29.04.2026
GOOGLE KI-RECHENZENTRUM

„Dass man sich freut auf dem Level eines Entwicklungslandes zu sein, ist paradox, but here we are“

Vergangene Woche gab Google den Bau eines Rechenzentrums in Kronstorf, Oberösterreich, bekannt. Wir haben uns umgehört, was das im Kontext der digitalen Souveränitäts-Debatte bedeutet und wie es mit rechtlichen Implikationen aussieht. EnliteAI-Founder Clemens Wasner, Act.AI.Now-Gründerin Jeannette Gorzala, Werner Pamminger, Geschäftsführer Business Upper Austria, sowie Dima Rubanov und Matthias Neumayer von Oscar-Stories erklären.
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KI Rechenzentrum
© zVg/EnliteAI, Oscarstories/LinkedIn/Screenhot/Gemini - (v.l.) Werner Pamminger, Jeannette Gorzala, Dima Rubanov, Matthias Neumayer und Clemens Wasner.

Google hat letzte Woche den Bau eines Rechenzentrums in Kronstorf, Oberösterreich, bekannt gegeben, um der wachsenden Nachfrage nach digitalen Diensten und KI-Angeboten gerecht zu werden, wie es per Aussendung hieß. Die Anlage soll die Nutzung der Abwärme ermöglichen und verfügt über ein begrüntes Dach mit Photovoltaikanlage.

Google kündigt Fonds an

Der US-Gigant kündigte außerdem einen neuen Fonds zur Verbesserung des Gewässerökosystems der Enns sowie die Errichtung eines Informationszentrums in Kronstorf an, wo die interessierte Öffentlichkeit mehr über Googles digitale Infrastruktur, die wirtschaftliche Wertschöpfung und über Nachhaltigkeitsmaßnahmen des Unternehmens erfahren kann. Darüber hinaus verkündete man eine enge Zusammenarbeit mit der Fachhochschule Oberösterreich im Bereich KI-Kompetenzen.

Christine Antlanger-Winter, „Managing Director Google Austria and Switzerland“ kommentierte Googles erste Investition in ein Rechenzentrum in Österreich wie folgt: „Dadurch erhalten Unternehmen, öffentliche Einrichtungen und Internet-Nutzer:innen in ganz Österreich einen noch besseren Zugang zu unserer Technologie und können aktiv an der digitalen Transformation teilhaben. Dies unterstreicht unsere langfristige Vision für Europa und zeigt unser starkes Engagement, regionale Innovationen durch strategische Investitionen zu beschleunigen.“

Hyperscaler dominieren

Da hier der Begriff „Vision für Europa“ gefallen ist, muss man sich bei allen positiven Aspekten dieser Entwicklung dennoch die Frage stellen, was das für die digitale Souveränität Europas bedeutet, die aktuell einen bedeutenden Platz in der internationalen und nationalen Debatte einnimmt.

In diesem Sinne weist Jeannette Gorzala, CEO und Founderin von Act.AI.Now bzw. Vice Chair des AI Board of the Austrian Government, darauf hin, dass der europäische Cloud-Markt von drei US-Hyperscalern dominiert wird: Google, Amazon und Microsoft.

„Laut einer Analyse des ‚EU Institute for Security Studies‘ (EUISS) ist der Marktanteil europäischer Anbieter an der europäischen Cloud-Infrastruktur von 27 Prozent in 2017 auf 15 Prozent in 2024 gesunken“, sagt sie. „Der Trend zeigt in die falsche Richtung. Nicht weil europäische Unternehmen schlechter werden – sondern weil die Skalierungslogik digitaler Infrastruktur diejenigen begünstigt, die bereits dominieren.

„Wer seine Dateninfrastruktur nicht kontrolliert, kontrolliert auch seine digitale Zukunft nicht“

Ihrer Ansicht nach ist Europa nicht aus dem Cloud-Markt gedrängt worden – Europa hat ihn nie ernsthaft beansprucht: „Rechenzentren sind keine neutralen technischen Einrichtungen. Sie sind der physische Ort, an dem Daten gespeichert, verarbeitet und übertragen werden. Wer die Infrastruktur betreibt, bestimmt die Spielregeln: Verfügbarkeit, Zugang, Sicherheit und – im Ernstfall – Herausgabe. Digitale Infrastruktur ist gleich strategische Infrastruktur. Wer seine Dateninfrastruktur nicht kontrolliert, kontrolliert auch seine digitale Zukunft nicht.“

„Cloud Act erlaubt Zugriff auf unsere Daten“

Dima Rubanov und Matthias Neumayer empfinden es allgemein als positiv für die Region, wenn sich „große Player“ ansiedeln. Auch dass die CO₂-Belastung und die Kooperation mit lokalen Akteuren mitgedacht werde, werten die beiden Oscar-Stories-Founder als Pluspunkt. Dies könne sowohl für Wirtschaft als auch Innovation einen Boost bedeuten, wobei man den „unglaublichen Energieverbrauch“ nicht unterschätzen solle.

