15.04.2022

Crypto Weekly #52: Schwache Woche am Markt – und Musk bewegt wieder Dogecoin

Und auch der Robinhood-CEO hat Ideen zum Memecoin DOGE. Außerdem diese Woche: Steht die Smart-Contract-Plattform Avalanche vor einem 350-Mio.-Dollar-Investment? Und BlackRock beteiligte sich als Leadinvestor bei einer 400-Mio.-Dollar-Runde des Stablecoin-Unternehmens Circle.
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The logos of Dogecoin and Twitter
Foto: Adobe Stock

Im brutkasten Crypto Weekly, das hier per Mail abonniert werden kann, blicken wir jeden Freitag auf die wichtigsten Kursbewegungen und Nachrichten der Krypto-Woche zurück.


Die Kurstafel:

  • Bitcoin (BTC): 40.100 US-Dollar (-8 % gegenüber Freitagnachmittag der Vorwoche)
  • Ethereum (ETH): 3.00 Dollar (-8 %)
  • Solana (SOL): 101 Dollar (-14 %)
  • Terra (LUNA): 81 Dollar (-20 %)
  • Avalanche (AVAX): 78 Dollar (-12 %)
  • Dogecoin (DOGE): 0,14 Dollar (-2 %)

Schwache Woche, Bitcoin zwischenzeitlich unter 40.000 Dollar

Wie immer starten wir mit einem Blick auf die Kursentwicklung. Den können wir diese Woche aber kurz halten. Es ging auf breiter Front abwärts am Kryptomarkt. Einen konkreten Auslöser dafür gab es nicht – vielmehr hat sich die Abwärtsbewegung der Vorwoche weiter fortgesetzt. 

Und wie auch schon in der Vorwoche an dieser Stelle geschrieben: Eine große Überraschung ist das jetzt nicht. Der Kryptomarkt hängt weiterhin stark am US-Aktienmarkt – und ist, wie dieser, derzeit vor allem von Ereignissen auf der Makroebene (Ukraine-Krieg, US-Zinspolitik) dominiert. 

Bei beiden Themen hat sich in den vergangenen Wochen nichts grundlegend geändert. Und trotzdem hat der Kryptomarkt zwischen Mitte und Ende März deutlich zugelegt. Bitcoin etwa stieg von rund 37.000 Dollar bis auf 48.000 Dollar. 

Dass es nun zu einer Gegenbewegung kam, ist da nicht verwunderlich. Am Montag fiel der Bitcoin-Kurs erstmals seit Mitte März wieder unter die 40.000-Dollar-Marke. Einen größeren Abverkauf löste dies aber nicht aus. Im weiteren Wochenverlauf pendelte er vielmehr zwischen 39.000 und 41.000 Dollar. Am Freitag stand er zuletzt ebenfalls wieder über der 40.000-Dollar-Schwelle.

Elon Musks Twitterpläne bewegen DOGE-Kurs erneut

Am besten unter den größten Kryptowährungen hielt sich in den vergangenen sieben Tagen noch Dogecoin (DOGE). Über Sinn und Unsinn der DOGE-Kursreaktionen auf die neuesten Entwicklungen rund um den Einstieg des Tesla-CEOs bei Twitter wurde in der vorigen Ausgabe des Crypto Weekly (hier nachzulesen) schon geschrieben. In der Vorwoche war der DOGE-Kurs nach den Musk-News zeitweise stark gestiegen – wobei hier vor allem auf eine Dogecoin-Integration bei Twitter spekuliert worden sein dürfte. Zunächst allerdings, ohne dass Musk Hinweise darauf gegeben oder auch nur DOGE in Zusammenhang mit Twitter erwähnt hätte. 

Dies geschah dann aber am Sonntag: In einer Diskussion mit einem anderen Twitter-User zum Abo-Bezahl-Angebot Twitter Blue stellte Musk fragend in den Raum, dass es vielleicht sogar eine Option sein könnte, dafür mit Dogecoin zu zahlen. Von konkreten Plänen sind wir da nach wie vor weit entfernt. Es ist ja nicht einmal eine wirkliche Ankündigung, sondern klingt eher nach einer spontanen Idee.

