27.01.2023

Crypto Weekly #88: Bitcoin am höchsten Stand seit August – wie geht es weiter?

Diese Woche: Bitcoin stieg bis auf 23.700 US-Dollar und damit auf den höchsten Stand seit Sommer 2022 - eine weitere Bärenmarktrally oder ein dauerhafter Stimmungsumschwung? Außerdem: Ethereum nimmt den nächsten Schritt in Richtung Staking-Auszahlungen - welche Marktauswirkungen sind zu erwarten?
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Bitcoin
Foto: © Adobe Stock

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Die Kurstafel:

  • Bitcoin (BTC): 22.974 US-Dollar (+9 % gegenüber Freitagnachmittag der Vorwoche)
  • Ethereum (ETH): 1.580 Dollar (+2 %)
  • BNB: 305 Dollar (+4 %)
  • Dogecoin (DOGE): 0,09 Dollar (+5 %)
  • Solana (SOL): 24 Dollar (+11 %)

? Bitcoin erreicht höchsten Stand seit August, Ethereum seit September

Werfen wir zu Beginn einen Blick auf die Kursentwicklung. Wie schon in Crypto Weekly #87 und Crypto Weekly #86 berichtet, haben wir grob mit Jahreswechsel einen Stimmungsumschwung am Kryptomarkt erlebt. Die Kurse von Bitcoin und Ether, aber auch den meisten übrigen großen Krypto-Assets, sind deutlich gestiegen. 

Hintergrund des Kursanstiegs: Vor allem der gestiegene Risikoappetit über alle Assetklassen hinweg. Dieser betrifft auch die traditionellen Finanzmärkte – und der Kryptomarkt schwimmt mit.

Genau diese Entwicklung setzte sich diese Woche fort. Kursgewinne an den US-Aktienmärkten – und Kursgewinne auch am Kryptomarkt. In der Vorwoche hatte der Bitcoin-Kurs wieder das Niveau von vor der FTX-Pleite im November erreicht. Am darauffolgenden Wochenende knackte er dann das erste Mal seit Sommer wieder die Marke von 23.000 US-Dollar. 

Diese Woche ging es weiter aufwärts. Sehen wir uns die Entwicklung an:

  • Am Mittwoch stieg Bitcoin bis auf über 23.700 Dollar
  • dies war der höchste Stand seit Mitte August 2022
  • für das bisherige Jahr 2023 ergab sich damit eine Performance von plus 43 Prozent
  • vom Tiefstand nach der FTX-Pleite im November ist der Kurs sogar um mehr als 50 Prozent gestiegen

Bei anderen Krypto-Assets ergibt sich ein ähnliches Bild. Nehmen wir Ethereum:

  • der Ether-Kurs stieg diese Woche bis auf 1.670 Dollar
  • höher war ETH zuletzt im September gehandelt worden
  • für 2023 ergab sich damit ein Plus von rund 39 Prozent
  • und wenn man hier den Tiefstand nach der FTX-Pleite im November heranzieht, kommt man auf eine Performance von plus 54 Prozent

Andere große Kryptowährungen – etwa Cardanos ADA, Dogecoin, Solanas SOL-Token oder auch Polygon (MATIC) liegen dagegen weiterhin unter ihren Kursniveaus vom November. Gleichzeitig haben jedoch auch sie in den vergangenen drei Wochen starke Kursgewinne verzeichnet.

?? Bärenmarktrally oder dauerhafter Stimmungsumschwung?

Die große Frage lautet nun: Handelt es sich dabei um eine weitere Bärenmarktrally, also eine Phase kurzfristig steigender Kurse in einem langfristig weiter fallenden Markt? Oder ist der Stimmungsumschwung dauerhaft? Gleich vorweg: Wer meint, dies mit Sicherheit beurteilen zu können, ist ein Scharlatan. 

Aber um die Risikofaktoren für einen möglichen Kurseinbruch einschätzen zu können, sind die Gründe für die aktuelle Rally entscheidend. Und die liegen auf der Makro-Ebene. Nach der FTX-Pleite gab es eine Phase, in der sich Krypto-Assets und der US-Aktienmarkt vorübergehend etwas entkoppelt hatten. Mittlerweile bewegen sie sich wieder überwiegend im Gleichklang. 

