07.06.2023

Datenkompetenz: Warum jedes Unternehmen einen AI Education Strategist braucht

Tizian Kronsbein von DAIN Studios, erklärt im Gastbeitrag, was es mit der neuen Rolle "AI Education Strategist" auf sich hat.
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AI Education Strategist
(c) DAIN Studios
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Eigentlich ist es nichts neues: Wir leben in einer Dataconomy. Der Begriff Dataconomy ist ein metaphorischer Neologismus, der beschreibt, wie wichtig Daten für unsere Wirtschaft geworden sind. Daten sind der Treiber für vieles und vor allem für den Einsatz von KI. Wer das noch nicht wusste, der hat spätestens mit der Veröffentlichung von OpenAIs ChatGPT verstanden, dass sich KI mittlerweile zu einem mächtigen Werkzeug für uns Menschen entwickelt hat und noch weiterentwickeln wird. 

Generative KIs, wie ChatGPT oder Midjourney, werden immer mehr Schritte in unseren Arbeitsprozessen übernehmen können – insbesondere, wenn man diese miteinander kombiniert und sie so selbstständig Aufgaben erledigen können (siehe AutoGPT). Es ist davon auszugehen, dass wir mehr und mehr sogenannte menschlich-maschinelle Interaktionen in unserer Arbeitswelt erleben werden. Die Rollen, insbesondere die der Knowledge Worker, werden nachhaltig neudefiniert werden müssen. Dabei müssen wir ein besonderes Augenmerk darauf legen, dass sich die digitale Spaltung innerhalb unserer Gesellschaften nicht noch intensiviert.

Der AI Education Strategist: Brücke zwischen Datenkompetenz und Unternehmensbedürfnissen

Die Rolle des AI Education Strategist bzw. Data Education Strategist (manchmal auch als Daten-Übersetzer:in bezeichnet) hat sich entwickelt, weil weder die akademischen Institutionen noch die Geschäftswelt genügend Menschen mit den entsprechenden Datenkompetenzen hervorbringt.

In der akademischen Welt – auch wenn es einige Beispiele von durchstartenden Führungskräften gibt – erfüllen Universitäten und Hochschulen nicht die Nachfrage nach Daten- und KI-Profis. Oft sind Kurse entweder zu sehr auf das Geschäft ausgerichtet oder zu stark auf Daten bezogen und bieten nicht die hybriden Profile, die der Markt erfordert. In der Geschäftswelt haben viele Unternehmen schlichtweg nicht die Zeit oder das Know-how, um Lern- und Entwicklungsprogramme in die Arbeitsroutinen zu integrieren.

Einige Unternehmen haben versucht, den Mangel an Fähigkeiten durch die Entwicklung eigener Schulungen zu kompensieren. Unternehmen nutzen Online-Kursanbieter wie Coursera, um bei der Weiterbildung zu helfen. Andere Unternehmen entwickeln spezielle interne Schulungsumgebungen für Data Science und Data Engineering. Diese Programme sind jedoch oft sehr technisch und finden in einer Laborumgebung statt, die wenig Bezug zu den alltäglichen Abläufen eines Unternehmens haben.

Generative KIs, die Inhalte jedweder Art mit wenig menschlichem Eingriff erstellen können, haben den Bedarf an Fachleuten, die die Lücke zwischen KI-Technologien und Geschäftsanwendungen schließen können, noch weiter verschärft. Nicht nur verändern sich Rollenbeschreibungen komplett, Mitarbeiter in Unternehmen benötigen auch ein neues Verständnis im Umgang mit diesen Technologien. Sie müssen sattelfest bei Fragen im Umgang mit diesen Werkzeugen sein, aber auch die generierten Inhalte genaustens verstehen können. Themen wie Datenschutz, Datenethik, Neigungen in Daten (Biases), muss spätestens jetzt, jeder nicht nur mal gehört haben, sondern anwenden können.

Mehr als nur Datenvermittler – Navigatoren in einer datengesteuerten Welt

AI Education Strategists überbrücken die oft vorherrschende Kluft zwischen IT-Funktionen (insbesondere Data & AI Teams) und den Geschäftsbereichen. Kurz gesagt, sie entwerfen den Weg zur Datenkompetenz, etablieren eine Datenkultur innerhalb von Organisationen und ermöglichen es den Mitarbeitern, Probleme selbstständig mit Daten zu lösen.

