09.09.2022

Crypto Weekly #70: Ethereum-„Merge“ steht knapp bevor – was man jetzt wissen muss

Diese Woche: Ethereum will kommende Woche auf den "Proof of Stake"-Konsensmechanismus umsteigen - und sich damit vom Mining verabschieden. Wir beleuchten in dieser Ausgabe Hintergründe, Risiken und Fehlannahmen zum "Merge". Außerdem: Der Kryptomarkt erholt sich nach einer Schwächephase zum Wochenausklang wieder.
/artikel/crypto-weekly-70
a coin with the logo of Ethereum
Foto: Unsplash/Kanchanara

Das brutkasten Crypto Weekly ist unser wöchentliches Briefing zum Kryptomarkt und kann hier als Newsletter abonniert werden. Jeden Freitag blicken wir auf die wichtigsten Kursbewegungen und Nachrichten der Krypto-Woche zurück.


Die Kurstafel:

  • Bitcoin (BTC): 20.700 US-Dollar (+3 % gegenüber Freitagnachmittag der Vorwoche)
  • Ethereum (ETH): 1.700 Dollar (+7 %)
  • Solana (SOL): 35 Dollar (+12 %)
  • Polkadot (DOT): 8 Dollar (+8 %)
  • Cardano (ADA): 0,50 Dollar (+8 %)

Bitcoin fiel zwischenzeitlich bis auf 18.600 Dollar, Erholungsversuch zum Wochenausklang

Bevor wir uns dem Ethereum-“Merge” widmen, werfen wir jedoch wie immer noch einen Blick auf die Kursentwicklung seit vergangenem Freitag. Und da lässt sich sagen: Nach einer Schwächephase zur Wochenmitte hat der Kryptomarkt am Freitag einen Erholungsversuch gestartet, der die Kursperformances der größten Krypto-Assets durchwegs ins Plus beförderte. 

Nehmen wir etwa Bitcoin (BTC): Der Kurs lag seit vergangenem Freitag über weite Strecken unter der 20.000-Dollar-Marke. Am Mittwoch geriet er unter Druck und fiel bis auf rund 18.600 Dollar. Der Push am Freitag hievte Bitcoin aber auf ein Wochenhoch von fast 20.700 Dollar. Seit vergangenem Freitag ist der Bitcoin-Kurs damit um knapp 3 Prozent gestiegen. 

Bei Ethereum (ETH) fiel das Plus etwas stärker aus, für den Ether-Kurs ging’s über 7 Prozent nach oben. Stark gefragt waren auch die Token anderer Smart-Contract-Blockchains wie ADA von Cardano (plus 8 Prozent) und SOL von Solana (plus 12 Prozent).

Der Kryptomarkt folgte damit weitgehend den traditionellen Finanzmärkten. Hier stand diese Woche vor allem die Geldpolitik im Mittelpunkt: Die Europäische Zentralbank (EZB) erhöhte ihren Leitzins aufgrund der hohen Inflation deutlich um 0,75 Prozentpunkte auf 1,25 Prozent. Die US-Notenbank Fed dürfte übernächste Woche folgen. Diese Woche bekräftigte Notenbank-Chef Jerome Powell, dass die Fed ihre Geldpolitik weiter straffen werde, bis die Inflation tatsächlich eingedämmt sei.  Die jüngsten Entwicklungen rund um die Energiekrise in Europa – und mögliche Gegenmaßnahmen – sind natürlich ebenfalls weiterhin ein großes Thema, das die Finanzmärkte noch länger begleiten wird.

Ethereum: “Merge” soll in wenigen Tagen über die Bühne gehen

Kommen wir nun aber zum großen Thema im Kryptobereich: Dem “Merge”, der in der kommenden Woche – rund um den 15. September – über die Bühne gehen soll. Die Ethereum-Blockchain wird sich vom “Proof of Work”-Konsensmechanismus verabschieden. Das Mining wird damit obsolet. 

Stattdessen kommt künftig Staking zum Einsatz – etwas vereinfacht gesagt läuft es dann so: Wer als Validator aktiv werden und Blockchain-Transkationen verifizieren will, hinterlegt eine bestimmte Anzahl an Coins als “Einsatz” in einem Smart Contract, in dem diese dann für einen bestimmten Zeitraum “gesperrt” sind. Im Gegenzug erhält man dann weitere Coins als sogenannte “Staking Rewards” und kann so Erträge generieren.

