20.05.2022

Crypto Weekly #57: Warum der aktuelle Kurseinbruch kein “Krypto-Crash” ist

Zuletzt hat der LUNA-Kollaps alles überschattet. Aber der Grund für den Crash war er nicht - denn der aktuelle Kurseinbruch betrifft nicht nur den Kryptomarkt. Warum dieser derzeit am US-Aktienmarkt hängt - und wie sich Krypto-Assets im aktuellen Abverkauf verglichen mit der Nasdaq gehalten haben.
/artikel/crypto-weekly-57
Trading online while cryptocurrency exchange rate going down with red background
Foto: Adobe Stock

Das brutkasten Crypto Weekly ist unser wöchentliches Briefing zum Kryptomarkt und kann hier als Newsletter abonniert werden. Jeden Freitag blicken wir auf die wichtigsten Kursbewegungen und Nachrichten der Krypto-Woche zurück.


Die Kurstafel:

  • Bitcoin (BTC): 30.300 US-Dollar (+/-0 % gegenüber Freitagnachmittag der Vorwoche)
  • Ethereum (ETH): 2.040 Dollar (-2 %)
  • Solana (SOL): 52 Dollar (+3 %)
  • Binance Coin (BNB): 310 (+1 %)
  • Polkadot (DOT): 10 Dollar (-9 %)
  • Avalanche (AVAX): 31 Dollar (-10 %)

Bitcoin stabil bei 30.000 Dollar, Ethereum bei 2.000 Dollar…

Zunächst einmal die Zahlen: Der Zusammenbruch von Terras UST-Stablecoin und des dazugehörigen LUNA-Tokens hat vergangene Woche das Marktgeschehen dominiert. Und für Gesprächsstoff sorgt der Kollaps natürlich weiterhin. Allerdings: Sieht man sich die Kursentwicklung der größten Kryptowährungen seit Freitag der Vorwoche an, war die angesichts der schlechten Marktstimmung gar nicht einmal so übel.

Die beiden Großen, also Bitcoin und Ethereum, haben sich im Wesentlichen um die Marken von 30.000 Dollar und 2.000 Dollar bewegt. Bei Bitcoin lag das Wochentief bei rund 28.700 Dollar – also doch klar über jenem der Vorwoche, als der Kurs zwischenzeitlich bis auf 26.300 Dollar abgerutscht war. Am Freitag wurde Bitcoin zuletzt wieder bei über 30.000 Dollar gehandelt. Ether stand knapp über 2.000 Dollar. Beide liegen damit ungefähr am selben Niveau wie am Freitagnachmittag der Vorwoche.

Deutlicher abwärts ging diese Woche für die Token der Smart-Contract-Blockchains Polkadot (DOT) und Avalanche (AVAX), die beide jeweils um die rund 10 Prozent verloren. Auf der Gewinnerseite standen diese Woche dagegen der Binance-Coin BNB und auch der SOL-Token von Solana, die beide jeweils leicht zuelgten.

…aber die Stimmung bleibt schlecht

Interessant dabei: Für sich genommen – und ohne jeden Kontext – sind diese Zahlen alles andere als spektakulär. Würde man also das Drumherum nicht kennen, könnte man sogar schlussfolgern, dass es eine eher langweilige Woche gewesen sein muss.

Tatsächlich ist die Wahrnehmung aber vor allem nach der extrem schwachen Vorwoche eine völlig andere: Die Marktstimmung ist mies. Der “Crypto Fear & Greed Index” beispielsweise steht ganz klar auf “Extreme Fear”. Immer häufiger ist in der Szene auch die Rede von einem möglichen “Kryptowinter” wie 2018, als die Kurse monatelang fielen und viele Projekte scheitern.

Der LUNA-Kollaps spielt dabei sicherlich eine besondere Rolle. Dass man im Kryptobereich ständig mit Scams, Hacks und Rug Pulls konfrontiert ist, weiß jeder, der sich auch nur ein bisschen mit der Materie beschäftigt. Aber dass ein Token, der in den Top 10 nach Marktkapitalisierung steht, innerhalb weniger Tage auf de facto 0 ging, das hat viele dann doch überrascht. Auch wenn es genug Stimmen gab, die das Konzept des algorithmischen Stablecoins UST immer wieder kritisiert und dessen Schwachstellen offengelegt hatten.

