08.04.2022

The Naturist: Startup macht veganes Fleisch aus Hanf für nackte Menschen

The Naturist will mit der proteinreichen und fettarmen Nährstoffkombination des veganen Fleischersatzes "Crump" aus Hanf und Erbsen punkten.
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Sujet aus einer Werbekampagne für das vegane Fleisch Crump aus Hanf | (c) The Naturist
Sujet aus einer Werbekampagne für das vegane Fleisch "Crump" aus Hanf | (c) The Naturist

Vegane Fleischersatzprodukte gibt es inzwischen einige am Markt. Doch nicht alle davon sind gesund und versorgen Essende mit den richtigen Nährstoffen, meint an beim estnischen Startup The Naturist. In zwei Jahrzehnten Forschungsarbeit will man nun die „perfekte Formel“ für veganes Fleisch gefunden haben. Die entscheidende Zutat im Produkt „Crump“ ist Hanf. „Es ist das erste vegane Fleisch der Welt, das mehr Protein und weniger Fett als Fleisch enthält und gleichzeitig ein ausgewogenes Aminosäureprofil aufweist“ meint Gründer und CEO Jürgen Jürgenson. „Crump“ ist laut Startup „geschmacksneutral“ und wird als getrocknetes Granulat verkauft.

Aus Gesundheitsgründen wieder weg vom Veganismus?

Viele Veganer:innen müssten aus gesundheitlichen Gründen wieder mit der rein pflanzlichen Ernährung aufhören, obwohl diese erwiesenermaßen erheblich besser in Sachen CO2- und Wasserverbrauch ist, heißt es in einer Aussendung des Startups: „Veganes Fleisch soll diese Ernährungslücke schließen, aber viele Produkte, die derzeit in den Regalen stehen, haben sich nicht nur als ungesund erwiesen, sondern auch als weniger nachhaltig als zunächst angenommen. Das Hauptrisiko geht von Sojafleisch aus“. Denn Soja oxidiere bei der Verarbeitung leicht und setzt dabei Tausende von mehrfach ungesättigte Fettsäuren frei, die Herzkrankheiten und Herz-Kreislauf-Probleme verursachen.

Crump: Crowdfunding für veganes Hanffleisch mit viel nackter Haut

“Uns war klar, dass wir uns nicht an die konventionellen Inhaltsstoffe halten konnten, die derzeit für die Herstellung von Fleischalternativen verwendet werden“, erzählt Jürgen Jürgenson. „Nach Experimenten mit Pilzen, Hafer und Weizen wurde uns klar, dass keine dieser Inhaltsstoffe das Problem lösen konnte, denn wenn sie nicht stark verarbeitet sind, was wir auch vermeiden wollten, liefern sie nicht genügend Protein. Wir fragten uns dann, warum wir nicht mit einer Pflanze experimentieren, die normalerweise als Appetitanreger verwendet wird? Da kam unser ‚Aha-Moment'“. Hanf sei nicht nur eine sehr resistente Pflanze, die in vielen Anbauregionen angebaut werden kann. Er biete zudem „eine einzigartige Nährstoffzusammensetzung, die Fleisch in einer veganen Ernährung ersetzen kann“.

Derzeit läuft der Marktstart von „Crump“ mit einer Kampagne auf der Crowdfunding-Plattform Indiegogo. Was in den Werbesujets vor allem auffällt ist viel nackte Haut – der Firmenname „The Naturist“ lässt auch nichts anderes erwarten. Man wolle damit auch zeigen, dass man mit dem Produkt nicht dick werde, meinte Co-Founder und CMO Taavid Mikomägi gegenüber dem estnischen Magazin foundme.

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v.l.n.r: Daniela Gassner (RLB), Steve Jeitler (Business Angel), Verena Kraßnig (RLB), Georg Lackner (SUPASO), Olivia Pinter (RLB), Fabian Gems (SUPASO), Jörg Schönbacher (FMMS) | (c) Supaso

Im Juli 2025 hatte Supaso am Rande des Business Angel Summit in Kitzbühel angekündigt, eine Finanzierungsrunde vorzubereiten (brutkasten berichtete). Diese Runde ist nun abgeschlossen: Angeführt wird sie von der Gerald Jeitler GmbH, beteiligt sind außerdem die Raiffeisen-Landesbank (RLB) Steiermark und die FMMS Beteiligungs GmbH.

Die Supaso FlexCo aus Hartberg produziert Isolierverpackungen aus recyceltem Altpapier, die Styropor (EPS) in der temperaturgeführten Logistik ersetzen sollen. Mit dem Kapital will das Unternehmen seine Produktionskapazitäten ausbauen und international wachsen. Zur Höhe des Investments macht Supaso allerdings keine Angaben.

