18.03.2022

Crypto Weekly #48: US-Zinserhöhung belastet Kurse nicht – ApeCoin mit volatilem Debüt

Der Token zum NFT-Projekt Bored Ape Yacht Club legte an seinem zweiten Handelstag zuletzt wieder zu. Außerdem: Die Hintergründe zum Upgrade beim DeFi-Protokoll Aave, dessen Token diese Woche um 25 Prozent nach oben geschossen ist. Und die NFT-Pläne von Instagram werden konkreter.
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Bored Ape Yacht Club
Foto: Adobe Stock

Im brutkasten Crypto Weekly, das hier per Mail abonniert werden kann, blicken wir jeden Freitag auf die wichtigsten Kursbewegungen und Nachrichten der Krypto-Woche zurück. Wie immer starten wir dabei mit einem Blick auf…


Die Kurstafel:

  • Bitcoin (BTC): 40.500 US-Dollar (+2 % gegenüber Freitagnachmittag der Vorwoche)
  • Ethereum (ETH): 2.800 Dollar (+5 %)
  • Binance Coin (BNB): 386 Dollar (+2 %)
  • Cardano (ADA): 0,82 Dollar (+1 %)
  • Solana (SOL): 84 Dollar (+1 %)
  • Polkadot (DOT): 18 Dollar (+/-0 %)
  • Terra (LUNA): 83 Dollar (-16 %)

Bitcoin über 40.000 Dollar, LUNA sinkt nach Rekordhoch – US-Zinserhöhung ohne große Auswirkung

Die Fakten: Trotz der insgesamt weiter angespannten Situation verlief die Woche am Kryptomarkt schließlich positiv. Der Bitcoin-Kurs bewegte sich Anfang der Woche in einer vergleichsweise engen Range etwas unterhalb der 40.000-Dollar-Marke. Am Mittwoch überschritt er diese dann und konnte sich in weiterer Folge darüber halten.

Ein ähnliches Muster bei vielen anderen großen Coins – etwa Ethereum, Solana, Cardano oder Avalanche: Seitwärtsbewegung zu Wochenbeginn, leichte Kursgewinne gegen Ende der Woche.

Der Ausreißer war dabei der LUNA-Token von Terra mit einem Minus von 16 Prozent. Allerdings: LUNA hatte erst in der Vorwoche einen neuen Rekordstand von knapp 85 Dollar erreicht. Was im aktuellen Umfeld durchaus beachtlich ist – zumal sich so gut wie alle übrigen großen Coins aktuell weit unter ihren Höchstständen befinden.

Der Kontext: Seit Monaten dominieren Entwicklungen auf der Makroebene den Kryptomarkt: Zuletzt war es klarerweise der Krieg in der Ukraine. Diese Woche ist aber wieder ein Thema in den Mittelpunkt gerückt, das zuvor immer wieder die Kurse bewegt hatte: Die Geldpolitik der US-Notenbank Fed. Wir erinnern uns: Die Inflation in den USA ist sehr hoch, die Notenbank muss gegensteuern – mit höheren Zinsen. Anfang des Jahres verdichteten sich die Hinweise, dass dies schneller und umfangreicher passieren könnte als zuvor angenommen. 

Höhere Zinsen gelten für alle riskanteren Anlageformen (“Risk Assets”) als ungünstig – weil dadurch die Renditen von weniger riskanten Assets wie etwa Anleihen steigen und diese damit attraktiver werden. Und Krypto-Assets werden von den Anlegern weiterhin als eine sehr riskante Anlageklasse wahrgenommen – die auch dementsprechend gehandelt wird. 

Diese Woche fand nun die mit Spannung erwartete zweite Zinssitzung der Notenbank in diesem Jahr statt. Dass die Fed erstmals seit 2018 ihren Leitzins erhöhen würde, war im Vorfeld bereits klar. So kam es auch: Statt in der Spanne von 0 bis 0,25 Prozent liegt er nun bei 0,25 bis 0,50 Prozent.

Viel interessanter für die Anleger war aber der Ausblick: Wie viele weitere Zinserhöhungen würde die Fed in Aussicht stellen? Lässt der Krieg in der Ukraine die Notenbanker vielleicht zögern? US-Notenbank-Chef Jerome Powell gab am Mittwochabend die Antwort – und signalisierte einen etwas aggressiveren Kurs als von vielen erwartet. Bis Jahresende könnten sechs weitere Zinserhöhungen folgen. Auch die Bilanz der Notenbank soll abgebaut werden.

