27.11.2023

Das sind die Siegerprojekte des IÖB-Calls 2023

Am Montag, 20. November 2023 fand in der Ankerbrotfabrik in Wien die Siegerehrung des IÖB-Klimaschutz-Calls 2023 statt. Insgesamt wurden sieben Projekte in drei Kategorien ausgezeichnet. Mit über 70 Einreichungen erzielte der jüngste IÖB-Call einen neuen Rekordwert.
/artikel/das-sind-die-siegerprojekte-des-ioeb-calls-2023
sponsored

Innovation ist die treibende Kraft, um nachhaltige Lösungen zu entwickeln, die den ökologischen Fußabdruck von Städten und Gemeinden reduzieren. Das Bundesministerium für Klimaschutz, Umwelt, Energie, Mobilität, Innovation und Technologie (BMK) und die IÖB-Servicestelle haben daher bereits im Sommer einen Call gestartet, um innovative Lösungen zu identifizieren und ihnen eine Bühne zu bieten. Teilnehmer:innen erhielten so die Gelegenheit, ihre Produkte und Dienstleistungen einem breiteren Publikum im öffentlichen Sektor bekannt zu machen. Dieser IÖB-Call 2023 richtete sich auch an Startups. (brutkasten berichtete).

Große Nachfrage nach IÖB-Call 2023

Insgesamt gab es zum jüngsten IÖB-Call über 70 Einreichungen, was einem neuen Rekordwert entspricht. “Für uns war es ein großer Erfolg, dass wir so viele Einreichungen erhalten haben. Das zeigt, wie viel Innovationskraft in Österreich steckt. Dazu zählen unter anderem Schlüsseltechnologien, wie alternative Antriebssysteme oder intelligente Speicherlösungen”, so Stefan Maier, Leiter der IÖB-Servicestelle, über den mittlerweile vierten IÖB-Call. 

Insgesamt konnten Projekte in drei Kategorien eingereicht werden:

  • Digitale Tools für eine klimaneutrale Städte- und Gemeindeplanung sowie -gestaltung
  • Innovative Lösungen für klimaneutrale Gebäude und Infrastruktur 
  • Innovative Lösungen für die Erbringung klimaneutraler kommunaler Dienstleistungen

Die Siegerprojekte der insgesamt drei Kategorien wurden in der Ankerbrotfabrik in Wien feierlich der Öffentlichkeit präsentiert. “Städte und Gemeinden brauchen neue Lösungen auf dem Weg zur Klimaneutralität. Mit der Vernetzung von innovativen Unternehmen und Entscheider:innen aus dem kommunalen Bereich leistet die Innovationsfördernde öffentliche Beschaffung hier einen wichtigen Beitrag“, so Henriette Spyra, Leiterin der Sektion III „Innovation und Technologie“ im BMK. Sie überreichte in Vertretung von Klimaschutzministerin Leonore Gewessler die Auszeichnungen.

Sieger in der Kategorie “Digitale Tools für eine klimaneutrale Städte- und Gemeindeplanung sowie -gestaltung”

In der ersten Kategorie wurden digitale Lösungen und Partizipationssysteme für ressourcen- und flächenneutrale sowie modulare bzw. kreislauffähige Städte- und Gemeindeplanung gesucht. Dazu zählten auch innovative Informations- und Anreizsysteme zur Unterstützung klimaneutralen Verhaltens. Als Expertenorganisationen aus dem öffentlichen Sektor begleiteten diese Kategorie der Österreichische Städtebund und die Stadt Villach. Als Sieger gingen die PlaceQu GmbH mit ihrer LiveableMap für resiliente und nachhaltige Stadtplanung sowie die triply GmbH mit ihrer automatisierten Softwarelösung zur Mobilitätsanalyseoptimierung hervor.

(c) Anja Grundböck / IÖB-Servicestelle

Mehr über die beiden Sieger der Kategorie:

PlaceQu ist mit der LiveableMap der einzige Anbieter in Österreich für die Planung der 15-Minute City mit integrativer Siedlungs- und Verkehrsplanung, die auch Simulation von Planungen sowie eine CO2-Footprint-Abschätzung unterstützt.

triply ist die umfassendste, präziseste, aber auch intuitivste Lösung für Mobilitätsanalyse und -optimierung. Dies gelingt durch eigens entwickelte, hochkomplexe Algorithmen, die mit nur wenig Input den “Status-Quo” der Mobilität berechnen sowie automatisiert Verbesserungspotentiale vorschlagen können.

