Crowd4Climate: Wiener Crowdinvesting-Plattform heißt nun klimja
Nach dem "Impact First"-Ansatz hat sich die bisher unter Crowd4Climate bekannte Social Enterprise neu gebranded: Unter dem neuen Namen klimja kann ab sofort in Klimaschutzprojekte investiert werden.
Die Klimaschutz-Plattform und Social Enterprise Crowd4Climate, auf der Anleger:innen in Österreich und Deutschland Direktinvestments in Klimaschutzprojekte tätigen können, erzielte erst letztes Jahr ein Investitionsvolumen in Höhe von 1,5 Millionen Euro (brutkasten berichtete). Nun steht ein weiterer Meilenstein fest: Crowd4Climate tritt ab sofort unter der neuen Marke klimja auf.
Crowd4Climate wird zu klimja
Angaben des in Wien und Frankfurt am Main sitzenden Unternehmens nach soll das Rebranding eine „klarere und vereinfachte Positionierung“ signalisieren. Der Fokus der 2015 gegründeten Social Enterprise liegt auf „grünen und nachhaltigen Geldanlagen“ sowie auf der „Finanzierung von Klimaschutzprojekten in Europa und im Globalen Süden“.
Das Rebranding steht im Zeichen eines erfolgreichen, vergangenen Geschäftsjahres, heißt es: Angaben des Unternehmens zufolge soll sich die letztjährige Investitionssumme, die über die Plattform in Klimaschutzprojekte investiert wurde, im Vergleich zum Jahr 2022 um 50 Prozent gesteigert haben. Insgesamt wurden über 700 Einzelinvestments über die Crowdinvesting-Plattform getätigt. Die durchschnittliche Investitionssumme liegt bei rund 2.100 Euro, gibt die Social Enterprise an.
Investitionssumme soll verdoppelt werden
Das Durchschnittsalter der in Klimaschutzprojekte Investierenden lag indes bei 48 Jahren, die Altersspanne reichte im vergangenen Jahr von 18 bis 85. Das Rebranding zu klimja soll nun auf eine Steigerung der Investitionssumme abzielen – vor Augen habe man ein jährliches Investitionsvolumen von drei Millionen Euro.
Die neue Marke klimja, unter der die Klimaschutz-Plattform nun vorzufinden ist, soll außerdem dem Leitbild „Investition, Information und Information“ folgen, wie CEO Stefan Kainz kommuniziert: „Über unsere neue Online-Plattform ermöglichen wir weiterhin nachhaltige Geldanlagen für Privatpersonen sowie kleine bis mittelständische Unternehmen.“
Fokus auf finanzielle Bildung
Klimja soll ab sofort allerdings einen stärkeren Fokus auf finanzielle Bildung legen und Anleger:innen besser über themenbezogene Aspekte informieren, „damit sie fundierte Entscheidungen im Hinblick auf ihre Finanzen treffen können“, erklärt Kainz weiter und meint: „Nicht zuletzt tragen wir mit klimja aktiv zum öffentlichen Diskurs über verantwortungsvolle Geldanlagen bei, wobei wir nicht nur die wirtschaftliche Perspektive, sondern auch die soziale und ökologische Dimension maßgeblich berücksichtigen.“
Die neue Plattform will zudem als Investment- und „nicht als Spendenplattform“ gesehen werden. Klimja definiert konkret drei Renditen für Anleger:innen – nämlich finanzielle, soziale und ökologische. In puncto „sozialer Rendite“ erwähnt Kainz die Sicherstellung der „Förderung von Bildungsmöglichkeiten durch Solarenergie in Subsahara-Afrika oder die Schaffung neuer Arbeitsplätze zur Armutsreduktion, was bei jedem Projekt erfasst und nach erfolgreicher Finanzierung transparent gemacht werden soll.
klimja: Investments ab 250 Euro möglich
Ein Investment ist bei klimja schon ab einer Summe von 250 Euro möglich. Die maximale Summe liege bei 25.000 Euro für Privatpersonen, bei Unternehmen sei die Grenze höher. Aktuell stehen zwei Projekte zur Auswahl, darunter die Förderung der Energiewende in Afrika sowie die Anschaffung von zwei Rammmaschinen für PV-Installationen in Österreich.