„Aber schöner wäre es natürlich, wenn hierzulande Rechenzentren von OVHcloud, STACKIT, Hetzner oder anderen europäischen Anbietern entstehen würden. Der amerikanische ‚Cloud Act‘ (Anm.: Clarifying Lawful Overseas Use of Data Act) erlaubt US-Behörden weiterhin Durchgriff auf unsere Daten, egal, ob die Server in Kronstorf, Frankfurt oder Dublin stehen. Das hat zuletzt ein Rechtsgutachten der Uni Köln für das deutsche Innenministerium nochmals bestätigt, und Microsoft selbst hat es 2025 unter Eid in Frankreich eingeräumt. Und das sollte europäischen Unternehmen und der öffentlichen Hand klar sein.“

Der Zwei-Wege-Ansatz

Werner Pamminger, Geschäftsführer, Business Upper Austria, betont indes, dass der Bau eines Rechenzentrums in Oberösterreich ein Fortschritt für den Standort sei. Er stärke die regionale digitale Infrastruktur und schaffe Arbeitsplätze.

„Ein Standort in Österreich bedeutet auch eine stärkere Einbindung in den europäischen Rechtsrahmen. Gleichzeitig bleibt die Frage der digitalen Souveränität relevant, da ein lokales Rechenzentrum bestehende Abhängigkeiten nur begrenzt verändert“, präzisiert er. „Für uns ist entscheidend, beides zusammenzudenken: internationale Investitionen zu ermöglichen und gleichzeitig die Entwicklung wettbewerbsfähiger europäischer Alternativen voranzutreiben. Langfristig entsteht digitale Souveränität dann, wenn Schlüsseltechnologien, Know-how und Kontrolle in Europa verankert sind.“

Der Vasall namens Europa

Für KI-Experten Clemens Wasner, Founder und CEO von enliteAI, passiert hier aus wirtschaftlicher Sicht dasselbe wie in „Emerging Markets“ (vormals Entwicklungsländern) üblich sei: „Eine lokal vorhandene Ressource kann von einheimischen Unternehmen nicht ausreichend monetarisiert werden. Es erfolgt Verkauf an internationale Player, die es vermögen, mehr Wert zu generieren“, sagt er und vergleicht es mit brasilianischem Silizium und Beryllium aus Madagaskar, „und neuerdings Strom aus Österreich bzw. der EU“. Er verweist auf einen Bericht aus „The Economist“, der bei dieser Thematik vom europäischen Vasallentum spricht: „Dass man sich darüber freut auf dem Level eines Entwicklungslandes zu sein, ist eigentlich paradox, but here we are.“

Cloud Act, FISA und Patriot Act

Neben dieser Debatte um Abhängigkeiten, gibt es auch eine rechtliche Komponente zu beachten. Physischer Serverstandort und rechtliche Kontrolle seien zwei verschiedene Dinge, wie Gorzala betont und in diesem Zusammenhang auf drei Gesetze hinweist, die „jedes europäische Unternehmen kennen muss“.

„Der ‚US Cloud Act‘ verpflichtet US-Unternehmen, Daten auf Anforderung von US-Behörden herauszugeben, unabhängig davon, in welchem Land die Daten gespeichert sind. Der ‚Foreign Intelligence Surveillance Act‘ (FISA) erlaubt US-Geheimdiensten unter bestimmten Voraussetzungen den Zugriff auf Kommunikationsdaten, die über US-kontrollierte Infrastruktur laufen. Der ‚Patriot Act‘ erweitert die behördlichen Ermittlungsbefugnisse nochmals erheblich. Keines dieser Gesetze fragt, ob der Server in Ohio oder in Oberösterreich steht“, sagt sie.

Ein Rechenzentrum in Kronstorf unterliegt demnach zwar österreichischem Baurecht, Daten darin unter bestimmten Umständen jedoch US-amerikanischem Zugriffsrecht. „Das ist kein Widerspruch, das ist die aktuelle Rechtslage“, so die Expertin weiter.