Unmittelbar nach Bekanntwerden der Zinsentscheidung gab der Bitcoin-Kurs etwas nach – stieg dann in weiterer Folge aber an. Damit folgte er dem US-Aktienmarkt, der eine ähnliche Bewegung hinlegte. 

Dass die Märkte die Ergebnisse der Zinssitzung gut weggesteckt haben, ist natürlich zunächst einmal positiv zu werten. Häufig werden solche Reaktionen, die auch in der Vergangenheit immer wieder zu beobachten waren, damit begründet, dass ein Unsicherheitsfaktor weggefallen sei.

Allerdings bleibt Vorsicht angebracht: Ob die Fed den angekündigten Weg tatsächlich so gehen kann, ist alles andere als fix. Die weitere Entwicklung im Ukraine-Krieg, die Auswirkungen der Sanktionen gegen Russland, eine möglicherweise drohende Rezession – weiterhin gibt es eine ganze Reihe an Unsicherheitsfaktoren für die nächsten Monate. Und dem wird sich auch der Kryptomarkt nicht entziehen können.

DeFi-Protokoll Aave mit großem Upgrade, Token steigt um 25 Prozent

Die Fakten: Eine starke Kursentwicklung gab es diese Woche beim Aave-Token (AAVE), der seit vergangenem Freitag um 25 Prozent auf 150 Dollar zugelegt hat. Aave ist eines der wichtigsten Protokolle im Bereich Dencentralized Finance (DeFi). Anleger können ihre Krypto-Assets über Aave verleihen und dafür Zinsen erhalten. Aave ermöglicht auch sogenannte Flash Loans, bei denen Assets nur für kurze Zeit ausgeliehen und noch vor dem Ende einer Transaktion wieder zurückgegeben werden. Diese Woche ging nun ein großes Upgrade über die Bühne: Das Aave-Protokoll wurde von V2 auf V3 aktualisiert.

Die neue Version bringt eine ganze Reihe an Änderungen. Ein neues Feature sind etwa die sogenannten “Portals”, die Blockchain-übergreifendes Verleihen von Assets ermöglichen sollen. Derzeit läuft Aave auf Ethereum, Avalanche und Polygon. Als weitere Neuerungen angekündigt sind unter anderem die Optimierung von Transaktionskosten (die Einsparungen in der Höhe von 20 bis 25 Prozent bringen sollen), bessere Tools für das Risikomanagement und spezielle Features für Layer-2-Protokolle,

Der Kontext: Laut Zahlen der Plattform Defi Llama stecken aktuell über 12 Mrd. US-Dollar in Smart Contracts von Aave – womit es gemessen an dieser Kennzahl, also dem Total Value Locked (TVL), zu den sechs größten DeFi-Anwendungen gehört. In diesem Kontext ist auch das Upgrade zu sehen: Als man die zweite Version des Protokolls gebaut habe, sei man davon ausgegangen, dass man vielleicht mit rund 200 Mio. Dollar an TVL umgehen müsse, sagte Aave-Gründer Stani Kulechov anlässlich des Upgrades gegenüber Protocol. Jetzt gehe es um Milliarden – und vielleicht könnten es eines Tages hunderte Milliarden oder gar eine Billion werden. 

DeFi sieht Kulechov als künftiges “Backend” der Finanzbranche – als eine Infrastruktur, die jeder verwendet, der direkt oder indirekt Finanzanwendungen nutzt – “so ähnlich wie wir heute mit HTTP oder IP interagieren”, sagte Kulechov weiter. Dass Aave DeFi nicht nur als Nischenanwendung sieht, zeigte sich auch bei einem anderen kürzlich erfolgten Schritt: Anfang Jänner ist, wie im Crypto Weekly damals berichtet, “Aave Arc” gestartet – eine Plattform, die sich an institutionelle Investoren richtet und diesen Zugang zu DeFi mit hoher Rechtssicherheit bieten soll.