Dazu kommt: Selbst wenn DOGE bei Twitter integriert werden würde, bleibt unklar, ob das wirklich einen starken Push für die generelle Dogecoin-Nutzung bringen würde. Insofern sollte man einen solchen Tweet nicht überbewerten. Aber Dogecoin-Investoren zu sagen, man sollte einen Musk-Tweet zu DOGE nicht überbewerten, ist natürlich so wie dem Papst zu sagen, er solle die Bibel nicht überbewerten. Es ist ein zentraler Bestandteil der DNA eines Dogecoin-Investors, Musk-Tweets zu überbewerten.

Aber die Ereignisse haben sich dann diese Woche ohnehin überschlagen. Zuerst wurde bekannt, dass Musk doch keinen Sitz im Board von Twitter übernehmen wird. Und wenige Tage später dann der Hammer: Musk legte ein Angebot für eine 100-Prozent-Übernahme von Twitter vor. In weiterer Folge soll Twitter dabei von der Börse genommen werden.

Wie ernst gemeint das Angebot wirklich ist, darüber lässt sich streiten. Im Gegensatz zum berüchtigten “Funding Secured”-Tweet aus dem Jahr 2018 (als Musk in einem Tweet ankündigte, Tesla-Aktien zurückkaufen und das Unternehmen von der Börse nehmen zu wollen) wurden dieses Mal Dokumente bei der SEC-Börsenaufsicht eingereicht. Gleichzeitig liegt das Angebot pro Aktie jedoch deutlich unter dem Höchststand der Twitter-Aktie, der vor rund einem Jahr erreicht wurde. Musk stellte in seinem Schreiben außerdem klar, dass das aktuelle sein letztes Angebot wäre und er bei einer Ablehnung überhaupt sein Engagement bei Twitter überdenken könnte. Weshalb manche mutmaßen, dass Musks Angebot in Wirklichkeit nur eine elegante Möglichkeit für seinen Ausstieg bei Twitter ist.

Beim DOGE-Kurs brachte es am Donnerstag übrigens wieder einen kleinen Push. Die 7-Tages-Performance von Dogecoin ist leicht negativ – damit aber besser als jene der meisten übrigen großen Kryptowährungen.

Warum die neuen Ideen des Robinhood-CEOs für DOGE brisant sind

Und weil gerade beim Thema sind. Nicht nur Musk hatte diese Woche eine Idee für Dogecoin. Auch Robinhood-CEO Vlad Tenev meldete sich am Freitag mit Vorschläge zu Wort. In einem Twitter-Thread widmete er sich der Frage, was es brauche, damit Dogecoin “die künftige Währung des Internets” werde.

Der Thread kann hier in voller Länge nachgelesen werden, aber im Wesentlichen schlägt Tenev vor, dass die Blocks schneller der Dogecoin-Blockchain hinzugefügt werden können (Tenev schweben 10 Sekunden statt 1 Minute vor) und deutlich vergrößert werden – von 1 Megabyte auf 1 Gigabyte und langfristig sogar auf 10 Gigabyte.

Der Kontext: Tenev bewegt sich hier auf heiklem Terrain. Die Frage der Blockgröße hat bei Bitcoin vor einigen Jahren einen gewaltigen Konflikt ausgelöst. Dieser “Blocksize War” zog sich über zwei Jahre und wurde erst 2017 beigelegt. Jonathan Bier hat darüber ein lesenswertes Buch geschrieben – stark verkürzt war es ein Stellvertreterkrieg zwischen zwei konkurrierenden Visionen für Bitcoin, die man grob vereinfacht mit “Team Zahlungsmittel” und “Team digitales Gold” umreißen könnte. 

Auf einen Satz heruntergebrochen: Größere Blocks machen es leichter, Kryptowährungen im Alltag als Zahlungsmittel einzusetzen, können aber zulasten der Dezentralität gehen. Im “Blocksize War” waren damit eine ganze Reihe an weiteren entscheidenden Fragen verbunden, schlussendlich setzten sich aber die “Small Blocker”, also das “Team digitales Gold”, durch – gleichzeitig führte der Konflikt jedoch auch zur Abspaltung von “Bitcoin Cash”.

