29.04.2022

Crypto Weekly #54: Starke Woche für Bitcoin-Adaption – warum die Kurse trotzdem fallen

Die Zentralafrikanische Republik, Panama, Fidelity, Goldman Sachs - es gab eine ganze Reihe an Bitcoin-News diese Woche. Am Markt ging es dennoch abwärts. Zu den wenigen Gewinnern gehörten die tierischen Coins DOGE und APE. Wir beleuchten alle Hintergründe.
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A coin with the Bitcoin logo
Foto: Adobe Stock

Im brutkasten Crypto Weekly, das hier per Mail abonniert werden kann, blicken wir jeden Freitag auf die wichtigsten Kursbewegungen und Nachrichten der Krypto-Woche zurück. Wie immer starten wir dabei mit einem Blick auf…


…die Kurstafel:

  • Bitcoin (BTC): 38.800 US-Dollar (- 2 % gegenüber Freitagnachmittag der Vorwoche)
  • Ethereum (ETH): 2.800 Dollar (-5 %)
  • Solana (SOL): 95 Dollar (-6 %)
  • Terra (LUNA): 85 Dollar (-11 %)
  • Dogecoin (DOGE): 0,13 Dollar (+1 %)

Bitcoin unter 40.000 Dollar, Ethereum unter 3.000 Dollar

Die Lage: Die Situation am Kryptomarkt bleibt vorerst schwierig. Hatten die Kurse in der zweiten Märzhälfte vorübergehend deutlich zugelegt, verlief der April insgesamt schwach. Auch in den vergangenen sieben Tagen änderte sich daran nichts: Bitcoin bewegte sich weiter um die 40.000-Dollar-Marke. Bei Ethereum waren es wiederum die 3.000 Dollar, um die der Ether-Kurs pendelte. Zuletzt standen beide Coins klar unter den beiden Marken.

Der Kontext: Geht es um den Kryptomarkt, ist eines seit Monaten zu beobachten: Er hängt am US-Aktienmarkt – insbesondere mit der auf Tech-Aktien spezialisierten Börse Nasdaq korrelieren die Kurse stark. Das heißt auch: Ist die Stimmung an den traditionellen Finanzmärkten schlecht, wird der Kryptomarkt in Mitleidenschaft gezogen. 

Derzeit deutet wenig darauf hin, dass sich dieser Gleichklang abschwächen würde. Im Gegenteil: Im April erreichte die Korrelation zwischen dem Bitcoin-Kurs und dem Aktienindex Nasdaq-100 sogar ein Rekordhoch.

Daher sind die Themen, die den US-Aktienmarkt bewegen, auch weiterhin für den Kryptomarkt bestimmend – und das sind jene, die uns ebenfalls schon seit Wochen und Monaten begleiten: Der Krieg in der Ukraine und seine Auswirkungen, die Reaktion der US-Notenbank auf die hohe Inflation. Zuletzt kam auch wieder die angespannte Covid-Situation in Shanghai und anderen Teilen Chinas dazu – deren Auswirkungen auf die globalen Lieferketten ist auch wieder ein Inflationsthema.

All diese Themen sind mit viel Unsicherheit verbunden: Die Inflation ist mittlerweile sowohl in den USA als auch in Europa so hoch, dass die Notenbanken gegensteuern müssen – gleichzeitig ist aber die Frage offen, wie stark der Ukraine-Krieg und die Sanktionen die Wirtschaft wirklich treffen werden. Käme es zu einer Rezession, könnte dies dazu führen, dass die Notenbanken die Zinsen doch nicht so schnell erhöhen können wie angenommen.