Im Fall von Ethereum benötigt man dazu 32 ETH – was nach aktuellem Kurs rund 55.000 Dollar sind. Eine ordentliche Summe – alternativ kann man jedoch auch auf die Dienste eines sogenannten “Staking Pools” zurückgreifen, bei dem die Beteiligten – grob gesagt – zusammenlegen und so Staking auch mit kleineren Beträgen möglich wird. Einer der populärsten Staking Pools ist Lido.

Ethereum hat seit 2020 bereits eine “Proof of Stake”-Chain im Einsatz, die “Beacon Chain”. Bisher ist sie vom Mainnet jedoch getrennt. Kommende Woche sollen sie verschmolzen werden – daher übrigens auch der Name “Merge”. 

Was der “Merge” bringen soll – und welche Risiken es gibt

Die Vor- und Nachteile des Umstiegs werden seit Jahren kontrovers diskutiert, deshalb an dieser Stelle nur kurz: 

  • Als einer der größten Vorteile wird üblicherweise der niedrigere Energieverbrauch angeführt. Und “niedriger” heißt in dem Fall: Massiv niedriger. 
  • Nach Angaben der Ethereum Foundation soll der Energieverbauch um 99,95 Prozent sinken. Die Miner, die derzeit ihre Rechner rund um die Uhr laufen haben, um das Netzwerk zu sichern, werden nach dem Umstieg nicht mehr benötigt.
  • Nicht alle sind jedoch begeistert: Vor allem im Bitcoin-Lager gibt es massive und grundsätzliche Kritik am “Proof of Stake”-Mechanismus. Dieser führt nach Ansicht der Kritiker per se zu einer höheren Zentralisierung – oder birgt zumindest das Risiko einer solchen.
  • auf der bereits existierenden Ethereum-”Proof of Stake”-Chain, der “Beacon Chain”, sind vier Nodes-Betreiber (das bereits erwähnte Lido sowie die Börsen Coinbase, Kraken und Binance) für mehr als die Hälfte der gesamten Staking-Aktivitäten verantwortlich
  • brisant könnte dies etwa aufgrund der im August beschlossenen Sanktionen des US-Finanzministeriums gegen Tornado Cash werden, der die Anonymisierung von Krypto-Transaktionen anbietet. Für US-Bürgerinnen und -bürger wurde es damit illegal, mit Tornado Cash zu interagieren. 
  • dies wirft natürlich Fragen auf: Was, wenn US-Unternehmen wie Coinbase und Kraken in ihrer Rolle als Validatoren Transaktionen sanktionierte Transaktionen entsprechend der Vorgaben “zensieren” würden? Würde damit mittelfristig Eigenschaften der Blockchain wie “permissionless” und “censorship resistant” in Frage gestellt? Coinbase-CEO Brian Armstrong hat dazu gesagt, sein Unternehmen würde eher aus dem Staking-Geschäft aussteigen als eine solche “Zensur” auf der Protokoll-Ebene der Blockchain umzusetzen. Dass das Thema damit aber beigelegt ist, darf bezweifelt werden.

Daneben gibt es natürlich noch genug weitere Pro- und Kontra-Punkte, die in der Diskussion über die Jahre immer wieder angebracht wurden, ohne dass die eine Seite die andere wirklich überzeugen konnte. Ethereums Umstieg auf “Proof of Stake” ist ja auch bereits seit Jahren geplant. Dass seine Umsetzung aber auf sich warten ließ, hat immer wieder für Spott gesorgt. Der Umstieg auf “Proof of Stake” sei immer rund sechs Monate entfernt, wurde da gerne angeführt. 

In den vergangenen Monaten wurde es, wie berichtet, dann aber immer ernster. Seit Juni wurde der “Merge” etwa auf den Test-Netzwerken Ropsten, Sepolia und Goerli umgesetzt. Im August wurde dann auch ein ungefähres Datum für den “Merge” am Mainnet festgesetzt. Und jetzt dürften wir davon wirklich nur noch wenige Tage entfernt sein.