Aber natürlich ist die große Frage, welche Auswirkungen der LUNA-Kollaps über die Szene hinaus haben wird. Und es liegt nahe, dass der Vorfall das Thema Stablecoins noch einmal stärker ins Bewusstsein der Behörden gebracht hat. Auch ist plausibel, dass Investoren künftig ein bisschen genauer hinschauen werden, wie robust die Konzepte mancher Krypto-Startups tatsächlich sind. Das kann langfristig durchaus positive Effekte haben. Aber es ist ebenso klar, dass in der Branche vorerst einmal die Unsicherheit überwiegt. 

Warum der aktuelle Kurseinbruch nicht vom LUNA-Kollaps ausgelöst wurde

Aber auch wenn Terra/LUNA die vergangenen beiden Wochen die Schlagzeilen und Krypto-Twitter dominiert hat – eines muss man festhalten: Der Auslöser für die aktuelle Kursschwäche am Kryptomarkt war der UST-Zusammenbruch nicht. Und auch wenn er in der Branche noch länger diskutiert werden wird: Für die Entwicklung am Kryptomarkt in den nächsten Wochen wird er keine große Rolle mehr spielen.

Die Realität ist: Das Marktumfeld ist seit Monaten schwach. Nicht nur für Krypto-Assets, sondern auch am Aktienmarkt. Die Korrelation zwischen den Kryptokursen und US-Aktien, insbesondere solchen aus der Tech-Branche, ist unverändert hoch. Und der Aktienmarkt wird gerade weniger von Fundamentaldaten wie Unternehmenskennzahlen getrieben, sondern vielmehr von der Makroebene. 

Da wäre einmal die hohe Inflation und, direkt damit verbunden, die Geldpolitik der US-Notenbank Federal Reserve. Diese ist gerade dabei, die Zinsen zu erhöhen, um die Teuerung zu bekämpfen. Höhere Zinsen machen klassische “Risk Assets” – wie beispielsweise Tech-Aktien – unattraktiver. Weil man auch mit weniger riskanten Anlagen wie Anleihen wieder höhere Renditen erzielen kann. Ziemlich unsicher ist aber, wie stark die Zinsen wirklich erhöht werden können: Denn sowohl in den USA als auch in Europa stehen die Zeichen auf Wirtschaftsabschwung und Rezession. 

Dazu trägt natürlich auch der anhaltende Krieg in der Ukraine bei. Auch hier könnte noch einiges auf die Weltwirtschaft zukommen: Weitere Sanktionen, ein Ende russischer Gaslieferungen nach Europa (sei es aufgrund eines Embargos oder aufgrund eines Lieferstopps) oder auch eine mögliche Nahrungsmittelknappheit. 

Um es abzukürzen: Wir befinden uns in einem schwierigen makroökonomischen und geopolitischen Umfeld mit einer ganzen Reihe an Risikofaktoren, deren möglichen Auswirkungen schwer abzuschätzen sind. Seit dem Corona-Crash im März 2020 ist es an den Aktienmärkten (und auch am Kryptomarkt) bis Ende 2021 mehr oder weniger durchgehend nach oben gegangen.

In einem solchen Bullenmarkt haben es Anleger einfach: Es steigt ohnehin fast alles – und man kann sich schnell als Investmentgenie fühlen. Aber jetzt ist die Situation eben eine andere. Und es bestätigt sich nun die alte Börsenweisheit: Erst bei Ebbe sieht man, wer mit Badehose schwimmt (OK, 2 Dogecoin ins Phrasenschwein…).

Kryptowährungen werden von Investoren weiterhin wie riskante Tech-Aktien gehandelt

Für den Kryptomarkt ist dies ebenso relevant: Von der beschriebenen Situation sind sämtliche “Risk Assets” betroffen – und Kryptowährungen werden von den Investoren ganz klar als solche eingeordnet, wie ein Blick auf die Kursbewegungen zeigt. Es betrifft auch Bitcoin: Konzeptionell mag es durchaus als “Safe Haven Asset” angelegt sein – die Wahrnehmung am Markt ist aber eine andere.