Zentralafrikanische Republik erklärt Bitcoin zum gesetzlichen Zahlungsmittel – und Panama verabschiedet Krypto-Regulierung

Es sind also weiterhin Themen auf der Makroebene, die die Kursbewegungen bestimmen. Dabei gab es diese Woche eine ganze Reihe von kryptospezifischen News – vor allem zur Bitcoin-Adaption. Kurzfristig schlugen sich diese nicht in den Kursen nieder. In starken Bullenmärkten werden häufig jegliche Art von positiven Nachrichten als Grund für weitere Kursanstiege herangezogen. Ist die Situation am Markt jedoch angespannt, verpuffen solche Nachrichten oft ohne Auswirkung auf die Kurse. Als weitere Schritte in Richtung einer breiteren Bitcoin-Adaption sind sie langfristig aber natürlich trotzdem positiv.

Welche Entwicklung gab es hier also diese Woche? Allen voran einmal die Nachricht, dass mit der Zentralafrikanischen Republik – nach El Salvador – ein zweiter Staat Bitcoin zum gesetzlichen Zahlungsmittel erklärt hat. Im Vorfeld gab es dazu widersprüchliche Infos – geht es wirklich um den Status als gesetzliches Zahlungsmittel oder soll nur ein Rechtsrahmen für die Verwendung von Kryptowährungen geschaffen werden? 

Am Mittwoch wurde dann aber klar: Es dürfte um beides gehen – ein entsprechender Gesetzesentwurf sei vom Parlament einstimmig angenommen und von Präsident Faustin Archange Touadera unterschrieben worden, berichtete die französische Nachrichtenagentur AFP.

Der Hintergrund: Wie El Salvador hat auch die Zentralafrikanische Republik keine eigene Landeswährung. Als Teil der Zentralafrikanische Wirtschafts- und Währungsgemeinschaft nutzt sie den sogenannten CFA-Franc. Dieser ist mit einem fixen Wechselkurs an den Euro gekoppelt. Und an seinem Status als Landeswährung ändert sich auch weiterhin nichts. Bitcoin ersetzt ihn nicht, sondern wird ein zusätzliches gesetzliches Zahlungsmittel – wie es auch in El Salvador der Fall war, das nach wie vor den US-Dollar verwendet.

OK, aber: Details sind noch keine bekannt. Somit ist auch noch nicht klar, ob das Land beispielsweise eine eigene Wallet für seine Bürger einführen wird (wie es El Salvador mit der Chivo-App tat). Allerdings: Nach Zahlen der Weltbank hatte 2019 in der Zentralafrikanischen Republik nur ungefähr jeder Dritte ein Handy – wobei unklar ist, wie viele davon Smartphones sind (die für mobile Wallets notwendig wären). Zugang zu Breitband-Internet hatten den Zahlen zufolge nur 4 Prozent der Bevölkerung.

Und was ist mit Panama? Auch dort wurde diese Woche im Parlament ein Gesetz zur Regulierung von Kryptowährungen verabschiedet. Mit dem Gesetz sei ein Rechtsrahmen geschaffen worden, der es ermögliche, dass Zahlungen im Alltag mit Kryptowährungen durchgeführt werden, wird der Abgeordnete und Initiator des Gesetzesvorhabens, Gabriel Silva, von Decrypt zitiert.

Zum gesetzlichen Zahlungsmittel – wie in El Salvador oder der Zentralafrikanischen Republik – wird Bitcoin allerdings nicht. Dies stellte Silva in einem von Coindesk zitierten Gespräch in einem Twitter Space klar. Die Verwendung von Kryptowährungen hat nun also eine rechtliche Grundlage erhalten, gleichzeitig ist jedoch niemand in Panama verpflichtet, Krypto-Zahlungen anzunehmen. 

Davon abgesehen sieht das Gesetz vor, dass keine Kapitalertragsteuer auf mit Krypto-Assets erzielte Gewinne anfällt. Der Präsident Panamas muss das Gesetz noch unterzeichnen, dies gilt jedoch als wahrscheinlich.

Das sind die neuen Bitcoin-Pläne der US-Finanzriesen Fidelity und Goldman Sachs

Doch auch aus den USA gab es diese Woche zwei durchaus bemerkenswerte Bitcoin-Meldungen: Zunächst einmal von Fidelity, einem der größten Vermögensverwalter der Welt. Zu dessen breiter Produktpalette gehören in den USA unter anderem sogenannte 401(k)-Pläne. Dabei handelt es sich um ein Modell der privaten Pensionsvorsorge, bei dem Angestellte Beiträge steuerbegünstigt einzahlen können. Abgewickelt wird es über die Arbeitgeber.