Der Kryptomarkt hängt also am US-Aktienmarkt – insbesondere an der techlastigen Börse Nasdaq. Und der US-Aktienmarkt wiederum hängt derzeit stark an der Geldpolitik der Notenbank Fed. Diese hat im vergangenen Jahr die Zinsen stark erhöht – um die hohe Inflation zu bekämpfen. Mit den höheren Zinsen wurden weniger riskante Anlageformen wieder attraktiver. Aktien- und Kryptomarkt litten.

Jetzt sinkt aber die Inflation in den USA seit Monaten. Und am Markt setzt man darauf, dass die Fed es künftig etwas langsamer angehen wird. Dass die Fed den Kampf gegen die Inflation schon fast gewonnen hat. Dieses Szenario wird gerade eingepreist. 

Ob dies dann auch tatsächlich eintreten wird, muss sich klarerweise erst weisen. 2022 haben die Märkte mehrfach einen Kurswechsel der Fed eingepreist. Nur um dann von Notenbank-Chef Jerome Powell wieder auf den Boden der Realität zurückgeholt zu werden: Nope, der Kampf ist noch nicht gewonnen, hatte Powell wiederholt signalisiert.

Warum Powell in dieser Hinsicht so zurückhaltend ist: Bei der Fed hat man die 1970er noch sehr gut in Erinnerung. Sie waren eine Phase der hohen Inflation. Zwischen 1974 und 1976 sank die Inflationsrate jedoch von über 12 auf unter 5 Prozent. Allerdings: Der Sieg über die Inflation war nicht von Dauer. Schon 1979 stand sie wieder bei über 13 Prozent. Ein solches Szenario will Powell unter allen Umständen vermeiden.

Und das sollte man im Hinterkopf behalten. Gleichzeitig gilt jedoch: Im Gegensatz zu 2022 ist die US-Inflationsrate nun tatsächlich mehrere Monate gesunken. Die Hoffnung auf ein Ende der Zinserhöhungen ist daher deutlich stärker fundamental begründet als im Vorjahr.

Kryptospezifische Risikofaktoren gibt es natürlich zusätzlich. Die FTX-Pleite ist mittlerweile verdaut. Auch Folgepleiten wie zuletzt Genesis sind weitgehend eingepreist. Es müsste schon ein wirklich großer Akteur ins Wanken kommen – etwa Tether oder Binance. 

Ein weiterer Risikofaktor, der immer besteht, ist das Regulierungs-Thema – vor allem in den USA. Größere Gesetzesänderungen sind in näherer Zukunft zwar nicht zu erwarten. Aber von der US-Börsenaufsicht können potenziell jederzeit Aktionen kommen, die sich auf den Markt niederschlagen.

? “Shanghai”: Wie wirkt sich das kommende Ethereum-Upgrade auf den Kurs aus?

Interessant wird sicherlich auch die Marktauswirkung des nächsten großen Updates bei Ethereum. Das “Shanghai”-Upgrade könnte nach aktuellem Stand noch im ersten Quartal 2023 über die Bühne gehen. Seit dem “Merge” im vergangenen Jahr ist Ethereum von einem mining-basierten “Proof of Work”-Konsensusmechanismus auf einen “Proof of Stake”-Ansatz umgestiegen. Mining wurde damit Geschichte. 

Validatoren, die neue Blocks hinzufügen wollen, müssen Ether-Token in einem Smart Contract hinterlegen. Dies können sie bereits seit 2020. Damals war Ethereums “Proof of Stake”-Chain, die Beacon Chain, gestartet. Vergangenen Sommer wurde die Beacon Chain mit dem Ethereum-Mainnet verschmolzen (daher auch der Name “Merge”). 

Was Validatoren derzeit aber nicht können: Ihre Token wieder abziehen. Ohne Auszahlungsfunktion ist Staking langfristig witzlos. Dass auch nach dem “Merge” lange unklar war, wann die Funktion kommen würde, sorgte häufig für Kritik. Die Ethereum-Entwickler:innen priorisierten die Funktion daher zuletzt. Und nach aktuellem Stand könnte sie, als Teil des “Shanghai”-Upgrades, im März umgesetzt werden.

Diese Woche wurde der erste sogenannte Shadow Fork finalisiert und damit der nächste Schritt in Richtung Staking-Auszahlungen genommen. Was dies bedeutet und wie es jetzt weitergeht, behandeln wir in diesem Artikel. 

