28.07.2022

DESI 2022: Österreich trotz Fachkräftemangel über EU-Durchschnitt

Mit dem DESI-Ranking will die EU eine nachhaltige digitale Transformation aller Wirtschaftssektoren in ganz Europa erreichen. 2022 bleibt Österreich auf dem gleichen Platz wie im Vorjahr.
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Österreich landet beim DESI-Ranking 2022 erneut auf Platz 10 © vegefox.com / AdobeStock
Österreich landet beim DESI-Ranking 2022 erneut auf Platz 10 © vegefox.com / AdobeStock

Österreich rangiert im jährlichen DESI-Ranking auf Platz 10. Der sogenannte Index für digitale Wirtschaft und Gesellschaft misst den digitalen Fortschritt der 27 EU-Mitgliedsstaaten. In den Kategorien “Humankapital”, “Konnektivität und Infrastruktur”, “Digitalisierung der Unternehmen und Integration digitaler Technologien” sowie “Digitale Verwaltungsservices” überzeugte Österreich mit überdurchschnittlichen bis hin zu sehr guten Ergebnissen. Somit zählt die Alpenrepublik nach Platz 13 im Jahr 2020 und Platz 10 im Vorjahr zu den Top-10 Digitalnationen der EU. 

„Jede technologische Neuerung bleibt wertlos, wenn sie der Mensch nicht nutzen kann“

Besonders im Bereich “Humankapital” überzeugten die grundlegenden Digital- und Softwarekenntnisse der Österreicher:innen. Als fortbestehende Herausforderung wird der Fachkräftemangel genannt. Österreichische Unternehmen tun sich deutlich schwerer, IKT-Positionen zu besetzen, wie aus dem Ranking hervorgeht.

„Es freut mich sehr, dass wir im Bereich ‘Digital Skills‘ überdurchschnittliche Ergebnisse erzielt haben. Dennoch ist der Auftrag klar, es braucht weiterhin einen starken Fokus auf das Thema Ausbildung und Weiterbildung, wenn es um digitale Skills geht. Jede technologische Neuerung bleibt wertlos, wenn sie der Mensch nicht nutzen kann“, sagt Florian Tursky, Staatssekretär für Digitalisierung und Telekommunikation. Mit Blick auf Cloud-Anwendungen und Big-Data-Analysen befindet sich Österreich aktuell unter dem EU-Durchschnitt. Tursky sieht hier noch viel Potential und erkenne eine sukzessive Weiterentwicklung in diesem Bereich. Beispielhaft verweist er auf die steigende Anwendung von Big-Data-Analysen im österreichischen Finanzministerium.

Tursky habe noch vieles vor, um Österreich bis 2025 unter die Top-5 Nationen im Desi-Ranking zu bringen. “Dafür müssen wir sowohl in Breitbandausbau, als auch in die digitale Verwaltung investieren. Ein wichtiger Meilenstein werden die digitalen Ausweise, allen voran der digitale Führerschein, darstellen. Um dies zu gelingen, war es wichtig, die Digitalisierungsagenden in einem eigens geschaffenen Staatssekretariat im Finanzministerium zu bündeln. Für Österreich ist es essentiell, dass wir zu den Digitalisierungs-Gewinnern gehören“, erklärt der Staatssekretär weiter.

Vergleich zu anderen EU-Ländern

Mit dem 10. Platz im Ranking reiht sich Österreich hinter Estland und vor Slowenien ein. Die ersten drei Plätze erreichten Finnland, Dänemark und die Niederlande, während Griechenland, Bulgarien und Rumänien das Schlusslicht bilden.

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SCCH
© dbrains academy - (vlnr): Leon Hiebl, Romana Pusch, Dominik Pühringer, Markus Manz (SCCH), Patrick Urmann und Notar Rüdiger Kriegleder.

Das Software Competence Center Hagenberg (SCCH) vermeldete vor kurzem, dass es seine Forschung künftig auch über eigene Unternehmensbeteiligungen verwertet – siehe hier. Die im Juli gegründete SCCH Innovations GmbH soll bis 2030 und darüber hinaus rund 30 Unternehmen aufbauen, wie CEO Markus Manz gegenüber brutkasten im September erklärte. Damals war bereits die erste Beteiligung fix: das MLOps-Startup LUML eines SCCH-Mitarbeiters.

SCCH: Tech-Transfer um Weiterbildung erweitern

Nun beteiligt man sich mit zehn Prozent Anteilen an dbrains academy. Mit diesem strategischen Schritt möchte das Forschungszentrum seinen Technologietransfer um Beratung und Weiterbildung erweitern, die dbrains academy erhält indes direkten Zugang zu aktueller KI-Forschung. Das gemeinsame Ziel: Unternehmen sollen KI wirksam im Arbeitsalltag einsetzen. Die Anteile hält die SCCH Innovations GmbH, die Beteiligungsgesellschaft des Forschungszentrums — über die genaue Summe ist nichts bekannt.

Kooperation besteht schon seit 2025

Das SCCH steuert bei dieser Kooperation wissenschaftliche Expertise in Künstlicher Intelligenz, Data Science und Software Science bei. Die dbrains academy begleitet Unternehmen vom KMU bis zum Konzern in Österreich und Deutschland, von der KI-Strategie über den Kompetenzaufbau bis zur Umsetzung konkreter Anwendungen, in Workshops oder mehrmonatigen Begleitungen. Ein E-Learning soll zudem zeit- und ortsunabhängig KI-Kompetenz gemäß dem EU AI Act vermitteln.

„Technologietransfer endet für uns nicht mit der Entwicklung einer Lösung. Er ist dann erfolgreich, wenn neues Wissen in den Unternehmen ankommt und dort tatsächlich genutzt wird. Die dbrains academy bringt das Know-how mit, Unternehmen strategisch zu begleiten und dieses Wissen praxisnah zu vermitteln. Darin ergänzen wir uns ideal“, erklärt Markus Manz, CEO des SCCH.

Kooperation besteht seit 2025

Das Software Competence Center und dbrains academy arbeiten seit 2025 zusammen. Im gemeinsamen Lehrgang „AI Excellence Program for Pioneers“ bringen sie Forschung und Unternehmenspraxis zusammen, damit Teilnehmende eigene KI-Ideen bis zur Umsetzung führen. Nach dem ersten Durchgang, dem am 25. November 2026 der nächste folgt, entschied man sich für die Beteiligung.

Für das SCCH erreichen Forschungsergebnisse damit nicht mehr nur einzelne Projektpartner, sondern ganze Belegschaften. Zugleich fließen Fragestellungen aus der Praxis in die Forschung zurück. Die dbrains academy bringt neue Erkenntnisse früher in Strategieprojekte und Trainings ein und entwickelt KI-Lösungen gemeinsam mit dem SCCH. Kund:innen erhalten Strategie, Weiterbildung und Umsetzung auf dem aktuellen Stand der Forschung aus einer Hand. Die Geschäftsführung der dbrains academy bleibt unverändert.

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