Dass die Token von Smart-Contract-Plattformen wie Ethereum, Solana oder Avalanche so wie riskante Tech-Aktien gehandelt werden, ist nachvollziehbar: Es handelt sich dabei ja auch um Technologie-Projekte, deren langfristige Erfolgsaussichten unklar sind. Gut, bei Meme Coins wie Dogecoin (DOGE) oder Shiba Inu (SHIB) kann man die Einstufung als “Risk Assets” insofern anzweifeln, als das unklar ist, ob man sie überhaupt als Assets bezeichnen sollte. 

Der Punkt ist aber: Gerade weil es fundamental nachvollziehbar ist, dass Kryptowährungen wie riskante Tech-Aktien gehandelt werden, kann man im aktuellen “Risk off”-Umfeld nicht davon ausgehen, dass die Korrelation zwischen Nasdaq und Kryptomarkt bald deutlich zurückgehen wird. 

Dies liegt übrigens durchaus auch an institutionellen Investoren wie Vermögensverwaltern oder Investmentgesellschaften. Dass diese finanzkräftigen Player zunehmend in Krypto-Assets investieren würden, war eines der Argumente auch im Bullenmarkt 2021. Durch die stärkere Präsenz dieser Anleger aus der traditionellen Finanzbranche ist aber gleichzeitig auch eine stärkere Korrelation des Kryptomarkts mit etablierten Anlageklassen zu erwarten – und genau das ist derzeit eben zu beobachten.

All dies heißt aber auch: Der Crash am Kryptomarkt ist kein spezifischer “Krypto-Crash”. Er ist einfach Teil eines breiteren Abverkaufs riskanterer Anlageformen. Klar, es gibt auch genug kryptospezifische Gründe, die in den nächsten Wochen für Unruhe sorgen könnten (etwa ein möglicher Verlust der Dollar-Koppelung von Tether). Die Gründe für die jüngsten Kurseinbrüche lagen aber eine Ebene darüber.

Der Abverkauf in Zahlen: Krypto-Assets vs. Techaktien  

Zum Abschluss noch eine kurze Gegenüberstellung der Zahlen, wie stark ausgewählte Krypto-Assets und Tech- bzw. Nasdaq-Aktien von ihren 52-Wochen-Höchstständen gefallen sind.

Zunächst einmal Krypto:

  • Bitcoin: -56 %
  • Ethereum: -58 %
  • Solana: – 80 %
  • Avalanche: -80 %
  • Cardano: -82 %
  • Polkadot: -81 %
  • Dogecoin: -81 %
  • Shiba Inu: -87 %
  • LUNA: -100% 

Und hier einige ausgewählte Nasdaq- bzw. Tech-Aktien:

  • Nasdaq Composite (breiter Index mit über 3.000 Nasdaq-Aktien): -30 %
  • Apple: -25 %
  • Meta (Facebook): -50 %
  • Twitter – 50 %
  • Netflix: -74 %
  • Zoom: -77 %
  • Beyond Meat: -84 %
  • Robinhood -88 %

Es zeigt sich also: Wer Geld verlieren möchte, muss nicht unbedingt in Meme Coins investieren. Auch mit Zoom oder Robinhood kann man ähnlich viel verlieren. Zur Verteidigung der Nasdaq muss man allerdings festhalten: Auf 0 gegangen – wie LUNA – ist dort in diesem Jahr noch keine Aktie. 


Hier geht’s zu allen Folgen des brutkasten Crypto Weekly


Disclaimer: Dieser Text sowie die Hinweise und Informationen stellen keine Steuerberatung, Anlageberatung oder Empfehlung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren dar. Sie dienen lediglich der persönlichen Information. Es wird keine Empfehlung für eine bestimmte Anlagestrategie abgegeben. Die Inhalte von brutkasten.com richten sich ausschließlich an natürliche Personen.

Deine ungelesenen Artikel:
23.06.2026

HTL Spengergasse: Die Wiener Talenteschmiede

Viele der spannendsten jungen Tech-Talente Österreichs kommen von derselben Schule: der HTL Spengergasse in Wien. Zufall ist das nicht.
/artikel/wiener-talenteschmiede
23.06.2026

HTL Spengergasse: Die Wiener Talenteschmiede

Viele der spannendsten jungen Tech-Talente Österreichs kommen von derselben Schule: der HTL Spengergasse in Wien. Zufall ist das nicht.
/artikel/wiener-talenteschmiede
Alexandra Polic sitzt mit Harald Zumpf in einer Klasse der HTL Spenegrgasse
Lehrer Harald Zumpf betreut die Hochbegabten an der HTL Spengergasse. (c) brutkasten

Dieser Text ist zuerst im brutkasten-Printmagazin von Mai 2026 „Die nächste Stufe“ erschienen. Eine Download-Möglichkeit des gesamten Magazins findet sich am Ende dieses Artikels.