Sieger in der Kategorie “Innovative Lösungen für klimaneutrale Gebäude und Infrastruktur”

Die zweite Kategorie stellte Lösungen für Gebäude und Infrastruktur in den Fokus und wurde von der Bundesimmobiliengesellschaft (BIG) als Expertenorganisation begleitet. In dieser Kategorie gab es gleich drei Sieger. So wurde die REPS-Tirol GmbH für ihr Road Energy Production System ausgezeichnet. Ebenfalls als Sieger gingen die e-battery systems AG für ihr Second-Life Energy Storage System sowie Kite Rise Technologies für ihren stationären Natrium-Ionen-Speicher hervor.

(c) Anja Grundböck / IÖB-Servicestelle

Mehr über die beiden Sieger der Kategorie:

REPS steht für “Road Energy Production System” und beschreibt einen mechanischen Energiewandler, der es ermöglicht, verlorene Energie von Kraftfahrzeugen in sauberen elektrischen Strom umzuwandeln. Abhängig von Frequentierung, Anzahl der verbauten Platten und der Masse der Kraftfahrzeuge, kann sich REPS energetisch und wirtschaftlich in kurzer Zeit amortisieren und zeigt somit einen komplett neuen Weg der Energiegewinnung auf.

e-battery systems AG hat ein stationäres Batterie-Energiespeichersystem (BESS) entwickelt. Dieses ermöglicht es, Energie aus einer nachhaltigen Quelle, wie zum Beispiel einer Photovoltaik-Anlage, Wind- oder Wasserkraftanlage zu speichern. Durch Verwendung von gebrauchten Batterien aus Elektro- und Hybridfahrzeugen bietet es somit das nachhaltigste und innovativste BESS weltweit an. Anstelle neuer Batterien werden ausgemusterte Batteriemodule verwendet und somit deren Lebensdauer um mindestens zehn Jahre verlängert.

Kite Rise Technologies hat einen Natrium-Ionen-Stromspeicher entwickelt. Dieser bietet eine sichere und nachhaltige Lösung zur Speicherung erneuerbarer Energie. Mit absolut null Brand- oder Explosionsrisiko garantiert er Sicherheit. Seine Leistungsfähigkeit bleibt im Temperaturbereich von -20 bis +55 °C erhalten, wodurch er vielseitige Anwendungen ermöglicht. Umweltschonend, ohne seltene oder schädliche Rohstoffe, trägt er zur grünen Energiezukunft bei.

Sieger in der Kategorie “Innovative Lösungen für die Erbringung klimaneutraler kommunaler Dienstleistungen”

In der dritten Kategorie wurden hingegen Dienstleistungen ausgezeichnet. Diese Kategorie wurde vom Verband der öffentlichen Wirtschaft und Gemeinwirtschaft Österreichs (VÖWG) begleitet. Als Sieger gingen die Cart Brothers GmbH für ihr Holz-Elektroauto “wood-e” und die Schubert & Pröll GmbH für ihre gebäudeintegrierte Abwassernutzung zur Energie- und Stoffrückgewinnung hervor.

(c) Anja Grundböck / IÖB-Servicestelle

Mehr über die beiden Sieger der Kategorie:

Die Cart Brothers GmbH entwickelt seit der Gründung 2020 ein Elektrokleinmobil für Kurzstrecken. Das Besondere: Die Karosserie wird aus Holz gefertigt und bindet somit CO2. Zudem verfügt das Auto über eine dachseitig montierte PV-Anlage.

Schöberl & Pöll GmbH ist renommiert für Umsetzungen gesamtheitlicher Energieeffizienz-Lösungen im Gebäudesektor. Es gilt, den Energiegehalt von Abwasser dort zu verwerten, wo dieser am höchsten ist, d.h. direkt beim Gebäude. Im Gebäudeabwasser steckt laut dem Unternehmen das größte Potential zur Energie- und Reststoffrückgewinnung. Mit den vorgestellten Systemlösungen schließt die Schöberl & Pöll GmbH die technische Lücke für eine nahezu gänzliche Verwertung der getrennten Abwasserströme am Gebäudestandort.

Die Jury und IÖB-Marktplatz

Die Projekte wurden von einer Jury bewertet, die sich aus Vertreter:innen der Österreichischen Forschungsförderungsgesellschaft (FFG), Austria Wirtschaftsservice (aws), der Bundesbeschaffung (BBG) und der IÖB-Servicestelle sowie den Kategoriepartner:innen zusammensetzte. Die Lösungen wurden auf ihren Mehrwert und die Tauglichkeit für öffentliche Einrichtungen bewertet. 

