09.02.2026
PERSONALIE

„Die schwerste Entscheidung“: Moritz Lechner tritt als CEO von New Fluence zurück

Mit nur 14 Jahren gründete er das Unternehmen. Nach einem erfolgreichen Pivot und einem Millionenexit nimmt Moritz Lechner nun Abschied von New Fluence und tritt als CEO zurück.
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Moritz Lechner | (c) New Fluence

„Das ist wahrscheinlich die schwerste Entscheidung, die ich bisher treffen musste“, schreibt Moritz Lechner in einem LinkedIn-Posting, das er am Donnerstagmorgen veröffentlichte. Er zieht sich als CEO von New Fluence zurück. Mit seinem Rücktritt endet ein weiteres Kapitel in der Gründerlaufbahn des jungen Österreichers.

Millionenexit nach drei Jahren

Lechner gründete 2017 im Alter von nur 14 Jahren „aus dem Kinderzimmer heraus“ das Startup Freebiebox und wurde damit zum jüngsten Gründer Österreichs. Vier Jahre später folgte gemeinsam mit Co-Founder Chris Pollak ein Pivot: Aus Freebiebox wurde New Fluence, ein Unternehmen, das sich auf die automatisierte Abwicklung von Micro-Influencer-Marketingkampagnen spezialisierte (brutkasten berichtete).

Drei Jahre nach dem Start gelang den beiden Gründern der Exit. New Fluence wurde an die internationale Agenturgruppe 1SP Agency mit Hauptsitz in Hamburg verkauft. Der Kaufpreis lag im Millionenbereich (brutkasten berichtete). Zum Zeitpunkt der Übernahme beschäftigte das Unternehmen rund 50 Mitarbeiter:innen, zählte Marken wie Coca-Cola, Beiersdorf, C&A oder Waterdrop zu seinen Kunden und erwirtschaftete ein siebenstelliges EBIT.

Persönliches Wachstum

Damals blieben Lechner und Pollak operativ an Bord. „Wir wollen beide Gas geben und die nächsten Wachstumsschritte gemeinsam mit dem neuen Partner gehen“, sagte Lechner zu diesem Zeitpunkt noch im brutkasten-Talk.

„Dieses Unternehmen bedeutet mir weit mehr, als ich jemals in einem LinkedIn-Post beschreiben könnte. Es war im Grunde mein ganzes Leben während meiner gesamten Teenagerzeit“, blickt Lechner zurück.  

„Klingt wie ein Traum, oder? Jung anfangen. Schnell wachsen. Die eigene Firma verkaufen. Geld verdienen“, heißt es weiter. Doch irgendwann komme der Punkt, an dem man sich frage: „Was gibt es jetzt noch zu tun?“

Reise geht nach San Francisco

Lechner beschreibt seinen Entschluss als inneren Drang nach einem erneuten Neuanfang. „Ich wusste immer, dass es einen Punkt geben würde, an dem ich den Drang verspüre, noch einmal ganz von vorn anzufangen. Um mir selbst zu beweisen, dass ich etwas noch Größeres aufbauen kann. Etwas, das das Leben von Millionen von Menschen wirklich verändert“, schreibt er.

Konkrete Details zu seinen nächsten Plänen verrät Lechner derzeit noch nicht. Der einzige Hinweis, den er gibt, ist folgender: „Ihr werdet mich wahrscheinlich in Zukunft viel öfter an einem magischen Ort namens San Francisco sehen.“ Sein Posting schließt er mit den Worten: „Neuanfänge sind schwer. Aber manchmal muss man etwas loslassen, das man liebt, um weiterzukommen.“ 

Robert Großekathöfer neu in der Geschäftsführung

Moritz Lechner bleibt New Fluence dennoch verbunden. Künftig wird er als Advisor im Hintergrund tätig sein und beim Aufbau des Sales-Teams unterstützen. Die operative Führung übernehmen Co-Founder Chris Pollak und Robert Großekathöfer.

Großekathöfer ist laut LinkedIn-Profil seit Oktober 2025 als Chief Commercial Officer (CCO) Teil der Geschäftsführung von New Fluence. Zuvor war er seit 2021 beim digitalen Logistikunternehmen Schüttflix tätig, zuletzt rund eineinhalb Jahre lang als Geschäftsführer.

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Alina Nikolaou, Co-Founder, Director und Kuratorin von TEDAI Vienna. | (c) Florentina Olareanu

Geoffrey Hinton, Peter Steinberger, Yukiyasu Kamitani, Kauna Ibrahim Malgwi und Nenad Tomašev von Google DeepMind stehen bei der dritten TEDAI in der Wiener Hofburg auf der Bühne. Ein Honorar bekommt keiner von ihnen. Stattdessen arbeitet Alina Nikolaou drei bis sechs Monate mit jedem Speaker am Skript, in zwei bis vier Calls, danach folgen Rhetorik-Coaching und ein Fact-Checking der Inhalte.