Tatsache ist auch: Die anderen großen Smart-Contract-Plattformen wie etwa Solana, Avalanche oder Cardano haben “Proof of Stake”-Konsensmechanismen (oder Variationen davon) schon länger im Einsatz. Unter den Top-10-Coins nach Marktkapitalisierung setzt aktuell nur Bitcoin auf den “Proof of Work”-Ansatz (der von der Bitcoin-Community als zentrales Element betrachtet wird, weshalb hier ein Umstieg auch undenkbar ist). Dogecoin (DOGE) verwendet übrigens ebenfalls einen “Proof of Work”-Ansatz, liegt aber aktuell knapp nicht in den Top 10.

Ethereum Foundation stellt Fehlannahmen zum “Merge” klar

Aber zurück zum “Merge”. Gerade weil er bereits so lange diskutiert und geplant wurde, sind mitunter auch Erwartungen entstanden, die nicht ganz erfüllt werden können. Die Ethereum Foundation hat wohl auch deshalb eine Liste an weitverbreiteten Fehlannahmen zum “Merge” veröffentlicht. 

Dabei wurde unter anderem klargestellt,

  •  dass der “Merge” Transaktionsgebühren nicht direkt senken wird (er ändert nichts an der Kapazität des Netzwerks)
  • dass der “Merge” auch nicht dazu führen wird, dass Ethereum-Transaktion deutlich schneller werden (die Geschwindigkeit wird sich nur geringfügig erhöhen)
  • dass gestakte ETH nach dem “Merge” noch nicht abgezogen werden können (dazu muss erst die entsprechende Funktionalität aktiviert werden, was noch mindestens weitere 6 bis 8 Monate dauern wird)

Die komplette Liste der Ethereum Foundation ist hier abrufbar.

Und die Miner?

Bleibt noch eine Frage. Was wird aus den Minern, wenn sie plötzlich nicht mehr gebraucht werden? Sie können natürlich ebenfalls ins Staking wechseln, würden dort aber bei Null beginnen. Sie könnten auch auf andere Blockchains wechseln, die mit ihrer vorhandenen Hardware kompatibel sind, und dort weiter minen.

Einen starken Kursanstieg gab es etwa in den vergangenen Wochen bei Ethereum Classic (ETC). Diese Blockchain entstand 2016 nach dem berühmt-berüchtigten DAO-Hack. In einer durchaus kontroversen Entscheidung wurde damals der Zustand der Blockchain vor dem Hack wiederhergestellt. Nicht alle machten dies jedoch mit – und so blieb die technisch gesehen ursprüngliche Ethereum-Blockchain als Ethereum Classic bestehen. Ethereum Classic macht auch den Umstieg auf “Proof of Stake” nicht mit – ob aber wirklich Miner in nennenswertem Ausmaß auf die vergleichsweise wenig genutzte Blockchain umsteigen werden, darf durchaus bezweifelt werden.

In gewisser Weise könnte sich die Geschichte aber wiederholen: Denn auch diesmal haben bereits einige Miner angekündigt, die aktuelle(also Proof-of-Work-basierte) Ethereum-Blockchain weiter betreiben zu wollen. Somit würde wieder ein Fork entstehen – im Grunde eine duplizierte Blockchain inklusive aller zum Zeitpunkt des “Merge” auf Ethereum laufenden Anwendungen inklusive eines eigenen “Proof of Work”-ETH-Tokens. 

Diese Blockchain könnte dann auch für sich beanspruchen, das “richtige” Ethereum zu sein – und würden die Community und die Börsen dem folgen, wäre es letztlich auch so. Allerdings ist das völlig unrealistisch. Der “Merge” ist in der Ethereum-Community nicht umstritten – weshalb es dem “Proof of Work”-Fork an Rückhalt fehlen wird. Einzelne Börsen werden den neuen Token wohl auch listen, allerdings ist es auch hier so, dass die großen Akteure hinter dem “Merge” stehen.


Hier geht’s zu allen Folgen des brutkasten Crypto Weekly


Disclaimer: Dieser Text sowie die Hinweise und Informationen stellen keine Steuerberatung, Anlageberatung oder Empfehlung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren dar. Sie dienen lediglich der persönlichen Information. Es wird keine Empfehlung für eine bestimmte Anlagestrategie abgegeben. Die Inhalte von brutkasten.com richten sich ausschließlich an natürliche Personen.