“Wir sind froh, dass wir diesen österreichischen Unternehmen die Möglichkeit gegeben haben , ihre Technologien vorzustellen, um mit öffentlichen Partnern ins Gespräch zu kommen”; so IÖB-Servicestellen-Leiter Maier nach der Preisverleihung.

Zudem werden die Lösungen auch am Marktplatz Innovation veröffentlicht. Dieser bietet der öffentlichen Verwaltung einen Überblick über eine Reihe innovativer Produkte, die spezifisch auf ihre Nutzbarkeit durch öffentliche Verwaltungen ausgesucht wurden. Davon können auch Startups profitieren.


Deine ungelesenen Artikel:
vor 9 Stunden

Wenn die KI das Experiment plant: Zu Besuch im Labor, das sich selbst steuert

Auf dem Campus Hönggerberg der ETH Zürich arbeiten Roboter und Künstliche Intelligenz zusammen: Eine Software des schweizerisch-amerikanischen Startups Atinary entwirft die Experimente, Roboter in den Laboren von SwissCAT+ an der ETH Zürich führen sie aus, rund um die Uhr. brutkasten war vor Ort und hat mit Atinary-Mitgründer und CTO Loïc Roch sowie Christoph Schnidrig, Head of Technology bei Amazon Web Services Schweiz, über den beschleunigten Forschungsbetrieb gesprochen. Und darüber, warum die größte Hürde nicht die Technologie ist.
/artikel/wenn-die-ki-das-experiment-plant-zu-besuch-im-labor-das-sich-selbst-steuert
vor 9 Stunden

Wenn die KI das Experiment plant: Zu Besuch im Labor, das sich selbst steuert

Auf dem Campus Hönggerberg der ETH Zürich arbeiten Roboter und Künstliche Intelligenz zusammen: Eine Software des schweizerisch-amerikanischen Startups Atinary entwirft die Experimente, Roboter in den Laboren von SwissCAT+ an der ETH Zürich führen sie aus, rund um die Uhr. brutkasten war vor Ort und hat mit Atinary-Mitgründer und CTO Loïc Roch sowie Christoph Schnidrig, Head of Technology bei Amazon Web Services Schweiz, über den beschleunigten Forschungsbetrieb gesprochen. Und darüber, warum die größte Hürde nicht die Technologie ist.
/artikel/wenn-die-ki-das-experiment-plant-zu-besuch-im-labor-das-sich-selbst-steuert
Loïc Roch, Mitgründer und CTO von Atinary, in den SwissCAT+-Laboren am Campus Hönggerberg | (c) Martin Pacher

Wer auf den Hönggerberg im Norden Zürichs fährt, lässt die Stadt hinter sich. Der zweite Campus der ETH, entstanden ab 1961, liegt in ländlicher Umgebung, hier sind unter anderem die Departemente für Chemie, Physik und Materialwissenschaft zu Hause. Und hier, in den SwissCAT+-Laboren der Hochschule, lässt sich derzeit besichtigen, wie Forschung aussehen könnte, wenn nicht mehr der Mensch jeden einzelnen Handgriff macht.

In diesen Laboren übernehmen Roboter die Arbeit, die sonst Forschende beschäftigt: Sie hantieren mit Flüssigkeiten und Pulvern, bereiten Proben vor, testen sie und messen laufend die Ergebnisse. Das Bemerkenswerte daran ist aber nicht die Automatisierung selbst, sondern wer die Versuche plant: eine Künstliche Intelligenz. Die Software stammt vom Startup Atinary, das an der ETH keinen eigenen Standort hat, sondern mit der Technologieplattform SwissCAT+ zusammenarbeitet. Sie schlägt vor, welches Experiment als nächstes sinnvoll ist, lernt aus jedem Ergebnis und berechnet daraus den nächsten Schritt. Dieser Kreislauf läuft rund um die Uhr, ohne dass ein Mensch eingreifen muss.

„Ein Labor ist eine große Küche“

Wie soll man sich das vorstellen? Loïc Roch, Mitgründer und CTO von Atinary, greift im Gespräch mit brutkasten zu einem Alltagsbild: „Am Ende ist ein Labor eine große Küche. Wir liefern die Rezepte. Wir nutzen KI, um Rezepte zu erzeugen, die dann im Labor getestet werden.“ Das Ziel: möglichst schnell zum besten Rezept kommen. Denn jeder einzelne Versuch kostet Zeit, Material und Geld. Wer statt tausender Versuche nur ein paar Dutzend braucht, spart enorm.

