18.10.2021

„Die Höhle der Löwen“ mit EduTech, Fleischersatzpulver und Xylit

In dieser Folge der "Höhle der Löwen" sah man ein EduTech-Startup, das unter anderem Schüler mit Nachhilfelehrern verbindet, Seifenstreuer und eine Snus-Konkurrenz. Zudem setzte ein Gründerpaar auf ihre haltbare Fleisch-Alternative.
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Seitan, Höhle der Löwen
RTL / Bernd-Michael Maurer - Nicole und Bernd Sell überzeutten nicht bloß mit ihrem Fleischersatzpulver.
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Die ersten in der „Höhle der Löwen“ – die immer montags um 20.15 Uhr bei VOX sowie jederzeit auf Abruf über TVNOW.at zu sehen ist – waren Patrick Fuchs und Michael Gueth. Ihr Scooper ist ein Energy-Beutelchen für die Mundhöhle.

Für mehr Konzentration

Ob Autofahrer:innen, Student:innen oder Geschäftsleute – das eine Gefühl kennen viele Menschen: Die Konzentration schwindet. Oft greifen jene in solchen Momenten zu koffeinhaltigen Getränken wie Kaffee, Cola oder Energydrinks. „Aber immer dann, wenn ich einen schnellen Wachmacher brauche, ist er nicht griffbereit“, erläuterte Fuchs den Löwen. „Bei Scooper ist das komplett anders: Dose öffnen, einen Scoop entnehmen und dann entweder unter die Oberlippe oder in die Seitentasche der Backe legen. Das Geniale ist, dass man innerhalb kürzester Zeit den Energy-Boost bekommt. Zusätzlich sorgt er für einen frischen Atem und einen guten Geschmack im Mund.“

Höhle der Löwen, Scooper
(c) RTL / Bernd-Michael Maurer – Patrick Fuchs (l.) und Michael Gueth präsentierten mit Scooper ein Energy-Pad für die Mundhöhle.

Ein Scoop enthält 40 Milligramm reines, natürliches Koffein aus echten Kaffeebohnen in Pulverform. Das entspricht etwa einem Espresso, sowie Vitamin B5, Aromen, und den Zuckerersatzstoff Xylit. Durch die Aufnahme über die Mundschleimhäute gelange das Koffein direkt ins Blut und erziele damit eine sofortige Wirkung. Die Gründer bieten Scooper in den vier verschiedenen Geschmacksrichtungen „Cool Grapefruit“, „Iced Cola“, „Iced Caramel Coffee“ und „Fresh Mint“ an. Die Forderung: 150.000 Euro für 50 Prozent der Firmenanteile.

„Seltsames Erlebnis“

Vor der Kostprobe zeigten sich alle Löwen von den Produkten geruchlich angetan. Danach meinte Konzernchef Nils Glagau allerdings, der bittere Nachgeschmack des Koffeins wäre spürbar. Beauty-Queen Judith Williams sagte, dass es ein „seltsames Erlebnis“ sei, den Scoop im Mund zu haben. Es wäre nicht sehr sexy. Sie stieg ohne Angebot aus.

Multi-Investor Carsten Maschmeyer brachte ins Spiel, dass es sehr viele Konkurrenten gebe, während Glagau einwarf, dass Scooper nicht die Energy-Revolution sei. Er kenne überlegenere Produkte. Nach dieser Absage ging auch Maschmeyer, der bereits selbst in drei „Koffein-Startups“ investiert ist.

Die Gründer kämpften und argumentierten. Der LEH-Experte Ralf Dümmel lobte danach das Startup, war aber ebenso wie Maschmeyer bei ähnlichen Produkten dabei. Familien-Investorin Dagmar Wöhrl hingegen hatte Ideen, wie man mit Scooper agieren könnte. Sie bot die gewünschte Summe für 50 Prozent. Deal für Scooper.

