14.01.2026
DEEPTECH STARTUP

Context64.ai geht strategische Allianz mit 3DSE ein

Das Grazer DeepTech-Startup Context64.ai schließt eine strategische Partnerschaft mit der deutschen 3DSE Management Consultants GmbH. Ziel der Allianz ist es, industrielle KI-Anwendungen schneller und skalierbar in komplexen Forschungs- und Entwicklungsorganisationen zu verankern.
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Stefan Wenzel (3DSE) und Marko Lah (Context64.ai) | (c) 3DSE/Context64.ai

Context64.ai entwickelt eine Plattform, die Unternehmensdaten aus Systemen wie PLM, ERP oder Testmanagement in einem sogenannten lebenden Wissensgraphen zusammenführt. Dieser „Data Context Hub“ bildet die Grundlage für spezialisierte KI-Agenten, die auf vernetzten, verifizierten Daten arbeiten können.

„Das größte Hindernis für den produktiven Einsatz von KI in Unternehmen sind heute nicht die Modelle selbst, sondern fehlender Kontext in den Daten“, erklärt CEO und Gründer Marko Lah. Genau hier setzt Context64.ai an und will ein belastbares Datenfundament für industrielle KI-Anwendungen schaffen.

3DSE als Multiplikator in Industriebranchen

Die 3DSE Management Consultants GmbH bringt ihre langjährige Erfahrung in der Transformation von Produkt- und F&E-Organisationen ein. Das Beratungsunternehmen übernimmt in der Partnerschaft die Rolle des strategischen Enablers und identifiziert KI-Use-Cases mit hohem wirtschaftlichem Potenzial, entwickelt Umsetzungs-Roadmaps und begleitet die Skalierung im operativen Betrieb.

„Weniger PowerPoint, mehr messbarer Impact – schneller, skalierbar und nachhaltig“, fasst 3DSE-Geschäftsführer Stefan Wenzel den gemeinsamen Ansatz zusammen. Ziel sei es, KI innerhalb weniger Wochen aus der Pilotphase in den produktiven Einsatz zu bringen.

Einsatz bei BMW bereits Realität

Dass die Technologie von Context64.ai nicht nur theoretisch funktioniert, zeigt der produktive Einsatz bei internationalen Konzernen. Unter anderem wird der KI-Stack bereits bei BMW verwendet, um Entwicklungs- und Analyseprozesse effizienter zu gestalten.

Durch die Partnerschaft mit 3DSE soll diese Technologie nun verstärkt in Branchen wie Automotive, Aerospace, Defense, Energy und Medizintechnik ausgerollt werden.

Internationalisierungsschritt für österreichisches Deep-Tech

Für Context64.ai ist die Kooperation ein weiterer Meilenstein auf dem Weg zur internationalen Skalierung und folgt einem siebenstelligen Investment (brutkasten berichtete). Die Kombination aus technologischer Plattform und Umsetzungsexpertise soll Unternehmen helfen, Kosten zu senken, Time-to-Market zu verkürzen und Entscheidungen datenbasiert und auditierbar zu treffen.

Die Allianz richtet sich insbesondere an CTOs, F&E-Leiter:innen sowie Verantwortliche für Digitalisierung und KI, die industrielle Anwendungen über experimentelle Einzellösungen hinaus etablieren wollen.

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Michael Waupotitsch, Vice President Textile Recycling bei Andritz © Andritz Group

Allein in Österreich könnten zukünftig rund 220.000 Tonnen davon besser verwertet werden. Bisher scheitert eine echte Kreislaufwirtschaft jedoch an der Praxis: „Wirkliches Faser-zu-Faser-Recycling, also sprich aus Abfällen wirklich wieder ein Kleidungsstück zu machen, das liegt im Bereich von 1% und weniger“, zieht Michael Waupotitsch, Vice President Textile Recycling bei Andritz, im Gespräch ernüchternde Bilanz. Der Großteil der Altkleider wird deponiert oder verbrannt.

Vorhersage statt bloßer Materialbestimmung

Hier setzt die neue Technologie „teXscan“ an, die Andritz gemeinsam mit der französischen Tochtergesellschaft Laroche entwickelt. Während bestehende Nahinfrarot-Systeme lediglich die reine Materialzusammensetzung bestimmen können, soll die neue Lösung erstmals die konkrete Rezyklierfähigkeit zerstörungsfrei vorhersagen.

„Die Innovation dabei ist, dass man erstmals nicht nur Farbe oder Zusammensetzung messen, sondern eine Vorhersage treffen kann, wie gut etwas recycelbar ist.“, so Waupotitsch. Das System ordnet den Textilien einen Score von 0 bis 100 zu, der auf Kriterien wie der Faserlänge und dem Kurzfaseranteil basiert. Waupotitsch betont jedoch im Gespräch, dass es sich hierbei um „keinen industriellen Standard“, sondern primär um eine „Entscheidungshilfe“ für Sortier- und Recyclingbetriebe handelt.

Der teXscan © Andritz

Bislang nur weiße Baumwolle identifizierbar

Bislang beschränkt sich die Analysefähigkeit des Prototyps ausschließlich auf weiße Baumwollfasern. Die größte Herausforderung im Massenmarkt stellen jedoch Mischgewebe und gefärbte Stoffe dar, die den Großteil heutiger Fast Fashion ausmachen. Andritz plant, bis Ende des Jahres verlässliche Aussagen über farbige Baumwolle zu treffen; Mischgewebe sollen als nächstes folgen.

Aktuell existiert das System als Tischgerät. Um industriell relevant zu werden, soll die Technologie zu Handheld-Geräten oder vollautomatisierten Online-Sensoren für Förderbänder weiterentwickelt werden, erklärt der Textil-Recycling-Experte.

teXscan als strategischer „Door Opener“

„Recycling von Textilien steht im Wettbewerb mit extrem günstigen Frischfasern“, merkt Waupotitsch im Gespräch an. Man müsse das gesamte wirtschaftliche System beachten und vorsichtig sein sich in dieser Hinsicht nicht selbst zu belügen, denn „unterm Strich muss es sich auch rechnen“, so der Experte. Zudem fehlen in Europa flächendeckende, genormte Sammelsysteme, wie man sie vom Altpapier kennt.

Für den Technologiekonzern ist der Scanner ohnehin nicht das primäre Endprodukt sondern eine Möglichkeit der Zusammenarbeit. Andritz versteht sich als Maschinen- und Anlagenbauer. Das Messgerät soll vielmehr als „Door-Opener“ fungieren, um letztlich großskalierte mechanische und chemische Recyclinganlagen zu vertreiben.

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