Genau darauf ist die Software ausgelegt. Statt sich blind durch unzählige mögliche Kombinationen zu probieren, lernt das System mit jedem Experiment dazu und empfiehlt gezielt die vielversprechendsten nächsten Schritte. „Self-Driving Labs“ nennt Atinary das Prinzip, selbstfahrende Labore. Den Begriff hat sich das 2019 gegründete Unternehmen sogar markenrechtlich schützen lassen.

Loïc Roch, Co-founder und CTO von Atinary | (c) Martin Pacher / brutkasten

Den Bedarf für solche Werkzeuge begründet Roch mit einem unbequemen Befund: Forschung wird immer teurer und langsamer, es braucht immer mehr Zeit und Geld, bis Neues gefunden ist. Dazu kommt eine handfeste Vertrauenskrise: Roch verweist auf eine vielzitierte Befragung von rund 1.500 Forschenden, wonach ein Großteil daran scheitert, Experimente zu wiederholen, in der Chemie sind die Quoten besonders hoch. Das ist nicht nur für die Wissenschaft ein Problem: Ohne verlässliche Daten lässt sich auch keine verlässliche KI trainieren.

100 Jahre Forschung in sechs Wochen

Was das System kann, zeigt das Vorzeigeprojekt direkt vor Ort. Gemeinsam mit dem SwissCAT+-Team suchte Atinary nach dem besten Katalysator, also jenem Hilfsstoff, mit dem sich das Treibhausgas CO₂ in Methanol umwandeln lässt, einen Ausgangsstoff für nachhaltige Treibstoffe. Laut Atinary kamen dafür mehr als 20 Millionen mögliche Kombinationen infrage. Das Ergebnis wurde in einem Fachjournal publiziert: In sechs Wochen wurden 144 Katalysator-Kandidaten hergestellt und getestet, mit minimalem menschlichem Zutun. Die Zahl, mit der Atinary seither wirbt, ist eindrucksvoll: eine 1000-fache Beschleunigung, umgerechnet 100 Jahre Katalyse-Forschung in nur sechs Wochen. SwissCAT+-Chef Paco Laveille, der die Umsetzung an der ETH verantwortet, bestätigt beim Besuch die Größenordnung: von Jahren an Forschung hinunter zu Wochen.

(c) Martin Pacher / brutkasten

Beim konkreten Nutzen für Firmenkunden hält sich Roch hingegen zurück, aus einem strukturellen Grund: „Wir sind ein Dienstleister. Wir sehen den generierten Mehrwert nicht, und die Kunden wollen ihn nicht teilen.“ Das habe auch mit Sicherheitsanforderungen zu tun, ergänzt das Unternehmen: Angaben zum erzielten Return on Investment erhalte Atinary dann, wenn Kunden sie von sich aus teilen — teils münde das in gemeinsame Publikationen.

Die einzige konkrete Zahl, die er im Gespräch nennt, stammt aus einer gemeinsamen Publikation mit dem Aromen- und Duftstoffkonzern dsm-firmenich: Dort konnte der Einsatz eines teuren Edelmetalls so stark reduziert werden, dass dessen Kostenanteil um rund 95 Prozent sank. Es sei nicht die einzige gemeinsame Veröffentlichung mit Kunden, betont das Unternehmen — weitere gebe es etwa mit dem Pharmakonzern Takeda.

(c) Martin Pacher / brutkasten

Auch ein aktueller gemeinsamer Blogbeitrag von AWS und Atinary liefert Anhaltspunkte. Ein Manager von Takeda wird dort mit der Aussage zitiert, eine Optimierung habe mit dem selbstfahrenden Ansatz rund eine Woche gedauert, verglichen mit ein bis zwei Monaten auf dem herkömmlichen Weg. Am MIT wiederum löste ein Forschungsteam mit der Software eine knifflige Aufgabe aus der Solarzellenforschung in nur 25 Versuchen, innerhalb einer strikten Frist von vier Wochen. Und über das eigene Labor, das Atinary heuer in Boston eröffnet hat, heißt es: Es erzeuge in einer Woche mehr Versuchsdaten, als ein Doktorand in fünf Jahren produziert.