Neue Geschäftsführerin erst seit September
Seit September 2023 verstärkt zudem Verena Riedler das Leadership Team bei Crowd4Climate. Mit dem Einstieg in die Geschäftsführung kündigte die neue Mitarbeiterin an, neue Standards am Investmentmarkt setzen zu wollen. Riedler trat an die Seite von Stefan Kainz und Oliver Percl, die beide zusätzlich die Geschäftsführung für die Zweitniederlassung in Deutschland innehaben. Die Social Enterprise befindet sich im Besitz der C.E.L.L. Investment GmbH sowie der ÖGUT GmbH.
Die EU fördert neue Wasserstoffprojekte in Serbien. Deutschland sieht in dem Land gar einen möglichen Lieferanten für Europa. Vor Ort zeigt sich: Es fehlen Strom aus Wind und Sonne, klare Regeln und eine Verwaltung, die sie umsetzt. Chancen für die internationale Wirtschaft gibt es trotzdem, nur nicht dort, wo man sie zuerst vermutet.
Die EU fördert neue Wasserstoffprojekte in Serbien. Deutschland sieht in dem Land gar einen möglichen Lieferanten für Europa. Vor Ort zeigt sich: Es fehlen Strom aus Wind und Sonne, klare Regeln und eine Verwaltung, die sie umsetzt. Chancen für die internationale Wirtschaft gibt es trotzdem, nur nicht dort, wo man sie zuerst vermutet.
Ein Elektrobus der Belgrader Verkehrsbetriebe lädt an einer Schnellladestation von Siemens. | (c) Alexandra Polic
Belgrad steht. Auto an Auto schiebt sich durch die Stadt, dazwischen fahren Busse, die ihr erstes Leben woanders verbracht haben: in Deutschland oder in Österreich zum Beispiel. Manche tragen noch die alten Aufkleber. „Notausstieg” steht da auf Deutsch auf einem Fenster, mitten in Serbiens Hauptstadt.
Es verwundert also wenig, dass einem in neun Tagen in Serbien nur eine einzige Haltestelle mit E-Bussen auffällt. Immerhin gab es die zu Lebzeiten der nun serbischen Busse in deutschsprachigen Ländern kaum. Aufhalten lassen sich ausländische Firmen dadurch nicht. In Belgrad verkauft etwa der chinesische Konzern BYD Elektroautos. Nur: Auf der Straße sieht man kaum welche. Trotzdem sollen ausgerechnet hier, in einem Land mit fossilem Antrieb, neue Wasserstoffprojekte entstehen, gefördert aus europäischen Ländern, zum Teil sogar aus Mitteln der EU. Woran liegt das?
Europas große Wette auf grünen Wasserstoff
Zum einen drängen die Ziele: Bis 2030 will die EU zehn Millionen Tonnen grünen Wasserstoff selbst produzieren und ebenso viel importieren. So steht es im REPowerEU-Plan. Es ist eines der ambitioniertesten industriepolitischen Vorhaben der Union und ein zentrales Werkzeug, um im Wettbewerb mit den USA und China zu bestehen. Der Draghi-Report 2024 nennt hohe Energiekosten und Importabhängigkeit als Hauptgrund, warum Europas Industrie zurückfällt. Seine Forderung: dekarbonisieren.
Grüner Wasserstoff kann dabei helfen. Er funktioniert dort, wo direkte Elektrifizierung an Grenzen stößt, etwa in Stahl, Chemie, Schifffahrt und Schwerlastverkehr, und ersetzt fossile Importe. Er ist Klima-, Industrie- und Souveränitätspolitik in einem. Hergestellt wird er in Elektrolyseuren: Anlagen, die Wasser mithilfe von Strom in Wasserstoff und Sauerstoff spalten. Grün ist er nur, wenn der Strom aus erneuerbaren Quellen wie Wind, Sonne oder Wasserkraft stammt.
Aber der Hochlauf stockt. Die Produktion ist teuer, die Infrastruktur fehlt. 2024 waren in der EU laut European Hydrogen Markets Monitoring Report 308 Megawatt Elektrolysekapazität installiert. Vorgesehen waren 6.000. Bis 2030, so sieht es die EU-Wasserstoffstrategie vor, sollen es 40.000 werden.
