombinieren. Das kleine Mikrofon-Kastl lässt sich über einen einzigen Knopf bedienen und mit einem Smartphone koppeln. Über eine passende App kann die Aufnahme abgemischt und verschickt werden.

Kiweno

(c) kiweno. Das Gründer-Team von Kiweno räumte beim Futurezone-Award groß ab.
(c) kiweno. Das Gründer-Team von Kiweno räumte beim Futurezone-Award groß ab.

Das Startup mit dem einfachen Nahrungsmittelunverträglichkeitstest hat heuer wahrscheinlich am meisten Aufmerksamkeit genossen.

Freygeist

Freygeist

Das Wiener Designer-E-Bike, dem man den Motor nicht ansieht, sammelte per Crowdfunding 1,5 Millionen Euro ein – einer der höchsten Beträge, die in Europa bisher erzielt wurden.

Nuki

(c) Nuki
(c) Nuki

Das smarte Türschloss sorgte heuer mit einem kleinen Namensstreit für Schlagzeilen: Nokia war etwas unglücklich mit dem Firmennamen Noki – um einem Rechtsstreit aus dem Weg zu gehen, benannten sich die Wiener einfach in Nuki um. Das Produkt bleibt dasselbe: ein smartes Kastl, das an das Türschloss andockt und dieses per Smartphone öffnen lässt.

Stabylizr

(c) Stabylizr
(c) Stabylizr

Stabylizr soll der kleinste Kamera-Stabilisator für die beliebte Action-Cam GoPro werden. Der Prototyp funktioniert rein mechanisch, weshalb günstiger produziert werden kann. Im Februar soll eine Kickstarter-Kampagne die erste Serienproduktion finanzieren.

SeniTurn

SeniTurn ist ein smarter Blinker für den Handrücken, der Radfahrer und Kinder im Straßenverkehr sichtbarer machen soll. Ein Bewegungssensor sorgt dafür, dass das Licht automatisch anfängt zu blinken, sobald der Träger ein Handzeichen gibt. Eine Blackbox-Funktion hilft bei der Rekonstruktion eines Unfallherganges.

AirSkin

Das Startupp Blue Danube Robotics hat mit AirSkin eine Art Haut entwickelt, mit der Roboter überzogen werden, um sie gegenüber ihrer Umwelt sensibel zu machen: AirSkin-Roboter reagieren sofort, wenn sie auf einen Widerstand stoßen, wodurch etwa Unfälle in der Produktion verhindert werden können.

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Oliver Hamedinger und Jade Bailey, Gründungsduo von Joyh © Joyh Design OG

Ein Spaziergang durch die Wiener Innenstadt oder den Gürtel genügt: Stuckfassaden, hohe Fenster, verzierte Erker – jene Gründerzeithäuser, wegen derer jährlich Millionen Tourist:innen nach Wien kommen. Fast alle sind heute begehrte Wohnadressen. Dasselbe Bild findet sich auch in vielen anderen europäischen Städten wieder, von Paris bis Berlin.

Doch während die Gebäude nach außen mit ihrer Schönheit glänzen verbirgt sich im Inneren ein Energieeffizienz-Alptraum. Rund 80 Prozent der österreichischen Gebäude stammen aus der Zeit vor der ersten OIB-Wärmeschutzrichtlinie, und liegen großteils in einer der schlechtesten Energieklassen. Die Sanierungsrate lag zuletzt bei 1,2 Prozent, denn aufgrund der Fassadenerhaltung scheitert es meist an der Genehmigung. Genau hier will das Wiener Startup Joyh ansetzen. Mit Sandfassaden aus dem 3D-Drucker will man die Gründerzeithäuser energietechnisch in die Neuzeit holen.

Designideen der dämmenden, 3D-gedruckten Fassaden © Joyh Design OG

Ideenfindung auf der Dubai Design Week

Die Idee dazu entstand zufällig: 2023 druckten und gestalteten die beiden Gründer:innen eine Sandskulptur für die Dubai Design Week. Tagelang stand sie in praller Sonne im Freien. „Wir haben gemerkt, dass sie sich beim Anfassen gar nicht aufgeheizt hat“, erzählt Mitgründer Oliver Hamedinger.

