25.08.2023

Was hinter dem Hype um Friend Tech steckt – und warum es starke Kritik gibt

Crypto Weekly #112: Diese Woche: Dem Kryptomarkt fehlen aktuell die Impulse. In der Szene sorgt aber eine neue Social-Media-Plattform für Aufsehen - und steht auch in der Kritik.
/artikel/crypto-weekly-112
Crypto Weekly
Foto: Adobe Stock

brutkasten Crypto Weekly ist unser wöchentliches Briefing zum Kryptomarkt und kann als Newsletter abonniert werden.

Crypto Weekly Newsletter
Abonniere unser wöchentliches Update zum Cryptomarkt. Was bewegt gerade den Markt und was gibt es zu wissen?
Jeden Freitag

Die Kurstafel:

📉 Bitcoin bei 26.000 Dollar – Markt fehlen Impulse

Wir starten mit einem Blick auf die Kurstafel: Nachdem sich der Bitcoin-Kurs über Wochen entlang der 30.000-Dollar-Marke bewegt hatte, war er bereits in der Vorwoche etwas abgerutscht – und zwar recht deutlich in Richtung 25.000 Dollar. In den vergangenen sieben Tagen bewegte sich der Kurs relativ wenig – in einer engen Bandbreite zwischen 25.500 und 26.800 Dollar. Auf 7-Tages-Sicht ergibt sich bei Bitcoin ein knappes Minus von einem Prozent. Bei den anderen großen Krypto-Assets ist das Bild ähnlich.

Dem Markt fehlen aktuell die Impulse. Im Juni hatte BlackRock mit seinem Antrag auf einen Bitcoin-ETF noch für die damals dringend benötigte gute Stimmung unter den Krypto-Anleger:innen gesorgt. Der Antrag befeuerte die Fantasie am Markt und trieb damit auch die Kurse an. 

Die Gründe waren klar: BlackRock ist der größte Vermögensverwalter der Welt. Schon dies allein ist ein starkes Zeichen. Dann kommt noch dazu, dass ETF-Anträge von BlackRock in der Vergangenheit von der US-Börsenaufsicht äußerst selten abgelehnt wurden (tatsächlich nur einmal!). Schnell zogen auch andere mit eigenen Anträgen für Bitcoin-ETFs nach. Die Freude am Markt war groß (siehe Crypto Weekly #106).

Allerdings: Solche News taugen durchaus dazu, kurzfristig die Kurse anzutreiben. Und ganz so kurzfristig war es im Juni nicht einmal. Dies lag wohl auch am größeren Kontext: Monatelang war die Börsenaufsicht in den USA scharf gegen (auch sehr große) Namen der Kryptoszene vorgegangen. Wenn da plötzlich ein Bitcoin-ETF genehmigt werden würde, würde das zumindest die schlimmsten regulatorischen Befürchtungen der Szene zerstreuen. Coinbase-CEO Brian Armstrong hatte beispielsweise mehr oder weniger direkt die Vermutung geäußert, dass die Behörde die Kryptobranche aus dem US-Markt drängen wolle. 

Aber bevor wir jetzt abschweifen: Klar ist jedenfalls auch, dass solche News den Markt nicht wochenlang tragen können. Schon gar nicht, wenn keine weiteren Entwicklungen folgen. Was natürlich völlig normal ist, denn die Mühlen der Behörden mahlen langsam und es braucht Zeit, bis so ein Antrag geprüft ist. Das ändert aber nichts daran, dass der Markt für eine Aufwärtsbewegung neue Impulse gebraucht hätte. 

Doch die kamen nicht. Dazu kommt noch die Sommerzeit, die an den Finanzmärkten traditionell als unspektakulär gilt. Die Gründe dafür sind banal und naheliegend: Es sind einfach viele Menschen auf Urlaub. An den Finanzmärkten führt dies dazu, dass die Liquidität sinkt – also insgesamt einfach weniger Geld im Markt ist. Die Kurse können dann mit weniger Geld bewegt werden. Dies begünstigt einerseits größere Kursausschläge. Andererseits bildet sich aber so auch schwerer eine klare Richtung am Markt heraus.

👯‍♂️ Friend Tech: Was hinter der Plattform steckt…

Innerhalb der Krypto-Szene hat zuletzt ein anderes Thema für Gesprächsstoff gesorgt: Die App Friend Tech (Eigenschreibweise: friend.tech). Der Name klingt ein bisschen nach einer Social-Media-Plattform der 2000er-Jahre – und es ist im Wesentlichen auch eine Social-Media-Plattform. Allerdings nicht unbedingt eine ganz klassische. 