Serbien: Ein Kandidat ohne Plan
Während Spanien als Vorreiter gilt und in Österreich mit 140 Megawatt die bisher größte Elektrolyseanlage des Landes entsteht, versuchen europäische Akteure auch den serbischen Markt zu erschließen. Dabei fehlt Serbien bis heute eine nationale Wasserstoffstrategie.
Politisch ist das Land seit 2012 EU-Beitrittskandidat und aktuell so weit von einer Mitgliedschaft entfernt wie lange nicht. Im jüngsten Fortschrittsbericht attestierte die EU-Kommission Serbien das schlechteste Zeugnis aller Kandidaten, die Reformen seien zum Stillstand gekommen. Proteste, Korruptionsvorwürfe und Neuwahlen Ende Oktober halten das Land in Aufruhr. Kann aus einem Beitrittskandidaten ohne Strategie ein Energiepartner werden? Und was heißt das für alle, die dort investieren wollen?
Im Navigator Business Center in Novi Beograd sind zahlreiche Unternehmen und Startups angesiedelt. | (c) Alexandra Polic
Keine Nachfrage für Wasserstoff
„Alle vier Jahre wird Wasserstoff zum wichtigsten Thema, und dann verschwindet er wieder von der Agenda. Gerade sind wir eher unten auf der Kurve. Die Investitionen rund um Wasserstoff sind so niedrig wie seit Jahren nicht”, sagt Rahul Mishra, Co-Founder von The Energy Bridge. Die Wiener Plattform bringt Forscher:innen, Unternehmer:innen und Investor:innen zusammen. „Serbien ist auf jeden Fall ein interessanter Ort für erneuerbare Energien. Was grünen Wasserstoff betrifft, bin ich mir allerdings nicht so sicher”, sagt Mishra. Grüner Wasserstoff mache nur dort Sinn, wo es bereits einen hohen Anteil an erneuerbarer Energie gebe.
Aber von Serbiens heimischer Energieproduktion entfielen laut Daten der Internationalen Energieagentur (IEA) 2024 rund 70 Prozent auf fossile Brennstoffe, während Sonne, Wind und andere Erneuerbare zusammen nur etwa 1,4 Prozent beitrugen. Damit fehlt genau die Voraussetzung, die Mishra nennt. Dazu kommt ein Richtungswechsel in Brüssel: Mit ihrem im Juli präsentierten Elektrifizierungsplan setzt die EU-Kommission stärker auf Strom als auf Wasserstoff.
Tiefschwarz
Viele Menschen in Serbien sagen unabhängig voneinander das Gleiche: dass das Land tiefschwarz ist. Schwarz steht in diesem Fall für Kohle. Wasserstoff ist in Serbien ein Thema für einen kleinen Kreis von Fachleuten. Selbst manche Institutionen zeigten sich auf Anfrage überrascht, dass es solche Projekte im Land gibt. Das serbische Energieministerium hat auf Anfragen nicht reagiert.
Warum Projekte feststecken
Dabei haben in den vergangenen Jahren vor allem deutsche Firmen versucht, den serbischen Wasserstoff-Sektor aufzubauen. Laut Informationen der Deutsch-Serbischen Wirtschaftskammer (AHK) steckt ein Pilotprojekt gerade wegen regulatorischer Probleme in der Planung fest. Selbst für Pilotprojekte fehlen also Verordnungen, etwa zur Sicherheit.
Erst im Jänner hat Serbien ein nationales Gesetz zu CO₂-Emissionen eingeführt, das dem EU-Emissionshandel entsprechen soll. Wasserstoff fehlt darin, obwohl er unter den EU-Grenzausgleich CBAM fällt. Die Kammer hatte dessen Aufnahme in der öffentlichen Konsultation gefordert, blieb damit aber erfolglos.