Hinter einer Glasfassade in der Spengergasse befindet sich eine Schule, die mehr kann als Unterricht. Hier bauen Schüler:innen Software, die mit Produkten von Technologie-Giganten konkurriert. Wer das Gebäude betritt, sieht Klassenzimmer wie überall: Tische, Bildschirme, Schüler:innen vor ihren Laptops. Und doch entsteht hier etwas, das an vielen Schulen fehlt.

Die Liste der Absolvent:innen liest sich wie das Who’s who der österreichischen Tech-Szene: Eric Steinberger und Sebastian De Ro, deren KI-Coding-Startup Magic international für Aufsehen sorgt; Ben Koska, der mit seinen Brüdern in San Francisco an Infrastruktur für KI-Modelle arbeitet; Mojmír Horváth, der mit seinem Startup PothAI im Sommer ins Y-Combinator-Programm einzieht. Sie haben eines gemeinsam: Sie sind durch dieselbe Förderung gegangen.

Im Computerraum wartet Harald Zumpf. Er unterrichtet im Bereich Informatik – und betreut nebenbei jene, die mehr wollen als den Lehrplan. Zumpf ist seit fast 13 Jahren an der HTL Spengergasse. Als er damals an die Schule kam, fiel ihm auf, dass es zwar zahlreiche Unterstützungsangebote für schwächere Schüler:innen gab, aber kein spezielles Angebot für die leistungsstärksten. „Wir haben uns also gefragt: Wie bereiten wir die Besten möglichst gut auf die Welt nach der Schule vor?“, erzählt Zumpf. Der Lehrer suchte die Antwort direkt bei jenen, die im Unterricht herausstechen. Er fragte sie, was er für sie tun könne. So entstand nach und nach die Hochbegabtenförderung.

Heute hat sich daraus ein Programm mit 18 Schüler:innen entwickelt, die in Teams an innovativen Projekten für reale Kunden aus der Wirtschaft arbeiten. Auf dem Papier ist die Förderung ein Freifach; in der Praxis eine 24/7-Betreuung. „Alle Schüler:innen haben meine Handynummer und können sich jederzeit melden – auch am Sonntag oder in den Ferien“, sagt Zumpf. Auf LinkedIn fasst er es so zusammen: Serving Austria’s brightest minds. „Ich arbeite nicht für mich – ich arbeite für die Schüler:innen“, sagt er.

Die HTL Spengergasse im fünften Wiener Gemeindebezirk. (c) brutkasten

Erst Silicon Valley, dann Matura

Viele der Schüler:innen, die in Zumpfs Programm waren oder sind, zählen zu den vielversprechendsten Talenten in der Startup- und Innovationsszene. Der besagte Mojmír Horváth etwa, 19 Jahre alt, besucht im Rahmen eines Auslandsjahrs die renommierte Phillips Academy in den USA. Mit seinem Startup PothAI hat er es außerdem ins Early-Programm des Y-Combinator-Ökosystems geschafft. Im Sommer, gleich nach seiner Matura an der HTL Spengergasse, wird Horváth am Summer 2026 Batch teilnehmen.

Mit PothAI entwickelt er eine agentenbasierte KI, die Unternehmensdaten eigenständig analysiert, Hypothesen bildet und daraus kontinuierlich neue Erkenntnisse ableitet, um manuelle Analyseprozesse zu ersetzen. Mit drei Unternehmen sind bereits Pilotprojekte vereinbart. Wenn der YC-Batch startet, will Horváth eine funktionierende Version seines Produkts haben.