Vor diesem Hintergrund ist es interessant, dass Tenev diese Thematik nun bei Dogecoin aufmacht. Allerdings: DOGE ist als reines Scherzprojekt gestartet worden und ist auch heute primär ein Meme Coin. Die Ausgangslage ist hier eine völlig andere als bei Bitcoin. Die ideologische Komponente, was Dezentralität und Veränderungen am Protokoll angeht, spielt bei DOGE keine große Rolle. Elon Musk hat sich übrigens ebenfalls bereits zu Wort gemeldet und signalisierte seine Unterstützung für Tenevs Vorschläge.

Avalanche peilt laut Bericht 350-Mio.-Dollar-Runde an

Die Fakten: Avalanche hat sich im vergangenen Jahr als eine der führenden Smart-Contract-Plattformen etabliert. Der AVAX-Token liegt aktuell mit einer Marktkapitalisierung von knapp 21 Mrd. US-Dollar auf Platz 10 der größten Kryptowährungen – noch vor Polkadot. Gründer ist der frühere Cornell-Informatikprofessor und Kryptowährungs-Pionier Emin Gün Sirer. 

Entwickelt wird das Projekt hauptsächlich vom Unternehmen Avalanche Labs – und das soll nun Medienberichten zufolge knapp vor dem Abschluss einer großen Finanzierungsrunde stehen. Bloomberg meldete, dass das Unternehmen gerade dabei sei, ein 350 Mio. US-Dollar schweres Investment aufzunehmen. Dabei soll eine Bewertung von 5,25 Mrd. Dollar angepeilt werden – womit Avalanche Labs dann auch den Unicorn-Status erreichen würde. Offiziell bestätigt ist das Investment noch nicht, Bloomberg berief sich auf nicht näher genannte Insider.

Der Kontext: Avalanche Labs hatte zuletzt im vergangenen September bei einem Token Sale 230 Mio. Dollar aufgenommen. Nach Angaben von Crunchbase sind bisher insgesamt 290 Mio. Dollar an Investorengeldern in das Unternehmen geflossen. 

Nach Zahlen von DeFi Llama laufen aktuell 197 DeFi-Protokolle auf der Avalanche-Blockchain – mehr als etwa auf Solana (62) oder gar Cardano (10). Beim Total Value Locked (TVL), also der Summe, die aktuell in diesen DeFi-Protokollen “gesperrt” ist, liegt Avalanche mit 10 Mrd. Dollar derzeit auf Platz 4 hinter Ethereum, Terra und dem Binance-Projekt BSC.

Die Kursentwicklung: Der AVAX-Token hat sich insbesondere im vergangenen Herbst stark entwickelt. Er stieg von rund 12 Dollar im August auf 145 Dollar im November. Seitdem hat er wieder rund 45 Prozent seines Werts eingebüßt.

Dies war aber weniger ein AVAX-Spezifikum: Auch andere große Smart-Contract-Plattformen wie Ethereum, Solana oder Polkadot erreichten im November Rekordstände und haben seither deutlich an Kurswert eingebüßt (letztlich war auch bei Bitcoin eine ähnliche Bewegung zu beobachten). Lediglich der LUNA-Token von Terra hat Anfang April einen neuen Höchststand erreicht.

Apropos LUNA. Die Organisation Luna Foundation Guard (LFG), die das Terra-Ökosystem vorantreibt, hat in den vergangenen Wochen mit ihren Bitcoin-Investments für Aufsehen gesorgt – diese sollten dem Aufbau einer Währungsreserve für die algorithmischen Stablecoins des Terra-Systems – vor allem UST – dienen. LFG hat aber nicht nur in Bitcoin investiert, sondern auch in AVAX-Token. Umgerechnet 100 Mio. Dollar sollen dafür ausgegeben werden, hatte LFG Anfang April angekündigt.

