11.02.2022

Crypto Weekly #44: FBI beschlagnahmt Bitcoin-Milliarden, Binance steigt bei Forbes ein

Außerdem diese Woche: Bitcoin erreichte den höchsten Stand seit Anfang Jänner - wird die Erholung anhalten? Die Layer-2-Lösung Polygon erhält ein 450 Mio. Dollar schweres Investment. Und das Wiener Krypto-Startup Morpher schließt eine Series-A-Finanzierungsrunde ab.
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FBI beschlagnahmt Bitcoin-Milliarden
Foto: Adobe Stock

Im brutkasten Crypto Weekly, das hier per Mail abonniert werden kann, blicken wir jeden Freitag auf die wichtigsten Kursbewegungen und Nachrichten der Krypto-Woche zurück. Wie immer starten wir auch Ausgabe 44 mit einem Blick auf…

…die Kurstafel:

NameKurs7-Tages-Performance
BitcoinBTC43.500 Dollar+15%
EthereumETH3.100 Dollar+10%
Binance CoinBNB416 Dollar+10 %
SolanaSOL106 Dollar+3%
CardanoADA1,16 Dollar+9 %
XRPXRP0,82 Dollar+33 %
PolkadotDOT20 Dollar+6 %
DogecoinDOGE0,15 Dollar+9 %
TerraLUNA54 Dollar+7 %
UniswapUNI11 Dollar+9 %
Alle Daten sind von coinmarketcap.com und am Stand von Freitagnachmittag/Kursveränderungen gegenüber Freitagnachmittag der Vorwoche

Bitcoin zwischenzeitlich am höchsten Stand seit Anfang Jänner

Die Fakten: Seit Wochen befinden sich uns am Kryptomarkt – wie auch an den traditionellen Finanzmärkten – in einer schwierigen Phase. Ende der Vorwoche kam es dann aber zu einem deutlichen Erholungsversuch, der den Bitcoin-Kurs von rund 37.000 Dollar auf über 41.000 Dollar steigen ließ. Im weiteren Wochenverlauf ging es sogar bis auf über 45.000 Dollar nach oben – der höchste Stand seit der ersten Jänner-Woche. Danach fiel der Kurs wieder etwas zurück, hielt sich aber klar über der 40.000-Dollar-Marke. Ether (ETH) wiederum eroberte die 3.000-Dollar-Marke zurück, unter diese war der Kurs Mitte Jänner gefallen.

Der Kontext: Nach den schwachen Vorwochen mit mehreren starken Abverkäufen scheint sich die Lage am Markt einigermaßen stabilisiert zu haben. Auch der “Crypto Feed & Greed Index”, der die Marktstimmung misst, bewegte sich zuletzt wieder ins neutrale Terrain vor. In den vergangenen Wochen war der Kryptomarkt von einer ungünstigen Lage an den traditionellen Finanzmärkten im Mitleidenschaft gezogen worden. Hauptsächlicher Belastungsfaktor: Die US-Notenbank Federal Reserve will ihre Geldpolitik aufgrund der hohen Inflationsrate schneller straffen als zunächst angenommen. Der sich wieder zuspitzende Konflikt zwischen Russland und der Ukraine drückte die Stimmung zusätzlich. Die Anleger trennten sich daraufhin im großen Stil von als eher riskant wahrgenommenen Assets – wie beispielsweise Tech-Aktien, aber eben auch Kryptowährungen.

So positiv die Kursentwicklung der vergangenen Woche ist – es bleibt ein Erholungsversuch. Ein paar starke Tage machen noch keinen Bullenmarkt. Solange sich der Kryptomarkt nicht wirklich vom US-Aktienmarkt entkoppeln kann, können schnell einmal irgendwelche Aussagen von Notenbankern oder neue Inflationszahlen die Kurse drücken. Insofern ist Übermut nicht angebracht.

Allerdings: Es ist auch ein plausibles Szenario, dass die Situation in der Ukraine nicht weiter eskaliert und die Anleger zum Schluss kommen, dass die US-Wirtschaft die geplanten Zinserhöhungen ganz gut aushalten wird. Das wäre dann auch für den Kryptomarkt positiv.