Auch Wasner stimmt zu, dass die US-Jurisdiktion hier gelte, da „National Security“ alle anderen Regelungen aushebele bzw. aushebeln müsse: „Es wäre auch sehr bedenklich, wenn dem nicht so wäre, da demokratisch gewählte Regierungen, innerhalb des jeweiligen Verfassungsrahmens, das letzte Wort haben müssen. Und nicht private Unternehmen.“

Leitfaden für Unternehmen

Hinsichtlich der Frage, was Unternehmen jetzt tun können, hat Gorzala einen Leitfaden entwickelt. Aus ihrer Sicht ist der Datenzugriff keine theoretische Debatte, sondern eine operative Kernfrage für alle Führungskräfte, die heute entscheiden, wo sensitive Unternehmensdaten verarbeitet werden.

Sie gibt konkrete Handlungsvorschläge und empfiehlt ein klar strukturiertes Vorgehen im Umgang mit sensiblen Daten: Zunächst sollten Unternehmen ihre Daten kategorisieren, da nicht alle Informationen gleich schutzbedürftig sind – besonders kritische Geschäfts- und Personaldaten sowie behördennahe Kommunikation erfordern deutlich strengere Infrastrukturentscheidungen als etwa öffentliche Marketinginhalte.

Zudem rät sie zur kundenseitigen Verschlüsselung (CMEK), um die Kontrolle über Daten auch bei rechtlichem Druck zu behalten. Ebenso wichtig sei eine sorgfältige Prüfung der Anbieterstruktur, insbesondere im Hinblick auf geltendes Recht und den Sitz der Muttergesellschaft.

Schließlich plädiert sie für hybride Architekturen: Kritische Workloads sollten in souveränen oder europäischen Cloud-Umgebungen betrieben werden, während für weniger sensible Prozesse auch US-Hyperscaler infrage kommen – eine Entscheidung, die weniger ideologisch als vielmehr risikobasiert getroffen werden sollte.

Rechenzentrum als „Investition“ aber Europa am Scheideweg

„Googles Rechenzentrum in Kronstorf ist eine große Investition für die Region. Der Fischereifonds an der Enns, das Informationszentrum und die Kooperation im Bereich KI-Kompetenz sind sympathisch. 100 direkte Arbeitsplätze sind geplant, aber Europa steht an einem Scheideweg“, sagt sie. „Entweder wir bauen ernsthaft eine eigene digitale Infrastruktur unter europäischer Rechtskontrolle auf – oder wir verwalten elegant unsere Abhängigkeit. Digitale Souveränität ist kein Luxus. Sie ist die Voraussetzung dafür, dass demokratische Gesellschaften ihre eigenen Regeln durchsetzen können. Wer sie dem Markt überlässt, verliert sie still – und merkt es meist zu spät.“

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Wyoming E-Auto-Verbot E-Auto-Förderung , Ladepunkt, Charging, E-Mobility
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„Elektromobilität ist in Österreich angekommen“. So lautet eine aktuelle Meldung des Bundesministeriums für Innovation, Mobilität und Infrastruktur (BMIMI). Demnach waren im Juli 2026 erstmals mehr als 300.000 rein batterieelektrische Pkw (BEV) auf Österreichs Straßen unterwegs. Konkret lag der hochgerechnete Bestand Ende Juli bei 304.328 E-Pkw. Gleichzeitig setze sich der dynamische Hochlauf bei den Neuzulassungen fort: Im Juli waren 27,39 Prozent aller neu zugelassenen Pkw rein elektrisch, insgesamt wurden im Juli 7.073 E-Pkw neu zugelassen.

E-Autos: Drei Jahre später

„300.000 E-Pkw auf Österreichs Straßen sind ein starkes Signal: Die Elektromobilität ist in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Besonders erfreulich ist, dass wir gleichzeitig bei den Neuzulassungen einen Rekord sehen. Immer mehr Menschen entscheiden sich für ein E-Auto, weil das Angebot größer wird, die Technologie ausgereifter ist und die Ladeinfrastruktur kontinuierlich wächst. Diesen Weg werden wir mit eMOVE Austria (Anm.: Dachmarke des Bundes für emissionsfreie Mobilität) weitergehen“, kommentiert Mobilitätsminister Peter Hanke.