BlackRock steigt im Rahmen von 400-Mio-Dollar-Runde bei Stablecoin-Unternehmen Circle ein 

Abschließend müssen wir diese Woche noch ein weiteres Investment erwähnen. Circle, das Unternehmen hinter dem aktuell zweitgrößten Stablecoin USDC, hat diese Woche eine 400 Mio. Dollar schwere Finanzierungsrunde kommuniziert. Leadinvestor war mit BlackRock einer der größten Finanzkonzerne überhaupt. Ebenfalls beteiligt haben sich Fidelity, Marshall Wace und Fin Capital. BlackRock werde als hauptsächlicher Vermögensverwalter für die Cash-Reserven von USDC agieren, daneben wollen die beiden Unternehmen aber auch gemeinsam an weitere Anwendungsmöglichkeiten für USDC an den Kapitalmärkten untersuchen.

Der Kontext: Die Finanzierungsrunde zeigt erneut das Interesse der traditionellen Finanzbranche an der Thematik Stablecoins. Circle plant, wie berichtet, in New York einen Börsengang mittels einer Fusion mit einer leeren Börsenhülle, einer sogenannten Special Purpose Acquisition Company (SPAC). Dies war bereits im Juli 2021 angekündigt worden.

Im Februar waren die Bedingungen dann aber deutlich nachgebessert worden: Hatte man sich im vergangenen Sommer zunächst auf eine Bewertung von 4,5 Mrd. US-Dollar geeinigt, so liegt sie nun doppelt so hoch bei 9 Mrd. Dollar. An diesen Zahlen  hat sich laut einem Insider, den CoinDesk zitiert, durch die nunmehrige Finanzierungsrunde nichts geändert.

Weitere News diese Woche:

  • Das Wiener Krypto-Startup Coinpanion hat seine Seed-Runde auf 5,5 Mio. Euro erhöht. Alle Details dazu gibt’s hier.
  • Auf der Insel Roatán des Karibikstaats Honduras wurde 2020 eine Sonderzone eingerichtet. Dort ist Bitcoin nun offizielle Währung. Zu unserem Artikel dazu geht es hier.
  • Der österreichische Krypto-Experte Matthias Reder war auf der größten Bitcoin-Messe der Welt in Miami und berichtet in unserem Podcast „Editor’s Choice“ darüber. Die Folge findet sich hier.

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Bybit-Payments-Chef Krick: „Eine Banklizenz schließen wir für die Zukunft nicht aus“

Die Bybit Payments GmbH hat von der FMA eine E-Geld-Konzession erhalten und treibt damit den Ausbau des Wiener EU-Standorts voran. Im Interview erklärt Geschäftsführer Bernhard Krick, warum die Wahl auf Österreich fiel, was aus Bybit.eu werden soll und warum er eine Banklizenz nicht ausschließt.
/artikel/interview-bybit-bernhard-krick
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Bernhard Krick, Geschäftsführer der Bybit Payments GmbH | (c) Bybit

Anfang August erhielt die Bybit Payments GmbH von der Finanzmarktaufsicht (FMA) eine Konzession als E-Geld-Institut, nach rund neun Monaten Verfahren. Laut Geschäftsführer Bernhard Krick gibt es die Lizenz zwar seit rund 25 Jahren, durchschritten hätten das Verfahren aber erst zwei Marktteilnehmer. Mit der Konzession baut die nach eigenen Angaben gemessen am Handelsvolumen zweitgrößte Kryptobörse der Welt ihre EU-Zentrale in Wien weiter aus. Die Schwestergesellschaft Bybit EU GmbH hält bereits seit Mai 2025 eine MiCAR-Zulassung. Im Interview spricht Krick über das Verfahren, die Standortwahl und die Frage, ob am Ende eine Banklizenz steht.


Die Bybit Payments GmbH hat von der österreichischen Finanzmarktaufsicht (FMA) eine Lizenz als E-Geld-Institut erhalten. Wie lange hat das Verfahren gedauert und was waren rückblickend die größten Hürden?

