20.11.2017

Der ultimative Marketing Automation Guide Teil 2: Personas

„Meine Zielgruppe sind alle.“ Das ist wohl die schlimmste Zielgruppenbeschreibung, die man einem Investor geben kann. Im zweiten Teil der neuen Ratgeberserie zeigt Anna Steinacher, die Co-Founderin der Reiseführer-Plattform insight.trips, Schritt für Schritt welche Tools es gibt, um Zielgruppen mittels Personas anschaulich zu beschreiben.
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(c) Fotolia/stockbakers

Personas erfreuen sich in den letzten Jahren großer Beliebtheit. Vereinfacht gesagt ist eine Persona eine Beschreibung des „idealen Kunden”, die alle wichtigen Beschreibungsmerkmale einer Zielgruppe umfasst.

+++ Ratgeber: Der ultimative Marketing Automation Guide Teil 1 +++

Warum Personas?

Besonders im Bereich der Marketing Automation oder im Content Management kommt es darauf an, seine Zielgruppe punktgenau zu verstehen. Nur so ist es möglich, ihr jene Informationen auszuspielen und zu produzieren, die für sie interessant sind. Leider sind Zielgruppenbeschreibungen wie „18-30 Jahre, weiblich, interessiert sich für Reisen“ oft schwer greifbar und breit gefächert. Aus diesem Grund ist es eine Herausforderung, den für die Zielgruppe passenden Content zu produzieren. Anders sieht die Situation jedoch aus, wenn ihr euch eine konkrete (imaginäre) Person vorstellt, an der ihr euren Content ausrichten könnt.
Wir zeigen euch nun, warum Personas gemacht werden sollten, welche Bestandteile eine Persona haben muss und wie man sie erstellt. Auch diesmal dient unser Start-Up insight.trips und die Persona „Tina“ als Beispiel.

Basisbestandteile einer Persona

  • Name und Foto (dient der besseren Vorstellung)
  • Demographische Angaben (z.B. Alter, Geschlecht, Beziehungsstatus, Kaufkraft, Wohnort)
  • Verhalten (z.B. Typischer Tagesablauf, Mediennutzung, Hobbies, Freizeitbeschäftigungen)
  • Bedürfnisse und Ziele (Welches Bedürfnis wird durch den Kauf und die Nutzung des Produktes gestillt? Was ist ihr Ziel? Warum kauft Tina das Produkt?)

Unsere Beispielpersona „Tina“

  • Name: Tina
  • Demografische Angaben: 
Alter: 20 Jahre; Beruf: Student; Beziehungsstatus: Single; Wohnort: aufgrund eines Auslandssemesters gerade nach Wien gezogen; Kaufkraft: Kaufkraftstufe 3
  • Verhalten: 
Hobbies & Freizeitbeschäftigung: will den Lifestyle Wiens entdecken, kleine Bars, Kunst, Galerien, veganes Essen, Studentencafés, DIY und Rezepte, Fotografie; 
Mediennutzung: In der Früh checkt sie Facebook und Instagram, um zu sehen, ob es etwas Neues gibt. Im Laufe des Tages checkt sie zwei Social Networks regelmäßig, um zu sehen, ob es Neuigkeiten gibt. Hin und wieder wirft sie einen Blick auf Pinterest, um sich Inspirationen zu diversen Themen zu holen. Obwohl Tina sehr digital unterwegs ist, hat sie die Presse abonniert. 
Typischer Tagesablauf: Nach dem Aufstehen holt sie sich einen Kaffee und fährt mit dem Fahrrad zur Universität. Danach geht sie in ein Café, um zu lernen. Sie checkt, ob es neue Freecards gibt und macht sich anschließend wieder auf den Heimweg. Am Abend sieht sie sich ihre Lieblingsserie auf Netflix an.
  • Bedürfnisse und Ziele: 
Tina kauft sich den Wiener city.guide von insight.trips, um sich schneller in einer fremden Stadt zurechtzufinden. Sie möchte Wien abseits der touristischen Pfade entdecken, ihr neues Stammlokal finden und coole, neue Locations kennenlernen. Damit stillt sie ein Bedürfnis, sich in einer Stadt schnell und unkompliziert zurecht zu finden.