Neben der Mobilisierung technischer Lernprozesse helfen sie dabei, Data Analysts mit den notwendigen technischen Kompetenzen (z.B. Data Analysis mit Python und das Verwenden von Datenplattformen) auszustatten, und sie zu Citizen Data Scientists weiterzubilden. 

Andere Elemente werden jedoch immer wichtiger. AI Education Strategists müssen sicherstellen, dass Mitarbeiter die ethischen Implikationen und potenziellen Risiken der Nutzung von Generativer KI verstehen, wie Datenschutzbedenken, Voreingenommenheit in generierten Inhalten und das Potenzial für den Missbrauch in der Verbreitung von Fehlinformationen.

Wie der Wandel zur Datenkompetenz anstoßen werden kann

AI Education Strategists konzentrieren sich auf Lernstrategie und Unterrichtsgestaltung. Sie sitzen zwischen den AI-Teams, HR und dem Leadership. Folgende Tätigkeiten sind elementarer Teil der AI Education Strategists:

  • Tiefes Verständnis der Daten- und Geschäftsstrategie der Organisation und ihre Bestandteile.
  • Strukturiertes Erfassen der Data Maturity (Reifegrad der Belegschaft und Organisation als Ganzes): Das bedeutet, dass sie die Plattformen, Anwendungsfälle und Strategien kennen sollten, die entweder vorhanden sind oder in Entwicklung sind, aber auch das Level an Datenkompetenz im Unternehmen.
  • Sie müssen die übergeordneten Lern- und Transformationsziele verstehen: Welche Fähigkeiten existieren bereits in einer Organisation? Welche Schulungen sind derzeit verfügbar? Und wie viele Mitarbeiter sind beteiligt? Wie werden sich Rollen durch KI verändern und welche essenziellen Kompetenzen fehlen der Organisation?
  • Einrichten von Programmen zur Sensibilisierung für die Daten-Transformation: Sie entwickeln Lernreisen basierend auf Geschäftsproblemen. Dies beinhaltet die Vermittlung von Kenntnissen über Methoden, Rahmenbedingungen und praktische Erfahrungen, die zu datenbasierten Lösungen führen.
  • Entwicklung von Schulungsmodulen, die sich auf den verantwortungsvollen Umgang mit Generativer KI konzentrieren und sicherstellen, dass Mitarbeiter sich der potenziellen Fallstricke und der besten Praktiken zur Risikominderung im Zusammenhang mit der Technologie bewusst sind.
  • Organisation von Veranstaltungen: Dazu gehören Aktivitäten wie Webinare, Workshops und andere Zusammenkünfte, die sich auf Daten, Analytik und KI- Projekte konzentrieren. Diese Events sind enorm wichtig für die Datenkultur im Unternehmen.
AI Education Strategist - Data Education Strategist
(c) DAIN Studios

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Heutzutage sind Daten- und KI-Kompetenzen eine kostbare Ressource in der Geschäftswelt. Die Umsetzung der digitalen Transformation erfordert neue, spezialisierte Fähigkeiten, aber es besteht ein starker Wettbewerb um Talente – und das Angebot trifft nicht immer auf entsprechende Nachfrage.

Deshalb sehen wir das Aufkommen des AI Education Strategists. Das Profil wurde entwickelt, um die Datenkompetenz zu stärken und den Mangel an Fähigkeiten zu beheben. Sie schaffen eine Unternehmenskultur rund um das Thema Daten und KI und nutzen Schulungsprogramme, damit Unternehmen die Kraft von Daten und KI entfesseln können.

Darüber hinaus werden AI Education Strategists eine entscheidende Rolle spielen, um Organisationen mit dem notwendigen Wissen und den Fähigkeiten auszustatten, um die Kraft von KI-Technologien verantwortungsvoll zu nutzen und gleichzeitig die damit verbundenen Herausforderungen und Limitationen zu meistern. 


Zum Autor

Tizian Kronsbein kümmert sich als Head of DAIN Academy bei DAIN Studios für die „menschliche Komponente der Datentransformation“ der Kunden. Er ist einer der Mitbegründer und Tought Leader der Data Thinking Methode und weiß durch seine Erfahrung als Data Strategist, worauf es ankommt um Mitarbeiter auf dem Weg zur Datenkompetenz zu begleiten.

