14.10.2025
ÜBERNAHME

Cropster: Innsbrucker Kaffee-Software-Scaleup kauft Mitbewerber aus Südkorea

2008 in Innsbruck gegründet, zählt Cropster Starbucks zu seinen Referenzkunden. Seit 2024 ist Growth-Investor Verdane als Mehrheitseigentümer an Bord. Nun übernahm Cropster seinerseits den Mitbewerber Firescope aus Südkorea.
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Die Cropster-Gründer (vlnr.) Norbert Niederhauser, Andreas Idl und Martin Wiesinger | (c) Cropster
Die Cropster-Gründer (vlnr.) Norbert Niederhauser, Andreas Idl und Martin Wiesinger | (c) Cropster

Was braucht es für guten Kaffee? Zu dieser Frage haben wohl sehr viele Menschen eine Meinung. Was dabei aber wahrscheinlich wenigen gleich in den Sinn kommt, ist Software. 2008 gegründet, tritt das Innsbrucker Scaleup Cropster seit vielen Jahren den Beweis an, dass auch in der Kaffee-Branche die richtige IT-Unterstützung eine essenzielle Zutat ist.

Sämtliche Kaffee-Röster-Weltmeister und Starbucks nutzen Cropster

Das Unternehmen rühmt sich, jeden einzelnen Kaffee-Röster-Weltmeister seit Start des Wettbewerbs zu seinen Kunden zu zählen. Und auch der globale Kaffeehaus-Riese Starbucks und die US-Supermarkt-Kette Whole Foods finden sich unter den Referenzen aus insgesamt mehr als 100 Ländern. Ihnen bietet Cropster eine Reihe von Tools, die unter anderem Datenanalysen in Echtzeit liefern, mit denen Kunden „Qualität, Konsistenz, Effizienz und Rentabilität nachhaltig verbessern“ können sollen.

Verdane lieferte Wachstumskapital…

Der Erfolg des Scaleups überzeugte vergangenes Jahr auch den europäischen Growth-Investor Verdane, der sich eine Mehrheit am Unternehmen sicherte – brutkasten berichtete. Das Cropster-Gründer-Trio Andreas Idl, Norbert Niederhauser und Martin Wiesinger hält laut aktuellen Firmenbuch-Angaben zusammen noch knapp unter 30 Prozent der Anteile.

…das nun eingesetzt wird

Schon anlässlich dieses Deals kündigte Cropster an, mit dem Kapital Akquisitionen innerhalb der Branche zu planen. Die erste davon wurde nun kommuniziert: Das Scaleup übernimmt den südkoreanischen Mitbewerber Firescope, der sich mit seiner Software-Lösung auf kleine Röstereien spezialisiert hat und mehr als 3.000 Kunden in Korea, Japan und weiteren asiatischen Ländern hat. Die Software soll innerhalb der kommenden zwölf Monate in das Portfolio von Cropster integriert und damit Kunden auf der ganzen Welt verfügbar gemacht werden. Das Innsbrucker Scaleup will seinerseits die Reichweite von Firescope nutzen, um seine Präsenz im asiatischen Markt zu stärken.

Cropster plant weitere Übernahmen

„Unsere Vision ist es, die gesamte Kaffeelieferkette zu digitalisieren, von der ersten Produktion über den Röst- und Verkaufsprozess bis hin zum Vertrieb über Cafés. Firescope ist ein wichtiger Teil des Puzzles“, sagt Cropster-Co-Founder und CEO Andreas Idl. Und er stellt klar: „Wir planen, mehrere weitere Unternehmen zu übernehmen, um unsere ‚crop-to-cup‘-Vision zu verwirklichen.“ Und Ralph Karg, Director bei Verdane, kommentiert: „Asien spielt eine entscheidende Rolle in der Expansion im Spezialitätenkaffee-Segment, und mit dieser Vereinbarung positioniert sich Cropster nun als führender Anbieter in der gesamten Region.“

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Nikki Godley bei der uxcon Vienna 2026. | © Philipp Lipiarski

Begonnen hat alles als Geldwechsel-Startup, mittlerweile ist es weitaus mehr. Vor zehn Jahren gründete Wise den Zweig Wise Platform, wodurch das Scaleup seine Zahlungsinfrastruktur auch Banken und Finanzinstituten zur Verfügung stellte. Dabei soll die Plattform in der Wise-Gruppe wie ein Startup agieren: wendig, agil und schnell. Der brutkasten sprach im Zuge der uxcon Vienna mit Design Director Nikki Godley, die maßgeblich für die Strategie hinter der Marken- und Designbildung von Wise Platform verantwortlich ist.