Arten von Personas – Der Ad-Hoc-Ansatz

Ad-Hoc-Personas sind jene Personas, die ausschließlich auf Basis von Annahmen und bereits vorhandenem Wissen über die Zielgruppe erstellt werden. Diese müssen oft kritisch betrachtet werden, da die Annahmen nur selten mit Daten belegt sind. Besonders als Start-Up stehen meist besonders wenig Daten über die Zielgruppe, ihr Kaufverhalten und ihre Interessen zur Verfügung. Woher also bekommt man Daten? Quellen, die zur Recherche hinzugezogen werden können sind:

  • Google Analytics
  • Social Media Analytics und Feedback
  • Google Trends

Die Erstellung dieser Ad-Hoc-Personas nimmt nur wenig Zeit in Anspruch, ist aber nicht die ideale Lösung für die Beschreibung einer Zielgruppe, da keine strategischen Entscheidungen basierend auf bloßen Annahmen getroffen werden können.

Arten von Personas – interviewbasierter qualitativer Ansatz

Die zweite Möglichkeit Personas zu erstellen, ist mittels User Research, (durch eigene Nachforschungen in der Zielgruppe). So ist es möglich, die Zielgruppe besser kennenzulernen und Erkenntnisse zu gewinnen, die aus den oben genannten Quellen nicht ausgelesen werden können (z.B. Kaufmotive oder Einstellungen). Methoden, die für eine solche Forschung häufig verwendet werden:

  • Fokusgruppen: Eine Fokusgruppe ist eine moderierte Gruppendiskussion mit 5-8 Personen. Hier können potenzielle Interessen und Motive für die Nutzung eines Produktes generiert werden. Für den Moderator gibt es einen Leitfaden. Wichtig ist die Neutralität des Moderators: Er muss gewährleisten, dass die Diskussion die vorgegebenen Themengebiete behandelt, darf aber seine oder die Meinung und Einstellung des Auftraggebers (euch) nicht einfließen lassen.
  • Online-Umfragen: Fragebögen, die online verteilt werden. Der Vorteil einer Online-Umfrage ist die leichte Umsetzung. Außerdem kann man schnell und ohne großen Aufwand viele Personen erreichen, die den Fragebogen ausfüllen können. Der Nachteil ist, dass bestimmte Zielgruppen online nicht oder nur schwer erreichbar sind.

Aus den erforschten Ergebnissen können Rückschlüsse auf eine durchschnittliche Persönlichkeit der Zielgruppe gefolgert werden. Eure Persona erhält diese durchschnittliche Persönlichkeit.

Fehler, die bei der Erstellung vermieden werden sollten

In einer Persona müssen viele Merkmale kombiniert werden. Das kann dazu führen, dass die Persona unnatürlich komprimiert wirkt oder einfach nicht alle Merkmale durch diese Persona beschrieben werden können.
Bei qualitativ nicht sorgfältig gestalteten Personas können wichtige Informationen fehlen. Das führt dazu, dass jeder, der sich die Beschreibung dieser Persona durchliest, die vorhandenen Lücken mit einer eigenen Geschichte füllt. Die Devise ist: Eine Persona soll möglichst vollständig sein. Sie soll aber nicht unnatürlich viele und schon gar keine widersprüchlichen Merkmale (z.B. Tina liest keine Printtitel, hat aber die Presse (gedruckte Version) abonniert) aufweisen.

Achtet man auf diese Aspekte, steht einer perfekten Persona nichts mehr im Weg! Für den Start eignen sich 2-3 Buyer Personas, die ausführlich beschrieben werden. Mit der Zeit könnt ihr weitere Buyer Personas hinzufügen.
Zusammenfassend gesagt sind Personas eine tolle Möglichkeit, sich in die eigene Zielgruppe hineinzuversetzen, ihre Motive und Einstellungen zu verstehen und mit ihr regelmäßig zu arbeiten. Sie bieten euch eine perfekte Möglichkeit, um Content zu erstellen, der für die Zielgruppe relevant ist und spielt auch im Bereich der Marketing Automation eine große Rolle. Wie diese Buyer Personas eingesetzt werden können, was man unter einem „Lead“ und der „Leadgenerierung“ versteht und wozu man das braucht, werden wir uns in Folge 3 unseres „Ultimativen Marketing Automation Guides“ ansehen.