Bezahlter Pilot, Lizenz pro Arbeitsplatz

Wirtschaftlich steht Atinary noch am Anfang. Das Unternehmen befindet sich in der Seed-Phase, öffentlich auffindbar sind laut Roch rund zehn Millionen an bisheriger Finanzierung, eingesammelt über Venture Capital, Family Offices und Förderungen. Als Nächstes peilt er eine Series A an. Das Wachstumskapital dafür werde voraussichtlich aus den USA kommen: „Der Ansatz ist in Europa und den USA sehr unterschiedlich.“

Paco Laveille, Managing Director, SwissCAT+ East, ETH Zurich | (c) Martin Pacher / brutkasten

Verdient wird über Software-Lizenzen, abgerechnet pro Arbeitsplatz. Am Anfang steht ein dreimonatiger, bewusst kostenpflichtiger Testlauf. „Wenn der Pilot nicht bezahlt ist, stecken die Kunden nicht die Ressourcen hinein, um ihn richtig zu testen“, sagt Roch. Dass er mit diesem Modell Geld liegen lässt, räumt er offen ein: Eine Beteiligung am geschaffenen Wert wäre lukrativer, scheitert aber daran, dass die Kunden diesen Wert eben nicht offenlegen.

Die Kundschaft kommt bisher vor allem aus der Pharmabranche, die laut Roch am ehesten bereit ist, Neues zu riskieren; der Rest der Industrie folge dann. Einsatzfelder gibt es aber quer durch: Lebensmittel, Duftstoffe, Materialforschung, grüne Energie, und gemeinsam mit Stanford sogar Zelltherapien gegen Krebs. Umsatz machen vor allem Konzerne. Mit Universitäten arbeitet Atinary eng zusammen, weil sich dort Ergebnisse veröffentlichen lassen, sie werden so zu Botschaftern der Technologie. Auch KMU zählen zu den Kunden, das jüngste sei erst vor wenigen Tagen dazugekommen. Die Arbeitsteilung im Unternehmen: Das Entwicklerteam sitzt bei Roch in Lausanne, das eigene Labor steht in Boston, dort, wo die großen Pharma-Forschungszentren angesiedelt sind.

„Fast jeden zweiten Tag ein neues Startup“

Beim Thema Konkurrenz wird Roch deutlich: Der Bereich „AI for Science“ ziehe derzeit massiv Gründungen an, fast jeden zweiten Tag komme ein neues Startup dazu. Gefährlich sei daran vor allem eines: Mit den heutigen KI-Werkzeugen lasse sich sehr schnell ein beeindruckender Prototyp bauen, der Kunden begeistert. „Unter der Haube ist das aber kein produktionsreifer Code, der bei einem Großunternehmen laufen kann.“ Atinary sieht er im Vorteil, weil man seit 2019 das gesamte Paket aufgebaut habe: die Anbindung an die Laborgeräte, das eigene KI-Training, die Anwendungen und die wissenschaftliche Glaubwürdigkeit durch den eigenen Beirat. Dazu kommt laut Unternehmen ein Netzwerk an Technologiepartnern, darunter AWS, ABB Robotics, Agilent, Bruker, Chemspeed und Mettler-Toledo. Im wissenschaftlichen Beirat sitzt unter anderem der MIT-Chemiker Stephen Buchwald — im Bostoner Labor optimiert Atinary nach eigenen Angaben ausgerechnet die nach ihm benannte Buchwald-Hartwig-Reaktion.

(c) Martin Pacher / brutkasten

Zugleich beobachtet er seit heuer einen Umschwung im Markt: Kunden dächten zunehmend in einer Wettlauf-Logik. Wer die Technologie nicht als Erster einsetze, riskiere, dass es die Konkurrenz tut. Und wenn diese in Wochen schafft, wofür man selbst Jahre braucht, sei der Rückstand kaum aufzuholen.

Die größte Hürde ist der Mensch

Und was bremst die Verbreitung? Nicht die Technik, sagt Roch, sondern der Mensch. „Der Wissenschaftler im Labor ist oft seit 15, 20 Jahren dort. Wenn man ihm sagt: Wir können deine Forschung um den Faktor zehn oder hundert beschleunigen, sagt er: Nein. Ich kenne mein Fach besser als irgendein Algorithmus.“ Es sei dabei weniger mangelndes Vertrauen, die Technologie werde schlicht als Bedrohung für den eigenen Job empfunden. Christoph Schnidrig von AWS ergänzt: Dieses Muster kenne man von jeder Technologiewelle, von der Einführung der Cloud bis zur KI in der Softwareentwicklung. Rochs Haltung dazu: Jobs würden sich verändern, aber nicht verschwinden. „Am Ende ist es ein Werkzeug. Der Mensch bleibt am Steuer.“

