07.10.2019

Wie Unternehmen erfolgreich Corporate Innovation vorantreiben

Im Interview spricht Daniel Tyoschitz, Gründer und Geschäftsführer von Understand Innovation, über die Voraussetzungen, die es braucht, damit Corporate Innovation gelingt. Zudem erläutert er kritisch, warum viele Firmen noch immer Innovationtheater spielen.
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Corporate Innovation
Daniel Tyoschitz, Gründer und Geschäftsführer von Understand Innovation

Daniel Tyoschitz ist Gründer und Geschäftsführer Understand Innovation. Dabei handelt es sich um eine globale Informationsplattform, bei der führende Experten aus dem Silicon Valley, Tel Aviv und Berlin aktiv sind, und sich mit den Themen Corporate Innovation sowie digitaler Transformation beschäften. Understand Innovation hat sich zum Ziel gesetzt, KMU in Deutschland bei der digitalen Transformation zu unterstützen.

+++Austrian Innovation Forum: Das erwartet die Teilnehmer 2019 +++

Julia Weinzettl von Taskfarm hat mit Tyoschitz über die Erfolgsfaktoren von Corporate Innovation gesprochen und warum es noch immer vorkommt, dass Firmen „Innovationstheater“ spielen. Tyoschitz wird übrigens am Austrian Innovation Forum sprechen, das am 16. und 17. Oktober in Wien stattfinden wird.


Warum kommt es noch immer vor, dass Unternehmensinnovation des öfteren scheitert?

Daniel Tyoschitz: Unternehmen haben erkannt, dass sie handeln müssen, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Sie haben meist jedoch das Ausmaß der notwendigen Veränderung noch nicht verstanden. Im Moment wird oft Innovationstheater aufgeführt. Der CEO oder der Aufsichtsrat beschließen, “digital” zu werden und die digitale Strategie zur Erreichung dieses Effekts wird entwickelt. Oft werden dafür neue Mitarbeiter eingestellt, da davon ausgegangen wird, dass dieses innovative Denken im Unternehmen selbst nicht vollumfänglich existiert.

Wie äußert sich dies konkret?

Daniel Tyoschitz: Technologien werden ausprobiert, Innovationsreisen ins Silicon Valley gestartet, Kontakte zu Startups geknüpft, Innovation Challenges organisiert, Büroflächen neu gestaltet und ein Innovationslabor eröffnet. Man will die Hands-on-Mentalität, für die Startups stehen, auf große, gewachsene Unternehmen übertragen und versucht, diese Veränderung mit einem Methodenkatalog wie Scrum oder Design Thinking zum Laufen zu bringen. Dabei wird jedoch übersehen, dass einer bestehende Unternehmenskultur nicht einfach ein neues Kleid angezogen werden kann.  Das Unternehmen kann sich nur ändern, wenn sich die Mitarbeiter ändern.

Welchen Ansatz sollten Unternehmen daher verfolgen?

Daniel Tyoschitz: In Zukunft wird jedes Unternehmen ein digitales Unternehmen sein. Daher ist die digitale Strategie kein zusätzlicher Punkt in der Unternehmensplanung, sondern muss in alle Bereiche des Unternehmens verwoben werden. Corporate Innovation kann nur nachhaltig implementiert werden, wenn sie fünf Ebenen abdeckt. Man unterscheidet zwischen Cultural, Organizational, Individual, Commercial und Operational Innovation (COICO Transformations Modell).

Welche Voraussetzungen braucht es, damit diese Maßnahmen auch erfolgreich umgesetzt werden können?

Daniel Tyoschitz: Das typische Set an Innovationsmaßnahmen, das ich vorher erwähnte, kann durchaus nützlich sein, wenn es mit der richtigen Herangehensweise kombiniert wird. Innovation Journeys, wenn sie vor dem Hintergrund eines strategischen Projekts veranstaltet werden und zeitgleich potenzielle Partner im Ökosystem identifiziert und kontaktiert werden, bringen durchaus Mehrwert.

Genauso sinnvoll ist es transformative Tools anzuwenden. Wichtig ist einfach, dass die Strategie auf allen Linien durchdacht ist und dass die Maßnahmen nicht nur von der C-Ebene gutgeheissen, sondern auch aktiv unterstützt werden.

Wie kann die Zusammenarbeit zwischen Startups und Corporates gelingen?

Daniel Tyoschitz: Das gleiche gilt für die Zusammenarbeit mit Startups. Natürlich macht es Sinn sich externe Ideen in das Unternehmen zu holen. Sie werden sich aber weder entwickeln noch verbreiten, wenn nicht davor schon überlegt wurde, welche Anlaufstellen es auf Unternehmensseite gibt und wie diese Innovationen in tatsächliche Produkte umgesetzt werden.

Warum wir uns als Unternehmen verändern sollen, ist mittlerweile den meisten klar. Was wir machen müssen, um uns zu verändern wird immer klarer. Doch wie wir es umsetzen was wir machen wollen ist momentan in den meisten Unternehmen nicht nachhaltig durchdacht.

Das klingt komplex, wo ist der beste Anfangspunkt?

