06.05.2025
DELOITTE RADAR 2025

Deloitte schlägt für Österreich Alarmglocken – und sieht Startups als Teil der Lösung

Bei der Präsentation des Deloitte Radar 2025 lässt das Beratungsunternehmen kaum ein gutes Haar an der wirtschaftlichen Situation Österreichs. Doch es werden auch Lösungswege vorgestellt.
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Herbert Kovar, Elisa Aichinger und Harald Breit stellten den Deloitte Radar 2025 vor | (c) Deloitte
Herbert Kovar, Elisa Aichinger und Harald Breit stellten den Deloitte Radar 2025 vor | (c) Deloitte

Der Wirtschaftsstandort befinde sich „im Sinkflug“ und es gelte, „eine Bruchlandung zu verhindern“. Österreich befinde sich „in einer Abwärtspirale“ bzw. „am harten Boden der Realität“ und die Stimmung in der Wirtschaft sei „am absoluten Tiefpunkt“. Bei der heutigen Präsentation des jährlichen Deloitte Radar sparten Deloitte-Österreich-CEO Harald Breit, Managing Partner Herbert Kovar und Partnerin Elisa Aichinger nicht mit alarmistischen Superlativen.

Österreich fällt oder stagniert bei Indizes

Für den Deloitte Radar wurden nicht nur rund 600 heimische Top-Führungskräfte befragt, sondern auch mehrere internationale Rankings und Indizes verglichen, konkret der Competitiveness Report des IMD, der Global Innovation Index, der World Happiness Report und der Sustainable
Development Goals Index. Mit Platz sechs im Jahr 2024 (2023: Platz 5) landet Österreich nur bei letzterem in den weltweiten Top 10. Im World Happiness Report gibt es seit Platz neun im Jahr 2020 einen konstanten Abstieg zuletzt auf Platz 14. Im Global Innovation Index verbesserte sich das Land um einen Rang auf Platz 17, wo es aber bereits 2022 lag.

„Ist das wirklich alles, was wir in Österreich zusammenkriegen?“

Die größte Sorge bereitet Deloitte das Abschneiden im Competitiveness Report: Hier hatte Österreich sich von 2015 bis 2020 vom 26. auf den 16. Platz verbessert, um seitdem wieder mit teils starken jährlichen Verschlechterungen auf den 26. Platz (Platz 12 innerhalb Europas) zurückzufallen. „Im Moment geht die Kurve steil nach unten. Dass das nicht nötig ist, zeigen andere europäische Länder, die mit Österreich vergleichbar sind“, kommentiert Harald Breit, etwa die Schweiz, Dänemark, Irland, Schweden, Norwegen und Finnland. „Wir müssen uns die Frage stellen: Ist das wirklich alles, was wir in Österreich zusammenkriegen? Unser Anspruch müsste sein, eine Top-5- oder Top-6-Platzierung in Europa zu schaffen. Das ist möglich.“

(c) Deloitte Services

„Großer Bogen um Österreich“ wegen Steuerquote

Und wie? Es brauche jedenfalls eine Stimmungsaufhellung, meint Herbert Kovar. Denn in der Befragung zum Deloitte Radar beurteilten nicht weniger als 61 Prozent der Befragten die Stimmung am Wirtschaftsstandort Österreich eher oder sehr negativ – laut Deloitte ein Tiefpunkt. Zudem brauche es eine „Entfesslung des Arbeitskräftepotenzials“, so der Managing Partner. Er macht die Kosten des Faktors Arbeit als größtes Problem aus. „Fachkräfte aus dem Ausland machen einen großen Bogen um Österreich wegen der Steuerquote. Pensionisten würden gerne arbeiten, aber es zahlt sich nicht aus. Und Teilzeitkräfte stocken keine Stunden auf, weil es sich nicht auszahlt.“

„Diesen mutigen Schritt muss man wagen“

„Es muss eine Senkung der Lohnnebenkosten und eine Steuersenkung auf Einkommen geben. Und das muss signifikant sein. Diesen mutigen Schritt muss man wagen“, so Kovar. Zudem werde man aber um eine Erhöhung des Pensionsantrittsalters nicht umhin kommen. Außerdem brauche es eine verstärkte Investitionsförderung für Unternehmen und eine Effizienzsteigerung in der Bürokratie, wobei man auch über Föderalismus sprechen müsse. „Das sind alles Dinge, die wir in den letzten Jahren immer wieder angesprochen haben. Es hat aber der politische Mut und die Entschlossenheit gefehlt und jetzt sind wir am harten Boden der Realität“, konstatiert der Managing Partner.

Förderung der Startup-Szene als ein Schlüssel

Und noch einen weiteren Punkt betont Kovar: „Die globale Wirtschaft befindet sich in einem vollkommenen Umwälzungsprozess. Es ist sehr wichtig, dass neue Geschäftsmodelle in Österreich etabliert werden. Das bedeutet: Man muss die Startup-Szene fördern. Junge Unternehmen müssen an Kapital herankommen.“ Als Positivbeispiel nennt er Irland, das bei der Bereitstellung von Risikokapital weltweit auf Platz acht liegt – im Vergleich zu Österreich auf Platz 43. Das liege etwa am „Halo Business Angel Network“, das für eine effektive Vernetzung junger Unternehmen mit Investor:innen sorge. „Was wir in Österreich mit der Show 2 Minuten 2 Millionen haben, wird in Irland wirklich systematisch gemacht“, so Kovar.