Haltbare Fleisch-Alternative in der „Höhle der Löwen“

Die nächsten, die sich in die „Höhle der Löwen“ wagten, waren Nicole und Bernd Sell. Sie präsentierten mit Early Green eine vegane Fleischalternative. Als Nicole ihre Ernährung auf fleischlos umstellte, testete sie diverse Fleischersatzprodukte. Doch die meisten davon haben die Gründerin nicht überzeugt: „Viele von denen haben keine besonders lange Haltbarkeit. Schon nach einer Woche sind sie verdorben.“

Ihr Mann nahm sich diesem Problem an und der begeisterte Hobbykoch fand in Seitan, bekannt aus der klassischen japanischen Küche, eine Alternative: „Seitan ist in der vegetarischen und veganen Küche sehr beliebt, weil es eine fleischähnliche Konsistenz hat. Aber, zubereitetes Seitan ist kühlungspflichtig, damit es nicht verdirbt.“

RTL / Bernd-Michael Maurer – Nicole und Bernd Sell haben das Fleischersatzpulver Early Green entwickelt.

Um das zu umgehen, hat das Ehepaar eine eigene Fertigmischung entwickelt, die ohne Kühlung auskommt. Die Sorten Burger, Gyros und Steak bestehen aus natürlichen Zutaten und beinhalten keine Konservierungsstoffe, Geschmacksverstärker oder Zusatzstoffe. So geht’s: Die Fertigmischung mit 150 Milliliter kaltem Wasser und zwei Esslöffel Speiseöl vermengen, umrühren und kurz durchkneten, in Form bringen und braten oder grillen. Um den Vertrieb für Early Green auszubauen, benötigten Nicole und Bernd Sell 100.000 Euro und boten dafür 20 Prozent der Firmenanteile an.

Feine Konsistenz

Judith Williams meinte beim Kosten des veganen Burgers, im Vergleich zu anderen Produkten wäre Early Green von der Konsistenz her sehr fein. Auch die Gyros-Variante kam sehr gut weg. Das Alternativ-Steak hingegen wurde größtenteils als gut empfunden, auch wenn es nicht bissfest sei, wie Maschmeyer meinte.

Medien-Investor Georg Kofler kam mit Seitan nicht klar und ging zwar mit Begeisterung für die Gründer, aber dennoch ohne Angebot. Auch Maschmeyer zeigte sich fasziniert von der Präsentation der Sells. Williams reihte sich lobend ein, strich die Saucen hervor, die das Startup ebenfalls im Sortiment führt, hatte aber ebenfalls ein Problem mit Seitan. Die Fertigmischung schmecke zu schwer, sagte sie. Sie riet zu Kichererbsen oder Lupinen und blieb ohne Offerte.

Maschmeyer fehlte das „Fleisch-Mund-Erlebnis“, daher wollte er nicht investieren. Dümmel indes bezeichnete sich als totalen Fleischesser, aber Early Green hätte ihm geschmeckt. Der Vorteil des Pulvers mit der 14-Monate-langen Haltbarkeit wäre „der Wahnsinn“. Er bot 100.000 Euro für 30 Prozent.

Glagau ging in Konkurrenz zu seinem Kollegen, versprach große Unterstützung und bot 100.000 Euro für „nur“ 20 Prozent. Die Gründer, die bis dato aufgrund ihrer liebevollen Art zueinander sämtliche Sympathien gewonnen hatten, kehrten nach einem Kuss von der Beratung zurück und boten Dümmel für die 100.000 Euro 25 Prozent an. Deal für Early Green.

Sportwagen oder Baby?

Der nächste in der „Höhle der Löwen“ war Nils Freyberg. Der 29-Jährige ist ein begeisterter Autofan und erfüllte sich 2018 den Traum von einem eigenen Sportwagen. Doch seine Freundin stellte ihn kurz darauf vor eine Herausforderung: „Schönes Auto, aber was machen wir, wenn wir ein Kind bekommen? Das muss dann ja wieder weg, weil da gar kein Kinderwagen reinpasst“, meinte sie.