Die Zahlen: In den USA betreut Fidelity derzeit solche Pläne für rund 23.000 Unternehmen. Nach Zahlen des Analyseunternehmens Cerulli Associates steckten 2020 rund 2,4 Billionen Dollar in solchen 401(k)-Konten von Fidelity. Die sind häufig in Aktien oder Indexfonds (ETFs) investiert. 

Künftig könnten solche Gelder auch in Bitcoin fließen, wie Fidelity diese Woche angekündigt hat. Die Option soll noch in diesem Jahr verfügbar gemacht werden. Bereits jetzt ist schon bekannt, dass MicroStrategy dabei sein wird – die Softwarefirma von Michael Saylor ist auch jenes US-Unternehmen mit den höchsten Bitcoin-Beständen in der eigenen Bilanz.

Die Einschränkungen: Grundsätzlich soll das Angebot allen 23.000 Unternehmen offenstehen – allerdings entscheiden diese selbst, ob sie ihren Angestellten die Bitcoin-Option auch tatsächlich anbieten. Und wenn sie es tun, können sie eine Obergrenze einziehen, welcher Prozentsatz der eingezahlten Beträge in Bitcoin fließen dürfen. Dieser Anteil kann maximal mit 20 Prozent festgelegt werden, wie die New York Times berichtete.

Der Kontext: Die Adaption von Bitcoin und anderen Kryptowährungen durch institutionelle Anleger wie Vermögensverwalter oder Pensionsfonds ist seit vielen Jahren eines der zentralen Argumente von Krypto-Bullen: Institutionelle Anleger bewegen im Gegensatz zu kleinen Privatanlegern eben die wirklich großen Summen – und wenn sie in den Markt kommen, würden das die Kurse entsprechend anziehen lassen.

Dazu passend: Das jüngste Bitcoin-Rekordhoch gab es im vergangenen November – als der erste am US-Markt zugelassene Bitcoin-Futures-ETF startete. Und 401(k)-Pläne fallen in dieser Hinsicht in eine ähnliche Kategorie wie ETFs: Sie ermöglichen es der breiten Masse, vergleichsweise unkompliziert in Bitcoin oder andere Kryptowährungen zu investieren – und können damit ein entscheidender Aspekt bei der Bitcoin-Adaption sein.

Und da war noch etwas: Auch von einem weiteren großen Akteur aus der US-Finanzbranche gab es diese Woche Bitcoin-News: Goldman Sachs. Schon länger hatte es Gerüchte gegeben, dass die Großbank möglicherweise Bitcoin-besicherte Kredite anbieten könnte – wie auch bereits im Crypto Weekly #35 Anfang Dezember berichtet.

Etwas vereinfacht gesagt würden Kreditnehmer Bitcoin als Sicherheit hinterlegen und dafür Dollar-Kredite von der Bank erhalten. Nun hat Goldman tatsächlich den ersten derartigen Kredit vergeben, berichtete Bloomberg. Für Goldman sei vor allem interessant gewesen, das Produkt zu strukturieren, aber auch das (bei Bitcoin notwendige) 24-Stunden-Risikomanagement, wird eine Sprecherin in dem Bericht zitiert.

DOGE einziger Top-20-Coin mit positiver 7-Tages-Performance – wieder mal dank Musk

Das war jetzt eine ganze Reihe an Bitcoin-News. Werfen wir daher zum Schluss noch einen Blick auf zwei tierische Coins – die auf 7-Tages-Sicht zu den ganz wenigen Kursgewinnern gezählt haben. 

Das wäre zunächst einmal Dogecoin. Unter den Top-20-Kryptowährungen ist der Meme Coin die einzige, die seit vergangenem Freitag eine positive Performance aufweist. Hintergrund ist hier einmal die Saga rund um Elon Musks geplante Übernahme von Twitter. 

