19.08.2025
KOOPERATION

Der Technology Impact Summit 2025 vernetzt Wissenschaft, Wirtschaft und Politik

Der Technology Impact Summit geht am 20. November 2025 in Graz in die zweite Runde. Das Think-Tank-Forum soll Europa dazu ermutigen, Digitalstrategien souverän zu denken.
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Markus Fallenböck, Vizerektor der Universität Graz und Mitinitiator des Summits und Karl-Theodor zu Guttenberg, Speaker und ehemaliger deutscher Verteidigungsminister. | credits: Uni Graz, privat.

Bald wird Graz erneut zum Treffpunkt für den europäischen Technologie-Diskurs: Der Technology Impact Summit (TIS25) findet am 20. November in der Grazer Seifenfabrik statt. Die Veranstaltung ist eine gemeinsame Initiative der Universität Graz, der Technischen Universität Graz, Joanneum Research und FH Joanneum. Der Summit bringt Vordenker:innen, Entscheidungsträger:innen und Innovator:innen aus ganz Europa zusammen, bietet Raum für den Austausch neuester Entwicklungen und schlägt Brücken zwischen Wissenschaft, Technologie und praktischer Anwendung.

Im Fokus steht auch heuer die Frage, wie Künstliche Intelligenz ihren vollen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Impact entfalten kann und wie Europa im globalen Technologie-Wettlauf digitale Souveränität sichern kann.

Konkrete Strategien und Impulse

Sein Debüt feierte das Forum im Vorjahr: 350 Teilnehmer:innen aus 225 Unternehmen, 30 Speaker:innen und 30 Partner:innen sorgten für eine erfolgreiche Premiere. Das Programm stand damals unter dem Generalthema KI (brutkasten berichtete).

Der Technology Impact Summit 2024 | credits: Christian Mike

2025 rückt der Summit nun das Thema „KI im Einsatz: Kompetenzen – Anwendungen – Wirkung“ ins Zentrum. Auf dem Programm stehen inspirierende Keynotes, interaktive Diskussionsformate und kompakte Lightning Talks, die konkrete Strategien und Impulse für Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft vermitteln.

„Wenn wir in Europa beim Thema Künstlicher Intelligenz erfolgreich sein wollen, dürfen wir uns nicht in einem Wettrennen um die größten Rechenzentren oder Sprachmodelle verlieren. Unsere Chance liegt darin, Künstliche Intelligenz gezielt in bestehende Wertschöpfungsketten zu integrieren“, sagt Markus Fallenböck, Vizerektor der Universität Graz und Mitinitiator des Summits. „Genau hier setzt der TIS25 an: Er bringt Expertinnen und Experten zusammen, die Technologie und Branchen-Know-how kreativ verbinden, um Wettbewerbsvorteile der Zukunft zu schaffen.“

KI als zentraler Treiber Europas

Einer der Impulsgeber des diesjährigen Summits ist Karl-Theodor zu Guttenberg, eine der europäischen Stimmen im Technologie- und Geopolitik-Diskurs und ehemaliger deutscher Verteidigungsminister. In der Eröffnungsdebatte wird er gemeinsam mit Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer und TU-Graz-Rektor Horst Bischof die Frage diskutieren, wie KI zu einem strategischen Wettbewerbsvorteil für Europa werden kann.

„Künstliche Intelligenz ist einer der zentralen Treiber für Europas wirtschaftliche Stärke und gesellschaftliche Entwicklung. Jetzt gilt es, sich digital unabhängiger aufzustellen, mutig zu investieren und Innovationen gezielt voranzutreiben – nicht als Reaktion auf andere, sondern aus eigener Stärke“, so zu Guttenberg. „Der Technology Impact Summit 2025 bietet die Plattform, um europäische Digitalstrategien mutig und zukunftsorientiert zu denken.“

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Die beiden Polytender-Gründer Matthias Neumayer und Dima Rubanov | (c) Vlad Dobre

„Dream Big“ passt wohl auch zu Polytender. Die beiden Gründer Dima Rubanov und Matthias Neumayer haben sich zum Ziel gesetzt, sie zur größten Ausschreibungsplattform der Welt zu machen. Die beiden Wiener sehen großes ungenutztes Potential in öffentlichen Ausschreibungen. „Behörden vergeben in der EU jedes Jahr Aufträge im Wert von zwei Billionen Euro“, sagt Co-Founder Dima Rubanov im brutkasten-Gespräch.

Diese seien auf Hunderte Portale verteilt. Viele Unternehmen wüssten schlicht nicht, welche Aufträge sie gewinnen können, wodurch viele Ausschreibungen oftmals nur ein einziges Angebot hätten. Dabei sei die staatliche Beschaffung eine große Möglichkeit für Unternehmen. „SpaceX würde ohne die öffentliche Hand nicht existieren. Man vergisst oft, wie wichtig dieses Thema eigentlich ist“, sagt Rubanov. Ihre neue Plattform Polytender soll das nun ändern und die Suche nach öffentlichen Ausschreibungen erleichtern – in der gesamten EU.