Dass er es jetzt schon so weit gebracht hat, hat er auch seiner Schule und der Hochbegabtenförderung zu verdanken. Dabei hat er aber nichts dem Zufall überlassen: „Ich habe Professor Zumpf schon vor dem Schulstart geschrieben, um herauszufinden, wie ich in das Programm komme“, erzählt Horváth. Die Förderung war einer der Gründe, warum er sich für die HTL Spengergasse entschieden hat. In die Förderung aufgenommen hat ihn Harald Zumpf in der zweiten Klasse. Ausschlaggebend war unter anderem ein Medizin-Hackathon: „Wir sind dort gegen PhD-Teams angetreten und haben den zweiten Platz erreicht, beim Publikumsvoting sogar den ersten.

In diesem Rahmen habe ich in 24 Stunden einen Deep-Learning-Algorithmus entwickelt, der Patientendaten verarbeitet und die Kostenentwicklung prognostiziert“, sagt Horváth.

Talente fallen auf

Dies ist einer von vielen Schlüsselmomenten, die Harald Zumpf mit seinen Schüler:innen erlebt. „Das Identifizieren der Hochbegabten ist das Einfachste überhaupt. Man muss sich eher Mühe geben, sie nicht zu erkennen“, sagt er. Dabei komme es auch gar nicht nur auf ihn an: „Wenn man eine Klasse fragt, wer von ihnen der Beste im Programmieren ist, zeigen alle auf dieselbe Person“, erzählt Zumpf. Auch Empfehlungen aus dem Lehrerkollegium bekommt er immer wieder.

Manchmal geht Zumpf auf die Schüler:innen zu, manchmal kommen sie zu ihm. Wer aufgenommen werden will, braucht einen bestimmten Notenschnitt, weil die schulischen Leistungen nicht leiden sollen. Kandidat:innen führen ein Gespräch mit Zumpf und zwei oder drei Schüler:innen, die bereits in der Förderung sind. „Uneinig über eine Aufnahme waren wir uns noch nie“, sagt Zumpf. Ein Assessment-Center oder andere formale Metriken gibt es nicht.

Harald Zumpf hat die Hochbegabtenförderung an der HTL Spengergasse ins Leben gerufen. (c) brutkasten

Echte Projekte statt Theorie

Was nach der Aufnahme passiert, bestimmen die Schüler:innen. In Teams von zwei bis vier Personen arbeiten sie an Themen, die sie interessieren. Dabei geht es immer um reale Projekte von Wirtschaftspartnern. „Wenn sie etwas brauchen – Mentoring, Kontakte, Rechenleistung oder Projekte –, dann organisiere ich das“, sagt Zumpf. Am Anfang des Schuljahrs stellte er Kontakt zu einer österreichischen Bank her, weil sich eines seiner Teams für Cybersecurity begeistert. Drei Tage später saßen deren Vertreter bereits in der Schule – und noch am selben Tag fiel der Startschuss für das Projekt. Mittlerweile haben die Schüler:innen eine KI für das Compliance-Management entwickelt.

„Je offener die Aufgabenstellung, desto besser. Wir arbeiten strikt agil – von Sprint zu Sprint“, sagt Zumpf. Einmal im Monat trifft er sich bei einem Jour fixe mit seinen Schüler:innen, aber wenn es Herausforderungen gibt, sieht er sie zum nächstmöglichen Termin. Den Wirtschaftspartnern verspricht Zumpf keine bestimmten Ergebnisse – die Schüler:innen sollen Fehler machen dürfen –, aber „meistens kommt etwas sehr Gutes heraus“.

Die Projekte laufen normalerweise über ein Schuljahr. Manchmal aber sind die Teams schon nach drei Wochen fertig. „Wir schauen nicht auf die Zeit – wir schauen auf das Ergebnis“, sagt Zumpf.

Von der HTL zu Y ­Combinator

Einer, der auch nicht auf die Zeit schaut, ist Ben Koska – zum Video-Interview erscheint er pünktlich um Mitternacht, nordamerikanische Westküstenzeit. Koska sitzt gemeinsam mit seinen Brüdern in San Francisco, um Infrastruktur für Firmen zu bauen, die KI-Modelle trainieren.

Auch er ist Absolvent der HTL Spengergasse, Maturajahrgang 2025, und war Teil des Y-Combinator-Programms, Batch 2025. Wer dort aufgenommen werden will, muss einiges vorweisen. Das konnte Koska – dank der Hochbegabtenförderung in der HTL.