Wir reden hier von der Krypto-Szene und daher ist es nicht überraschend, dass eines der zentralen Elemente der Plattform Monetarisierung ist. Oder etwas spezifischer ausgedrückt: Monetarisierung in Kombination mit Finanzspekulation. 

Anders als der Name vermuten ließe, ist Friend Tech aktuell nicht primär dazu da, um sich mit Freund:innen zu verbinden. Tatsächlich ist es derzeit eher eine Plattform zur Monetarisierung für Influencer. 

Technisch läuft die Plattform übrigens auf Base, der von der US-Kryptobörse Coinbase gestarteten Blockchain. Bei Base handelt es sich um eine sogenannte Layer-2-Lösung, also eine Blockchain, die auf einer anderen aufbaut – in diesem Fall Ethereum (siehe Crypto Weekly #92).

Und so funktioniert die Plattform: Jede:r User:in ist auf Friend Tech eine Art handelbares Asset – man kann Anteile an anderen User:innen kaufen und verkaufen. Kauft man eine solche “Aktie” einer Person, kann man dann beispielsweise mit der Person chatten. Verkauft man die Anteile wieder, ist diese Möglichkeit verschwunden. 

Der Preis der Anteile richtet sich nach Angebot und Nachfrage. Für Influencer:innen mit einem gewissen Bekanntheitsgrad ist dieses Konzept natürlich gut geeignet, um auf relativ einfache Weise ein Zusatzeinkommen zu lukrieren.

🤔 …und warum sie auch stark in der Kritik steht

So kam es auch: Tatsächlich sind nun rund zwei Wochen nach dem offiziellen Start bereits viele (mehr oder wenig) bekannte Persönlichkeiten aus der Krypto-Szene Friends Tech beigetreten. Aktuellen Zahlen der Analyseplattform Dune zufolge hat die Plattform bisher ein gesamtes Handelsvolumen von 47.800 ETH generiert – das sind umgerechnet etwa 79 Mio. US-Dollar. Insgesamt gab es demnach rund 2,1 Mio. Transaktionen.

Kritik gibt es jedoch ebenfalls schon reichlich. Auch aus der Kryptoszene selbst. Der Krypto-Trader und -investor Alex Wice etwa bezeichnete Friend Tech auf Twitter als “Ponzi Shitcoin”. User:innen der Plattform würden als “Exit Liquidity” fungieren. Anders formuliert: Das Geld, das sie einzahlen, nutzen Influencer, um wieder auszusteigen und dabei abzucashen.

Wice kritisiert weiters, dass Influencer:innen keinen Anreiz hätten, die Plattform weiter zu nutzen, sobald sie das Geld erhalten haben – anders als bei einem Abo-Modell.

Der Krypto-Fondsmanager Ari Paul wiederum formulierte auf Twitter mit Bezug auf die Krypto-Szene, dass sich Friend Tech “wie Aufgeben” anfühle. Ähnliche Projekte habe er sich schon vor fünf Jahren angesehen. Anstatt dass die Krypto-Szene “welche der schwierigen Probleme” löse, kapituliere sie vor “zentralisierter Spyware”, um Spaß zu haben. “Ich habe nichts gegen Friend Tech, es ist nur traurig, dass wir nichts Substanzielles schaffen können”, schrieb Paul weiter.

Daneben gibt es auch noch die Kritik, dass die gehandelten Token nach US-Recht womöglich als Wertpapiere einzustufen wären – ein altbekanntes Dauerthema in der Kryptoszene. Ob Friend Tech den ersten Hype überstehen wird oder schon in den nächsten Wochen wieder in der Bedeutungslosigkeit verschwinden wird (wie viele andere kurzzeitig gehypte Krypto-Projekte), wird sich zeigen müssen. Die erwähnten Kritikpunkte von Alex Wice und Ari Paul sind allerdings schwer von der Hand zu weisen.

Disclaimer: Dieser Text sowie die Hinweise und Informationen stellen keine Steuerberatung, Anlageberatung oder Empfehlung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren dar. Sie dienen lediglich der persönlichen Information. Es wird keine Empfehlung für eine bestimmte Anlagestrategie abgegeben. Die Inhalte von brutkasten.com richten sich ausschließlich an natürliche Personen.