Der Grund liegt in der Porosität des Materials: „Der beste Wärmedämmstoff ist Luft“, erklärt Hamedinger – und 3D-gedruckter Sand enthält davon mehr als Beton oder Ton. Mit dieser Erkenntnis in der Tasche gründeten Oliver Hamedinger und Jade Bailey 2024 ihr Sanierungsstartup mit einer klaren Haltung: „Die Gebäude von 2050 stehen schon. Wir müssen nur einen neuen Weg finden, sie zu sanieren“, sagt Co-Founderin Bailey.

Die 3D-gedruckte Skulptur aus Sand auf der Dubai Design Week © Joyh Design OG

Ein Bauteil statt vieler Schichten

Joyh setzt hier mit seinem System „Brian“ an: mineralische Bauteile, gedruckt per Binder-Jetting aus Sand – demselben Verfahren, mit dem sonst Formen für den Stahlguss entstehen. Aktuell arbeitet man für den Druck der einzelnen Fassadenteile mit der voestalpine Foundry Group zusammen, die über die nötigen Maschinen verfügt.

Für die Sanierung wird die Fassade zuvor digital gescannt. So entsteht auch ein digitaler Zwilling, der vor allem bei Reparaturen interessant wird. Die einzelnen Fassadenelemente sind laut Hamedinger rund 12 bis 15 Kilogramm schwer“ die Größe, die ein Bauarbeiter allein auf der Baustelle handhaben darf“ und werden ohne Kleber ineinandergesteckt. Das ermöglicht laut Gründerduo nicht, nur eine simple Anbringung sondern auch einen separaten Austausch.

Eine vollständige thermische Sanierung kostet aktuell 600 bis 800 Euro pro Quadratmeter. Das ist zwar mehr als klassisches WDVS (Wärmedämmverbundsystem), eine mehrschichtige Konstruktion an der Außenseite von Gebäuden, die zur effektiven Wärmedämmung dient, für Gründerzeitfassaden, durch die ganzheitlich benötigte Abtragung allerdings ungeeignet. „Ein großer Teil des Wiener Altbestands fällt aus der Sanierungslogik heraus, weil die üblichen Systeme dort nicht infrage kommen. Genau diese Gebäude wollen wir erreichen“, sagt Mitgründerin Jade Bailey.

Erster Prototyp beim Ars Electronica Festival 2025: Die größte selbsttragende Wand aus 3D-gedrucktem Sand. © Joyh Design OG

Software soll skalieren

Die operative Sanierung soll allerdings nicht bei Joyh bleiben. Skalieren will man hingegen über die dazugehörige Plattform „D2P“, die aktuell aus den Gebäudedaten die fertigungsfertige Druckdateien erzeugt. Diese soll langfristig als Abo-Modell an Architekt:innen und Fertigungspartner:innen weltweit lizenziert werden. „Ein Produkt kann man kopieren. Ein System, das mit jedem Projekt dazulernt, nicht“, sagt Hamedinger.

Von Architektur und Technik zum Startup

Hamedinger bringt technisches Know-how mit, unter anderem aus seiner Zeit bei Siemens, Bailey ist ausgebildete Architektin mit Erfahrung in Österreich, Deutschland, Großbritannien und den USA. Finanziert haben die beiden ihr Startup bislang aus mehreren Quellen: Rund 30.000 Euro brachten sie privat ein, dazu kam eine FFG-Patentförderung. Zuletzt sicherte sich das Team 202.000 Euro aws-PreSeed-Deep-Tech-Förderung und gewann das nationale Finale des ClimateLaunchpad Austria.

Bevor ihr System auf reale Fassaden kommt, muss es sich noch durch Brandschutz-, Statik- und Frost-Tau-Prüfungen beweisen, erste Pilotprojekte sind für Anfang 2027 geplant. „Der eigentliche Test kommt erst, wenn wir es auf echte Fassaden bringen“, sagt Bailey. Ab Mitte desselben Jahres will das Gründerduo zusätzlich strategische Investor:innen an Bord holen.

Erster Prototyp-Scan eines Ornaments an einem Wiener Altbau © Joyh Design OG
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