Durch ist die zwar immer noch nicht fix, aber diese Woche kam es immerhin schon zu einer Einigung zwischen dem Tesla-CEO und dem Twitter-Management. Das verlieh dem DOGE-Kurs am Montag vorübergehend ziemlichen Auftrieb. Bis Mittwoch gab er dann aber einen großen Teil dieser Gewinne auch schon wieder ab. 

Ob es überhaupt irgendeinen Sinn ergibt, dass der DOGE-Kurs auf Musk-News zu Twitter reagiert, wurde in Crypto Weekly #51 und Crypto Weekly #52 bereits behandelt. Die Kurzfassung: Dass Dogecoin in einer Welt, in der Elon Musk Twitter besitzt, etwas mehr wert sein sollte als in einer Welt, in der das nicht der Fall ist, ist durchaus gerechtfertigt. Musk ist ein großer DOGE-Fan und hat Dogecoin immer wieder mit seinen Aussagen gepusht. Gehört ihm Twitter, ist es wahrscheinlicher als vorher, dass Twitter Dogecoin in irgendeiner Form integrieren wird. Nicht unbedingt, weil es sinnvoll ist – vielleicht auch nur, weil Musk es lustig findet. 

Und ist Dogecoin bei einer der wichtigsten Social-Media-Plattformen integriert, ist es zumindest ein kleines bisschen wahrscheinlicher, dass DOGE in der realen Welt in irgendeiner Form genutzt werden wird. Von der Richtung her stimmt die Kursreaktion also einigermaßen. Dann haben wir aber eben noch die absolute Höhe der derzeitigen Bewertung von DOGE – und die liegt bei 18 Mrd. US-Dollar. Bei einem realen Nutzen, der sich wohl geringfügig über null befindet. Wer das rechtfertigen möchte, braucht sehr viel Fantasie. Oder möglicherweise bewusstseinserweiternde Substanzen. Oder beides – und noch mehr.

Was hinter dem Kursplus von 50 Prozent bei ApeCoin steckt

Der Token des NFT-Projekts “Bored Ape Yacht Club” (BAYC) hatte bereits in der Vorwoche deutlich zugelegt. Hintergrund: Trader spekulierten auf bald beginnende Verkäufe von virtuellen Grundstücken für das Metaverse-Projekt Otherside, hinter dem mit Yuga Labs die Machter des BAYC stehen. Yuga Labs hatte bereits zum APE-Start angekündigt, ApeCoin für alle neuen Produkte und Dienstleistungen einzusetzen.

In der Vorwoche war an dieser Stelle bereits davon die Rede, dass es den Kurs noch einmal stützen könnte, wenn die Pläne konkreter werden. Genau das ist dann passiert: Yuga Labs kündigte zunächst den Start für 30. April, also diesen Samstag, an. Am Donnerstag folgten dann weitere Details: Die Verkäufe werden nicht als sogenannte niederländische Auktionen (bei der immer niedrigere Preise ausgerufen werden, bis sich ein Käufer findet) durchgeführt. Stattdessen soll es nun Fixpreise von 305 APE geben. 

Dem Apecoin brachte die Ankündigung am Donnerstagabend noch einmal einen ziemlichen Push. Der Kurs stieg zwischenzeitlich bis auf fast 27 Dollar. Zuletzt wurde er mit etwas unter 21 Dollar gehandelt – was aber noch immer ein 7-Tages-Plus von über 50 Prozent bedeutet. Ob es sich dabei um eine nachhaltige Aufwärtsbewegung handelt, darf bezweifelt werden. Jedenfalls aber liegt APE gemessen an der Marktkapitalisierung mit 6 Mrd. Dollar mittlerweile in den Top 25 der größten Kryptowährungen.

