27.01.2021

Von der hohen Kunst des perfekten Pitch

In seiner aktuellen Kolumne beschäftigt sich Mic Hirschbrich mit einem Dauerbrenner in der Startup-Welt: Wie gelingt der perfekte Pitch?
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Der perfekte Pitch
brutkasten-Kolumnist Mic Hirschbrich | Hintergrund (c) Adobe Stock - kasto

Dank Sendungen wie 2 Minuten 2 Millionen ist das Konzept des „Pitch“ heute einer breiten Öffentlichkeit bekannt. Man versucht, in sehr kurzer Zeit (ab 90 Sekunden) das Gegenüber von Produkt und Vision des eigenen Unternehmens zu überzeugen. Doch viele unterschätzen den Aufwand und die Fähigkeiten, die es braucht, einen wirklich guten Pitch hinzulegen.

Die Gründe für den zeitlich immer kürzer gewordenen Pitch liegen vor allem in der Ressourcenknappheit der Angesprochenen. Das Ziel ist deshalb, das Interesse eines potentiellen Investors in der Kürze einer Liftfahrt zu wecken. Und tatsächlich ist der „Elevator-Pitch“ so entstanden. Man erreichte die Top-Investoren kaum persönlich, außer zufällig bei Starbucks, einem Event oder eben einer gemeinsamen Liftfahrt. Und wenn man Glück hatte, gewährte einem der potentielle Investor eben die gemeinsame Zeit im Aufzug an Aufmerksamkeit. In diesen nicht mehr als 90 Sekunden entscheidet der Investor, ob es ein Folgetreffen geben wird, oder nicht. Und hier sind, neben den Pflicht-Bestandteilen, jene Zutaten spannend, die aus einem passablen eben den perfekten Pitch machen. Diese unterscheiden sich übrigens nicht, ob man persönlich pitcht oder Corona-konform digital.

Raus aus der Durchschnittsfalle: Von der Pflicht zur Kür beim Pitch

Gute Investoren werden oft gepitcht. Somit trennt sich für sie schon in den ersten gemeinsamen 90 Sekunden die Spreu vom Weizen. Befolgt deshalb folgende Punkte, um euch abzuheben:

1. Kenne deinen Ziel-Investor vorab und nutze den Netzwerk-Effekt strategisch

Schwer nachzuvollziehen sind Gründerinnen und Gründer, die wild durch die Gegend pitchen, nach dem Motto „irgendwann wird es schon klappen“. Besser ist es, sehr gezielt und selektiv vorzugehen. Optimalerweise sucht man zu Beginn einen strategischen Angel, der Produkt und Markt gut einschätzen kann und damit dem Startup seine Reputation vererbt. Natürlich müssen auch die persönliche Ebene und die Chemie stimmen, aber das findet man meist rasch heraus. Bevor man den Investor trifft, muss man sich kundig machen, wo er bereits investiert ist, wie er mit seinen Ventures umgeht und ob er ein Typ ist, mit dem man sicher kommende, schwere Krisen gemeinsam bewältigen kann.

Als zweiten Investor sollte man sich einen mit einem guten Investoren-Netzwerk suchen. Sind Investor 1 und 2 ein und derselbe, umso besser. Hat man nämlich eine fachlich versierte Bestätigung durch einen Erstinvestor an Bord und dann früh Zutritt zu einem größeren Netzwerk, wird das Aufstellen höherer Summen erheblich einfacher. Ich mag den Begriff „Lemminge-Effekt“ nicht besonders, denn er klingt respektlos. Sich als Investor an Kollegen anzuschließen, die das Startup besonders gut verstehen, ist intelligent. Aber genauso intelligent und legitim ist es für Gründerinnen und Gründer, diesen Effekt auch für sich zu nutzen.

2. Wähle die richtige Sprache

Viele machen den Fehler, alle potentiellen Investoren gleich zu pitchen. Passt Sprache und Informationsart- und -tiefe besser eurem gegenüber an. Ist es selbst ein technisch hochversierter Nerd oder ein Finanz-Investor? Ist er als Typ ein Lead-Investor oder sucht er eher Anschluss? Ist es ein Zahlenmensch oder jemand, der große Visionen liebt? Man kann jeden Pitch kommunikationstechnisch dahingehend anpassen und dennoch authentisch bleiben. Und gute Gründerinnen und Gründer tun das auch.

3. Bullshit-Verbot beim Pitch

Mit der Reifung unserer Industrie wurde auch die Allergie auf Bullshit unter den Profis größer. Das bringt mitunter auch Probleme für Early-Stage-Firmen. Denn wenn um einen herum andere Startups hemmungslos übertreiben und Zahlen geradezu erfinden, sieht man selbst vielleicht mager aus.

Dennoch, es lohnt sich langfristig, von Anfang an einen korrekten Weg zu gehen. Man kann und muss sich so gut wie möglich verkaufen, aber eben mit korrekten Fakten arbeiten. Nur dann kriegt man auch die richtig guten Investoren an Bord.

Das „Bullshitting“ ist übrigens kein Phänomen unter Startup-Gründerinnen und -Gründern alleine, sondern ein gesamtgesellschaftliches. Ja es gibt auch Investoren, die hemmungslos übertreiben und unter dem Druck einer heute gnadenlos harten Öffentlichkeit, jede Scham in ihrer Selbstdarstellung verlieren. Aber das macht nichts. Integre Gründerinnen und Gründer suchen integre Investorinnen und Investoren profitieren von deren Kultur. Und es ist nie zu spät, sich diese Haltung anzueignen.