Viele Ankündigungen, wenig Umsetzung
Ilija Batas-Bjelić forscht am Institut für Technische Wissenschaften der Serbischen Akademie der Wissenschaften und Künste (SANU). Er modelliert Energiesysteme, mit dem seines Landes hat er sich umfassend auseinandergesetzt. Sein Fazit: „Im Grunde gibt es hier kein System.” Ein echtes Energiesystem verbindet viele verschiedene Komponenten zu einem funktionierenden Ganzen: Kraftwerke, Netze, Verbraucher:innen sowie unterschiedliche Sektoren wie Strom, Wärme und Transport. In Serbien fehlt diese Verzahnung bisher.
Laut Batas-Bjelić liegt das Land in der Energiewende rund zwanzig Jahre zurück, weil Kohle für das Finanzministerium die zentrale Einnahmequelle bleibt und notfalls sogar importiert wird. Das Energieministerium habe zwar viel Arbeit in Regulierung und Gesetzgebung gesteckt, aber für die Umsetzung fehle alles: das Geld, das Fachpersonal und die Infrastruktur. „Es gibt viele Ankündigungen, aber es passiert nichts”, sagt er.
Wer trotzdem baut
„Generell halte ich Wasserstoff für diese Region für etwas zu teuer”, sagt der Forscher. „Von Fall zu Fall kann sich Wasserstoff wirtschaftlich lohnen und für Banken finanzierbar sein”, erklärt er. Den Anstoß erwartet er vor allem von kleineren Unternehmen. Solarstrom und PV-Anlagen seien billig, die Gasversorgung bleibe unsicher. Wer eine eigene PV-Anlage betreibt, könne damit auch vor Ort Wasserstoff erzeugen.
Die Theorie bestätigt sich in der Praxis. Nach Informationen aus dem Umfeld der deutschen Entwicklungsbank KfW kommt derzeit nur ein Wasserstoffprojekt im Land wirklich voran: das eines privaten Transportunternehmens nahe Belgrad. Es will Strom aus einer eigenen Solaranlage in Wasserstoff für die eigenen Lkw umwandeln, die Tankstelle soll bis Mitte 2027 in Betrieb gehen. Das Projekt ist aus Eigenmitteln finanziert. Der Aufwand für Förderungen stand in keinem Verhältnis zur Summe. Wer in Serbien auf Wasserstoff setzt, ist bisher auf sich allein gestellt. Aber was heißt das für jemanden, der investieren will?
Wo der Markt wirklich liegt
Die Gesprächspartner:innen zeigen alle in dieselbe Richtung, und sie zeigt nicht auf Wasserstoff. Batas-Bjelić beobachtet, dass derzeit ausschließlich kleine Solarprojekte tatsächlich gebaut werden, während größere Vorhaben liegen bleiben, und erwartet den Anstoß von Unternehmen selbst. Wer in Serbien in Erneuerbare investieren will, muss also kleiner denken: bei Anlagen für den Eigenverbrauch von Betrieben.
Die Deutsch-Serbische Wirtschaftskammer verweist auf eine konkrete Lücke, die auch für österreichische Investor:innen interessant sein könnte: Deutsche Firmen haben in Serbien längst selbst Photovoltaik installiert und ihre Prozesse optimiert, um auf das CO₂-Grenzausgleichssystem CBAM der EU vorbereitet zu sein. Ihre kleineren serbischen Zulieferer haben das nicht. Deren Emissionen schlagen nämlich auf die Klimabilanz ihrer internationalen Abnehmer durch. Und genau dort sei Raum für Investitionen.
Für alle Bereiche rät Daniel Schaub von The Energy Bridge, lokale Akteure einzubeziehen. „Wenn die Community rund um ein Projekt dagegen ist, wird es mit hoher Wahrscheinlichkeit scheitern. Die Community einzubinden, senkt dieses Risiko, und das ist bei Investitionen wichtig.” Wissenstransfer und lokale Arbeitsplätze gehören für ihn dazu.
Bei grünem Wasserstoff ist Serbien noch nicht so weit. Wer dort trotzdem investieren will, sollte beim Fundament anfangen, gemeinsam mit den Menschen vor Ort.
Dieser Beitrag ist im Rahmen von „eurotours 2026″ entstanden, einem Projekt des Bundeskanzleramts, finanziert aus Bundesmitteln.
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