Tizian Kronsbein | (c) DAIN Studios
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Das Helferline-Führungsteam (vl.) Janko Glavić (CTO) und die beiden Gründer Clemens Schmidgruber (CEO) und Alexander Niederhofer (COO) | (c) Helferline
Das Helferline-Führungsteam (vl.) Janko Glavić (CTO) und die beiden Gründer Clemens Schmidgruber (CEO) und Alexander Niederhofer (COO) | (c) Helferline

Wer zuhause technischen Support, etwa mit Internet, TV oder Smartphone braucht, bekommt vom Wiener Startup Helferline innerhalb weniger Stunden eine:n Techniker:in aus seinem flächendeckenden Netzwerk vermittelt. Das ist bereits seit der Gründung vor etwas mehr als zehn Jahren so, in denen mehr als 100.000 Personen das Service nutzten.

Zu diesem B2C-Angebot kam schon bald nach dem Start eine B2B2C-Schiene dazu. Mit A1, Magenta und Drei setzen die drei großen heimischen Mobilfunker ebenso bereits seit Jahren im Service auf Helferline, wie etwa MediaMarkt, Emporia, die Uniqa oder Assa Abloy.

„Wir hatten viele harte Jahre. Jahre, in denen wir uns kein Gehalt ausgezahlt haben“

Doch die betriebswirtschaftliche Realität hinter den großen Namen und beachtlichen Zahlen war über lange Zeit hinweg weniger rosig, wie die beiden Gründer, Clemens Schmidgruber und Alexander Niederhofer, im Gespräch mit brutkasten im Büro im 9. Wiener Bezirk erzählen. „Wir hatten viele harte Jahre. Jahre, in denen wir uns kein Gehalt ausgezahlt haben und in denen wir das Glück hatten, dass auch unsere Mitarbeiter so sehr an die Idee geglaubt haben, dass sie mehrmals längeren Verzögerungen beim Gehalt zugestimmt haben“, sagt Schmidgruber.

„Wir konnten auch nicht, wie andere Tech-Unternehmen, Corona mitnehmen. Auf uns hat sich das negativ ausgewirkt, die Nachfrage nach Vor-Ort-Service ist zurückgegangen“, ergänzt Niederhofer. Und Jahre der Dauerkrise hätten ihre Spuren hinterlassen. „Die Belastung ging bei mir bis zum Burnout. Und irgendwann sind wir an den Punkt gekommen, an dem wir gesagt haben: Wenn es zu Weihnachten immer noch so aussichtslos ist, hören wir auf.“

Das war vor rund zwei Jahren. Mittlerweile schreibt das Unternehmen monatlich sechsstellige Gewinne. Was ist also in der Zwischenzeit passiert?

Eine Reihe von Gamechangern

„Wir haben damals bei einem Event Hansi [Anm. Hansmann] getroffen und sehr offen mit ihm über die schwierige Situation gesprochen. Ihm hat die Idee immer noch gefallen, er hat Potenzial gesehen und meinte, man kann immer noch was machen“, erzählt Schmidgruber. Schließlich stieg das Hansmann Family Office über einen Secondary in das Unternehmen ein. „Wir haben davor oft versucht, Kapital zu raisen, sind aber gescheitert. Die Zahlen haben nie entsprechend ausgesehen, wir hatten kein Hockeystick-Wachstum. Aber Hansi ist jemand, der Chancen erkennt und einfach anpackt, und hatte damit – wie so oft – den richtigen Riecher. Das hat uns den Atem gegeben, doch noch weiterzumachen“, sagt Niederhofer.

Doch das war nicht der einzige Gamechanger für Helferline. „In den letzten Jahren haben alle direkten Konkurrenten in Mitteleuropa aufgegeben bzw. ihr Geschäftsmodell geändert, dadurch mussten alle Firmen mit Bedarf an Vor-Ort-Service zu uns“, so Niederhofer. Und dieser Bedarf bestehe durchaus. „Über Jahre hinweg haben die Anbieter immer mehr auf Plug & Play und do it yourself gesetzt und den Field Service abgebaut. Das hat sich als nicht richtig herausgestellt. Der Bedarf ist weiterhin da – auch in der Telekom-Branche. Auch 2026 kennen sich immer noch nicht alle mit Technik aus“, sagt der Gründer.