Der eigentliche Lizenzierungsprozess mit der FMA war naturgemäß intensiv und hat sich über einen Zeitraum von rund neun Monaten erstreckt. Wir haben jedoch bereits deutlich davor mit dem Aufbau der lokalen Gesellschaft, der Infrastruktur sowie aller compliance-relevanten Agenden begonnen. Obwohl es die Lizenz seit rund 25 Jahren gibt, haben erst zwei Marktteilnehmer diesen Prozess durchschritten. Die größte Herausforderung bestand darin, die Fülle an Informationen über die eigene Organisation, Prozesse und geplanten Produkte so aufzubereiten, dass sie den hohen Anforderungen der FMA entsprechen und ein klares, transparentes Bild vermitteln. Dabei steht man grundsätzlich auch immer unter einem gewissen Zeitdruck. Unsere Mitarbeiter:innen haben hier eine sehr gute Arbeit geleistet.

Rückblickend war der Prozess zwar anspruchsvoll, aber immens wertvoll. Er hat dazu beigetragen, unsere europäischen Strukturen weiter zu professionalisieren. Die E-Geld-Konzession ist eine wichtige Grundlage für die nächste Phase der Expansion unseres Geschäfts in Europa.

Warum hat Bybit die EMI-Lizenz ausgerechnet in Österreich beantragt? Länder wie Litauen oder Luxemburg gelten in Europa als die klassischen Standorte für E-Geld-Institute.

Wien ist für uns der Standort unserer EU-Zentrale. Von hier aus decken wir MiCAR, E-Geld und MiFID ab. Uns war wichtig, einen Standort mit einem europaweit respektierten Regulator zu wählen. Die FMA bietet dabei die perfekte Balance: streng in der Aufsicht, was für eine Organisation wie uns, die weltweit auf Compliance ausgerichtet ist, kein Problem, sondern ein Vorteil ist, und gleichzeitig kommunikativ, pragmatisch und effizient im Austausch. Wien ist zudem ein zentraler Standort in Europa mit attraktiver Infrastruktur und hoher regulatorischer Kompetenz. Von hier aus können wir langfristige europäische Strukturen aufbauen, mit einem verlässlichen Partner vor Ort, und unser Geschäft in den Märkten ganz Europas steuern.

Die FMA gilt als strenge Aufsicht. Wie erleben Sie die Zusammenarbeit im Vergleich zu anderen Jurisdiktionen, in denen Bybit tätig ist?

Eine strenge Aufsicht ist aus unserer Sicht kein Nachteil. Ganz im Gegenteil: Wenn man langfristig in einem regulierten europäischen Markt tätig sein möchte, ist Klarheit darüber, welche Anforderungen gelten, ein wesentlicher Vorteil. Unsere Erfahrung ist, dass die Zusammenarbeit mit Aufsichtsbehörden naturgemäß intensiv und detailliert ist, und das erwarten wir auch. Wir sehen Regulierung nicht als einmalige Eintrittshürde, sondern als laufenden Prozess, der sehr wichtig für die gesamte Branche ist. Die FMA sehen wir als eine durchaus fordernde, aber vor allem als eine sehr kompetente Behörde, die auch einen sehr guten Ruf in Europa genießt.

In der Aussendung zur Lizenz heißt es, konkrete Termine für die Produkteinführung würden in Kürze bekannt gegeben. Können Sie schon konkreter werden: Welche Dienste starten zuerst, und wann rechnen Sie mit dem Marktstart in Österreich und im restlichen EWR?

Die konkreten Produktneuerungen, Marktstart und Rollout-Phasen werden wir, wie versprochen, zeitnah kommunizieren. Was wir jedoch jetzt bereits sagen können: Unser Ziel ist es, die neue Lizenz schrittweise für den Ausbau eines umfassenderen Payment-Angebots in Europa zu nutzen. Wir haben bereits um das Passporting der Lizenz für den EWR angesucht. Das kann einige Zeit in Anspruch nehmen, da die relevanten nationalen Behörden in Europa dies bestätigen müssen. Wir verfolgen dabei bewusst einen stufenweisen Ansatz, können aber bereits jetzt sagen: Bybit.eu wird bald viel mehr sein als eine reine Krypto-Plattform und wird sich zu einer universellen Finanzlösung entwickeln.

Die Bybit Card ist in Europa bereits verfügbar. Was ändert sich durch die EMI-Lizenz konkret für das Kartenprogramm? Wird die Bybit Payments GmbH die Kartenausgabe künftig selbst übernehmen?