Deine ungelesenen Artikel:
20.10.2026

Mit Wiener Startup: Stadtwerke Klagenfurt starten Inhouse-GPT-Projekt

Künstliche Intelligenz im Unternehmensalltag nutzen, ohne sensible Daten aus der Hand zu geben: Die Stadtwerke Klagenfurt machen gemeinsam mit dem Wiener Startup BReact vor, wie ein souveräner, DSGVO-konformer KI-Assistent funktionieren kann, unterstützt durch die IÖB-Toolbox-Förderung der Austria Wirtschaftsservice (aws).
/artikel/mit-wiener-startup-stadtwerke-klagenfurt-starten-inhouse-gpt-projekt
20.10.2026

Mit Wiener Startup: Stadtwerke Klagenfurt starten Inhouse-GPT-Projekt

Künstliche Intelligenz im Unternehmensalltag nutzen, ohne sensible Daten aus der Hand zu geben: Die Stadtwerke Klagenfurt machen gemeinsam mit dem Wiener Startup BReact vor, wie ein souveräner, DSGVO-konformer KI-Assistent funktionieren kann, unterstützt durch die IÖB-Toolbox-Förderung der Austria Wirtschaftsservice (aws).
/artikel/mit-wiener-startup-stadtwerke-klagenfurt-starten-inhouse-gpt-projekt
Die Stadtwerke Klagenfurt versorgen die Region unter anderem mit Strom, Gas, Fernwärme, Wasser und verantworten den öffentlichen Personennahverkehr. © Stadtwerke Klagenfurt

Ob E-Mails, vertrauliche Kunden-Dokumente oder interne Richtlinien: Viele österreichische Unternehmen haben verstanden, dass der Einsatz von künstlicher Intelligenz unausweichlich wird, stehen allerdings vor der Herausforderung, KI sicher in die eigenen Arbeitsabläufe zu integrieren. Bei den Stadtwerken Klagenfurt entschied man sich bewusst gegen Standard-Lizenzen externer US-Hyperscaler und entwickelte stattdessen eine maßgeschneiderte Inhouse-Lösung: den „Stadtwerke GPT“, auch liebevoll „Susi-Sorglos“ genannt.

Die Vision: Ein DSGVO-konformer „Büro-Buddy“

Das Hauptziel war von Beginn an klar definiert: eine sichere Umgebung zu schaffen, in der Mitarbeiter:innen Bedenken bezüglich des Datenschutzes komplett ausräumen können. „Wir wollten unseren Mitarbeitern einen souveränen, DSGVO-konformen Chatbot anbieten, den sie komplett bedenkenlos nutzen können, wo sie personenbezogene Daten von Kunden reinkopieren und vertrauliche Dokumente hochladen können“, erklärt Peter Weratschnig, IT-Bereichsleiter der Stadtwerke Klagenfurt.

Neben der Chatbot-Funktion dient die KI als intelligenter „Büro-Buddy“. Über ein Retrieval-Augmented-Generation-System (RAG) wurden ca. 2.000 Seiten an internen Dokumenten, von Konzernrichtlinien bis hin zu IT-Anleitungen, eingebunden, um Fragen zu regulatorischen Vorgaben oder Systembedienungen direkt zu beantworten.

Der Gamechanger: Die Austria Wirtschaftsservice (aws)-Förderung

Das Projekt hat man nicht alleine umgesetzt, sondern entstand durch den Kontakt mit dem Wiener KI-Startup BReact, das 2022 von Raphael Fakhir und Nemanja Klincov gegründet wurde. Der entscheidende Impuls für die Realisierung lag in der Förderlandschaft. Denn das finanzielle Gesamtinvestment bewegte sich im fast sechsstelligen Bereich, erklärte Weratschnig im Interview.

Hier kam die IÖB-Toolbox-Förderung der Austria Wirtschaftsservice (aws) als entscheidender Beschleuniger ins Spiel. „Ohne diese Förderung hätten wir es nicht gemacht“, betont Weratschnig rückblickend. Die Förderung reduzierte das finanzielle Risiko für die Stadtwerke entscheidend und machte den Weg frei für die gemeinsame Entwicklung mit dem Startup.