Mit dieser Gefahr im Hinterkopf begab sich der Gründer auf die Suche nach einer Lösung und präsentierte den Löwen gemeinsam mit Partner Tiado Janis Pieperhoff die selbst entwickelte Dachbox unter der Marke Asphaltkind: „Der Fokus liegt auf Aerodynamik, Stabilität, Gewicht und Design“, erklärte er.

RTL / Bernd-Michael Maurer – Nils Freyberg (l.) und Tiado Janis Pieperhoff sind Naturfaser-Experten.

Durch den geringen Luftwiderstand soll der Kraftstoffverbrauch verringert werden. Das Gewicht von unter 20 Kilogramm ermögliche zudem ein unkomplizierteres Montieren sowie mehr Zuladung. Ein elektrisches Schließsystem sorgt per Knopfdruck für das Auf- und Zuschließen.

Problemfall Carbon

Mit dem Credo „leicht spart Energie, aber leicht und CO2-neutral spart Energie und entschleunigt den Klimawandel“, hat Freyberg bei diesem Thema auch den Umweltaspekt im Blick. Denn es werden für die Leichtbau-Dachbox Natur- statt Carbonfasern verwendet. „Flächig verarbeitet wie bei der Asphaltkind-Dachbox, können Flachsfaser-Bauteile ähnliche Eigenschaften wie jene aus Carbon erzielen”, meinten die Gründer. „Der Unterschied liegt bei geringeren Kosten für die Bauteile und keinerlei Kompromisse für unseren Planeten. Denn Carbon ist Sondermüll und unsere Bauteile können überspitzt gesagt auch im Hausmüll entsorgt werden.“ Die Forderung: 230.000 Euro für 15 Prozent der Firmenanteile.

Die Löwen lobten die Verarbeitung der Dachbox und erfuhren, dass – ab Sendeaufnahme – der Markteintritt des Produkts in drei bis vier Monaten geplant sei. Kofler und die Löwen bemerkten schnell, dass zwar der Vertrieb der Dachboxen ein Geschäftsfeld des Startups sei, aber der größere Teil des Umsatzes mittelfristig aus der Expertise mit dem Werkstoff kommen würde. Dem stimmten die Founder zu.

„Wette auf Erfahrung“

Maschmeyer und Formel 1 Weltmeister Nico Rosberg trafen sich zum privaten Chat, während Judith Williams ausstieg. Dümmel erklärte darauf, dass b2b nicht sein Feld sei und ging ebenso wie Georg Kofler ohne Deal-Vorschlag.

Rosberg erkannte, dass ein Einstieg eine Wette auf den Erfahrungsvorsprung der beiden Männer wäre. Er sprach alsbald von seinen Netzwerken und bot gemeinsam mit Maschmeyer 230.000 Euro für 25,1 Prozent Anteile. Deal für Asphaltkind.

Die Seifenmühle in der „Höhle der Löwen“

Designer Stefan Hinüber folgte als nächster in der „Höhle der Löwen“. Mit Soapflaker hat er einen nachhaltigen Trockenseifenspender entwickelt. „Noch nie haben wir uns so oft die Hände gewaschen, wie in letzter Zeit. Dabei gibt es vor allem zwei Lager: auf der einen Seite die Flüssigseifen-Verwender und auf der anderen Seite der Festseifen-Nutzer“, erklärte der Gründer.

Aufgrund des unnötigen Verpackungsmülls und des hohen Transportvolumens war und ist die Flüssigseife für den jungen Mann nicht die richtige Alternative. „Durch den Transport der Flüssigseife entstehen 97 Prozent mehr CO2, Abgase und Lieferverkehr, als dies bei fester Seife passieren würde“, fuhr er fort. „Doch das feste Seifenstück kann nach mehrmaligem Benutzen unansehnlich werden und es können sich Rückstände ansammeln. Über diese Problematik habe ich mir als Designer Gedanken gemacht und den Soapflaker entwickelt, der wie eine Pfeffermühle funktioniert. Mit den herausrieselnden Seifenflocken können sie sich dann einfach und hygienisch die Hände waschen.“

RTL / Bernd-Michael Maurer – Stefan Hinüber entwickelte mit Soapflaker eine Alternative für Flüssigseife.