O2 wird zum großen Hebel

Und ein Großauftrag in genau diesem Bereich war es schließlich auch, der bei Helferline zum großen Hebel wurde. „Ende vergangenen Jahres haben wir mit einem riesigen Projekt für O2 begonnen. Der Anbieter schenkt jedem Neukunden einen Helferline-Einsatz – und das bei zehntausenden Neukunden im Monat“, erzählt Schmidgruber. Niederhofer ergänzt: „Mit diesem Angebot will O2 sich vom Wettbewerb absetzen und die Nummer 1 im Bereich Kundenzufriedenheit werden.“

Helferline habe die Aktion unter anderem einen Auftritt in deutschlandweiten TV-Spots und indirekte Werbung auf der Titelseite der Bild-Zeitung gebracht. Die Kapazitäten in kurzer Zeit für einen derartigen deutschlandweiten Auftrag auszubauen, sei aber alles andere als einfach gewesen, erzählt Schmidgruber und zeigt auf den „Schlachtplan“, der zur Erinnerung noch immer an der Bürotür im 9. Bezirk hängt: „Wir haben ja ein Freelancer-Modell. Wir mussten innerhalb weniger Wochen hunderte neue Techniker rekrutieren, onboarden und auf die Plattform bringen, um das Projekt abbilden zu können.“

Niederhofer führt aus: „Es war letztlich ein großer Team-Effort: Wir haben jede Menge Growth Hacks genutzt, haben Techniker als Promotoren an technische Unis geschickt, jedes schwarze Brett genutzt, Flyer verteilt und sogar Bierflaschen beklebt.“ Die teuerste Maßnahme sei das Engagement der größten deutschen Tech-Influencer gewesen. „Die haben uns dann auch über Nacht tausende Bewerbungen gebracht“, erklärt Niederhofer.

Doch bei diesem einen Großauftrag sollte es nicht lange bleiben. Gerade als das O2-Projekt in trockenen Tüchern war, sei bereits der nächste gekommen, erzählen die Gründer – und zwar auf ungewöhnliche Weise. „Es kam eine Mail an Alex [Anm. Niederhofer] herein, die auf den ersten Blick extrem nach Spam aussah“, erzählt Schmidgruber. Niederhofer führt aus: „Da schreibt jemand, der meint, er arbeitet bei Starlink und sie suchen jemanden, der die Installation für die Starlink-Satellitenschüsseln in ganz Europa übernimmt.“

Entgegen des ersten Impulses habe man die Mail ernstgenommen. „Wir haben uns gefragt: Ist es realistisch, dass unsere Techniker in Zukunft Sat-Schüsseln installieren, obwohl wir zu dem Zeitpunkt noch niemanden hatten, der das machen konnte? Sollen wir uns das trauen?“, erzählt Schmidgruber. Die beiden haben die Frage mit Ja beantwortet – ohne zu ahnen, was auf sie zukommen wird. Die Kooperation mit dem Musk-Unternehmen war von Anfang an nicht mit den europäischen Kooperationspartnern vergleichbar.

Niederhofer bringt ein Beispiel: „In einem Call wurde kurz darüber gesprochen, ob wir theoretisch die Logistik für Ersatzteile übernehmen könnten und wer unser Logistikpartner sei. Ein paar Tage später ruft mich unser Logistiker aus Deutschland an: Drei LKWs von Starlink stehen vor der Halle und wollen jetzt tonnenweise Hardware ausladen. Ohne jede Vorankündigung. Es gab zu dem Zeitpunkt weder einen Vertrag noch sonst etwas Schriftliches. Wir haben das dann mit den Amerikanern geklärt, die Ware übernommen und ein paar Tage später die erste Installation durchgeführt.“

Kurios sei auch gewesen, wie Helferline zu dem Auftrag kam: „Die amerikanischen Mitarbeiter haben einfach bei Claude eingegeben, welches Unternehmen im DACH-Raum diese Montagen am besten durchführen könne – und Claude hat geantwortet: Helferline“, erzählt Niederhofer. Das Service lief an. „Mittlerweile installieren wir in Deutschland und Österreich vierstellig Starlink-Schüsseln pro Monat – und es könnte bald fünfstellig werden“, sagt Schmidgruber. Und inzwischen installiert man schon erste Starlink-Antennen in Frankreich und den Niederlanden.

„Das war noch lange nicht alles“

Und die Welle an neuen Aufträgen reiße seitdem nicht ab. Weitere, teilweise noch größere Projekte seien bereits in der Pipeline oder unterschrieben und werden gerade vom mittlerweile 40-köpfigen Team umgesetzt. „Wir mussten so viele Hürden überwinden und sind einfach nur dankbar, dass wir jetzt eine so positive und spannende Zeit erleben dürfen“, sagt Niederhofer. Und Schmidgruber verspricht: „Aber das war noch lange nicht alles.“

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