FBI beschlagnahmt Bitcoin im Wert von 3,6 Mrd. Dollar

Die Fakten: Für Schlagzeilen auch abseits der Fachmedien sorgte diese Woche das FBI: Die US-Behörde gab bekannt, in Zusammenhang mit dem Hack der Kryptobörse Bitfinex im Jahr 2016 verhaftet zu haben. Damals wurden 120.000 Bitcoin entwendet. Bis dato blieb die Angelegenheit unaufgeklärt. Nun hat aber das FBI das Ehepaar Ilya Lichtenstein und Heather Morgan in Manhattan verhaftet – und dabei Bitcoin im Gegenwert von 3,6 Mrd. Dollar beschlagnahmen können. Dies ist nicht der gesamte gestohlene Betrag, diese würde derzeit bei rund 4,5 Mrd. Dollar liegen. 

Wohlgemerkt: Das FBI wirft den beiden nicht vor, selbst für den Hack verantwortlich zu sein – sondern Geldwäsche. Die gestohlenen Bitcoin seien mit unautorisierten Transaktionen auf eine digitale Wallet geschickt worden, die von Lichtenstein kontrolliert worden sei, heißt es in der Aussendung des FBI. In den vergangenen fünf Jahren seien diese dann mittels eines “komplizierten Geldwäsche-Prozesses” aus der Wallet transferiert worden und dabei teilweise auch auf Konten von Liechtenstein und Morgan gegangen.

Der Kontext: Der Bitfinex-Hack 2016 gab immer wieder Anlass für Spekulationen. Hinter der Börse stehen die Eigentümer des äußerst umstrittenen Stablecoins Tether. Von  manchen Kritikern wurde ihnen sogar unterstellt, selbst mit dem Verschwinden der Bitcoin zu tun gehabt zu haben. Wie der Hack genau abgelaufen ist, darüber geben auch die nun vom FBI veröffentlichten Informationen keinen Aufschluss – zumal Liechtenstein und Morgan darin ja auch “nur” Geldwäsche vorgeworfen wird. 

In den Medien wie auch auf Social Media sorgte vor das Auftreten von Heather Morgan für Aufmerksamkeit. So tauchten mehrere Videos von ihr als Rapperin auf, auch ein 2019 gehaltener Vortrag mit dem Titel “How to Social Engineer Your Way Into Anything” über Manipulationstaktiken wurden ausgegraben. So amüsant diese Videos auch sein mögen – was den Hack angeht, sind zum jetzigen Zeitpunkt noch viele Fragen offen. Dass diese beim Prozess thematisiert werden, davon kann ausgegangen werden. Man darf also gespannt sein.

Layer-2-Lösung Polygon holt 450 Mio. Dollar Investment

Die Fakten: Die hohen Transaktionskosten sind und bleiben das große Problem bei der Nutzung der Ethereum-Blockchain – weshalb Skalierungsansätze wie Layer-2-Lösungen und Sidechains gerade boomen. Eine der bekanntesten hat diese Woche ein größeres Investment kommuniziert: Die Layer-2-Lösung Polygon hat eine 450 Mio. Dollar schwere Finanzierungsrunde angeschlossen. Angeführt wurde diese von Sequoia Capital India, daneben beteiligten sich auch andere prominente Investoren wie Softbank mit seinem Vision Fund 2, Galaxy Digital und Tiger Global.

Der Kontext: Polygons MATIC-Token gehörte 2021 zu den besten Performern unter den großen Krypto-Assets – und hat dabei natürlich von den hohen Transaktionskosten auf der Ethereum-Blockchain profitiert. Weil auf dieser ein Großteil aller Anwendungen im Bereich Non-Fungible Token (NFT) und Decentralized Finance (DeFi) läuft, ist die Nutzung im Vorjahr stark gestiegen – und damit auch die Gebühren. Der “London”-Hard Fork im Vorjahr war zwar grundsätzlich erfolgreich, hat sich aber auf die Höhe der Gebühren kaum ausgewirkt. Viele Hoffnungen ruhen auch auf den für dieses Jahr geplanten “Merge”, den Umstieg auf Ethereum 2.0. – aber auch hier ist nicht völlig klar, wie stark sich dies wirklich auf die Gebühren auswirken wird.

Manche Ethereum-Proponenten argumentieren daher mittlerweile auch, dass die Ethereum-Blockchain in Zukunft primär als Settlement-Layer fungieren wird, während kleinere Transaktionen eben über Layer-2-Lösungen oder Sidechains abgewickelt werden sollen. Anhänger von anderen Smart-Contract-Blockchains wie Solana oder Avalanche mögen darin in eine Kapitulation sehen – für Layer-2-Lösungen wie Polygon wäre ein solches Szenario aber klarerweise sehr positiv.