Der feste Seifenkern reicht für rund 500 Handwäschen und besteht aus zertifiziertem Bio-Pflanzenöl. Zudem ist der Soapflaker nachfüllbar. Für den Ausbau seines Unternehmens benötigte Stefan Hinüber 120.000 Euro und bot zehn Prozent seiner Firmenanteile an.

Maschmeyer störte sich am Preis der Nachfüllung von zwölf Euro für zwei Stück Seifenkerne. Und war der erste Löwe, der sich zurückzog. Dümmel erklärte, der „proof of concept“ würde fehlen, kein Umsatz wäre da, dafür wäre die Bewertung sehr hoch. Der Gründer argumentierte mit einer gängigen Berechnungsmethode aus den USA.

Kundenanbindung?

Williams erzählte danach vom „Sausebrause“ (Schaumseife in Tablettenform), bei dem sie investiert sei und ging ebenso ohne Angebot. Glagau und Wöhrl fanden Soapflaker nicht praktikabel. Wöhrl irritierte danach mit der Aussage: „man müsse ja beim Gründer Nachfüllungen nachkaufen und wäre abhängig“. Dies sah Maschmeyer nicht als Nachteil und sagte sinngemäß, man wolle doch, dass der Käufer zurückkehre.

Dümmel haderte zwar wegen der Bewertung, machte aber schlussendlich ein Angebot. Er wollte mit 120.000 Euro für 30 Prozent einsteigen. Deal für Soapflaker.

EduTech in der „Höhle der Löwen“

Der letzte Auftritt in der „Höhle der Löwen“ gebührte Matthias Schadhauser und Philipp Kramer. Ihr Motto: „Aus Old School machen wir New School“. Seit über zehn Jahren gibt Schafhauser Nachhilfe und bereitet mit seinem Institut Schüler:innen auf die Mathe-Matura (Abi) vor. Dabei fiel ihm auf, dass sich ein klarer Trend zu digitalen Mitschrift-Hilfen in Form von Tablets abzeichnet. Auf kurz oder lang kam allerdings immer das gleiche Problem auf: Dokumenten-Chaos.

„Wahnsinnig viele Ordner, etliche unbenannte Dokumente und die auch noch verteilt auf ganz viele verschiedene Apps“, wusste Matthias Schadhauser aus Erfahrung mit seinen Schüler:innen. Mit wryte möchten die Gründer daher das digitale Durcheinander beenden. Die Tablet-App bündelt und automatisiert die Schulmaterialien und soll den klassischen Rucksack langfristig ersetzen.

RTL / Bernd-Michael Maurer – Matthias Schadhauser (r.) und Philipp Kramer erkannten mit Wryte, einer All-In-One Schul-App, den Trend der Zeit.

Im Detail: Zu Beginn eines Schuljahres wird der Stundeplan in der App gespeichert. Automatisch generiert wryte dann für jedes eingetragene Fach einen Ordner auf dem Schreibtisch, in dem fortan in digitalen Heften handschriftlich Mitschriften erstellt oder Arbeitsblätter und Fotos hochgeladen und bearbeitet werden können.

Nachhilfe-Feature

Zudem öffne die smarte App aufgrund des hinterlegten Stundenplans zur richtigen Zeit das richtige Schulheft. Weitere Features sind bereits in Planung. So sollen sich z.B. zukünftig die Schüler:innen bei kurzen Fragen mit einem Nachhilfelehrer verbinden, auch für wenige Minuten, und gleichzeitig mit diesen im eigenen Heft arbeiten können. Für die Weiterentwicklung der App und Marketingaktivtäten benötigten Matthias Schadhauser und Philipp Kramer 300.000 Euro und boten den Löwen zehn Prozent ihrer Firmenanteile an.