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Marie Pierer, Designerin und Mitgründerin von Studio Furore, und Nino Groß, Head of Brand & Communications bei Instahelp | © Niki Pommer
Marie Pierer, Designerin und Mitgründerin von Studio Furore, und Nino Groß, Head of Brand & Communications bei Instahelp | © Niki Pommer

Bunt, warm, lebendig und offen: So beschreibt Instahelp seinen neuen Auftritt. Die 2015 gegründete Plattform für Online-Therapie und psychologische Beratung hat gemeinsam mit Studio Furore Logo, Typografie, Farbwelt, Fotografie und Illustration neu entwickelt. Entstanden ist laut Aussendung alles in Graz.

Der Auftritt soll laut Aussendung ein Gegenentwurf zur häufig cleanen und zurückhaltenden Ästhetik des Gesundheitsbereichs sein. Das in der Aussendung als „schnell“ beschriebene Logo rückt ein Kernattribut der Plattform ins Zentrum: den garantierten Erstkontakt mit Psycholog:innen binnen 24 Stunden.

Nino Groß, seit Jänner Head of Brand & Communications bei Instahelp, formulierte laut Aussendung den Markenauftrag, das Thema in die Mitte der Gesellschaft zu tragen.

Über sein Netzwerk kam er laut Aussendung mit Marie Pierer in Kontakt, Designerin und Mitgründerin von Studio Furore. brutkasten hat bei beiden nachgefragt, was Gründer:innen und Marketingverantwortliche aus dem Projekt lernen können.

1. Die Marke laufend hinterfragen

„Man sollte wohl nie damit aufhören, seine Marke kritisch zu betrachten. Auch, wenn man etwas Ikonisches geschaffen hat“, sagt Groß. Spätestens wenn Markenelemente nicht mehr praktikabel oder im Kontext des Zeitgeists nicht mehr zielführend seien, sei es an der Zeit, etwas zu verändern.

Bei Instahelp sei die Ausgangssituation ideal gewesen: ein starkes Fundament und zehnjähriges Bestehen. „Die Grundidee war von Beginn weg, auf dem Bestehenden aufzubauen und es in die Zukunft zu tragen“, so Groß. Die Marke solle Strahlkraft über den Health-Bereich hinaus bekommen.

„Sei mutig.“: Der neue Auftritt von Instahelp soll laut Aussendung nicht klinisch oder distanziert wirken, sondern nahbar und selbstbewusst | © Studio Furore / Instahelp

2. Mit den W-Fragen beginnen

Als erste Best Practice nennt Groß die strategische Annäherung mit den wichtigsten W-Fragen: „Wozu machen wir das, wo wollen wir damit hin, welche Ziele soll die Marke erreichen, die sie bislang noch nicht erreicht hat?“

Pierer beschreibt den Ausgangspunkt ihrer Arbeit so: „Am Anfang steht für uns immer die Frage: Was wollen wir eigentlich vermitteln, wen wollen wir erreichen und was sollen Menschen fühlen, wenn sie mit der Marke in Berührung kommen?“

Darauf aufbauend entwickle Studio Furore ein Konzept mit einer klaren Herleitung. Daraus entstehe Schritt für Schritt die Brand Identity, von Logo, Farben, Typografie und Bildwelt bis hin zu Layoutsystem, Gestaltungselementen und Tonalität. Ziel sei ein Aha-Moment, „bei dem man versteht, warum etwas genau so gestaltet ist“.

3. Innen- und Außenperspektive zusammenbringen

Groß steuerte das Projekt in Abstimmung mit der Geschäftsführung und entwickelte das markenstrategische Konzept. Eingebunden waren außerdem die internen Design-Verantwortlichen, die den bisherigen Markenauftritt verantwortet hatten, sowie der CTO.