Im Interview erklärt die Co-Founder, Director & Curator der TEDAI, wie dieser Prozess abläuft, warum das Programm heuer gegensätzliche Positionen direkt nacheinander setzt und wie die Konferenz überhaupt nach Wien kam.


brutkasten: Wie kam die TEDAI nach Wien und nicht nach San Francisco?

Alina Nikolaou: Seit circa 2010 gibt es TEDxVienna, damals ein Verein, der eine eintägige Veranstaltung im Volkstheater organisiert hat. Aufgrund der kuratoriellen Qualität und der Reichweite der Talks hat sich Ende 2023 die Mutterkonferenz TED HQ bei uns gemeldet, mit der Idee, das TEDAI-Format nach Europa zu bringen. In San Francisco gab es das damals schon ein Jahr lang als Pilot. Interesse hatten viele Städte, die Klassiker wie London, Paris und Berlin. Wien ist ja keine klassische KI-Stadt, wie es Paris oder Zürich wären. Trotzdem haben wir uns nach mehreren Runden für Wien entschieden: wegen der inhaltlichen Ausrichtung, die sich wie ein roter Faden durch die letzten drei Jahre zieht, wegen Wien als Weltstadt und UN-Stadt, in die unterschiedlichste Disziplinen und Kulturen reisen, und wegen des Fokus auf Lebensqualität und auf Innovation, nicht um der Innovation willen, sondern um der Menschheit ein besseres Leben zu ermöglichen. Heuer sind wir die einzige TEDAI weltweit, weil die Organisatoren in San Francisco es strategisch nicht weiter vorantreiben wollten. Dort häufen sich so viele KI-Events, dass sich das in der DNA des Ökosystems absorbiert. Ein KI-Event in Europa sticht stärker hervor.

Wie hat sich das Programm inhaltlich entwickelt?

Im ersten Jahr lag der Fokus stark auf Grundlagenbildung. Große Sprachmodelle waren plötzlich da und wurden fleckenhaft, experimentell verwendet. Wir haben eine Einführung gegeben, für die Personen vor Ort und für jene, die die Talks später online sehen. Die zweite Ausgabe hatte das Augenmerk darauf, dass KI in der Arbeitswelt angelangt ist. Was bedeutet das strategisch für Unternehmen und für die Infrastruktur, auf der KI beruht, und was bedeutet es auf der Mikroebene für unser kritisches Denken? Dieses Jahr sehen wir verstärkt, wie KI in der Gesellschaft agiert, von Aktivismus für oder gegen KI bis zu Sicherheits- und geopolitischen Fragen und paradigmenwechselnden Fragen in der Medizin. Es ist das breiteste Programm, das wir je hatten. Wie ich immer sage: Dieses Jahr kuratieren wir für Kollision. Es wird viele Speaker geben, die gegensätzliche Meinungen vertreten, teilweise direkt nacheinander, sodass sich das Publikum am Abend selbst eine Meinung bilden kann. Genau dort entsteht Innovation.

Wer kommt zur TEDAI?

Die Zielgruppe ist divers, von der Wirtschafts- und Bildungswelt über Startups und KMU bis zu Konzernen, die anfangs zwei Personen geschickt haben und mittlerweile zwanzigköpfige Delegationen. Der gemeinsame Nenner: Es sind Entscheidungsträger:innen, die oft über Budget verfügen und über den Tellerrand hinausblicken möchten. Im ersten Jahr kamen fast 70 Prozent des Publikums von außerhalb Österreichs, die größten Delegationen aus Deutschland, UK und Frankreich. Im zweiten Jahr waren rund 40 Prozent aus Österreich, was für uns ein Erfolg war. Letztes Jahr waren 65 Länder vor Ort.

Was macht das Format aus?

Wir haben eine klare Regel: keine Demo-Booths, höchstens künstlerische Installationen oder spielerische Exhibits. Dafür gibt es am zweiten Tag parallel Workshops, Reflexionsrunden und sogenannte Ideas Adventures, bei denen wir Kleingruppen aus der Hofburg hinausschicken. Es gibt auch keine Speaking Fee. Stattdessen arbeite ich mit allen Speakern drei bis sechs Monate lang an ihren Talks, konkret in zwei bis vier Calls, in denen wir das große Thema aufmachen und immer weiter auf dieses eine Skript runterbrechen. Danach werden sie bis zur Sekunde vor der Bühne von Rhetorik-Coaches begleitet, dazu kommt ein rigoroses Fact-Checking. Einen TED Talk von Geoffrey Hinton oder Peter Steinberger wird man so auf keiner anderen Konferenz hören.

Wohin soll die Reise gehen?

Was ich immer stärker beobachte: Problemlösungsorientiertes Forschen bringt im KI-Bereich die spannendsten Innovationen hervor und bedeutet gleichzeitig das nachhaltigste wirtschaftliche Wachstum. Wir arbeiten an einer Plattform, die die grundlegenden Probleme dokumentiert, die Forschende und Gründer:innen derzeit am meisten beschäftigen, und diese im Rahmen von Veranstaltungen nach außen trägt. Also nicht nur ideenzentriertes Denken, wie bei TED Talks, sondern problemzentriertes Denken.


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