Das Förderungsprogramm aws IÖB-Toolbox richtet sich an öffentliche Beschaffer und hat den Zweck, die Planung und Umsetzung von IÖB-Challenges als innovativem Instrument der Markterkundung, juristische und/oder technische Expertise für die Erstellung von Unterlagen für eine geplante Ausschreibung (Modul Prepare), sowie die Durchführung von innovativen Beschaffungen (Modul Transfer) zu ermöglichen. Damit sollen Anreize für eine verstärkte Innovationsnachfrage durch den öffentlichen Sektor gesetzt werden, insbesondere für Vorhaben mit positiven Beiträgen in den Bereichen Nachhaltigkeit und Digitalisierung.

Europäische KI-Architektur On-Premise

Auch technisch setzten die Partner auf digitale Souveränität: Als Sprachmodell dient ein Modell des französischen KI-Unternehmens Mistral, das Mitte des Jahres auch das Linzer Startup EmmiAI kaufte. Die Datenhaltung erfolgt laut Weratschnig ausschließlich On-Premise in eigenen IT-Systemen. Lediglich die reine GPU-Rechenleistung wird bei einem italienischen Anbieter angemietet. „Sobald das Modell nachdenkt, tut es das in dieser Infrastruktur ohne persistente Datenspeicherung. Danach sind keine Datenspuren außerhalb unseres IT-Systems zu finden“, erklärt der IT-Bereichsleiter. Das Resultat ist der angestrebte „Susi Sorglos“-Bot für den internen Arbeitsalltag.

Große Begehrlichkeiten & wertvolle Erkenntnisse

Nach der schrittweisen Bereitstellung als internes Web-Service stieß das Tool auf enormes Interesse in den Fachbereichen. Neben Fachfragen zu Richtlinien entstehen bereits Ideen für eigene Teil-Wissensdatenbanken oder interaktive Schulungsassistenten.

Gleichzeitig liefert das Projekt wertvolle Erkenntnisse für künftige KI-Initiativen. „Der Benefit aus unseren Lessons Learned ist fast ebenso hoch einzustufen wie das Tool an sich“, fasst Weratschnig zusammen. Seine zentralen Ratschläge an andere Unternehmen: Von Beginn an die eigene IT-Architektur und Lieferkette der Dienstleister genau prüfen sowie die Qualität der zugrundeliegenden Analog-Dokumente gründlich analysieren.


Disclaimer: Dieser Artikel ist im Rahmen einer Medienbeauftragung mit der Austria Wirtschaftsservice (aws) entstanden.

Toll dass du so interessiert bist!
Hinterlasse uns bitte ein Feedback über den Button am linken Bildschirmrand.
Und klicke hier um die ganze Welt von der brutkasten zu entdecken.

brutkasten Newsletter

Aktuelle Nachrichten zu Startups, den neuesten Innovationen und politischen Entscheidungen zur Digitalisierung direkt in dein Postfach. Wähle aus unserer breiten Palette an Newslettern den passenden für dich.

Montag, Mittwoch und Freitag

AI Summaries

Was hinter dem Hype um Friend Tech steckt – und warum es starke Kritik gibt

AI Kontextualisierung

Welche gesellschaftspolitischen Auswirkungen hat der Inhalt dieses Artikels?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

Was hinter dem Hype um Friend Tech steckt – und warum es starke Kritik gibt

AI Kontextualisierung

Welche wirtschaftlichen Auswirkungen hat der Inhalt dieses Artikels?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

Was hinter dem Hype um Friend Tech steckt – und warum es starke Kritik gibt

AI Kontextualisierung

Welche Relevanz hat der Inhalt dieses Artikels für mich als Innovationsmanager:in?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

Was hinter dem Hype um Friend Tech steckt – und warum es starke Kritik gibt

AI Kontextualisierung

Welche Relevanz hat der Inhalt dieses Artikels für mich als Investor:in?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

Was hinter dem Hype um Friend Tech steckt – und warum es starke Kritik gibt

AI Kontextualisierung

Welche Relevanz hat der Inhalt dieses Artikels für mich als Politiker:in?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

Was hinter dem Hype um Friend Tech steckt – und warum es starke Kritik gibt

AI Kontextualisierung

Was könnte das Bigger Picture von den Inhalten dieses Artikels sein?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

Was hinter dem Hype um Friend Tech steckt – und warum es starke Kritik gibt

AI Kontextualisierung

Wer sind die relevantesten Personen in diesem Artikel?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

Was hinter dem Hype um Friend Tech steckt – und warum es starke Kritik gibt

AI Kontextualisierung

Wer sind die relevantesten Organisationen in diesem Artikel?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

Was hinter dem Hype um Friend Tech steckt – und warum es starke Kritik gibt