Weitere Storys diese Woche:

  • Das Wiener Krypto-Startup Coinpanion arbeitet mit dem deutschem Bankhaus Scheich an neuen Produkten. Zu unserem Artikel dazu geht es hier.   
  • Das Linzer Startup Blockpit geht neue Wege bei der Mitarbeiterbeteiligung – mit tokenisierten Unternehmensanteilen und Phantom Shares. Die Details gibt’s hier.
  • Die Modul University Vienna hat ein NFT-Projekt zu Gunsten des St. Anna Kinderspitals gestartet. Mehr dazu hier im Artikel

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Zehn davon holen wir als Nominierte für den Innovator of the Year in der Kategorie Scaleups vor den Vorhang. Der Preis wird heuer zum 6. Mal vergeben. Am 5. November findet die feierliche Award Ceremony im Rahmen des brutkasten-Jahresevents Momentum im Wiener Palais Berg statt. Neben der Kategorie Scaleups wird der Award dieses Jahr in den Kategorien Startups und Corporate Innovation vergeben. Als Preis in allen drei Kategorien winkt jeweils ein brutkasten-Medienpaket im Wert von 4.100 Euro.


Die „Innovator of the Year“-Kategorie Scaleups wird durch Polestar unterstützt.


Publikumsvoting zum Innovator of the Year | Kategorie „Scaleups“

Nun ist, wie jedes Jahr, deine Stimme gefragt. Bis zum 1. November (23:59 Uhr) kannst du für deine:n Favorit:in abstimmen! Jede:r User:in hat pro Tag und Kategorie genau eine Stimme – es lohnt sich also, die eigene Community zu aktivieren.

(Hinweis: Bei mehrfacher Stimmabgabe pro Tag erfolgt zwar keine gesonderte Fehlermeldung im Voting-Tool, Mehrfachvotes werden vom System jedoch automatisiert erkannt und ausgefiltert).

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Emerald Horizon

Das Emerald-Horizon-Management (vl.) Mario J. Müller (Vice President R&D), Philipp Pölzl (Vice President Operations) und Florian Wagner (CEO) | © Wolf
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Auffallen ist gewiss eine der Stärken des Grazer Scaleups Emerald Horizon – sei es mit ausgerechnet diesem Produkt, Small Modular Reactors, im traditionell extrem atomkraftkritischen Österreich, mit Personalentscheidungen wie Ex-FPÖ-Chef Norbert Hofer oder mit dem dieses Jahr erfolgten ungewöhnlich frühen Börsengang. An der Wiener Börse wird das Unternehmen jedenfalls mittlerweile seit Monaten jenseits der Milliarden-Euro-Grenze bewertet und kann damit – je nach Definition – als Österreichs jüngstes Unicorn gesehen werden. Für die Entwicklung des Unternehmens gewiss noch entscheidender: Im August verkündete man, gemeinsam mit dem niederländischen Partner VDL Groep in die nächste Entwicklungsstufe des Small Modular Reactors zu gehen.

Enpulsion

Enpulsion-Gründer und -CEO Alexander Reissner | (c) Enpulsion
Enpulsion-Gründer und -CEO Alexander Reissner | (c) Enpulsion

Das niederösterreichische SpaceTech-Scaleup Enpulsion rund um Gründer Alexander Reissner liefert Antriebssysteme für Nano- und Mikrosatelliten. Zu Jahresbeginn sicherte sich das Unternehmen eine 22,5 Millionen Euro schwere Series-B-Finanzierung, um die Produktionskapazitäten am Standort Wiener Neustadt deutlich zu erhöhen. Im August 2026 verkündete Enpulsion zudem die geplante strategische Übernahme der britischen Lift Me Off Ltd, um das eigene Produkt-Portfolio um chemische Antriebe für besonders agiles Manövrieren im Weltraum zu erweitern. Zusätzlich steht für diesen Herbst ein zentraler Meilenstein an: ein Orbit-Test der neuartigen Antriebstechnik an Bord des heimischen Satelliten AT-Astra.

fiskaly

fiskaly - das Gründerteam Simon Tragatschnig (COO), Johannes Ferner (CEO) und Patrick Gaubatz (CTO) | (c) fiskaly
fiskaly – das Gründerteam Simon Tragatschnig (COO), Johannes Ferner (CEO) und Patrick Gaubatz (CTO) | (c) fiskaly