Binance steigt mit 200-Mio.-Dollar-Investment bei Forbes ein

Die Fakten: Ziemlich überraschend kam diese Woche auch folgende Nachricht: Die weltgrößte Kryptobörse Binance steigt beim US-Wirtschaftsmagazin Forbes ein. Das Unternehmen rund um Gründer und CEO Changpeng Zhao, besser bekannt als CZ, investiert 200 Mio. Dollar – und wird damit zum zweitgrößten Anteilseigner des Medienkonzerns. Binance wird dabei auch zwei der neun Sitze im Board des Unternehmens besetzen. Forbes ist gerade dabei, mittels einer Special Purpose Acquisition Company (SPAC) an die New Yorker Börse gehen. Dazu wird das Unternehmen mit der Börsenhülle Magnum Opus Acquisition Limited fusionieren.

Der Kontext: Forbes hat das Krypto-Thema redaktionell bereits vergleichsweise früh besetzt. Die jetzige Podcasterin und Buchautorin Laura Shin war beispielsweise 2017 die erste Reporterin bei einem US-Mainstream-Medium, die Vollzeit über Bitcoin- und Krypto-Themen berichtet hat. Binance-Chef CZ selbst war 2018 am Forbes-Cover – als Teil einer Reportage über Krypto-Milliardäre.

Gleichzeitig hat Forbes aber auch teils sehr kritische Artikel über Binance veröffentlicht, so etwa im Oktober 2020 eine umfassende Recherche von Michael del Castillo zu den Firmenkonstruktionen, mit denen sich das Unternehmen laut dem Bericht Regulierungen entziehen möchte. CZ stellte nun auch auf Twitter klar, dass die redaktionelle Unabhängigkeit von Forbes sakrosankt sei und immer bleiben werde. Binance sei es gewohnt, am Prüfstand der Medien zu stehen. Mit dem Investment wolle man Forbes helfen, in den kommenden Jahren Web3-Infrastruktur aufzubauen.

Morpher schließt 5,2 Mio. Euro schwere Finanzierungsrunde ab

Und auch aus Österreich gab es diese Woche wieder News: Das Trading-Startup Morpher mit Sitz in Wien hat eine Series-A-Runde abgeschlossen und dabei 5,2 Mio. Euro aufgenommen. Beteiligt haben sich an der Runde unter anderem Draper Associates des US-Milliardärs Tim Draper und der österreichische Deep-Tech-Investor APEX Ventures, die beide bereits zuvor in das Unternehmen investiert hatten.

Morpher ermöglicht auf seiner Plattform den Handel mit virtuellen Kopien von Aktien, Rohstoffen und (Krypto-)Währungen. Gekauft und verkauft werden kann dabei rund um die Uhr – und auch ohne Gegenpartei. Mit dem Investment will das Unternehmen nun die internationale Expansion vorantreiben, die angebotenen Assets etwa um Immobilien erweitern und ein eigenes Datenorakel entwickeln. Morpher-Gründer Martin Fröhler war im brutkasten-Studio zu Gast und hat über das Investment sowie die Zukunftspläne des Startups gesprochen:



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Der Startup-Hub Tabakfabrik in Linz © Tabakfabrik Linz Peter Hofstaetter

Dieser Text ist zuerst im brutkasten-Printmagazin von August 2026 „Aufbrechen“ erschienen. Eine Download-Möglichkeit des gesamten Magazins findet sich am Ende dieses Artikels.


Jung, zufrieden und KI-affin

Ein Blick auf die Ergebnisse des Austrian Startup Monitor 2025 zeigt: Mit seinen 442 Startup-Gründungen seit 2015 liegt Oberösterreich mit 12 Prozent aller Gründungen österreichweit zwar weit hinter dem dominanten Hub Wien (46,5 Prozent), aber nahezu gleichauf mit der zweitplatzierten Steiermark (12,4 Prozent). Während das Bundesland beim Anteil an Scaleups (9,1 Prozent) oder Spinoffs (15,9 Prozent) an sämtlichen Gründungen und noch mehr beim Gründerinnen-Anteil (7,4 Prozent) nicht an die heimischen Spitzenreiter herankommt, stechen drei Statistiken positiv hervor:

  • 37% – Oberösterreich hat laut Austrian Startup Monitor 2025 mit 37 Prozent der Gründer:innen, die bei der erstmaligen Gründung unter 25 Jahre alt waren, eine im Vergleich (Österreich-Schnitt: 25,6 Prozent) sehr junge Founder-Community.
  • 74% – 74 Prozent der oberösterreichischen Startups nennen KI als für sie wichtigste Schlüsseltechnologie — auch das ist ein Spitzenwert innerhalb Österreichs, knapp vor Wien (72,7 Prozent).
  • 7,2 Punkte – Kein anderes Bundesland kommt in der Frage nach dem Standort auf eine so hohe Weiterempfehlungsrate: Auf einer Skala von 0 bis 10 liegt Oberösterreich mit durchschnittlich 7,2 Punkten österreichweit auf Platz eins und deutlich über dem bundesweiten Durchschnitt von 6,2.

Startups und Scaleups: Die Aushängeschilder

Oberösterreich brachte schon eine ganze Reihe großer Startups und Scaleups hervor. Bei manchen liegt der Exit mittlerweile lange zurück, etwa bei Dynatrace oder Runtastic, bei anderen wie Agilox ein paar Jahre, bei Tractive ist er erst kürzlich (in Rekordhöhe) erfolgt. Wieder andere, etwa der von Analysten milliardenbewertete Spezialist für Sicherheitslösungen Loxone oder das Spacetech Peak Technology, sind der Scaleup-Phase bereits entwachsen und haben sich endgültig als große Player am Weltmarkt etabliert. Es gibt aber auch einige aktive „heiße Eisen“ — rechts vier herausragende Beispiele.

Storyblok

Die Storyblok-Founders Alexander Feiglstorfer und Dominik Angerer. © Storyblok

Mit mehreren Mega-Investments, zuletzt einer 80-Millionen-US-Dollar-Runde im Jahr 2024, steht Storyblok aus Linz auf der exklusiven Liste der heimischen „Soonicorns“ und ist damit das Scaleup-Aushängeschild Oberösterreichs. Mit seinem Headless-CMS kann das Scaleup Referenzen wie Netflix, Tesla und Adidas vorweisen.

neoom

Zu den herausstechenden Scaleups Oberösterreichs zählt auch das auf Energielösungen spezialisierte Unternehmen neoom aus Freistadt. Auf sich aufmerksam machte es mit mehreren achtstelligen Investmentrunden, darunter eine 25-Millionen-Euro-Series-B-Runde 2023. Der Außenumsatz ist laut Unternehmensangaben indes neunstellig.

Walter Kreisel ©neoom

hello again

Entstanden im Runtastic-Umfeld ist hello again aus Leonding längst selbst eine Größe. Das Scaleup ist Marktführer im DACH-Raum bei Kundenbindungs-Apps und erreicht über diese mehr als 16 Millionen Endnutzer:innen. Unter den mehr als 1.000 Unternehmenskunden sind etwa Deichmann, Müller und Klipp.

Franz Tretter © hello again

Blockpit

Und noch einmal Linz: Blockpit hat mit seinem Steuer-Tool erfolgreich eine Nische im gigantischen Krypto-Markt besetzt, die vor allem in der EU von Bedeutung ist. Das Linzer Scaleup ist in seinem Bereich Marktführer im DACH-Raum und hat seine Lösung bei Playern wie Bitpanda und Bybit EU integriert.

Florian Wimmer © Blockpit

Vielseitiges Ökosystem

Wer in Oberösterreich ein Startup gründet, kann neben den bundesweiten Angeboten auf eine ganze Reihe von landesspezifischen Unterstützungsmöglichkeiten zurückgreifen.

Viele davon, etwa der Tech-Inkubator tech2b, der Co-Working-Anbieter Tech Harbor, der auch umfassende Werkstattflächen bereitstellt, und der Kreativwirtschafts-Spezialist creative region, haben gemeinsam mit den oberösterreichischen Unis und FHs, der Wirtschaftskammer und weiteren Playern eine zentrale Anlaufstelle geschaffen: hub’ert. Dort können Startups die passende Unterstützung bzw. die passenden Unterstützungen für ihr Business finden.