Bored Ape Yacht Club: ApeCoin startet

Die Fakten: Der “Bored Ape Yacht Club” (BAYC) ist eines der bekanntesten NFT-Projekte überhaupt. Die dazugehörende rund 10.000 Bilder von gelangweilten Affen umfassende NFT-Kollektion ist aktuell die am höchsten bewertete überhaupt. Zu den Besitzern gehören unter anderem die Musiker Eminem, Snoop Dogg und Steve Aoki sowie der Basketball-Superstar Stephen Curry. Auch Adidas hat in einen Bored-Ape-NFT investiert. Als Besitzer hat man unter anderem Zugang zu einem exklusiven Discord-Server, aber auch zu weiteren NFT-Kollektionen. 

Und jetzt gibt es außerdem einen eigenen Token: Der ApeCoin (APE) ist gestartet. Wer einen Bored-Ape-NFT besitzt, hat dabei Anspruch auf 10.000 APE. Für den Launch des Tokens wurde ein eigener ApeCoin DAO, also eine dezentrale autonome Organisation gegründet. ApeCoin ist damit – zumindest offiziell – nicht von Yuga Labs, dem Unternehmen hinter dem BAYC gegründet worden. Yuga hat allerdings bereits angekündigt, ApeCoin für alle neuen Produkte und Dienstleistungen einsetzen zu wollen. 

Um Teil des ApeCoin-DAOs zu werden, muss man nur einen Token halten – es gibt insgesamt 1 Mrd. davon. Knapp zehn Prozent davon hält Yuga Labs selbst, weitere acht Prozent die vier Gründer des Unternehmens. Im Board von ApeCoin sitzen außerdem Reddit-Gründer Alexis Ohanian und Amy Wu, die bei den Venture-Capital-Arm der Kryptobörse FTX leitet.

Am Donnerstag startete der Token in den Handelstag – kurz nach dem Start stieg nach Daten von Coinmarketcap zwischenzeitlich bis auf 39,40 Dollar. Danach ging es jedoch rasant bis auf unter 7 Dollar abwärts. Zuletzt wurde der Token bei rund 15 Dollar gehandelt. 

Der Kontext: Der NFT-Markt hat sich nach dem massiven Hype zu Beginn des Jahres in den letzten Wochen abgekühlt. Das über Ethereum abgewickelte tägliche Handelsvolumen auf der wichtigsten NFT-Plattform OpenSea lag im März fast durchwegs nur mehr im zweistelligen Millionenbereich, nachdem es sich im Februar noch nahezu durchgehend im dreistelligen Millionenbereich bewegt hatte.

Bei Yuga Labs stehen die Zeichen aber alles andere als auf Rückzug. Ebenfalls diese Woche wurde bekannt, dass das Unternehmen die Rechte an den NFT-Kollektionen CryptoPunks und Meebits übernommen hat – beide gehören ebenfalls zu den aktuell am höchsten bewerteten NFT-Kollektionen. Außerdem dürfte sich Yuga Labs gerade in Gesprächen zu einer Finanzierungsrunde unter anderem mit dem kalifornischen Top-VC Andreessen Horowitz befinden. Bereits vor einigen Wochen hatte die Financial Times berichtet, dass dabei eine Bewertung zwischen 4 und 5 Mrd. US-Dollar angepeilt werden würde.

NFT-Pläne bei Instagram werden konkreter

Die Fakten: Apropos NFTs. Auch Instagram dürfte bereits recht konkret an der Einbindung von NFTs arbeiten. Meta-CEO Mark Zuckerberg sagte diese Woche im Rahmen des SXSW-Festivals in Austin, dass NFTs bereits in den “nächsten paar Monaten” auf Instagram implementiert werden könnten, berichtete Business Insider. Demnach sollen User ihre bestehenden NFTs auf ihren Instagram-Accounts nutzen können. Zu einem späteren Zeitpunkt sollte es auch einmal möglich werden, selbst NFTs auf Instagram zu minten, fügte Zuckerberg hinzu. Details gab er keine bekannt.

Der Kontext: Dass sich Instagram mit NFTs auseinandersetzt, ist schon länger bekannt. Instagram-CEO Adam Mosseri etwa hatte, wie auch im Crypto Weekly berichtet, kurz vor Weihnachten gesagt, dass sich das Unternehmen mit dem Thema auseinandersetze: „Es gibt noch nichts zu verkünden, aber wir beschäftigen uns definitiv aktiv mit NFTs und der Frage, wie man diese einem breiteren Publikum zugänglich machen kann”. 

Nun dürfte die Sache langsam konkreter werden. Ein anderes Social-Media-Unternehmen ist schon weiter: Twitter hat vor wenigen Wochen NFT-Profilbilder für User des Bezahlangebots Twitter Blue ermöglicht. 