Deine ungelesenen Artikel:
10.07.2026

Martin Ohneberg: „Wir dürfen nicht zu einem Land der Anwender werden“

HENN-Eigentümer und CEO Martin Ohneberg hielt beim World Venture Forum in Kitzbühel die Rede zum Gala-Dinner - mit einer unbequemen Botschaft an Europa. Im brutkasten-Interview spricht er über digitale Souveränität als letzte Chance, den Transformationsdruck im Automotive und den Megatrend Kühlung, von Rechenzentren bis zu humanoiden Robotern.
/artikel/martin-ohneberg-wir-duerfen-nicht-zu-einem-land-der-anwender-werden
10.07.2026

Martin Ohneberg: „Wir dürfen nicht zu einem Land der Anwender werden“

HENN-Eigentümer und CEO Martin Ohneberg hielt beim World Venture Forum in Kitzbühel die Rede zum Gala-Dinner - mit einer unbequemen Botschaft an Europa. Im brutkasten-Interview spricht er über digitale Souveränität als letzte Chance, den Transformationsdruck im Automotive und den Megatrend Kühlung, von Rechenzentren bis zu humanoiden Robotern.
/artikel/martin-ohneberg-wir-duerfen-nicht-zu-einem-land-der-anwender-werden
Martin Ohneberg am World Venture Forum in Kitzbühel | (c) brutkasten

Beim World Venture Forum in Kitzbühel hielt Martin Ohneberg auf Einladung von Initiator Berthold Baurek-Karlic die Rede zum Gala-Dinner: über Europa im globalen Kontext. Seine Botschaft, die er im brutkasten-Gespräch wiederholt: Europa hat kein Ideen-, sondern ein Umsetzungs- und Kapitalproblem. Und: „Wir reden nicht von einer Krise, sondern von einer Transformation.“ In der Transformation bringe Warten nichts.

Ohneberg weiß, wovon er spricht. Der Vorarlberger Industrielle übernahm 2011 die HENN Gruppe und baute den Verbindungstechnologie-Spezialisten zum Nischen-Weltmarktführer bei Ladeluft-Schnellkupplungen für die Automobilindustrie aus – eine Position, die das Unternehmen bis heute hält. Während die Branche mitten in einer schmerzhaften Transformation steckt, richtet er seine Gruppe nun auf einen Megatrend aus, der von KI-Rechenzentren bis zu humanoiden Robotern reicht: Kühlung.

Im Gespräch mit brutkasten erklärt Ohneberg, warum Europa beim Thema Souveränität den letzten Moment erreicht hat, weshalb das Self-driving Car der echte Game Changer wird und was passieren muss, damit der Kontinent nicht zum reinen Anwender fremder Technologien wird.


brutkasten: In deiner Rede beim World Venture Forum hast du die Formel „Europe discusses, America decides, Asia acts“ aufgegriffen. Gleichzeitig läuft gerade die Debatte um Europas digitale Souveränität. Ist da ein Momentum?

Martin Ohneberg: Wenn Europa jetzt beim Thema Souveränität nicht aufwacht, wird es ganz schwierig. Ich glaube, es ist der letzte Moment. Das wurde erkannt, der Draghi-Report hat seinen Teil dazu beigetragen. Jetzt muss gehandelt werden. Die Frage ist: Haben wir noch eine Chance, das Ruder herumzureißen? Die Gefahr ist, dass wir vom Land der Innovation und der Produktion zum Land der Anwender werden. Und leicht wird das nicht: Kapital ist der Rohstoff der Zukunft. Wenn man sich den Börsengang von SpaceX anschaut, sind das Dimensionen, da können wir in Europa nicht mit. Wir haben tolle Ideen und viele tolle Startups. Aber wenn man anschaut, wo sie skalieren und wo sie das Geld holen, ist es dann doch Amerika.

Was muss auf europäischer Ebene passieren? Sollte die öffentliche Beschaffung etwa gezielt europäische Lösungen bevorzugen?

