Die offizielle Bestätigung steht noch aus, doch aller Voraussicht nach wird der Berliner Liefer-Riese Delivery Hero das nach einem Skandal insolvente FinTech Wirecard im deutschen Aktien-Leitindex DAX noch im August ablösen.
Ein nach einem massiven Skandal insolventes Unternehmen im Leitindex – das ist für einen Finanzplatz gewiss nicht wünschenswert. Doch im Fall des FinTechs Wirecard, das erst 2018 im DAX gelistet worden war, war es für die Deutsche Börse gar nicht so einfach, es im DAX schnell zu ersetzen. Prinzipiell wäre das nämlich erst am 21. September nach der regulären Überprüfung der Indizes möglich gewesen. Nun entschloss man sich, das Regelwerk abzuändern und einen vorzeitigen „Rauswurf“ insolventer unternehmen zu ermöglichen. Auf Wirecard folgen soll Delivery Hero.
Delivery Hero als logischer DAX-Kandidat
Eine offizielle Bestätigung, dass der 2011 gegründete Liefer-Riese aus Berlin dem maroden FinTech im DAX folgt steht zwar noch aus. Es gilt aber als ziemlich sicher, dass es so kommen wird – wegen der Regeländerung noch im August. Delivery Hero liegt in Sachen Marktkapitalisierung (derzeit rund 19,7 Milliarden Euro) und Handelsvolumen nämlich vor anderen börsennotierten deutschen Unternehmen, die prinzipiell in Frage kämen, etwa dem Duftstoff-Fabrikanten Symrise. Zudem konnte der Konzern mit seinem Geschäftsmodell in der Coronakrise besonders stark zulegen und wies zuletzt ein Rekordwachstum auf.
Das Berliner Unternehmen ist in etwa 40 Ländern aktiv und hat weltweit rund 25.000 Mitarbeiter (inklusive Lieferanten). Es hat insgesamt 15 Tochterunternehmen bzw. Beteiligungen an Lieferservices auf fast allen Kontinenten.
Biotech Summit Austria: Der Wille zum Champion ist da – das Kapital noch nicht
Kommentar: Karin Hofelich war beim Biotech Summit Austria in Innsbruck und fragt: Kommt das Geld aus dem neuen Dachfonds auch bei Biotech-Unternehmen an?
Biotech Summit Austria: Der Wille zum Champion ist da – das Kapital noch nicht
Kommentar: Karin Hofelich war beim Biotech Summit Austria in Innsbruck und fragt: Kommt das Geld aus dem neuen Dachfonds auch bei Biotech-Unternehmen an?
Rund 250 Teilnehmer:innen aus zwölf Ländern, zwei Tage in Innsbruck, ein Motto: „Start up, Scale up, Step up!“ Mit vielen neuen Kontakten und einem guten Gefühl bin ich nach Hause gefahren und mit einer offenen Frage: Die österreichische Biotech-Branche ist so gut vernetzt wie nie, aber woher kommt künftig das Geld, damit aus exzellenter Forschung Unternehmen werden, die in Europa groß werden?
Am Wissen fehlt es nicht. Ob Europa in der Biotechnologie mitspielt, entscheidet sich an der Finanzierung der Wachstumsphase.
Europa zwischen den USA, Golfstaaten und China
Der Schwerpunkt des Summits lag auf dem Scaleup, also auf dem Schritt vom Startup zum international wachsenden Unternehmen.
Ein Bild für die Zukunft der Pharmatrends zeichnete Claudio Albrecht, ehemaliger CEO der Stada AG. Er sprach darüber, wie Geopolitik, neue Technologien und sich wandelnde Gesundheitssysteme die Pharmaindustrie bis 2035 prägen könnten. Besonders hervorgehoben hat er dabei die Transformation Chinas von einer Service-Industrie zu einem Innovationsmotor sowie die Dynamik in den Golfstaaten. Europa widmete er keine eigene Folie in seiner Präsentation, was vom Publikum hinterfragt wurde. Es wirft die Frage auf, welchen Stellenwert Europa künftig im globalen Wettbewerb überhaupt noch spielen wird.