Der Meta-Konzern hat mit Krypto-Projekten aber nicht nur gute Erfahrungen gemacht: Im Jänner war das 2019 gestartete Stablecoin-Prestigeprojekt Diem (anfangs bekannt als Libra), wie berichtet, eingestellt worden. Bei WhatsApp experimentiert man allerdings weiterhin mit der Einbindung von (konzernfremden) Stablecoins. Dabei – wie auch bei den NFT-Plänen von Instagram – handelt es sich allerdings um deutlich weniger ambitionierte – und damit auch realistischere Projekte.


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Disclaimer: Dieser Text sowie die Hinweise und Informationen stellen keine Steuerberatung, Anlageberatung oder Empfehlung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren dar. Sie dienen lediglich der persönlichen Information. Es wird keine Empfehlung für eine bestimmte Anlagestrategie abgegeben. Die Inhalte von brutkasten.com richten sich ausschließlich an natürliche Personen.

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Lirone Glikman, Branding-Expertin und Gründerin der Agentur The Human Factor, spezialisiert auf Founder-Led Branding

Dieser Text ist zuerst im brutkasten-Printmagazin von Mai 2026 „Die nächste Stufe“ erschienen. Eine Download-Möglichkeit des gesamten Magazins findet sich am Ende dieses Artikels.


In einer Welt, in der KI Inhalte massenhaft produziert und Unternehmen täglich neu entstehen, verschiebt sich der entscheidende Wettbewerbsfaktor: weg vom reinen Produkt, hin zum Vertrauen. „Founder Led Branding“ heißt das Konzept, das Gründer:innen dazu bringt, sich selbst als sichtbare Persönlichkeiten ihrer Unternehmen zu positionieren – authentisch, strategisch und mit klarer Botschaft. Anders als beim klassischen Personal Branding geht es dabei nicht nur um die eigene Person, sondern um die enge Verzahnung von Founder-Identität und Unternehmensmission. Studien und Beobachtungen auf LinkedIn zeigen: Beiträge von Personen erzielen deutlich höhere Reichweiten als jene von Unternehmensseiten. Investoren prüfen Profile, bevor sie ein Meeting zusagen. Kunden googeln Gründer, bevor sie kaufen. Wer als Founder unsichtbar bleibt, verliert Deals – noch bevor sie überhaupt verhandelt werden.

Eine, die dieses Thema international bearbeitet, ist Lirone Glikman. Die israelisch-französische Branding-Expertin begann bereits mit 16 Jahren ihre Karriere, indem sie beim CEO eines israelischen Radiosenders an die Tür klopfte und kurz darauf jüngste Radiomoderatorin des Landes wurde. Heute leitet sie ihre Agentur The Human Factor, die sich auf Founder-Led Branding spezialisiert hat, unterrichtet seit über zwölf Jahren in 28 Ländern und ist Autorin des Buchs „The Super Connector’s Playbook“. Zudem ist sie Executive Director des NGO Committee on Sustainable Development – NY, das mit der UNO affiliiert ist. Im Interview spricht sie über die Trust Economy, häufige Fehler von Gründern und darüber, warum es heute nicht mehr genügt, einfach nur ein gutes Produkt zu haben.

brutkasten: Frau Glikman, beginnen wir mit einer einfachen Frage: Wer sind Ihre Kundinnen und Kunden?

Glikman: Ich pendle zwischen Berlin und Tel Aviv. Meine Klienten sind Startups in frühen oder späteren Phasen, die Sichtbarkeit brauchen; meist dann, wenn sie Kapital aufnehmen, Kunden gewinnen oder in einen neuen Markt eintreten wollen. Dazu kommen Innovationsmanager in Konzernen.

Ein Beispiel ist Celleste Bio, ein israelisches Startup, das als erstes Unternehmen der Welt Milchschokolade mit echter Kakaobutter aus Zellsuspensionskultur-Technologie vorgestellt hat; ein Meilenstein für eine skalierbare, kommerziell tragfähige Kakao-Lieferkette. Jüngst wurde gemeinsam mit Mondelez die erste Tafel produziert, deren Kakaobutter zu 100 Prozent bio-identisch im Labor erzeugt wurde.

Wie nähern Sie sich einem Founder, der mehr Sichtbarkeit braucht?