Eine eigene Marke in der Wise-Gruppe

Wise, gegründet für private Personen, ermöglicht es seinen Kunden, Geld in andere Währungen zu wechseln. Wise Platform stellt dieses Netzwerk nun im B2B-Bereich u. a. Banken zur Verfügung. Eine der größten Herausforderungen bei der Markenbildung und im Design von Wise Platform sei gewesen, sich im B2B-Segment etablieren zu können, ohne zu nahe am Kernprodukt aus dem B2C-Bereich zu stehen und trotzdem die Zugehörigkeit zum Wise-Universum zu verkörpern, erklärt Godley. „Wir haben uns Inspiration von Wise geholt, nämlich ‚the world’s money‘. Damit meine ich z.B. den 3D-Stil für Custom-Animations. Wir haben dann versucht, das Ganze etwas anspruchsvoller und erwachsener darzustellen.“

Dabei war es Wise wichtig, nicht zu präsent aufzutreten. Im Gegensatz zum B2C-Bereich möchten Banken und Finanzdienstleister einen unsichtbaren Partner haben, erklärt die Expertin. Die Frage, die sich daher für Wise Platform stellte, war: „Wie brandet man das Unsichtbare?“ Godley und ihr Team setzen daher auf ein durchsichtiges, glasartiges Grafik-Element, das den Anschein erweckt, sich unscheinbar und nahtlos in bestehende Systeme einzufügen.

Wise Platform möchte im Design seine Rolle als unsichtbarer Partner vermitteln. | © Wise Design

Geschwindigkeit und kleines Team

Für Godley liegt der Schlüssel zum Erfolg in der Geschwindigkeit. „Designer verkriechen sich gerne in einer Höhle für zwei Jahre und arbeiten an ihrer perfekten Vision. Aber so arbeiten wir bei Wise nicht. Wir haben bei Wise Platform mehr Deadlines als jeder andere in der Firma.“ Wichtig sei, dass Kunden ein Produkt in der Hand hielten, denn je länger an einem Tool gearbeitet werde, desto länger werde man dem Kunden den Nutzen des Produkts vorenthalten. Es gehe aber nicht darum, ein Produkt einfach nur der Schnelligkeit wegen möglichst rasch auf den Markt zu bringen. Im Zentrum stehe immer der Kunde.

Godley setzte mit Wise Platform auf schlanke Strukturen, dafür auf qualifizierte Entscheidungsträger:innen. „Wir waren zwar nur etwa zwölf Leute, die am Rebrand gearbeitet haben. Wir haben das Team bewusst klein gehalten und schnell gehandelt“, erklärt Godley.

Der richtige Zeitpunkt

Timing ist laut Godley sehr entscheidend. „Du musst den richtigen Zeitpunkt finden, wenn sie dich brauchen. Du musst warten, bis es einen Appetit auf dein Produkt gibt“, erklärt die gebürtige US-Amerikanerin. Im Falle von Wise Platform dürfte es nicht schwierig gewesen sein, den optimalen Zeitpunkt zu finden: „Das Wise-Platform-Management-Team ist auf uns zugekommen mit der Bitte ‚Wir brauchen Hilfe‘. Sie wollten wirklich mit uns als Design-Team zusammenarbeiten.“

Schwieriger gestalteten sich für Wise Platform die Nutzerbefragungen. „Man kann eben nicht einfach den Chef einer großen Bank anrufen und sagen: ‚Hey, hast du Lust, bei einer Studie mitzumachen, um zu schauen, wie unsere Marke bei dir ankommt'“, erklärt Godley. Ihr Team habe daher mit dem Wise-Platform-Sales-Team zusammengearbeitet, um sich dort Input zu holen. Godley beschreibt die Vorgehensweise als „Trial and Error“, die immer noch laufe.

Die Wise-Gruppe im Rücken

Wise Platform kann nicht als klassisches Startup beschrieben werden, schließlich ist der B2B-Zweig Teil einer Gruppe, die ihm sowohl finanziell als auch mit Expertise zur Seite steht. „Die großen Vorteile sind die Erfahrung, die Talente, die Skalierung und das Budget, das man mitnutzen kann“, sagt Godley, die aber auch Herausforderungen in großen Strukturen sieht. „In großen Firmen gibt es viele Meinungen. Du musst dann herausfinden, wessen Meinung zählt, damit du weiterhin schnell handeln kannst“, erklärt die Design Director.

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