Man kann das leicht sagen, aber es ist diffiziler, als oft geglaubt wird. Unsere Abhängigkeiten sind in vielen Technologien und bei seltenen Erden inzwischen so groß, dass es extrem schwierig ist, sich stärker gegen andere Nationen aufzustellen. Dazu fehlt die Geschlossenheit: 27 Länder, jeder agiert selbst, Frankreich anders als Deutschland. Natürlich macht es Sinn, die europäische Wirtschaft stärker zu schützen. Aber die eigentlichen Probleme liegen tiefer: Wir haben keinen einheitlichen Kapitalmarkt, weshalb das Geld, das in Europa durchaus vorhanden ist, hauptsächlich nach Amerika geht. Die Bürokratie ist überbordend. Und wir müssen wegkommen von den Überschriften, ob das jetzt Green Deal heißt oder Industrial Acceleration Act, und in die Umsetzung kommen. Europa ist prädestiniert für tolle Strategien und Visionen. Am Ende mangelt es an der konsequenten Umsetzung.

Woran scheitert die?

Wir haben tolle Universitäten, Innovationen, eine starke Industrie. Aber wir bringen es nicht auf die Straße, weil Europa ein zu komplexes Gebilde ist. Allein die Geschwindigkeit: Bis etwas durch Parlament und Kommission ist, vergehen im Schnitt rund 18 Monate. Bis es in Kraft tritt, reden wir von zwei, drei Jahren. Wir sind aber in einer Zeit angekommen, in der Speed der Key ist. Es passieren ja Dinge, aber sie passieren halt außerhalb Europas. Das ist eigentlich das Thema. Die Konsequenz: Bei uns wird gegründet und entwickelt, skaliert wird in Amerika. Und dann importieren wir die Produkte wieder, die wir selbst erfunden haben.

Du bist mit HENN Zulieferer der Automobilindustrie. Bei VW und anderen ist enormer Druck im System. Wie nimmst du die Lage wahr?

Das, was jetzt in Europa passiert, ist meiner Ansicht nach erst der Beginn. Da wird noch mehr kommen. Vor ein paar Jahren hat man für diese Zeit von 125 Millionen produzierten Autos weltweit gesprochen, wir sind jetzt bei rund 90 bis 92 Millionen. Global wird wenig Wachstum vorhanden sein, dafür kommt ein massiver Verdrängungswettbewerb zwischen den Regionen, der nach aktuellem Stand zugunsten Asiens ausgehen wird. Wichtig ist mir die Unterscheidung: Wir reden nicht von einer Krise, sondern von einer Transformation. Eine Krise geht vorbei, ob Corona, Suezkanal oder Energiepreise. Die Transformation bleibt. In der Krise kannst du durchtauchen, in der Transformation bringt Warten nichts. Du musst handeln und gestalten.

Du siehst den nächsten großen Schub bei Self-driving Cars. Warum ausgerechnet dort?

Weil sich die Mobilität damit noch einmal fundamental verändert. Beim E-Auto ist der Customer Benefit de facto der Ausstieg aus fossilen Brennstoffen. Das ist ideologisch, ob das ein riesiger Kundenvorteil ist, kann man diskutieren. Das Self-driving Car hat den echten Customer Benefit: Ich muss nicht mehr selbst fahren und kann jederzeit einsteigen. Wenn man sich anschaut, was Waymo, Huawei und andere schon auf der Straße haben und welche Datenmengen dort täglich generiert werden, kann man sich vorstellen, wie schnell das gehen wird. Für die Zulieferindustrie heißt das: extreme Standardisierung und Konsolidierung. Autos werden modular. Man kauft künftig ein „Skateboard“ mit vier Rädern, Batterie und integrierter Software, das Self-driving-Modul wird eingeschoben wie früher das erste Navi ins Auto. Und es wird die Foxconns geben, die das komplette Modul fertigen.

Wie stellt sich HENN darauf ein?

Wir kommen aus einer Nische, in der wir bis heute Weltmarktführer sind, der Ladeluft, und transformieren uns in einen Markt, der groß, aber extrem kompetitiv ist. Wir sind de facto in einem Red Ocean unterwegs. Deshalb richten wir die Gruppe stark auf den Megatrend Kühlung aus. Überall, wo verstärkt Elektrizität eingesetzt wird, braucht es Kühlung, und künftig immer öfter Wasserkühlung, weil die Leistungen so hoch sind. Die Rechenzentren, die jetzt gebaut werden, müssen alle wassergekühlt werden. Das ist unser Heimspiel: Da haben wir erste Anwendungen, Prototypen und intensive Gespräche. Dazu kommen Renewables wie Windkraft. Und humanoide Roboter, die aktuell noch luftgekühlt sind, künftig aber ebenfalls wassergekühlt werden müssen.