Zuerst geht es um die Bereitschaft. Viele Gründer wissen, dass sie sichtbar sein müssen – bevor sie einen Raum betreten, ist die Entscheidung beim Investor oft schon teilweise gefallen. Er googelt, schaut auf LinkedIn, gleicht ab, ob das Gesagte zum Gesendeten passt. Unsere Marke arbeitet für uns, bevor wir den Raum betreten – aber zwischen dem Wissen und dem Tun klafft eine Lücke. Viele sind kamerascheu oder arbeiten lieber am Produkt.

Wenn sie zu mir kommen, beginnen wir mit der Strategie. Founder-Persönlichkeit und Unternehmenswerte liegen am Anfang oft sehr nah beieinander. Wir bauen eine Markenidentität auf – authentisch, nicht aufgesetzt. Welche Botschaften, welche Werte, welche Stärken? Ist die Person warm, eher kühl, fürsorglich? Wir nehmen, wer sie sind, und betonen die relevanten Aspekte online.

Was unterscheidet Founder-Led Branding vom klassischen Personal Branding?

Personal Branding ist ein abgenutzter Begriff – wir alle haben eine Marke, ob wir wollen oder nicht. Founder-Led Branding bedeutet, dass man als Gründer bewusst Botschaften platziert, die einem selbst und dem Unternehmen dienen. Heute vertrauen wir Institutionen, großen Namen und Regierungen weniger – wir vertrauen einander.

Wenn Vertrauen zur Währung wird – gerade in einer Welt, in der KI Posts schreibt und Unternehmen über Nacht entstehen lässt – bleibt das Menschliche. Wenn Sie mir vertrauen, vertrauen Sie vielleicht auch meinem Unternehmen.

Auf LinkedIn performt Founder-Content stärker als Unternehmenscontent. Warum?

Der Algorithmus will, dass Sie sich mit einer Person verbinden. Unternehmensbeiträge werden weniger ausgespielt. Es geht um die Verbindung von Mensch zu Mensch.

Was sind die größten Fehler, die Gründer machen?

Erstens: Viele halten Sichtbarkeit für ein „Nice to have“. Damit fehlt die Konsistenz.

Zweitens: Es gibt keinen roten Faden. Wenn man sich Posts der letzten Monate ansieht, sollte ein Muster erkennbar sein. An einem Tag der Urlaub, am nächsten das Unternehmen, dann etwas anderes – das funktioniert nicht. Es braucht Markensäulen.

Drittens: Viele teilen nur Beiträge ihrer Firmenseite oder von Kollegen. LinkedIn mag das nicht. Die Plattform will wissen, was Sie zu sagen haben, was Ihre Kämpfe und Erkenntnisse sind.

Und viertens: Manche gehen zu Medien, die nicht zu ihrer Phase passen. Wenn das Produkt noch nicht reif ist, sollte man etwa in einem Podcast über das Feld sprechen, nicht über die Lösung. Sonst verspricht man zu viel und liefert zu wenig.

Wie viele Posts pro Woche sind realistisch sinnvoll?

Optimal wären zwei pro Woche. Realistisch reicht ein guter, tiefgehender Post pro Woche, der eine eigene Perspektive zeigt. LinkedIn liebt sogenannte „Scar Stories“ – Geschichten von Verletzungen, aus denen man gelernt hat.

Über Fehler zu sprechen ist guter Content?

Ja, weil es verbindet. Es muss nicht der größte Fehler sein. Sie können sagen: Wir haben anfangs in diese Richtung investiert, dann hat sich der Markt verändert, also haben wir gepivotet. Das ist „Building in Public“ – Sie nehmen Ihre Follower mit auf die Reise. Stellen Sie sich vor, Sie haben Ihre eigene Show!

Im DACH-Raum spricht kaum jemand über Misserfolge. Wie ist das in anderen Kulturen?

Es geht nicht darum, sich in schlechtem Licht zu zeigen, sondern Lernerfahrungen zu teilen. Die israelische Kultur ist sehr expressiv und leidenschaftlich. Wir haben Gründer, die ihre tiefen Kämpfe und Frustrationen während des Aufbaus ihres Unternehmens radikal offen teilen. Das gibt anderen Gründern die Erlaubnis, es ihnen gleichzutun – was am Ende sowohl persönlich als auch für das Unternehmen hilfreich ist.