Blickt man etwas mehr als drei Jahre zurück, sah die Lage noch anders aus: Damals zeigte eine Deloitte-Umfrage unter rund 1.000 Österreicher:innen ein zurückhaltendes Stimmungsbild: Nur neun Prozent der Befragten planten der im Jänner 2023 erschienenen Befragung nach, sich als nächstes Auto ein E-Fahrzeug anzuschaffen. Verbrennungsmotoren blieben damals für die Mehrheit weiterhin die erste Wahl, während Plug-in-Hybride an Zuspruch gewannen.

Allerdings: Eine heuer veröffentlichte Deloitte-Studie stützt teilweise die Erkenntnisse des BMIMI: Der österreichische E-Automarkt komme laut aktueller Untersuchung spürbar in Bewegung, auch wenn Verbrenner bei Konsument:innen weiterhin beliebt bleiben.

Von Jänner bis November 2025 wurden – wie in der Untersuchung angeführt – laut Statistik Austria 158.000 Elektro- oder Hybridautos neu zugelassen, ein Plus von 40 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Für die Kaufentscheidung zugunsten eines E-Autos sprechen aus Sicht der rund 1.000 befragten Österreicher:innen vor allem geringere Treibstoffkosten (45 Prozent) und Umweltaspekte (37 Prozent), während Zweifel an der Reichweite (50 Prozent) und hohe Anschaffungskosten (40 Prozent) weiterhin als größte Hürden gelten.

Bei der Frage nach dem nächsten Autokauf hat sich der Wert gegenüber der Erhebung von vor drei Jahren hingegen kaum verändert: Rund zehn Prozent der Befragten würden sich für ein reines E-Auto entscheiden, weitere zehn Prozent für einen Plug-in-Hybrid und 15 Prozent für einen klassischen Hybrid als Einstieg.

Ladeinfrastruktur weiterhin Thema

Als zweiten zentralen Faktor identifiziert die aktuelle Deloitte-Studie die Ladeinfrastruktur: 38 Prozent nennen lange Ladezeiten als Hemmnis, und obwohl sich beim Netzausbau zuletzt viel getan habe, bleibt vor allem außerhalb Wiens Aufholbedarf. Auch bei privaten Lademöglichkeiten zeigt sich eine Lücke: Zwar würde die Mehrheit (63 Prozent) ihr E-Auto am liebsten zuhause laden, doch etwa ein Drittel (30 Prozent) verfügt gar nicht über eine eigene Ladestation.

Deloitte-Partner Matthias Kunsch bringt es so auf den Punkt: „Beim Thema Laden besteht erheblicher Handlungsbedarf. Investitionen in das Schnellladenetz sind – gerade außerhalb von Wien – dringend notwendig. Grundsätzlich ist es aber erfreulich, dass der E-Auto-Markt hierzulande endlich in Fahrt kommt. Doch Fakt ist auch: Erst durch ein effizient ausgebautes, flächendeckendes Ladenetz und vor allem leistbare Fahrzeuge wird sich die Elektromobilität wirklich bei der Masse durchsetzen.“

40.000 Ladepunkte als Sommerziel

In diesem Sinne spricht das BMIMI von einer „zunehmenden Dynamik“ bei diesem Thema: „Die Marke von 100.000 batterieelektrischen Pkw wurde in Österreich im September 2022 erreicht. Für die nächsten 100.000 Fahrzeuge waren anschließend 27 Monate notwendig. Für den Sprung von 200.000 auf 300.000 E-Pkw brauchte es hingegen nur noch rund 19 Monate. Damit beschleunigt sich der Hochlauf der Elektromobilität deutlich. In einzelnen Bundesländern liegt der Anteil der E-Pkw an den Neuzulassungen mittlerweile sogar bei über 30 Prozent“, liest man in der Aussendung.

Parallel zur steigenden Zahl an E-Fahrzeugen würde auch die öffentliche Ladeinfrastruktur kontinuierlich ausgebaut. Im Juli wurden 676 neue öffentliche Ladepunkte errichtet, seit Jahresbeginn 2026 damit insgesamt 3.817. Damit verfügt Österreich derzeit über rund 39.500 öffentliche Ladepunkte, die Marke von 40.000 soll noch im Sommer erreicht werden, so der Plan.

„Der Hochlauf der E-Mobilität funktioniert dort besonders gut, wo Fahrzeugangebot und Infrastruktur zusammenspielen. Deshalb setzen wir mit eMOVE Austria gezielt auf den weiteren Ausbau der Ladeinfrastruktur“, erklärt Hanke. „Unser Ziel ist klar: E-Mobilität soll für die Menschen einfach, alltagstauglich und verlässlich sein – unabhängig davon, ob sie in der Stadt oder am Land leben.“

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