Interessant ist dabei jedoch auch folgende Frage: Wie wird sich das Upgrade auf den Ether-Kurs auswirken? Und eindeutig zu beantworten ist diese nicht. Können gestakte ETH künftig ausbezahlt werden – und damit auf den Markt geworfen werden – kann dies natürlich für Verkaufsdruck sorgen. Es ist durchaus naheliegend, dass Staker:innen auch einmal ihre Gewinne realisieren wollen.

Gleichzeitig ist ein erfolgreiches großes Upgrade aber natürlich ein positives Signal für eine Blockchain. Was aber nicht heißt, dass auf ein erfolgreiches Upgrade Gewinne folgen müssen. Häufig werden diese bereits vorweggenommen. Im August 2021 legte der Ether-Kurs bereits in den beiden Wochen vor dem “London”-Upgrade stark zu. 

Und beim “Merge” im September zog Ether in Erwartung des Upgrades schon über den Sommer ordentlich an. Nach dem erfolgreichen “Merge” sank der Kurs in weiterer Folge dann sogar wieder (die konkreten Hintergründe dazu wurden in Crypto Weekly #71 behandelt).

Das “Shanghai”-Upgrade soll in den nächsten Wochen zunächst auf Ethereum-Testnetzwerken live gehen. Zumindest beim “Merge” im Vorjahr erwiesen sich die erfolgreichen Implementierungen auf den verschiedenen Test-Netzwerken über Wochen als Kurstreiber.


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Enact, Roboter die fühlen, Roboter, Robotik
© Enact

Roboter können viel. Sie sehen fast alles, sie schweißen, heben, sortieren. Eines fehlt ihnen jedoch: Fingerspitzengefühl. Deshalb bleiben die letzten Handgriffe der Montage Handarbeit: ein Kabel, das einrasten muss, eine Dichtung, die sitzen muss, eine Schraube, die klemmt. Diesem Mangel an Feinfühligkeit stellt sich das Schweizer Startup Enact entgegen und baut Roboter, die Kraft spüren. Sie messen Druck und Widerstand über ihre eigenen Antriebe, wie der Mensch über Muskeln und Sehnen, und ein Modell lernt daraus, heißt es. Der Roboter merkt ohne Zusatzsensoren und ohne künstliche Haut, ob das Teil sitzt.

Enact von Caltech-Forscher gegründet

Dass das mehr als eine Nische ist, zeigen die Zahlen. China etwa hat 2025 354.000 Industrieroboter installiert, fast drei von fünf weltweit (IFR). Europa gewinne dagegen nicht über Masse sondern über Varianz, und genau dort rechnen sich Roboter bisher selten, weil jemand jede Aufgabe einzeln programmieren müsse. Roboter, die durch Vormachen lernen und spüren, ob ein Teil sitzt, sollen diese Einzelprogrammierung ersparen und auch kleine Serien automatisierbar machen. Genau hier setzt Enact an: bei den letzten Handgriffen der Montage.

Gegründet wurde das Zürcher Startup im März 2026 von Manuel Yves Galliker. Der Maschinenbauer der ETH Zürich war Gastforscher am Caltech, leitete bei 1X das Team, das dem Humanoiden NEO das Gehen beibrachte, und arbeitete danach bei Physical Intelligence.

Dort sah er, dass Kamera und Teleoperation für die Fabrik nicht ausreichen, und ging zurück nach Zürich. „Das Silicon Valley hat historisch betrachtet enorme Stärken in Software und KI, aber es fehlt an Spezialisten für Robotik und Hardware-Engineering“, sagt Galliker.

Investment von Mensch

Nun sammelte er mit Enact 30 Millionen US-Dollar in einer Pre-Seed-Runde ein, und das noch bevor es ein Produkt gibt. Das hat einen Grund, wie man in der Aussendung liest: „Das Startup baut alles selbst. Antriebe, Regelung und Modell entstehen unter einem Dach, was am Anfang mehr kostet als ein Modell auf einen fremden Arm zu setzen.“ Die ersten Antriebe laufen, der Ansatz sei laut Enact validiert.

Angeführt wird die Millionen-Runde von redalpine, Notion Capital und firstminute capital. Als Business Angels investieren Yann LeCun (von 2013 bis Ende 2025 Chief AI-Scientist bei Meta), Arthur Mensch (Co-Founder Mistral AI), Andrew Lonsberry (Path Robotics) und David Wallerstein (früher Tencent). Aktuell arbeiten zehn Personen in Zürich, bis Ende 2027 sollen es viermal so viele werden.

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