Transportkosten begrenzen den Lieferradius

„Das größte Problem bei Verpackung ist natürlich die Distanz“, sagt Mitgründer Fabian Gems im Gespräch mit brutkasten. Gut liefern lasse sich in einem Radius von 300 bis 400 Kilometern. „Alles, was darüber hinausgeht, geht meistens auf die eigene Marge, weil die Transportkosten einfach steigen.“

Gems nennt dazu Zahlen: Der Warenwert einer LKW-Ladung liege zwischen 6.000 und 8.000 Euro, die Transportkosten nach Madrid bei 3.500 Euro. Eine Zustellung in die Schweiz inklusive Verzollung kostete im Vorjahr 1.900 Euro, mittlerweile 2.700 Euro. Weitergeben lasse sich das nur bedingt, ohne näher gelegenen Wettbewerbern eine Chance zu geben.

Fünf Partner, erste Pilotanlage ab Q1

Supaso setzt deshalb auf ein Machine-as-a-Service-Modell, das unter dem Namen Modular Up Cycling Hub (MUCH) vorbereitet wird: Statt fertige Dämm-Inlays quer durch Europa zu transportieren, sollen Partnerbetriebe mit eigenem Papier- und Kartonabfall vor Ort produzieren. Das Kapital fließt laut Gems in die Serienreife der Produktionslinien und in erste Testpiloten im In- und Ausland.

Fünf Partner hat Supaso nach eigenen Angaben identifiziert, darunter ein Styroporhersteller, der selbst unter Druck steht. Der Start ist für das erste Quartal des kommenden Jahres geplant, zunächst mit einer Anlage. Zwei weitere sollen nach Möglichkeit folgen. Die Validierungsphase soll bis etwa 2028 laufen, danach ist die nächste Finanzierungsrunde vorgesehen. Als besonders dynamische Märkte nennt Gems Kroatien und Slowenien.

Wie abgerechnet wird, ist offen. Getestet werden Varianten von der Leasinganlage mit Lizenzgebühr bis zu Pay-per-Use. Eine eigene Großfabrik schließt Gems aus: „Davon bin ich absolut nicht überzeugt. Wir wollen uns direkt in die Wertschöpfungskette bei Verpackungs- und Kartonageherstellern und Papierfabriken einbauen.“

Bewusst österreichische Investoren

Seit dem Business Angel Summit in Kitzbühel im Vorjahr habe man mit vielen Kandidaten gesprochen und dabei eine Erkenntnis gewonnen, so Gems: „So ein ganz klarer VC-Fall sind wir nicht.“ Man sei erstens Hardware und zweitens relativ erklärungsbedürftig. Die Präferenz sei deshalb auf österreichisches Kapital mit langem Atem gefallen, einen Exit in zwei Jahren strebe man nicht an: „Wir wollen das jetzt wirklich groß machen.“

Die FMMS Beteiligungs GmbH mit Sitz in Frohnleiten wurde Ende 2024 im Firmenbuch eingetragen und gehört zur FMMS Holding GmbH, der Beteiligungsholding von Franz Mayr-Melnhof-Saurau. Zum Portfolio zählen die Mayr-Melnhof Holz Holding, der größte Privatforstbetrieb Österreichs und ewe Küchen, insgesamt rund 2.000 Mitarbeitende in vier Ländern. Als Schwerpunkte nennt die Holding unter anderem Ressourcenwirtschaft und Greentech.

Die RLB Steiermark bringt neben Kapital vor allem Know-how bei der Ausgestaltung der Abrechnungsmodelle ein, sagt Gems – ein Punkt, der bei einem noch offenen Machine-as-a-Service-Geschäftsmodell zwischen Leasing und Pay-per-Use nicht unerheblich ist. Die Landesbank, die als größte Regionalbank im Süden Österreichs auftritt, hat ihr Beteiligungsgeschäft zuletzt gezielt ausgebaut: Für Startups, Scaleups und KMU steht ein Beteiligungsvolumen von 100 Millionen Euro bereit, wovon bereits 40 Millionen Euro investiert sind. Nachhaltige und regionale Zukunftsbranchen zählen dabei explizit zu den Investitionsschwerpunkten der Bank

Supaso wurde 2021 gegründet. Im August 2023 zählte das Unternehmen 190 Kund:innen in neun Ländern (brutkasten berichtete), im Juli 2025 über 300 in zehn Ländern, aktuell sind es nach eigenen Angaben „Hunderte“ in zwölf europäischen Ländern. Die Nachfrage nach kreislauffähigen Verpackungen wird unter anderem durch die europäische Verpackungsverordnung (PPWR) getrieben.

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