Das 2019 gegründete Wiener Unternehmen fiskaly von Johannes Ferner, Simon Tragatschnig und Patrick Gaubatz macht Kassentransaktionen cloudbasiert und gesetzeskonform. Die Zahlen sprechen für sich: 60 Prozent Wachstum im vergangenen Geschäftsjahr, profitabel, mehr als 150 Mitarbeitende, rund 1.900 B2B-Kund:innen mit über einer Million POS-Systemen in acht EU-Ländern und Marktführerschaft in Deutschland. Im September folgte der nächste Schritt vom Scaleup zum Infrastrukturanbieter: Mit David Feichter holte fiskaly den Ex-CEO von orderbird als Co-CEO an Bord, ausgerechnet jenen Mann, der 2019 als allererster Kunde den Deal mit Ferner verhandelt hatte. Feichter verantwortet den operativen Betrieb, Ferner konzentriert sich auf Partnerschaften und weitere Akquisitionen in Europa.

Flinn AI

Das Founder-Team von Flinn | © Flinn
Das Founder-Team von Flinn | © Flinn

Das 2023 gegründete Scaleup von Gründer Markus Müller entwickelt eine KI-gestützte Software, die regulatorische und qualitative Prozesse für MedTech- und Pharmaunternehmen automatisiert. Im Februar 2026 sorgte das Unternehmen mit einem Series-A-Investment von 20 Millionen Dollar für Aufsehen. Mit dem frischen Kapital treibt das Scaleup in diesem Jahr die gezielte Expansion auf dem US-Markt voran, um sich weltweit als Standard für regulatorische KI-Prüfungen im Gesundheitsbereich zu etablieren. Zudem plant man eine erste eigene Kund:innenkonferenz, die über 200 internationale MedTech-Entscheider:innen nach Wien bringen soll.

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fonio.ai-Co-Founder Daniel Keinrath (CEO, l.) und Matthias Gruber (CTO) | (c) fonio.ai

Wenn bei einem KMU niemand ans Telefon geht, übernimmt fonio.ai: Die KI-Agenten des erst 2024 gegründeten Wiener Startups von Daniel Keinrath und Matthias Gruber führen inzwischen rund zwei Millionen Anrufe pro Monat für über 7.000 Kund:innen. Im Juni schloss man eine Seed-Runde über 14,6 Millionen Euro ab, angeführt vom Londoner Fonds 20VC bei einer Bewertung von 120 Millionen Euro, ohne offiziellen Fundraise und ohne Pitch Deck. Im August knackte fonio.ai die Marke von zehn Millionen Dollar ARR – später folgte im Oktober die Marke von 15 Millionen Dollar. Mehr als die Hälfte des Umsatzes kommt laut Keinrath inzwischen von außerhalb der DACH-Region, im September eröffnete das Startup unter anderem sein Büro in Barcelona als Hub für Südeuropa.

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v.l.: Die Helferline-Gründer Clemens Schmidgruber und Alexander Niederhofer mit CTO Janko Glavić | (c) Helferline

Es ist eine Geschichte, wie sie nur die Startup-Welt schreiben kann: Vor mehr als zehn Jahren gegründet, konnte Helferline über lange Zeit zwar eine ganze Zahl namhafter Referenzen vorweisen, der wirtschaftliche Durchbruch blieb aber aus. Das änderte sich im Laufe der vergangenen Monate drastisch: Vor etwas mehr als einem Jahr stieg Hansi Hansmann als Investor ein. Seitdem holte man Großaufträge vom deutschen Telekom-Riesen O2, von Asus, von Starlink und weiteren. Aktuell befindet sich das Wiener Scaleup auf einem steilen Wachstumskurs und macht nach eigenen Angaben monatliche sechsstellige Gewinne.