Zwei Wochen nach dem Start im App-Store nutzen bereits 200.000 Test-User die App. Williams fiel nach dieser Information mit Regierungskritik auf und meinte, dass man Eltern im „Home Schooling“ allein gelassen habe. Dümmel indes fand besonders an dem Nachhilfe-Feature gefallen, könne aber bei diesem Thema nicht unterstützen, wie er meinte.

Lehrer alter Schule?

Rosberg zeigte sich nicht überzeugt, dass das Startup führend in Sachen Schul-Digitalisierung sein könne. Er und auch Wöhrl blieben ohne Angebot. Williams, die vorher sehr vehement das große Problem mangelnder politischer Unterstützung in diesem Bereich angesprochen hatte, meinte zu wissen, dass viele Lehrer für Digitales nicht bereit wären. Zudem würde sie selbst nicht wissen, wie man sich mit der App an Schulen anbinden könne. Und stieg aus.

Nils Glagau glaubte zwar an die Gründer und mochte den rebellischen Ansatz des Startups, den Druck im EduTech-Bereich von unten aufzubauen. Jedoch kenne auch er das Beamtentum, das sich weigern würde, digital zu agieren. Auch der fünfte Löwe blieb ohne Offerte. Kein Deal für wryte.

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Es ist der zweite Tag der VivaTech und Paris führt der Tech-Welt vor, wie groß ein Heimspiel sein kann. Seit 2016 lädt die Messe, gegründet von Publicis-Veteran Maurice Lévy und der Les-Echos-Gruppe, einmal im Jahr an die Porte de Versailles. Zur zehnten, der Jubiläumsausgabe, ist sie noch eine Spur größer: Europas wichtigstes Startup- und Tech-Event erwartet rund 180.000 Besucher:innen, 15.000 Startups, 4.000 Investor:innen und mehr als 450 Speaker:innen auf vier Bühnen. Das Leitthema klingt programmatisch: „Artificial Intelligence: impact, not illusion.“ Deutschland ist „Country of the Year“ und schickt die größte Delegation der VivaTech-Geschichte.

Über drei Stockwerke der neuen Halle 7 verteilt sich das Who-is-Who der Branche. Tags zuvor füllte Amazon- und Blue-Origin-Gründer Jeff Bezos, inzwischen auch Co-CEO der KI-Industrieschmiede Prometheus, das große VivaTech Theater. An diesem Donnerstag teilen sich Frankreichs Präsident Emmanuel Macron und Indiens Premierminister Narendra Modi die politische Bühne, Modi frisch vom G7-Gipfel im französischen Evian, wo er mit Donald Trump unter anderem über Künstliche Intelligenz beraten hatte. Dazwischen Konzernlenker:innen von LVMH bis Alibaba, EU-Kommissarin Henna Virkkunen und Deutschlands Digitalminister Karsten Wildberger.

Ein Österreicher unter den „Top Voices“

Wer auf die Website der VivaTech schaut, findet ihn unter den „Top Voices“: Gleich neben Jeff Bezos ist dort Peter Steinberger gelistet. Zwischen all den globalen Namen sticht der gebürtige Oberösterreicher ins Auge. In der Entwickler:innen-Szene seit Jahren als „steipete“ bekannt, hat er mit dem viralen Open-Source-Agenten OpenClaw internationale Bekanntheit erlangt und wird hier auf der VivaTech wie ein Popstar gefeiert. Vom Wiener Startup PSPDFKit, das er mehr als ein Jahrzehnt aufgebaut hatte, ist er längst weitergezogen: Seit Februar gehört er bei OpenAI zum Team rund um den Coding-Agenten Codex.