(c) Martin Pacher / brutkasten

Zum Vertrauen gehört auch die Datenfrage, schließlich legen die Kunden ihr wertvollstes Gut, ihre Forschungsdaten, in die Plattform. Die läuft vollständig auf der Cloud von AWS. Roch verweist auf Prüfungen, Audits und Sicherheitstests; personenbezogene Daten würden praktisch keine gespeichert, schon gar keine Patientendaten, dafür sei man in der Forschung viel zu früh angesetzt. Auch deshalb sieht er im EU AI Act derzeit kein Hindernis: In Kundengesprächen sei die Regulierung bislang schlicht kein Thema gewesen.

Auszeichnung vom Weltwirtschaftsforum

Während brutkasten mit Roch in Zürich spricht, befindet sich sein Mitgründer, CEO Hermann Tribukait, gerade im chinesischen Dalian, um dort den Technology-Pioneer-Award des Weltwirtschaftsforums entgegenzunehmen. Zu den früheren Preisträgern der Auszeichnung zählen Roch zufolge Namen wie Google, Dropbox und Airbnb. Preisgeld gibt es keines, der Wert liege im Zugang zum Netzwerk des Forums und zu Entscheidungsträgern großer Unternehmen. Kunden in China hat Atinary übrigens keine, und das dürfte vorerst so bleiben: Als in den USA registriertes Unternehmen sei das Geschäft mit chinesischen Firmen „wegen der Geopolitik sehr heikel“.

Gefragt nach dem Blick fünf Jahre voraus, skizziert Roch eine Vision, die er ausgerechnet am Vorbild seines Cloud-Partners entwirft: Labore, die wie Rechenleistung aus der Cloud abrufbar sind, weltweit vernetzt, mit einer übergeordneten KI, die Erkenntnisse zwischen Forschungszentren auf verschiedenen Kontinenten austauscht.

Den Antrieb dahinter beschreibt er ganz persönlich: Er und seine Mitgründer seien Naturliebhaber, und die Energiewende brauche schnellere Forschung. „Der Planet kann nicht noch ein Jahrzehnt warten, bis wir Lösungen finden.“ Sein Befund nach sieben Jahren: „R&D ist heute noch zu langsam.“


Disclaimer: Die Reise- und Übernachtungskosten wurden von Amazon Web Services übernommen.

Toll dass du so interessiert bist!
Hinterlasse uns bitte ein Feedback über den Button am linken Bildschirmrand.
Und klicke hier um die ganze Welt von der brutkasten zu entdecken.

brutkasten Newsletter

Aktuelle Nachrichten zu Startups, den neuesten Innovationen und politischen Entscheidungen zur Digitalisierung direkt in dein Postfach. Wähle aus unserer breiten Palette an Newslettern den passenden für dich.

Montag, Mittwoch und Freitag

AI Summaries

Das sind die Siegerprojekte des IÖB-Calls 2023

AI Kontextualisierung

Welche gesellschaftspolitischen Auswirkungen hat der Inhalt dieses Artikels?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

Das sind die Siegerprojekte des IÖB-Calls 2023

AI Kontextualisierung

Welche wirtschaftlichen Auswirkungen hat der Inhalt dieses Artikels?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

Das sind die Siegerprojekte des IÖB-Calls 2023

AI Kontextualisierung

Welche Relevanz hat der Inhalt dieses Artikels für mich als Innovationsmanager:in?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

Das sind die Siegerprojekte des IÖB-Calls 2023

AI Kontextualisierung

Welche Relevanz hat der Inhalt dieses Artikels für mich als Investor:in?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

Das sind die Siegerprojekte des IÖB-Calls 2023

AI Kontextualisierung

Welche Relevanz hat der Inhalt dieses Artikels für mich als Politiker:in?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

Das sind die Siegerprojekte des IÖB-Calls 2023

AI Kontextualisierung

Was könnte das Bigger Picture von den Inhalten dieses Artikels sein?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

Das sind die Siegerprojekte des IÖB-Calls 2023

AI Kontextualisierung

Wer sind die relevantesten Personen in diesem Artikel?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

Das sind die Siegerprojekte des IÖB-Calls 2023

AI Kontextualisierung

Wer sind die relevantesten Organisationen in diesem Artikel?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

Das sind die Siegerprojekte des IÖB-Calls 2023