Stichwort Humanoide und Physical AI: Hat Europa dort überhaupt eine Chance?

Die Voraussetzungen wären da: Wir haben die Ingenieure, die klassische Industrie, hohe Innovationstätigkeit. Und die Notwendigkeit ist hundertprozentig gegeben: Demografisch müssen wir in Automatisierung und Robotik investieren, Punkt. Aber aktuell passiert wieder fast alles außerhalb Europas. Wenn Europa Souveränität ernst nimmt, muss spätestens bei den Humanoiden sichergestellt sein, dass es ein europäisches Produkt gibt, weil der Vergleich zum Menschen so nahe ist. Wenn China, die USA oder andere unsere Humanoiden in den Produktionshallen steuern, weiß ich nicht, ob das so angenehm ist. Es gibt positive Schritte wie die große Finanzierungsrunde von Neura Robotics mit Partnern wie Bosch und Schaeffler. Aber das Kapital fließt insgesamt wiederum nicht nach Europa. Die große Frage wird sein: Wie hoch ist unser Wertschöpfungsanteil? Dass wir anwenden werden, davon bin ich überzeugt. Ob wir ein eigenes Ökosystem aufbauen können, das entscheidet sich jetzt.

Zum Abschluss: Was gibst du Gründer:innen mit, die jetzt starten?

Es gibt nichts Besseres, als Unternehmer zu sein. Das ist die Champions League der Wirtschaft. Es kann jeder Unternehmer werden. Man braucht den Mut zu sagen: Jetzt mache ich den Sprung. Und dann Konsequenz. Aber es muss klar sein: Eine Unternehmerkarriere hat immer Höhen und Tiefen. Der Unternehmer ist der Einzige, der wirklich Risiko nimmt. Er ist bis zum Schluss auf dem Schiff.

Toll dass du so interessiert bist!
Hinterlasse uns bitte ein Feedback über den Button am linken Bildschirmrand.
Und klicke hier um die ganze Welt von der brutkasten zu entdecken.

brutkasten Newsletter

Aktuelle Nachrichten zu Startups, den neuesten Innovationen und politischen Entscheidungen zur Digitalisierung direkt in dein Postfach. Wähle aus unserer breiten Palette an Newslettern den passenden für dich.

Montag, Mittwoch und Freitag

AI Summaries

Crypto Weekly #70: Ethereum-„Merge“ steht knapp bevor – was man jetzt wissen muss

AI Kontextualisierung

Welche gesellschaftspolitischen Auswirkungen hat der Inhalt dieses Artikels?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

Crypto Weekly #70: Ethereum-„Merge“ steht knapp bevor – was man jetzt wissen muss

AI Kontextualisierung

Welche wirtschaftlichen Auswirkungen hat der Inhalt dieses Artikels?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

Crypto Weekly #70: Ethereum-„Merge“ steht knapp bevor – was man jetzt wissen muss

AI Kontextualisierung

Welche Relevanz hat der Inhalt dieses Artikels für mich als Innovationsmanager:in?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

Crypto Weekly #70: Ethereum-„Merge“ steht knapp bevor – was man jetzt wissen muss

AI Kontextualisierung

Welche Relevanz hat der Inhalt dieses Artikels für mich als Investor:in?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

Crypto Weekly #70: Ethereum-„Merge“ steht knapp bevor – was man jetzt wissen muss

AI Kontextualisierung

Welche Relevanz hat der Inhalt dieses Artikels für mich als Politiker:in?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

Crypto Weekly #70: Ethereum-„Merge“ steht knapp bevor – was man jetzt wissen muss

AI Kontextualisierung

Was könnte das Bigger Picture von den Inhalten dieses Artikels sein?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

Crypto Weekly #70: Ethereum-„Merge“ steht knapp bevor – was man jetzt wissen muss

AI Kontextualisierung

Wer sind die relevantesten Personen in diesem Artikel?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

Crypto Weekly #70: Ethereum-„Merge“ steht knapp bevor – was man jetzt wissen muss

AI Kontextualisierung

Wer sind die relevantesten Organisationen in diesem Artikel?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

Crypto Weekly #70: Ethereum-„Merge“ steht knapp bevor – was man jetzt wissen muss