Peter Steinberger (links) und OpenAI-Manager Thibault Sottiaux beim Panel „The Agentic Enterprise“ auf der VivaTech 2026 in Paris | Foto(c) Martin Pacher | brutkasten

Sein Panel findet im VivaTech Theater statt, dem größten Saal des Geländes. Wer einen Platz will, muss sich lange anstellen. Unter den Wartenden auch Fans, die in OpenClaw-Shirts extra aus Wien angereist sind, um ihr Idol zu sehen.

„Das ist nicht spezifisch fürs Coding“

Auf der Bühne dann ein Mann, der so gar nicht nach Rummel klingt. Steinberger spricht ruhig, zurückhaltend, bescheiden. Neben der technologischen Souveränität ist Agentic AI eines der großen Themen dieser Jubiläumsausgabe, und genau darum dreht sich sein Panel „The Agentic Enterprise: From Software Development to Everyday Work“, gemeinsam mit Thibault Sottiaux, der bei OpenAI Produkt und Plattform verantwortet.

Sottiaux‘ Kernthese: Was einen Coding-Agenten gut mache, sei nicht das Programmieren selbst, sondern die Fähigkeit, breiten Kontext zu erfassen und über lange Zeit präzise auf ein Ziel hinzuarbeiten. „Das ist nicht spezifisch fürs Coding“, sagt er. So solle aus dem Entwickler:innen-Werkzeug Codex ein Agent für Finanz-, Marketing- und Büroarbeit werden. Die Nutzung wachse nach seinen Worten derzeit schneller in Europa als in den USA.

Volles Haus: Peter Steinberger und Thibault Sottiaux (OpenAI) auf dem VivaTech Theater, der größten Bühne der Messe. Hier hatten zuvor auch Jeff Bezos und später Indiens Premierminister Narendra Modi gesprochen, der Saal war bis zum letzten Platz gefüllt | (c) Martin Pacher / brutkasten

Ein Agent für das Haus in Wien

Dann ist Steinberger an der Reihe, und er macht das Abstrakte greifbar, indem er von sich selbst erzählt. Er trenne bewusst mehrere Agenten-Kontexte: einen privaten, der alles über ihn wisse, einen für sein Haus in Wien, mit dem er etwa die Kameras kontrolliere und „manchmal meiner Putzfrau einen Streich spiele“, und einen für die Arbeit. Mit der heutigen Technik liefere ein spezialisierter Agent noch deutlich bessere und vorhersehbarere Ergebnisse als ein einzelner Alleskönner. Je mehr Kontext man dem Modell gebe, desto verlässlicher werde es.

„Das größte Hindernis ist die Vorstellungskraft“

Das größte Hindernis sei ohnehin nicht die Technik, sondern die Vorstellungskraft, „imagination“, wie er sagt. Die Lücke zwischen dem, was die Modelle könnten, und dem, was Menschen tatsächlich mit ihnen anstellten, sei so groß wie nie. Selbst ein Werkzeug wie OpenClaw hätte Monate früher entstehen können, sei aber schlicht niemandem eingefallen. Er verweist auf seinen eigenen, anfangs belächelten Blogpost vom Jahresende, in dem er beschrieb, Code zu schreiben, ohne ihn überhaupt zu lesen. Für das Jahr 2030 entwirft er daraus ein radikales Bild: eine Milliarde Programmierer:innen, die nicht wüssten, dass sie programmieren, weil sie ihre Agenten nur noch um Lösungen bäten.

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Die Europa-Pointe zum Schluss

Und dann, fast beiläufig, die Pointe, die über der ganzen Messe schwebt. Auf Europa angesprochen, sagt ausgerechnet jener Mann, der zuletzt mit Verweis auf zu viel Regulierung in die USA gezogen ist, er liebe es, „dass wir Mistral haben“. In europäischen Startups stecke etwas „zutiefst Menschliches“, sie seien „in etwas Realem verwurzelt“. Als die Moderatorin fragt, ob er eines Tages zurückkehre, weicht Steinberger aus: „Vielleicht. Ich bin ohnehin ständig hier.“

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