4. Überrasche positiv, um einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen

Wie oben erwähnt, ist die Pitch-Konkurrenz zahlreich und hart. In der Differenzierung zu anderen Startups ist es deshalb von Vorteil, beim Pitch „positiv zu überraschen“. Nennen wir es „die Krönung“ eures Pitch. Da ist der Kreativität kein Limit gesetzt und es kann den Pitch zu einem ganz persönlichen Erlebnis machen, an das man sich gerne zurückerinnert.


Zum Autor

Mic Hirschbrich ist CEO des KI-Unternehmens Apollo.AI, beriet führende Politiker in digitalen Fragen und leitete den digitalen Think-Tank von Sebastian Kurz. Seine beruflichen Aufenthalte in Südostasien, Indien und den USA haben ihn nachhaltig geprägt und dazu gebracht, die eigene Sichtweise stets erweitern zu wollen. Im Jahr 2018 veröffentlichte Hirschbrich das Buch „Schöne Neue Welt 4.0 – Chancen und Risiken der Vierten Industriellen Revolution“, in dem er sich unter anderem mit den gesellschaftspolitischen Implikationen durch künstliche Intelligenz auseinandersetzt.

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Forschende in der SAL Reinraum Villach. (c) Sarina Dobernig

Der Quantencomputer gilt als die nächste Schlüsseltechnologie, was die Quantenforschung zu einer der gefragtesten unserer Zeit macht. Ein zentraler Punkt sind dabei die Ionenfallen-Chips, die das Funktionieren von Quantencomputern ermöglichen. Die USA und China investieren bereits Milliarden in diese Forschung, nun startet Europas erste Pilotinitiative zur industriellen Herstellung der Chips, und das in Österreich.

Vom raumfüllenden Labor zum winzigen Chip

Sogenannte Ionenfallen gelten als einer der vielversprechendsten Ansätze für zukünftige Quantencomputer. Das Prinzip dahinter: Einzelne geladene Atome werden mithilfe elektromagnetischer Felder „eingesperrt“ und dann durch Laserstrahlen gesteuert.

Aktuell füllt diese komplexe Technik im Labor noch einen kompletten Raum. Für eine praktische Nutzung muss der gesamte Aufbau auf einen winzigen Chip schrumpfen – und zwar so, dass er zuverlässig, reproduzierbar und in großen Stückzahlen industriell gefertigt werden kann. Hier setzt die Pilotinitiative von Silicon Austria Labs an, denn sie hat das Ziel, eine industrielle Herstellung von Ionenfallen-Chips in Österreich zu etablieren.

„Unsere Industriestrategie 2035 hat einen klaren Anspruch. Wir wollen Schlüsseltechnologien nicht anderswo entstehen sehen, sondern hier in Österreich mitgestalten. Dass Silicon Austria Labs bei Europas erster Fertigung von Ionenfallen-Chips die Führung übernimmt, zeigt, dass dieser Kurs greift. So wird aus Spitzenforschung industrielle Wertschöpfung im eigenen Land“, kommentiert Innovationsminister Peter Hanke das Projekt.

Innovationsminister Peter Hanke bei einem Besuch in den Silicon Labs Austria. (c) Tobias Holzer

30 Mio. Euro für Österreich

Insgesamt stehen für das Projekt 50 Millionen Euro zur Verfügung. Diese Fördermittel kommen vom „Chips Joint Undertaking“ der Europäischen Union, das die Entwicklung und Einführung von nanoelektronischen Chip-Technologien vorantreibt, sowie den teilnehmenden Mitgliedstaaten. Der größte Teil von diesem Geld – über 30 Millionen Euro – fließt direkt an die österreichischen Partner.

Das Geld wird laut SAL in erster Linie für den Ausbau der Produktionsanlagen, die Ausbildung neuer Fachkräfte und in offene Servicestrukturen investiert.

Gebündelte österreichische Expertise

An dem Großprojekt sind 21 Organisationen aus sechs verschiedenen Ländern beteiligt. Das Netzwerk besteht aus Forschungseinrichtungen, Universitäten, Startups, KMU und Industrieunternehmen.

Neben Silicon Austria Labs als Projektkoordinator sind weitere heimische Akteure dabei. ParityQC, das mit dem Bau eines Quantencomputers für das deutsche Verteidigungsministerium erst für Schlagzeilen sorgte, liefert die Quantensoftware-Architektur. Infineon Technologies Austria bringt als industrieller Kernpartner das Wissen zur Fertigung der Chips ein. Alpine Quantum Technologies steuert die Systemperspektive bei, und die Universität Innsbruck fungiert als europäisches Ideenlabor für Ionenfallen.

Europas Quanten-Vorreiter

Die Silicon Austria Labs GmbH (SAL) ist ein 2018 gegründetes, österreichweites Forschungszentrum für elektronik- und softwarebasierte Systeme. An den Standorten Graz, Villach und Linz vernetzt SAL Wissenschaft und Industrie, um innovative Ideen in wirtschaftlich nutzbare Technologien zu verwandeln. Der Forschungsfokus liegt auf Mikrosystemen, Sensorik, Leistungselektronik, intelligenten drahtlosen Systemen und Embedded Systems. Neben CHAMP-ION ist SAL an drei weiteren europäischen Quanten-Pilotlinien beteiligt. Diese Breite habe in Europa kaum ein anderes Forschungszentrum, heißt es in einer Aussendung.

„Wir sind stolz darauf, CHAMP-ION als wahrhaft europäische Initiative zu koordinieren, die führende Expertise aus dem gesamten Kontinent zusammenbringt, um Europas technologische Souveränität im Bereich der Quantentechnologien zu stärken. Durch den Aufbau eines offenen und skalierbaren Ionenfallen-Ökosystems schaffen wir das Fundament für Quantenexzellenz auf Weltklasseniveau, made in Europe“, sagt Christina Hirschl, CEO von Silicon Austria Labs.

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