Daniel Tyoschitz: Mitarbeiter und Unternehmenskultur sind die wichtigsten Ansatzpunkte für die Umsetzung nachhaltiger Veränderungen. Ich halte es für wichtig, ein internes Digitalisierungs Team aufzubauen, die Vision selbst zu erfinden und dann mit voller Verantwortung umzusetzen.

Um diese Transformation umzusetzen, sind starke Führungsqualitäten erforderlich. Führungskräfte können die Umsetzung nur vorantreiben, wenn sie sie auch glaubwürdig verkörpern. Eine wichtige Unterstützung sind dabei Weiterbildungsformate, die Inhalte und auch menschliche Fähigkeiten vermitteln.

Die gelebte Veränderung, die frühzeitige Einbeziehung der Mitarbeiter sowie Anreize für Veränderungsbeiträge sind tragende Säulen der Transformation.

Wie werden Unternehmen in zehn Jahren aussehen?

Daniel Tyoschitz: Ich denke, dass sich die Plattformökonomie mittelfristig in jeder Branche durchsetzen wird. Es wird in jeder Kategorie wie z.B. Urlaub, Lebensmittel, Transport, etc. eine oder wenige dominierende Unternehmen geben, die die Schnittstelle zum Endkunden sind und Ökosysteme orchestrieren, so wie das Amazon schon heute für den Warenhandel macht.

Kunden haben nahezu vollkommende Markttransparenz und bekommen das was sie möchten zu dem Zeitpunkt der Wahl. Vor allem in der B2B-Welt wird das im DACH-Raum für unglaublich große Machtverschiebungen sorgen. Kurz gesagt: Nicht Unternehmen, sondern Ökosysteme werden gegeneinander konkurrieren.


=> zur Page von Understand Innovation


*Disclaimer: Im Sinne des Taskfarm Konzepts wurde Daniel Tyoschitz von Helmut Blocher, Geschäftsführer Succus GmbH, auf das Interview eingeladen. Sie spricht am 16./17 Oktober 2019 am Austrian Innovation Forum.


Zur Gastautorin

Dieses Interview wurde von Julia Weinzettl geführt und erstmals auf dem Blog der Plattform Taskfarm veröffentlicht. Weinzettl startete ihre Karriere nach dem Wirtschaft-, Politik- und Kommunikationswissenschaften-Studium als Marketingmanagerin der damaligen Startups sms.at, uboot.com und handy.at. Nach Tätigkeiten als Mobile Business Development Manager bei bwin (damals auch noch im Startup-Stadium) und als Data Protection Counselor bei der Personensuchmaschine www.123people.com wurde Weinzettl selbst zur Gründerin. Gemeinsam mit ihrem Mann Mike Weinzettl startete sie 2011 www.taskfarm.com als Marktplatz zur Projektvermittlung. Später folgte der Pivot zu einem Fokus auf Softwareentwicklung und Consulting. Mit dem Taskfarm-Blog legt die Gründerin eine große Interview-Serie zum Thema „Future of Work“ vor.


 

 

 

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Foto: epilogy.photography

Während der ViennaUP wurde Wien einmal mehr zur internationalen Drehscheibe der Startup-Welt. Inmitten dieser Woche voller Begegnungen, Ideen und Innovationen setzte ein Event einen ganz besonderen Akzent: Im Wien Museum, mit weitem Blick über den Karlsplatz, kamen zahlreiche Founder, Investor:innen, Corporate-Partner und Wegbegleiter:innen zusammen, um ein Jubiläum zu feiern, das sinnbildlich für den internationalen Fokus des österreichischen Innovationsstandorts steht: 10 Jahre Global Incubator Network Austria (GIN).

Schon beim Eintreten wurde spürbar, was GIN über das vergangene Jahrzehnt ausgemacht hat – das Zusammenspiel aus österreichischen Wurzeln und globaler Reichweite. Gründer:innen aus Wien trafen auf asiatische Startups, die diese Woche in der Stadt zu Gast waren, um in Europa Fuß zu fassen.

Foto: epilogy.photography

Eine von ihnen war Nga Chi Lydia Yip, Co-Founderin und CSO von Elleon Biotech aus Hongkong. Ihr Startup hat ein Reagenz entwickelt, mit dem sich markierte Zellen – etwa Krebs- oder virusinfizierte Zellen – mit bloßem Auge oder per Smartphone sichtbar machen lassen, ganz ohne teure Mikroskope oder geschultes Personal. „Ich habe in den letzten Tagen mehr wertvolle Leads getroffen als in zwei Jahren in Hongkong“, erzählte sie. Über das GIN-Programm war sie auf der Suche nach einem strategischen Partner für die Antikörper-Produktion – und wurde bei einem der Networking-Momente tatsächlich fündig. „Ich liebe den Vibe hier. Die Leute sind wirklich da, um einander zu helfen.“

Genau diese Atmosphäre baut GIN seit 2016 systematisch auf: Verbindungen, die weit über ein einzelnes Programm oder eine Delegationsreise hinausreichen.