Die Bybit Card wird auch in Zukunft eines unserer zentralen Produkte bleiben. Zum jetzigen Zeitpunkt möchten wir jedoch keine konkreten Änderungen an bestimmten Produkten vorwegnehmen oder bekanntgeben. Was wir sagen können: Die Lizenz gibt uns generell zusätzliche strategische Flexibilität, um unser europäisches Dienstleistungsangebot im Zahlungsverkehr weiterzuentwickeln sowie attraktiver zu gestalten.

Auf Bybit.eu setzen Sie bei Stablecoins bislang auf regulierte Token von Circle wie EURC. Die EMI-Lizenz würde der Bybit Payments GmbH grundsätzlich auch die Emission eines eigenen E-Geld-Tokens erlauben. Ist ein eigener Euro-Stablecoin ein Thema für Sie?

Stablecoins und andere tokenisierte Zahlungsinstrumente beobachten wir auf dem europäischen Markt sehr genau. Gerade MiCAR schafft hier einen neuen regulatorischen Rahmen, der in den kommenden Jahren erhebliche Auswirkungen auf die Entwicklung digitaler Zahlungsmittel haben wird. Aktuell liegt unser Fokus jedoch darauf, unseren Kundinnen und Kunden Zugang zu bestehenden regulierten und qualitativ hochwertigen Produkten zu ermöglichen. EURC ist dafür ein gutes Beispiel. Wir schließen grundsätzlich keine strategischen Optionen in diesem Bereich aus, haben derzeit aber nichts anzukündigen.

Bybit EU GmbH und Bybit Payments GmbH sind bewusst getrennte Gesellschaften mit unterschiedlichen Lizenzen. Warum diese Struktur, und was bedeutet die Trennung im Alltag konkret für die Kundinnen und Kunden?

Die Trennung folgt einer klaren regulatorischen und auch organisatorischen Logik. Die Bybit EU GmbH und die Bybit Payments GmbH verfolgen unterschiedliche Geschäftsmodelle und verfügen über unterschiedliche regulatorische Berechtigungen. Deshalb ist es sinnvoll, diese Aktivitäten auch gesellschaftsrechtlich, organisatorisch und in Bezug auf die Regulatorik und das Risikomanagement klar voneinander abzugrenzen. Für die Kundinnen und Kunden wird sich das positiv auswirken, da wir in der Zukunft über eine gemeinsame Finanzplattform und App neue innovative Möglichkeiten im Zahlungsverkehr anbieten werden. Die Kunden werden die volle Transparenz haben, welche Dienstleistung sie von welchem Unternehmen beziehen.

Sie betonen, dass die EMI-Lizenz keine Banklizenz ist. Ist eine Banklizenz der nächste logische Schritt für Bybit in Europa, oder schließen Sie das aus?

Für uns ist die EMI-Lizenz der logische Schritt, um unsere Kompetenz im Zahlungsverkehr in Europa aufzubauen. Wir verfolgen das Ziel, ein globales Finanz-Ökosystem aufzubauen, das den Zugang zu einer modernen Bank-, Investitions- und Zahlungsverkehrsinfrastruktur für alle Kundengruppen bietet. Da ist es natürlich selbstverständlich, dass wir kontinuierlich evaluieren, welche regulatorischen Strukturen und Partnerschaften für unsere langfristige Strategie sinnvoll sind. Eine Banklizenz schließen wir für die Zukunft nicht aus. Aktuell liegt unser Fokus aber klar auf dem erfolgreichen Aufbau und der Skalierung unseres regulierten Geschäfts in Europa.

Mit regulierten Zahlungsdiensten tritt Bybit in direkte Konkurrenz zu Neobanken wie Revolut und N26, aber auch zu anderen Kryptobörsen mit Payment-Ambitionen in Europa. Womit wollen Sie sich in diesem Feld differenzieren?