„Die größte Stärke der Förderung ist die Freiheit, Dinge auszuprobieren und eigene Projekte zu verfolgen. Wir konnten an vielen Hackathons und Events teilnehmen – das wäre ohne die Unterstützung der Schule nicht möglich gewesen“, sagt Koska. Ein Highlight? „Wir haben ein akademisches Paper geschrieben und auf einer Konferenz in Dubai präsentiert – das hat mich extrem geprägt.“

In das Programm aufgenommen hat ihn Harald Zumpf, nachdem er sich bei der österreichischen Informatikolympiade für internationale Wettbewerbe qualifiziert hatte. Dass die Schule ihre jungen Talente dorthin schickt, ist Teil des Konzepts der HTL Spengergasse. „Was die HTL besonders macht, ist, dass Lehrer sagen: Wenn ihr etwas Sinnvolles macht, dann dürft ihr euch dafür Zeit nehmen“, sagt Koska.

Seine Zeit steckt Koska heute in sein Startup SF Tensor. Oft programmiert er bis spät in die Nacht – gemeinsam mit seinen Brüdern. Damit haben die drei schon früh begonnen: Noch während der Schulzeit machten sie parallel ihren Bachelor, ermöglicht durch das Programm „Schülerinnen und Schüler an die Hochschulen“ der OeAD. Der Abschluss kam damit noch vor der Matura. Ben Koska studiert heute bereits im Master Computer Science an der University of Colorado Boulder.

Seine Brüder haben inzwischen ebenfalls abgeschlossen: Ihren letzten Schultag am BG & BRG Keimgasse in Mödling hatten sie erst vor wenigen Wochen – ihre Bachelor-Abschlüsse aber schon längst in der Tasche.

Dass solche Wege kein Zufall sind, zeigt sich auch in den Rankings: In den Bestenlisten der österreichischen Informatikolympiade tauchen immer wieder Namen von Schüler:innen des BG & BRG Keimgasse und der HTL Spengergasse auf.

Ben Koska hat mit seinen Brüdern das Startup SF Tensor gegründet, an dem sie derzeit in San Francisco arbeiten. (c) San Francisco Tensor Company

Das Erfolgsrezept: Praxis und Freiraum

Was machen diese Schulen besser als alle anderen? „Das Programm selbst ist gar nicht so komplex – es ist eher die Einstellung der Lehrer:innen und der Schulleitung, die den Unterschied macht“, sagt Ben Koska. Man brauche keine komplizierten Regeln – man brauche Personen, die wirklich wollen, dass so etwas funktioniert.

PothAI-Co-Founder Mojmír Horváth sieht den Vorteil vor allem in der Praxis. „Was andere Schulen übernehmen sollten? Echte Projekte mit Unternehmen statt nur Übungsaufgaben“, sagt er. Auch dass in der Förderung nur Englisch gesprochen wird, habe ihn sehr gut auf internationale Programme wie Y Combinator vorbereitet. „Talente gibt es viele – aber erst durch die richtige Förderung kann wirklich etwas aus ihnen werden“, fasst Horváth zusammen.

Für Harald Zumpf sind mehrere Faktoren ausschlaggebend: Lehrkräfte wie er, die sich engagieren wollen, brauchen Freiraum und ein Umfeld, das unbürokratisches Vorgehen erlaubt. Starre Strukturen, feste Stundenpläne oder enge Lehrplanvorgaben stehen der Agilität, die für innovative Projekte nötig ist, oft im Weg. Wenn Lehrkräfte selbst Erfahrungen in der Wirtschaft gesammelt haben, können sie die Praxis meist besser vermitteln. Auch Zumpf ist seit 25 Jahren selbstständig tätig – nun eben neben seinem Job an der HTL. Viele der Schüler:innen im Hochbegabten-programm verdienen schon während der Schulzeit Geld als Software Engineers oder Consultants. Außerdem vernetzt Zumpf die Jugendlichen schon früh mit führenden Köpfen aus der Tech- und Startup-Szene.

Mindestens genauso wichtig ist für ihn aber das Mindset – und dazu gehört die Fehlerkultur. Zumpf spricht deshalb nie von Problemen: „Wir nennen es Herausforderungen“, sagt er. Scheitern ist trotzdem erlaubt: „Man muss wertschätzen, was gemacht wurde, und gutes Feedback geben“, sagt Zumpf.