In asiatischen Kulturen, im Baltikum, im DACH-Raum oder in Skandinavien sind Menschen reservierter und risikoaverser. Das ist nicht schlecht – Israelis springen auf jede Idee; manchmal funktioniert es, manchmal nicht. Die Frage ist: Wie viel kann ich teilen, das mir dient, anderen Wert gibt, mir aber nicht schadet?

Wie misst man eigentlich, ob Sichtbarkeit auch Umsatz bringt?

Anders als im Vertrieb, wo Sie 50 Leute ansprechen und zwei Deals abschließen, geht es hier um Signale. Verbinden sich qualitativ relevante Menschen aus Ihrer Zielgruppe mit Ihnen? Merken Sie, dass Investoren Sie schon kennen, bevor Sie den Raum betreten? Sprechen Menschen über Sie? Das nennt man „Dark Social“ – wenn das passiert, funktioniert Ihre Marke.

Ein konkreter Tipp zur Monetarisierung: Vor jedem Meeting werden Sie beobachtet. Posten Sie zwei oder drei Tage vorher etwas, das Fragen oder Einwände beantwortet, die im Gespräch kommen werden. Wenn Investoren an der Skalierbarkeit zweifeln könnten, schreiben Sie über die Skalierbarkeit Ihrer Branche.

Das ist strategische Kommunikation pur…

Genau. Wenn Sie sich auf ein Meeting vorbereiten, gehört ein LinkedIn-Post auf die To-do-Liste. Sichtbarkeit ist kein Privileg, sondern ein Business-Tool, eine Infrastruktur.

Wie viel Zeit sollte ein Gründer investieren?

Mit KI ist das heute leichter. Erstellen Sie ein Projekt in ChatGPT oder Claude, füttern Sie es mit Ihrer Marke, Werten, Botschaften, kopieren Sie E-Mails oder Texte hinein. Dann sagen Sie: Ich möchte über die Skalierbarkeit unseres Geschäfts schreiben, hier sind drei Punkte. So entstehen Posts in Ihrer Stimme. Minimum: ein Post pro Woche. Sie können sich 30 Minuten wöchentlich Zeit nehmen oder einmal im Monat ein, zwei Stunden für alle Posts.

LinkedIn ist mit KI-Content geflutet. Sehen wir eine Gegenbewegung hin zu mehr Authentizität?

Es heißt, etwa 80 Prozent der Posts seien KI-generiert – ich denke, es sind mehr. Was Sie vermeiden sollten: den langen Gedankenstrich, den alle KI-Tools lieben; und typische Strukturen wie „Don’t do X, do Y“ oder kurze Sätze mit Punkt am Ende. Ich habe gestern in einem Post einen Tippfehler gefunden und ihn drin gelassen – weil er menschlicher ist. Verwenden Sie keine Wörter, die Sie sonst nie benutzen. KI können Sie trainieren, aber vertrauen Sie ihr nicht zu 100 Prozent.

Welche Trends sehen Sie auf LinkedIn?

Authentizität mit eigenem Stil und visuellen Wiedererkennungsmerkmalen. Und Spezifität: LinkedIn will Sie mit relevanten Menschen vernetzen – fokussieren Sie sich also auf Ihr Fachgebiet.

In Österreich gibt es Gründer, die sehr laut auftreten. Birgt das Risiken?

Kulturell, ja. Wenn Sie Wertvolles teilen, das anderen hilft, ist Lautstärke okay. Aber im DACH-Raum kann das Türen schließen. In Israel sind die Menschen wie gesagt von Natur aus lauter und leidenschaftlicher. Heute sehen wir auch einen Shift zu Solopreneuren oder Drei-Personen-Unicorns. Als Solopreneur müssen Sie Ihre Marke draußen haben – das Ziel sind Glaubwürdigkeit und Vertrauen.

Gibt es internationale Vorbilder?

Jensen Huang von Nvidia versteht, dass er das Gesicht des Unternehmens ist. Auf seinem LinkedIn-Profil steht Nvidia und davor ein Job als Tellerwäscher in einem Burgerladen.

Oder Sam Altman: Vor drei Jahren, als die Menschen Angst vor OpenAI hatten, machte er mit seinem Mitgründer eine Welttournee, traf Menschen auf Events. Sie nutzten ihre Founder-Marke, um Botschaften zu transportieren und Vertrauen aufzubauen.

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