Neoh

v.l.n.r.:  Die Neoh-Gründer Adel Hafizovic, Manuel Zeller und Patrick Kolomaznik | (c) Neoh
v.l.n.r.: Die Neoh-Gründer Adel Hafizovic, Manuel Zeller und Patrick Kolomaznik | (c) Neoh

Das Wiener Scaleup von Manuel Zeller konnte mit Süßigkeiten, die auf dem selbst entwickelten, kalorienarmen Zuckerersatzstoff Zero+ basieren, mittlerweile eine große Fangemeinde aufbauen, die auch über die Grenzen Österreichs hinausgeht. Auch machte, Stand April 2026, das B2B-Geschäft bereits rund 15 Prozent des Gesamtumsatzes aus, mit steigender Tendenz, wie Zeller erklärte. Dies und auch die Entwicklung einer gelungenen Bueno-Alternative sorgten dafür, dass eine Investmentgesellschaft aus Luxemburg namens Teseo Capital ins Scaleup einstieg. Dahinter steht die italienische Familie Ferrero, die mit Marken wie Nutella, Kinder und Ferrero Rocher den Süßigkeitenmarkt dominiert.

ParityQC

Die beiden CEOs von ParityQC: Wolfgang Lechner und Magdalena Hauser. | © Günther Egger

Das Innsbrucker Quantenunternehmen ParityQC von Wolfgang Lechner und Magdalena Hauser hat allein im heurigen Jahr einen 35-Mio.-Deal für den Bau eines mobilen Quantencomputers für das deutsche Verteidigungsministerium ergattert und im Rahmen der „EUREKA-Ausschreibung Deutschland-Israel“ eine Kooperation mit dem israelischen Quantensoftware-Spezialisten Classiq gestartet. Zudem lieferte es im April einen deutlichen Beleg dafür, dass europäisches Quantencomputing den Sprung aus dem Labor in die Industrie geschafft hat. Gemeinsam mit IBM stellte man einen neuen Weltrekord bei der Quanten-Fourier-Transformation (QFT) auf. Konkret wurde dabei die bislang größte jemals gemessene QFT auf einem IBM-Quantum-Heron-Prozessor realisiert, mit 52 supraleitenden Qubits statt der bisherigen 27 Ionenfallen-Qubits.

Reploid

Jonas Finck und Philip Pauer, Vorstände der Reploid Group AG | (c) Reploid / Stefan Beiganz
Jonas Finck und Philip Pauer, Vorstände der Reploid Group AG | (c) Reploid / Stefan Beiganz

Kein anderes heimisches Scaleup schaffte es dieses Jahr, in einer derartigen Regelmäßigkeit für Schlagzeilen zu sorgen. Das seit 2025 an der Wiener Börse gelistete Welser Insektenzucht-Unternehmen baute seine Führungsebene aus, eröffnete neue Expansionsmärkte, präsentierte neue Kund:innen, verkündete eine Übernahme und holte sich einen achtstelligen Wachstumskredit. Wiewohl die Geschäftszahlen bei genauerer Betrachtung etwas komplexer sind, als vom Scaleup dargestellt, steht fest: Reploid ist weiter voll auf Wachstumskurs. 

waterdrop

Die waterdrop-Gründer v.l.n.r: Christoph Hermann, Martin Murray, Henry Murray | (c) waterdrop
Die waterdrop-Gründer v.l.n.r: Christoph Hermann, Martin Murray, Henry Murray | (c) waterdrop

Das Wiener Scaleup waterdrop von Henry Murray, Martin Murray und Christoph Hermann holte sich im Mai ein 100-Millionen-Euro-Investment. Zu den Investor:innen dieser Runde zählten Aspeya, Atlantic Grupa und der alpine Ski-Weltcup-Champion Aleksander Aamodt Kilde. Schon im Jänner dieses Jahres verkündete das Scaleup seine Profitabilität. Zudem übernahm Jristian Cruz Limsico die Rolle des Global Creative Director, der seit 2017 die visuelle Identität des Modehauses Karl Lagerfeld prägte. Er verantwortet nun die weltweite Markenidentität des Unternehmens.

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