Diesen Mix zählt Groß zu den Best Practices des Projekts. Es gehe darum, jene, die den Markenkern gebaut haben, mit jenen zusammenzubringen, die ihn weiterentwickeln werden. „Diesen Wissenstransfer braucht es.“ Ebenso wichtig sei, offen und ohne Tabus zu diskutieren, was bleiben darf und was gehen muss. „Greift man die gesamte Identität an, ist das ein schmaler Grat.“

Dass die Entscheidungen im Unternehmen schnell fielen, hat Groß nach eigenen Angaben beeindruckt. Die Marke habe in ihrer Erscheinungsform seit zehn Jahren bestanden. „Von daher ist das keine kleine Intervention, wenn man an die gesamte Identität geht.“

4. Bei der Agentursuche das eigene Netzwerk nutzen

„Wir haben mehrere Angebote eingeholt, das sollte man immer“, sagt Groß. Ausschlaggebend sei im Endeffekt der persönliche Kontakt gewesen. Er kenne die Köpfe hinter Studio Furore schon lange und habe von ihnen nie etwas gesehen, das ästhetisch und handwerklich nicht auf sehr hohem Niveau gewesen sei.

Bei einem Mittagessen mit Pierer und Fotograf Kurt Bauer, der für die Bildwelt verantwortlich zeichnete, sei ihm nach ein paar Sätzen klar gewesen: „Die spüren die Marke.“

Startups und kleineren Unternehmen rät Groß, nach Möglichkeit persönliche Kontakte anzuzapfen, also Personen mit Erfahrung und guten Drähten in die Kreativwirtschaft. „Das spart einerseits Zeit und schützt vor Leerläufen. Andererseits ist es enorm wichtig für die qualitative Einschätzung.“

Der neue Markenauftritt von Instahelp: Die Bildwelt stammt von Fotograf Kurt Bauer | © Studio Furore / Instahelp

5. Konventionen brechen, wenn sie dem Ziel im Weg stehen

Die neue Marke tritt bunt und warm statt klinisch auf. „Ich sehe das eigentlich weniger als Mut, sondern vielmehr als Notwendigkeit“, sagt Pierer dazu. Psychische Themen seien gesellschaftlich schon stark mit Schwere und Unsicherheit behaftet. „Wie soll man Hoffnung vermitteln oder ein Gefühl des Aufatmens schaffen, wenn die Gestaltung genau diese Schwere noch verstärkt?“

Verharmlosen dürfe man das Thema dadurch nicht. „Aber ernst zu nehmen bedeutet nicht automatisch, dass etwas klinisch, kühl oder schwer aussehen muss.“ Dabei müsse jedes Element eine klare Bedeutung haben. „Es geht nicht einfach darum, ein schönes Logo oder eine bestimmte Farbe zu wählen. Die Gestaltung muss in sich stimmig sein und eine Geschichte erzählen.“

Für Pierer hat das Projekt auch eine persönliche Seite. In der Aussendung schildert sie, nach der Geburt ihres ersten Kindes selbst schwierige psychische Phasen erlebt zu haben. „Wenn ich damals von einem Angebot wie Instahelp gewusst hätte, wäre mir der Weg zur Unterstützung mit Sicherheit leichter gefallen.“

6. Mit kleinem Budget: wenige Dinge richtig machen

Startups mit kleinem Budget rät Pierer, sich am Anfang klar darüber zu werden, wofür man steht und was man vermitteln möchte. „Man braucht nicht sofort ein riesiges Branding oder unzählige Gestaltungselemente. Man braucht ein gutes Konzept.“

Ein durchdachtes Logo, eine passende Farb- und Typografiewelt und eine konsistente Bildsprache könnten schon viel bewirken. Pierer rät davon ab, Trends oder andere Marken zu kopieren, nur weil sie gerade gut funktionieren. Man solle herausfinden, was einen selbst besonders macht, und das konsequent sichtbar machen.

Außerdem solle das Erscheinungsbild flexibel bleiben und mit dem Unternehmen wachsen können. „Eine gute Markenidentität muss nicht von Anfang an riesig sein. Sie muss vor allem eine klare Idee haben.“

Die neue Markenidentität von Instahelp ist laut Aussendung inzwischen vollständig ausgerollt. Die Plattform arbeitet nach eigenen Angaben mit mehr als 400 Psycholog:innen und hat bis dato rund 450.000 Beratungen durchgeführt.

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