Strukturelle Herausforderungen

So hält er es auch mit dem Programm selbst: Er schätzt, dass es die Hochbegabtenförderung gibt – aber weiß auch um deren Herausforderungen. Zum einen fehlen finanzielle Ressourcen; die Arbeit mit künstlicher Intelligenz ist kostspielig, und seitens der Schule gibt es kein Budget für die Anschaffung von Hardware. Aber Vereine und Wirtschaft unterstützen hier „schnell und unbürokratisch“, sagt Zumpf.

Offiziell ist die Hochbegabtenförderung als Freifach mit einer Wochenstunde angesetzt – entsprechend wird auch nur diese eine Stunde vergütet. Seine Schüler:innen schätzen das: „Ohne ihn geht gar nichts“, sagt SF-Tensor-Founder Ben Koska, der noch immer regelmäßig mit seinem ehemaligen HTL-Lehrer telefoniert.

Aus Talenten werden Leader

Ben Koska und Mojmír Horváth kamen als Schüler an die HTL Spengergasse – und gehen als Gründer. Eric Steinberger und Sebastian De Ro haben mit Magic ein Startup gebaut, das international Aufmerksamkeit bekommt. Wieder andere entwickeln schon vor der Matura KI-Systeme auf Produktionsniveau oder werden für Programme wie die Rise Initiative ausgewählt.

Was sie verbindet, ist weniger ein bestimmter Karriereweg als ein gemeinsamer Ausgangspunkt: eine Schule, die ihnen zutraut, mehr zu können – und ihnen den Raum gibt, es zu beweisen. Vielleicht ist das das eigentliche Erfolgsrezept der HTL Spengergasse: Nicht ein besonderes Curriculum, sondern die einfache Entscheidung, hinzuschauen – und Talente ernst zu nehmen.

Mojmír Horváth wird im Sommer im Y-Combinator-Programm sein Startup PothAI
weiterentwickeln. (c) privat

Toll dass du so interessiert bist!
Hinterlasse uns bitte ein Feedback über den Button am linken Bildschirmrand.
Und klicke hier um die ganze Welt von der brutkasten zu entdecken.

brutkasten Newsletter

Aktuelle Nachrichten zu Startups, den neuesten Innovationen und politischen Entscheidungen zur Digitalisierung direkt in dein Postfach. Wähle aus unserer breiten Palette an Newslettern den passenden für dich.

Montag, Mittwoch und Freitag

AI Summaries

Crypto Weekly #57: Warum der aktuelle Kurseinbruch kein “Krypto-Crash” ist

AI Kontextualisierung

Welche gesellschaftspolitischen Auswirkungen hat der Inhalt dieses Artikels?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

Crypto Weekly #57: Warum der aktuelle Kurseinbruch kein “Krypto-Crash” ist

AI Kontextualisierung

Welche wirtschaftlichen Auswirkungen hat der Inhalt dieses Artikels?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

Crypto Weekly #57: Warum der aktuelle Kurseinbruch kein “Krypto-Crash” ist

AI Kontextualisierung

Welche Relevanz hat der Inhalt dieses Artikels für mich als Innovationsmanager:in?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

Crypto Weekly #57: Warum der aktuelle Kurseinbruch kein “Krypto-Crash” ist

AI Kontextualisierung

Welche Relevanz hat der Inhalt dieses Artikels für mich als Investor:in?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

Crypto Weekly #57: Warum der aktuelle Kurseinbruch kein “Krypto-Crash” ist

AI Kontextualisierung

Welche Relevanz hat der Inhalt dieses Artikels für mich als Politiker:in?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

Crypto Weekly #57: Warum der aktuelle Kurseinbruch kein “Krypto-Crash” ist

AI Kontextualisierung

Was könnte das Bigger Picture von den Inhalten dieses Artikels sein?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

Crypto Weekly #57: Warum der aktuelle Kurseinbruch kein “Krypto-Crash” ist

AI Kontextualisierung

Wer sind die relevantesten Personen in diesem Artikel?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

Crypto Weekly #57: Warum der aktuelle Kurseinbruch kein “Krypto-Crash” ist

AI Kontextualisierung

Wer sind die relevantesten Organisationen in diesem Artikel?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

Crypto Weekly #57: Warum der aktuelle Kurseinbruch kein “Krypto-Crash” ist