Startups auch essenziell für Attraktivität für ausländische Schlüsselkräfte

Auch Deloitte-Partnerin Elisa Aichinger nennt in ihrer Domäne, dem Arbeitsmarkt, die gezielte Förderung von Startups als Schlüsselfaktor, konkret im Bereich Attraktivität für ausländische Schlüsselkräfte. Hier liegen die Niederlande weltweit auf Platz acht, verglichen mit Österreich auf Rang 33. „Sie haben eine sehr vorausschauende Infrastruktur, um innovative Startups, vor allem im Hightech-Bereich, zu fördern“, so Aichinger. Das passiere etwa über Inkubatoren an den Unis. Dazu komme eine „sehr zielgerichtete Visa-Politik“, etwa mit einem „Startup-Visum“ für ein Jahr mit Option auf Verlängerung als „Highly-Skilled-Visum“. „Das führt auch dazu, dass die Niederlande in vielen Bereichen Technologieführer sind“, so die Expertin.

Schweden als Vorbild im AI-Bereich

Und auch im Bereich Digitalisierung und Innovation nennt Aichinger die Förderung von Startups als Schlüsselfaktor. „Es braucht Anreize um zu gründen und zu investieren“, sagt sie. Außerdem brauche es Geld für digitale Infrastruktur, digitale Bildung und Investitionen in die Cybersecurity. Als Best-Practice-Beispiel im Digitalisierungsbereich nennt die Expertin Schweden, das international Platz eins bei der Integration von Big Data und Datenanalyse in unternehmerische Prozesse belegt – Österreich liegt hier auf Rang 55. Das führt Aichinger unter anderem auf die Initiative AI Sweden zurück.

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Der Salzburger Paketstationen-Anbieter myflexbox und DeinFach, eine Tochter der Deutschen Post AG, schließen sich zusammen. Das gaben die DHL Group und myflexbox am Donnerstag in einer Aussendung bekannt. Die anbieteroffenen Automatennetze der beiden Unternehmen sollen künftig unter der Marke myflexbox geführt werden. Die Marke DeinFach wird schrittweise in myflexbox überführt.

Laut Aussendung betreibt myflexbox rund 3.000 Paketstationen in Deutschland und Österreich. Sie ergänzen das deutsche Automatennetz aus rund 19.000 DHL-Packstationen, Poststationen und DeinFach-Automaten. Nach Angaben der Unternehmen entsteht damit das mit Abstand größte anbieteroffene Paketstationsnetz im deutschsprachigen Raum. Das Modell, Stationen für verschiedene Paketdienstleister bereitzustellen, soll erhalten bleiben.

Verkauf an die DHL-Gruppe

Wie der Deal rechtlich und wirtschaftlich ausgestaltet ist, geht aus der Aussendung nicht hervor. Dort ist von einem Zusammenschluss die Rede, Angaben zu Anteilen, Kaufpreis und künftiger Führung fehlen.

Laut einem Bericht von salzburg.ORF.at wird myflexbox an die DHL-Gruppe verkauft. Der Kauf erfolge über die DHL-Tochter AZL GmbH, die bisher die Marke DeinFach betreibt. Verkäufer sei Star Capital, zum Kaufpreis gebe es keine Angaben.

brutkasten hat bei der Deutschen Post AG zur Deal-Struktur angefragt. Bis zum Erscheinen dieses Artikels gab es keine Rückmeldung.

50.000 Paketautomaten bis 2030

Die Deutsche Post AG verbindet mit dem Schritt ein Ausbauziel. Bis 2030 will sie Verbraucher:innen in Deutschland insgesamt rund 50.000 Paketautomaten zur Verfügung stellen. Mehr als die Hälfte davon sollen anbieteroffene myflexbox-Stationen sein. Langfristig soll die große Mehrheit der Menschen in Deutschland eine Paketstation in fünf bis zehn Gehminuten erreichen.

„Gemeinsam bringen wir den Ausbau des größten offenen Paketstations-Netzwerks auf eine neue Ebene“, wird myflexbox-CEO und Founder Jonathan Grothaus in der Aussendung zitiert. DeinFach-Geschäftsführer Lukas Beckedorff erklärt, man nutze bestehende Standorte, erschließe zusätzliche und verkürze damit die Wege für Verbraucher:innen.

Gegründet bei der Salzburg AG

myflexbox wurde 2018 als Corporate-Startup der Salzburg AG gegründet und 2022 ausgegründet. Im Februar 2023 holte das Unternehmen 75 Millionen Euro vom Star IV Fonds, der von Star Capital Partnership LLP verwaltet wird (brutkasten berichtete). Seither stand es im Mehrheitsbesitz eines Investorenkonsortiums.

Zuletzt ist das Unternehmen stark gewachsen. Im September 2025 betrieb myflexbox fast 1.400 Paketstationen in Deutschland und Österreich, davon 660 in Österreich (brutkasten berichtete). Mit den nun genannten rund 3.000 Stationen hat sich das Netz in etwa einem Jahr mehr als verdoppelt.

Mitgründer und Ex-Co-CEO Lukas Wieser ist seit Mai 2026 als Interim Head of Growth beim Linzer HR-Tech teamecho tätig (brutkasten berichtete).

Post und DPD als Partner in Österreich

In Österreich zählen unter anderem die Österreichische Post und DPD zu den Logistikpartnern. Die Post mietet seit 2024 Abholfächer in den myflexbox-Stationen (brutkasten berichtete). DPD sicherte sich im Vorjahr rund 9.000 Fächer und damit fast ein Viertel der hierzulande verfügbaren Fächer. Wie sich der Deal mit einer Tochter der Deutschen Post AG auf diese Partnerschaften auswirkt, lässt die Aussendung offen.

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