05.04.2024
PITCHBOOK-ANALYSE

Einer der 10 aktivsten Corporate-VCs in Europa kommt aus Wien

Nur sechs der laut PitchBook zehn aktivsten Corporate-VCs in Europa kommen aus Europa. Mit Uniqa Ventures ist auch einer aus Österreich dabei.
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Andreas Nemeth | (c) UNIQA Ventures
Andreas Nemeth | (c) UNIQA Ventures

Der deutliche Rückgang der Risikokapital-Investments in den vergangenen zwei Jahren seit Beginn des Ukraine-Kriegs macht auch vor europäischen Corporate VCs nicht halt. Das geht klar aus einer Analyse von PitchBook hervor. Von 2022 auf 2023 gab es laut Daten der Plattform bei Investments von Corporate VCs in Europa einen Rückgang von 26 Prozent bei der Anzahl der Deals (auf 2.153) und sogar von 43 Prozent beim Volumen (auf 27,8 Milliarden Euro).

VC-Aufschwung könnte auch Corporate VCs beflügeln

„In den vergangenen zwei Jahren haben sich Corporate VCs bei Deals zurückgehalten, da die wirtschaftliche Unsicherheit aufgrund steigender Inflation und geopolitischer Instabilität den Druck auf die Bilanzen ihrer Muttergesellschaften erhöhte“, heißt es in der PitchBook-Analyse. Einige Corporate VCs seien von den Mutterkonzernen sogar komplett eingestellt worden. Der für dieses Jahr erwartete generelle Aufschwung in der VC-Landschaft könnte aber auch Corporate VCs wieder zur mehr Investments animieren, wird geschätzt.

Vier der zehn aktivsten Corporate VCs in Europa kommen nicht aus Europa

Trotz der Gesamtlage gab es auch in den vergangenen Jahren einige sehr aktive Corporate VCs in Europa. Von den Top 10 der aktivsten Corporate VCs in Europa seit 2019 laut PitchBook kommen allerdings nur sechs aus Europa, davon nur drei aus der EU. Drei haben ihren Sitz in den Vereinigten Staaten, einer in Bermuda.

Uniqa Ventures aus Wien unter Top 10

Auf dem nach Deal-Anzahl zehnten Platz landet ein Corporate VC aus Wien: Uniqa Ventures. PitchBook verzeichnet hier für die vergangenen Jahre 50 Deals mit einer Median-Größe von zehn Millionen Euro sowie sieben Exits. Auf dem nach Deal-Anzahl ersten Platz landet „Innovationsstarter“ der deutschen Bank IFB Hamburg mit 157 Investments, aber nur 1,1 Millionen Euro Median-Höhe. Zwei weitere Corporate VCs im Ranking kommen aus dem Vereinigten Königreich, je einer aus Spanien und der Schweiz.

Uniqa Ventures hat neben der InsurTech-Branche einen klaren Fokus auf den HealthTech-Bereich. Geografisch investiert der Corporate VC neben Österreich vor allem im CEE-Raum. Exits hatte die Investmentgesellschaft unter anderem mit Playbrush, kompany und ready2order.

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(c) Enpulsion
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Das am Wiener Flughafen ansässige Scaleup Enpulsion hat sich in den vergangenen Jahren eine beachtliche Position auf dem SpaceTech-Weltmarkt herausgearbeitet. Nach eigenen Angaben ist man mittlerweile Europas führender industrieller Hersteller für Weltraum-Antriebssysteme. Im Zentrum stehen dabei bislang elektrische Antriebe für Mikro- und Nano-Satelliten, die die „FEEP-Technologie“ nutzen, bei der flüssiges Metall (Indium) in winzige geladene Teilchen zerlegt und ausgestoßen wird. Mittlerweile bietet man zudem auch Antriebe für größere Satelliten mit bis zu 500 Kilogramm Gewicht an.

Konkurrierende Antriebssysteme

Diese elektrischen Antriebe, mit denen Enpulsion groß geworden ist, sind eine Alternative zu vielfach genutzten chemischen Antriebssystemen. Ein nun kommunizierter strategischer Schritt kann daher auf den ersten Blick durchaus verwundern: Mit Lift Me Off Ltd (LMO) aus dem Vereinigten Königreich will man ein Unternehmen zu 100 Prozent übernehmen, das auf chemische Weltraum-Antriebssysteme spezialisiert ist. Das Unternehmen ist unter anderem an den ESA-LEO-Missionen (Low Earth Orbit) und geplanten Mondmissionen beteiligt.

Über den Kaufpreis gibt es dabei keine Angabe. Erst im März dieses Jahres hatte Enpulsion eine 22,5 Millionen Euro schwere Finanzierungsrunde verkündet. Die aktuelle Transaktion muss noch von den britischen Behörden im Rahmen des National Security and Investment Act 2021 (NSIA) bewilligt werden. Der Abschluss wird für das dritte Quartal 2026 erwartet.

Mit Technologie-Kombination zum Komplettanbieter

Bei Enpulsion argumentiert man die Übernahme als strategischen Schritt, um hybride Antriebssysteme aus einer Hand anbieten zu können. Man wolle durch die Kombination mit dem konkurrierenden Antriebssystem einen „complete spacecraft mobility backbone“ aufbauen, wird Gründer und CEO Alexander Reissner in einer Aussendung zitiert: „LMO bringt Erfahrungen im institutionellen Bereich, ein talentiertes Team und eine komplementäre Technologiebasis im Bereich chemischer Antriebe und Tanksysteme mit.“ In Kombination mit den industriell produzierten elektrischen Antrieben könne man Kunden ermöglichen, ihre gesamte Weltraum-Mobilitätsarchitektur über einen einzigen Partner aufzubauen, so Reissner.

LMO-Chef Shaun Dormon sieht einen logischen Schritt für beide Unternehmen, die eine ähnliche Vision, aber unterschiedliche technologische Zugänge hätten. „Gemeinsam können wir eine Kombination aus hocheffizientem und agilem Manövrieren im Weltraum bei minimaler Komplexität schaffen“, so Dormon. Das LMO-Team, das im Harwell Space Cluster nahe dem ESA-Zentrum ECSAT angesiedelt ist, soll erhalten bleiben. Auch die laufenden Missionen werden weitergeführt.

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