(c) Hofelich – Claudio Albrecht gab einen Ausblick in die Zukunft.
Ein Champion, der nicht auswandern muss
Den Gegenentwurf lieferte Karl Nehammer, Vizepräsident der Europäischen Investitionsbank (EIB) und ehemaliger Bundeskanzler. Besonders in Erinnerung geblieben ist mir vor allem ein Satz: „The next champion should not need to leave Europe in order to become a global champion.“
(c) Hofelich – Karl Nehammer, Vizepräsident der Europäischen Investitionsbank (EIB).
Das Ziel ist ambitioniert und gerade in der Biotechnologie bislang schwer erreichbar. Entwicklungszyklen dauern hier i. d. R. mehr als ein Jahrzehnt.
Der Startup- & Scaleup-Dachfonds: eine gute Nachricht mit Fragezeichen
Für die Branche besonders interessant war die Diskussion über den geplanten österreichischen Dachfonds. Stefan Haubner, Founding Partner bei APEX Ventures, widmete sich der Frage, ob Europa ein eigenes Modell für Venture Capital braucht. Dabei ging es auch um den österreichischen Fund-of-Funds.
Der Dachfonds soll Anfang 2027 starten. Der Staat steuert 100 Mio. Euro bei, institutionelle Investoren sollen weitere 400 Mio. Euro bringen. Das ist ein wichtiges Signal. Weil es ein Dachfonds ist, investiert er aber nicht direkt in Unternehmen, sondern in andere Fonds.
Wie viel von diesem Geld tatsächlich bei Biotech-Unternehmen ankommt, ist derzeit offen.
Life Sciences brauchen Investoren mit Fachwissen und langem Atem. Davon gibt es in Österreich nur wenige. Wenn der Dachfonds vor allem in Generalisten-Fonds fließt, könnte die Biotechnologie leer ausgehen.
Tirol zeigt, wie Standortarbeit aussieht
Auch organisatorisch war der Summit ein Vorzeigeprojekt. Veranstaltet wurde der Summit von BIOTECH AUSTRIA, Human.technology Styria und der Standortagentur Tirol. Vor Ort vertreten waren Peter Llewellyn-Davies, Präsident von BIOTECH AUSTRIA, Marcus Hofer, CEO der Standortagentur Tirol, und Lejla Pock, CEO von Human.technology Styria. Äußerst charmant moderiert hat Damita Pressl.
Die Villa Blanka hoch über Innsbruck bot eine außergewöhnliche Kulisse; ebenso das Gala-Dinner am Abend in der Rooftop-Bar des Hotels aDLERs. Begeistert zeigten sich auch die Teilnehmer:innen, die am Vortag im Rahmenprogramm die Skisprungschanze Bergisel besichtigt hatten. Ich selbst habe mir am Dienstagmorgen den Health Hub Tirol angesehen. Das Technologiezentrum ist seit knapp einem Jahr in Betrieb und bietet noch freie Flächen. Das ist die Art Standortpolitik, die wirkt: Infrastruktur, Netzwerk und ein Treffpunkt, an dem Forschung, Investor:innen und Politik tatsächlich ins Gespräch kommen.
Was es jetzt braucht
Der Summit hat gezeigt, dass die Branche sich der Herausforderungen bewusst ist und weiß, was zu tun ist.
Der nächste Champion muss nicht auswandern. Aber dafür muss das Kapital vor Ort stärker mobilisiert werden.
Der fünfte Biotech Summit Austria findet am 21. und 22. Oktober 2027 in Graz statt. Bis dahin wissen wir mehr darüber, ob der Dachfonds auch der Biotechnologie hilft.
Disclaimer: Karin Hofelich ist Life Science Lead beim brutkasten-Schwestermagazin VentureCapital. Das VC Magazin war Medienpartner des Summits.
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Auf das insolvente FinTech Wirecard soll im deutschen Aktien-Leitindex DAX Delivery Hero folgen.
Eine offizielle Bestätigung, dass der 2011 gegründete Liefer-Riese aus Berlin dem maroden FinTech im DAX folgt steht zwar noch aus.
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