Oberösterreichische Startups profitieren nicht nur von der Fülle an einzelnen Angeboten, sondern auch von der Vernetzung zwischen diesen. Dabei spielt — wie sollte es anders sein? — auch die Industrie eine entscheidende Rolle, zum Beispiel über Pier4 von tech2b, das Startups mit etablierten Unternehmen vernetzt. Und wer etwa im MedTech-Inkubator von tech2b ist, findet damit bereits Anschluss an den Medizintechnik-Cluster Oberösterreich.

Teil dieses Ökosystems, wenn auch nicht Teil von hub’ert, ist auch die Startrampe der Sparkasse Oberösterreich mit Sitz in der Linzer Tabakfabrik. Sie bietet unter anderem einen Accelerator, Workspace und Beratung bei Businessplänen und Finanzierung.

Finanzierung

Wer in Oberösterreich Kapital für sein Startup braucht, wird sowohl bei öffentlichen als auch privaten Geldgebern fündig. Mit Business Upper Austria hat auch Oberösterreich eine landeseigene Förderstelle; und mit dem OÖ Gründerfonds und dem Landes-VC OÖ HightechFonds zwei weitere Finanzierungsvehikel.

Auf privater Seite sind es vor allem erfolgreiche Gründer:innen, die über ihre Vehikel als Investor:innen agieren. Heraus stechen hier die Runtastic-Gründer mit ihrer gemeinsamen Investmentgesellschaft 8eyes, aber etwa auch Tractive-Gründer Michael Hurnaus, der schon vor seinem Rekord-Exit (siehe Abschnitt zu Exits) als Business Angel agierte. Mit startup300 nahm zudem das bislang wohl ambitionierteste heimische Angel-Netzwerk seinen Ausgang in Linz, zog sich aber bereits vor einigen Jahren schrittweise wieder zurück.

Auch Österreichs nach Assets under Management größter Private-Equity-Investor hat seinen Sitz in Oberösterreich: die Invest AG der Raiffeisenlandesbank Oberösterreich. Sie hat ein breites Portfolio unterschiedlicher Unternehmen, wobei Startup-Finanzierungen in den vergangenen Jahren eine immer größere Rolle spielen.

Der monumentale Knotenpunkt

Was hub’ert auf der organisatorischen Ebene ist, ist die Tabakfabrik Linz auf der physischen: Nicht alle, aber viele Fäden des oberösterreichischen Startup-Ökosystems laufen in der ehemaligen Fabrik zusammen — wo sonst in der Industriestadt? Auf den nicht weniger als 80.000 Quadratmetern Nutzfläche haben nicht nur zahlreiche Ökosystem-Player, sondern auch eine große Zahl an Startups ihren Sitz. Auch das einstmals denkbar ambitionierte Projekt startup300 wählte die Tabakfabrik als Hauptquartier — und betreibt hier heute unter anderem noch den Co-Working-Bereich factory300.

© Tabakfabrik Linz Peter Hofstätter

Spinoff-Schmieden und Österreichs jüngste Uni

Mit der IT:U (Interdisciplinary Transformation University Austria) hat Österreichs jüngste öffentliche Universität ihren Sitz in Linz. Neben einem neuen inhaltlichen Fokus auf digitaler Transformation und neuen Wegen in der Lehre setzt die IT:U von Beginn an auch auf eine Spinoff-Strategie. Dabei kann sie in Oberösterreich durchaus auf ein starkes Ökosystem aufbauen: Sowohl die Johannes Kepler Universität Linz (JKU) als auch die FH Oberösterreich können jeweils eine ganze Reihe erfolgreicher Spin-offs vorweisen. Außerdem setzen beide stark auf die Zusammenarbeit mit Industrie und Wirtschaft. Besonders deutlich wird das im Softwarepark Hagenberg: Dort betreibt die JKU Forschungsinstitute und die FH OÖ ihren IT-Lehr-Standort und den Coworking- und Inkubationsspace Bytewerk. Dabei werden Synergien mit dem außeruniversitären Comet-Zentrum Software Competence Center Hagenberg und mehreren Konzernen und großen Playern am Standort gelebt.