Ein Jahrzehnt Brückenbauen zwischen Österreich und Asien

Seit seiner Gründung 2016 verfolgt GIN ein klares Ziel: innovative Startups beim internationalen Wachstum zu unterstützen und gleichzeitig Österreich als zentralen Innovationsstandort zu stärken. Unter dem Leitgedanken „Connecting the Circles of Growth“ hat sich daraus ein Netzwerk entwickelt, das weit über klassische Förderprogramme hinausgeht.

Die Bilanz nach zehn Jahren spricht für sich: 756 unterstützte Startups, 71 internationale Programm-Batches, 7 zentrale Partnerregionen und über 30 internationale Innovationspartner. Im Zentrum stehen die beiden Programme GO ASIA und GO AUSTRIA, die den Austausch in beide Richtungen ermöglichen – ein zweiseitiger Ansatz, der GIN zu einer einzigartigen Brückenbauerin macht. Geschichten wie jene von Elleon Biotech zeigen, was das konkret bedeutet.

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Zur Beginn reflektierten Henrietta Egerth (Geschäftsführerin FFG) und Bernhard Sagmeister (Geschäftsführer aws) über die Vision hinter GIN, die gemeinsame Steuerung der beiden Programme und den Blick nach vorne. „Zehn Jahre Global Incubator Network Austria bedeuten zehn Jahre messbaren Impact für das österreichische Startup-Ökosystem und weit darüber hinaus“, betont Henrietta Egerth. „Allein am aktuellen GIN-Programm nehmen 56 Startups aus sieben asiatischen Zielregionen teil – mehr als jemals zuvor.“

Panel: Local Roots, Global Reach

Unter dem Titel „Local Roots, Global Reach: The New Rules of Internationalization“ diskutierte ein hochkarätig besetztes Panel die veränderten Spielregeln internationaler Expansion. Marcus Berger (CEO, Aviloo), Ayashi Das Majumder (Co-Founderin & COO, Sensegrass), Markus Lang (General Partner, Speedinvest) und Andreas Mühlberger (Infineon Technologies Austria) brachten vier sehr unterschiedliche Perspektiven zusammen. Die zentrale Botschaft: Für einen kleinen Exportmarkt wie Österreich ist Internationalisierung essenziell – gleichzeitig aber komplexer geworden, und sie gelingt nur durch starke Partnerschaften und langfristige Begleitung.

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Workshop: Impulse für die nächsten zehn Jahre

Im interaktiven Workshop-Teil, moderiert von Viktoria Ilger (Venture Clienting Austria), wurden die Gäste selbst zu Mitgestaltenden. An mehreren Tischen diskutierten sie in kleinen Runden über die zentralen Fragen rund um Internationalisierung. Begleitet wurde der Nachmittag von einem Live-Graphic-Recording-Team, das die wichtigsten Gedanken und Erkenntnisse in Echtzeit visuell festhielt – ein wachsendes Bild, das ebenso entstand wie die Insights selbst und am Ende eindrucksvoll präsentiert wurde.

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Blick nach vorne: Indien als nächster Meilenstein

Mit der geplanten Erweiterung von GIN GO ASIA nach Indien ab 2027 wurde ein klares Signal für die nächste Phase gesetzt. Bereits heute holt das aktuelle GO AUSTRIA Programm sieben indische Deep-Tech-Startups nach Österreich. Indien zählt mittlerweile über 130 Startup-Unicorns und entwickelt sich mit enormer Dynamik zu einem der wichtigsten Technologie- und Wachstumsmärkte der Welt. Mit der India-Austria Startup Bridge wurde bereits vor zwei Jahren ein erstes Instrument geschaffen, um indische Startups nach Österreich zu holen – ab 2027 öffnen sich die Türen gezielt auch für österreichische Startups in diesen Zukunftsmarkt. So festigt GIN Österreichs Rolle als europäisches Gateway für Innovation, Technologie und internationale Zusammenarbeit.

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Eine Community feiert

Zum Abschluss wurde sichtbar, was GIN über die Zahlen hinaus ausmacht: eine globale Community aus Foundern, Partner:innen, Mentor:innen und Freund:innen. In einem Happy-Birthday-Video schickten Wegbegleiter*innen aus aller Welt ihre Glückwünsche. Das GIN-Team kam auf die Bühne, die Gläser wurden erhoben – und der Nachmittag mündete in eine Feier, die anschließend bei GIN & Friends am Karlsplatz ihre Fortsetzung fand. Für Lydia Yip stand da nur noch ein letztes Meeting an, bevor auch sie dazustieß: „Ich hätte nie erwartet, dass eine Geschäftsreise so viel Freude macht.“


Das Global Incubator Network Austria (GIN) ist eine Initiative der österreichischen Bundesregierung und wird von der Austria Wirtschaftsservice (aws) und der Österreichischen Forschungsförderungsgesellschaft (FFG) umgesetzt. Ziel ist es, Start-ups, Investor:innen und Innovationspartner:innen international zu vernetzen und den Innovationsstandort Österreich nachhaltig zu stärken. Der Artikel wurde in Kooperation mit der Austria Wirtschaftsservice (aws) umgesetzt.

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