Bybit ist gemessen am Handelsvolumen die zweitgrößte Krypto-Asset-Plattform der Welt und bietet bereits heute weltweit über 80 Millionen Kundinnen und Kunden viel mehr als reines Krypto-Trading an. Eine wesentliche Rolle spielt dabei das enorme Volumen im Krypto-Derivate- und Futures-Handel auf der globalen Bybit-Plattform. Mit unserem „Compliance-First-Ansatz“ wird Bybit einer der relevantesten Player in Europa werden. Der entscheidende Faktor ist, das Vertrauen der Kundinnen und Kunden zu bekommen. Unser Ansatz geht daher über das reine Krypto-Trading weit hinaus. Wir verbinden die Welten der digitalen Assets und Web3-Produkte mit den traditionellen Finanzdienstleistungen.

Wie viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftigt Bybit aktuell in Wien, und wie verändert der Aufbau der Payments-Sparte den Standort? Wird derzeit Personal gesucht?

Aktuell beschäftigen wir in Wien rund 60 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Der Ausbau der Payments-Sparte stärkt den Standort zusätzlich, da ein reguliertes Payment-Geschäft weitere spezialisierte Funktionen benötigt, etwa in den Bereichen Produktmanagement, Legal und Compliance, Risk, Finance, Operations und Technology. Hier sind wir derzeit auch auf der Suche und heißen jede Bewerbung willkommen.

Welchen Stellenwert hat das Thema Sicherheit beim Aufbau des europäischen Zahlungsverkehrsgeschäfts, und wie werden die Kundengelder der Bybit Payments GmbH abgesichert?

Sicherheit und Vertrauen bilden das Fundament des Finanzgeschäfts. Beim Aufbau der Bybit Payments GmbH wurden deshalb regulatorische Anforderungen an Governance, Risikomanagement, IT-Sicherheit und den Umgang mit Kundengeldern von Beginn an berücksichtigt. Die Kundengelder des E-Geld-Instituts werden entsprechend den regulatorischen Vorgaben geschützt und bei einer Bank zu 100 Prozent treuhänderisch verwahrt. Für die Bybit.eu-Plattform gelten zudem dieselben strengen regulatorischen Anforderungen an IT-Sicherheit wie für Banken.

Bybit hat kürzlich seinen Risiko- und Sicherheitsbericht für das erste Halbjahr 2026 veröffentlicht. Welche Rolle spielt künstliche Intelligenz inzwischen in der Sicherheitsarbeit, und was bedeutet das für Nutzerinnen und Nutzer in Europa?

Wir setzen modernste Technologien ein, um Muster schneller zu erkennen, Auffälligkeiten frühzeitig zu identifizieren und potenzielle Risiken effizient zu analysieren. Unser Anspruch ist es, im Bereich Sicherheit immer einen Schritt voraus zu sein, ganz nach dem Credo: Prävention statt Nachsorge. Künstliche Intelligenz ist in der präventiven Sicherheitsarbeit im Zahlungsverkehr ein fixer Bestandteil. Für Nutzerinnen und Nutzer in Europa bedeutet das im Alltag vor allem, dass der Zahlungsverkehr reibungslos und sicher abläuft. Der große europäische Vorteil ist dabei der rechtliche Rahmen. Dank strenger Gesetze wie der DSGVO und dem neuen KI-Gesetz gibt es in Europa klare Leitplanken, die die Privatsphäre aller am Zahlungsverkehr beteiligten Personen schützen.

Wo steht Bybit.eu in drei Jahren?

Unser Anspruch ist klar: Wir wollen in drei Jahren eine der führenden regulierten Plattformen für digitale Finanzdienstleistungen in Europa sein. Krypto und Blockchain wollen wir dabei immer weniger als eigenständige oder alternative Systeme betrachten, sondern die Brücke zwischen der Welt digitaler Assets und traditionellen Finanzdienstleistungen weiter stärken und direkt verbinden. Entscheidend ist Vertrauen: Ein verlässlicher institutioneller Rahmen und klare Regulierungen bilden die Basis, damit immer mehr Unternehmen sowie Kundinnen und Kunden auf diese Technologien setzen. Im Idealfall ist Bybit EU in drei Jahren eine vertrauenswürdige, regulierte All-in-one-Finanzplattform, auf der digitale und traditionelle Finanzdienstleistungen zusammenkommen und nahtlos in den Alltag unserer Kundinnen und Kunden integriert sind.

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