KI-Forschung von Weltrang

Wer die oberösterreichische Universitätslandschaft durch die Innovationsbrille betrachtet, kommt an KI-Koryphäe Sepp Hochreiter nicht vorbei. Der gebürtige Bayer gilt mit seiner Arbeit über Long Short-Term Memory (LSTM) als einer der globalen Wegbereiter der modernen KI. Bereits seit 2006 lehrt er an der JKU und leitet dort das Institut für Machine Learning. Bei der Lehre belässt Hochreiter es aber nicht: Mit dem Spinoff NXAI arbeitet er an der nächsten KI-Grundlage „xLSTM“ (Extended Long Short-Term Memory). Die ist wiederum Basis für spezialisierte KI-Modelle, die die globalen Größen in der jeweiligen Nische übertreffen. Der Schwerpunkt ist dabei — auch hier zeigt sich das oberösterreichische Ökosystem — Industrial AI. In diesem Feld bewegt sich auch das NXAI-Spinout Emmi AI, das mit seinem Exit an den französischen KI-Riesen Mistral dieses Jahr für Aufsehen sorgte.

Doch auch abseits der JKU entstehen in Oberösterreich KI-Startups, etwa das Linzer Unternehmen Straion, das dieses Jahr eine Seed-Finanzierungsrunde im Millionenbereich abschloss. Die Plattform des Startups stellt sicher, dass KI-generierter Code interne Standards, Sicherheitsanforderungen und Architekturvorgaben von Unternehmen einhält und damit „enterprise-ready“ ist.

Katrin Freihofner, Straion

Das Exit-Bundesland

Der oben erwähnte Verkauf von Emmi AI an Mistral um kolportierte mehr als 300 Millionen Euro war spektakulär — ist aber bei Weitem nicht der einzige große oberösterreichische Startup-Exit. Ebenfalls dieses Jahr gelang dem Paschinger Haustier-Tracking-Scaleup Tractive mit dem Verkauf an die italienische Bending Spoons um kolportierte 900 Millionen US-Dollar der vermutlich größte Übernahmedeal der heimischen Startup-Geschichte. Mehr als ein Jahrzehnt zuvor hatte der Exit von Runtastic an Adidas um 220 Millionen Euro maßgeblich zum ersten großen Startup-Hype in Österreich beigetragen. Die vier Runtastic-Gründer — Florian Gschwandtner, René Giretzlehner, Christian Kaar und Alfred Luger — wurden danach nicht nur über ihre Beteiligungsgesellschaft 8eyes selbst zu wichtigen Ökosystem-Playern: Tractive etwa wurde von Gschwandtner mitgegründet; bei Scaleups wie hello again waren die vier Gründer von Beginn an als Investoren an Bord.

  • 300 Mio. € – Verkauf von Emmi AI an Mistral
  • 900 Mio. $ – Verkauf von Tractive an Bending Spoons
  • 220 Mio. € – Exit von Runtastic an Adidas

Alte, neue und große Player

Als Industrie-Bundesland beheimatet Oberösterreich bekanntlich Größen wie voestalpine, Miba, KTM, FACC, Lenzing, Greiner oder Engel — um nur ein paar zu nennen. Einige davon sind längst ins Ausland verkauft, haben aber nach wie vor ihren Sitz in Oberösterreich. Hinzu kommen internationale Riesen wie BMW und Siemens, die im Bundesland konzernweit wichtige Standorte betreiben.

Doch auch Tech-Größen sind in Oberösterreich zu finden. In der Schnittmenge zwischen Industrie- und Tech-Unternehmen befindet sich Keba, das mit seinen Lösungen für industrielle Automatisierung zu den globalen Playern im Feld zählt und dabei massiv auf KI setzt — mehr dazu in der Coverstory mit Keba-CEO Christoph Knogler. So wie Keba stammt ebenfalls aus Linz das international erfolgreichste IT-Unternehmen mit Wurzeln in Österreich: Dynatrace. Seinen formellen Sitz hat der Observability-Weltmarktführer, bei dem Co-Founder Bernd Greifeneder nach wie vor CTO ist, zwar schon lange in den USA; der weltweit größte Standort ist jedoch in der Stahlstadt und wurde erst dieses Jahr mit einem neuen Campus erheblich ausgebaut.

Über Industrie und IT hinaus hat Oberösterreich noch ein drittes Aushängeschild: die Ars Electronica. Was 1979 als Festival an der Schnittstelle von Kunst, Technologie und Gesellschaft begann, ist heute eine vierteilige Institution aus Festival, Prix, dem Museum Ars Electronica Center und dem Futurelab. Letzteres ist für das Innovationsökosystem das relevanteste Element: Das Labor entwickelt gemeinsam mit Unternehmen Prototypen und Zukunftskonzepte und schlägt damit die Brücke zurück zur Industrie. Linz trägt seit 2014 den Unesco-Titel „City of Media Arts“.

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