Startup-Studio „Run Labs“

Die Gründer sind in der Szene keine Unbekannten. Rubanov und Matthias Neumayer entwickelten in den letzten Jahren Produkte wie Oscar Stories, die kindgerechte KI Lora oder den Dokumente-Erklär-Chatbot FragDasPDF. Alles läuft unter dem Startup-Studio Run Labs zusammen.

SpaceX würde ohne die öffentliche Hand nicht existieren.

Dima Rubanov, Co-CEO von Run Labs

400 Unternehmen in zwei Monaten

Ihre neueste Plattform, Polytender, wurde im August gelauncht und soll seitdem über 400 registrierte Unternehmen auf der Plattform gewonnen haben. Einige davon sind laut den Geschäftsführern noch Pilotkunden, es gebe aber auch bereits um die dreißig reguläre Abnehmer wie Helferline oder AV-Professional.

„Polytender beschleunigt unseren Prozess in der Suche, Bewertung und Abwicklung von Ausschreibungen wesentlich. Die dadurch freigesetzten Ressourcen können optimal eingesetzt werden“, sagt David Knapp, CEO der AV-Professional GmbH.

Eine „signifikante Zeitersparnis“

Die erhöhte Geschwindigkeit sei einer der großen Benefits, die Polytender für Firmen aufweise. „Gerade bei der Suche bieten wir für Unternehmen eine signifikante Zeitersparnis. Das funktioniert schon über alle EU-Länder und ein paar weitere Länder hinweg“, erklärt Rubanov. Neben den 27 EU-Staaten operiert Polytender auch in den USA, der Schweiz, Norwegen und Großbritannien und bündle so über 300 Vergabeportale. Die Plattform vereinfacht es den Unternehmen, Ausschreibungen überhaupt zu finden und daran teilzunehmen. Alles mit KI-Unterstützung.

KI-nativ als Alleinstellungsmerkmal

Ein Matching-Algorithmus gleicht neue Ausschreibungen sprachübergreifend mit Suchprofilen ab. Noch im November soll es auch eine KI-Zusammenfassung und eine Bid-Einschätzung geben. „Wir werden dann KI-Agenten haben, die riesige Datenmengen durchforsten, zusammenfassen und für den User personalisiert aufbereiten. Dadurch muss man nicht 100 Seiten lesen, um zu wissen, ob man sich bewerben soll oder nicht“, erklärt Neumayer.

Das Besondere: Polytender funktioniert KI-nativ. Jede Ausschreibung lässt sich direkt aus KI-Assistenten wie Mistral, Claude, ChatGPT und Microsoft Copilot durchsuchen. Unternehmen können dadurch eigene Ausschreibungs-Agenten bauen und so passende Aufträge finden und bewerten.

„Wir sind der Meinung, dass in einer AI-Agent-Zukunft weniger Interfaces notwendig sein werden. Deshalb haben wir alle App-Funktionen auch für Agents zugänglich gemacht“, erklärt Neumayer und ergänzt: „Wir haben auch Kunden, die ihre eigenen internen Agents haben, die wiederum mit ihren eigenen Daten angereichert sind. Diese Daten können sie dann mit unseren Daten aus öffentlichen Ausschreibungen, aus Dokumenten etc. verbinden und in ihre eigenen Abläufe einbauen.“

Die europäische Lösung, Datenschutz etc.

Wichtig sei den beiden Wienern, die sich bereits seit ihrer Schulzeit kennen, eine europäische Lösung anzubieten. „Wer unsere LinkedIn-Aktivitäten kennt, weiß, dass wir sehr pro-europäisch denken und uns auch europäische Souveränität wichtig ist. Wir sind auch der Meinung, dass diesbezüglich gerade die öffentliche Beschaffung ein großer Hebel wäre, der underused ist“, sagt Neumayer.

Auch bezüglich Datenschutz haben Rubanov und Neumayer klare Vorstellungen. „Wir hosten alles auf Hetzner, einem Server in Deutschland. Unsere KI-Modelle laufen auf europäischer Infrastruktur. Wir passen sehr auf, dass kein Abfluss von Daten entstehen kann. Wir sind auch DSGVO-konform“, sagt Rubanov.

Die All-in-Tender-Lösung

Rubanov und Neumayer denken die Plattform bereits weiter. Sie wollen nämlich nicht nur die Abläufe auf der Bieterseite vereinfachen, sondern auch auf der Vergabeseite. „Unsere große Vision ist es, eine All-in-one-Tender-Plattform zu haben. Sie soll auf der Bieterseite die Suche nach Aufträgen und Unterlagenerstellung und auf der Auftraggeberseite die Erstellung der Ausschreibungsunterlagen abdecken“, sagt Neumayer. Sie können sich auch vorstellen, Ausschreibungen von Unternehmen auf Polytender zu veröffentlichen, wobei der Fokus auf staatlichen Ausschreibungen liege. Diese „Vision“ wolle man noch im ersten Quartal 2027 umsetzen.

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