Context64.ai geht strategische Allianz mit 3DSE ein
Das Grazer DeepTech-Startup Context64.ai schließt eine strategische Partnerschaft mit der deutschen 3DSE Management Consultants GmbH. Ziel der Allianz ist es, industrielle KI-Anwendungen schneller und skalierbar in komplexen Forschungs- und Entwicklungsorganisationen zu verankern.
Context64.ai entwickelt eine Plattform, die Unternehmensdaten aus Systemen wie PLM, ERP oder Testmanagement in einem sogenannten lebenden Wissensgraphen zusammenführt. Dieser „Data Context Hub“ bildet die Grundlage für spezialisierte KI-Agenten, die auf vernetzten, verifizierten Daten arbeiten können.
„Das größte Hindernis für den produktiven Einsatz von KI in Unternehmen sind heute nicht die Modelle selbst, sondern fehlender Kontext in den Daten“, erklärt CEO und Gründer Marko Lah. Genau hier setzt Context64.ai an und will ein belastbares Datenfundament für industrielle KI-Anwendungen schaffen.
3DSE als Multiplikator in Industriebranchen
Die 3DSE Management Consultants GmbH bringt ihre langjährige Erfahrung in der Transformation von Produkt- und F&E-Organisationen ein. Das Beratungsunternehmen übernimmt in der Partnerschaft die Rolle des strategischen Enablers und identifiziert KI-Use-Cases mit hohem wirtschaftlichem Potenzial, entwickelt Umsetzungs-Roadmaps und begleitet die Skalierung im operativen Betrieb.
„Weniger PowerPoint, mehr messbarer Impact – schneller, skalierbar und nachhaltig“, fasst 3DSE-Geschäftsführer Stefan Wenzel den gemeinsamen Ansatz zusammen. Ziel sei es, KI innerhalb weniger Wochen aus der Pilotphase in den produktiven Einsatz zu bringen.
Einsatz bei BMW bereits Realität
Dass die Technologie von Context64.ai nicht nur theoretisch funktioniert, zeigt der produktive Einsatz bei internationalen Konzernen. Unter anderem wird der KI-Stack bereits bei BMW verwendet, um Entwicklungs- und Analyseprozesse effizienter zu gestalten.
Durch die Partnerschaft mit 3DSE soll diese Technologie nun verstärkt in Branchen wie Automotive, Aerospace, Defense, Energy und Medizintechnik ausgerollt werden.
Internationalisierungsschritt für österreichisches Deep-Tech
Für Context64.ai ist die Kooperation ein weiterer Meilenstein auf dem Weg zur internationalen Skalierung und folgt einem siebenstelligen Investment (brutkasten berichtete). Die Kombination aus technologischer Plattform und Umsetzungsexpertise soll Unternehmen helfen, Kosten zu senken, Time-to-Market zu verkürzen und Entscheidungen datenbasiert und auditierbar zu treffen.
Die Allianz richtet sich insbesondere an CTOs, F&E-Leiter:innen sowie Verantwortliche für Digitalisierung und KI, die industrielle Anwendungen über experimentelle Einzellösungen hinaus etablieren wollen.
In Museen und Bibliotheken weltweit lagern hunderttausende Inschriften und über eine Million Papyrusfragmente aus der Antike. Der Großteil des Materials ist fragmentarisch und schwer lesbar. „92 Prozent der Papyri warten bis heute auf ihre Entzifferung. Ein gigantischer, unerschlossener Schatz der Geschichte“, heißt es per Aussendung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW). Genau hier möchte Apollo ansetzen.
Apollo: „Neues Fenster zu unserem gemeinsamen kulturellen Erbe“
Entwickelt wurde das Large Language Model (LLM) in einer Kooperation zwischen der ÖAW und den europäischen KI-Unternehmen Mistral AI und SAIL Reply. Am gestrigen Mittwoch präsentierten die Forschungspartner die erste Stufe des Apollo-KI-Systems, das ab sofort der Wissenschaft und der Öffentlichkeit zur Verfügung steht.
„Apollo zeigt, was europäische Zusammenarbeit leisten kann, wenn KI, die gezielt an wissenschaftliche Anforderungen angepasst werden kann, auf jahrhundertealtes wissenschaftliches Wissen trifft“, sagt Guillaume Lample, Co-Founder und Chief Scientist von Mistral. „Indem Mistrals Technologie dabei hilft, Texte wiederherzustellen, die seit zweitausend Jahren nur fragmentarisch überliefert sind, eröffnet sie ein neues Fenster zu unserem gemeinsamen kulturellen Erbe – und das ist erst der Anfang.“
600 Millionen Wörter
Die meisten Texte der Antike sind nur unvollständig überliefert und es fehlen einzelne Wörter oder sogar ganze Textpassagen. Das Sprachmodell Apollo könne fehlende Inhalte von Fragmenten eigenständig ergänzen und dabei helfen, das Verständnis und die historische Einordnung eines Schriftstückes zu verbessern.
Obwohl für das Training der KI in Altgriechisch nur 600 Millionen Wörter zur Verfügung standen – mehrere zehn Milliarden Wörter gelten üblicherweise als der Standard für LLMs – sei eigenen Angaben nach Apollo treffsicher.
„Bei einem vorhandenen Originaltext auf Papyrus erreicht das Modell bei maskierten, also bewusst versteckten Passagen eine Trefferquote von rund 80 Prozent“, erklärt Anna Dolganov, Forscherin am Österreichischen Archäologischen Institut der ÖAW und Mastermind hinter dem Projekt. Bei tatsächlich unbekannten Textlücken bewerteten internationale Fachexpert:innen, die das KI-System im Rahmen einer Blindstudie evaluiert haben, Apollos Vorschläge in 77 Prozent der Fälle als mindestens ebenso gut wie durch Menschen vorgenommene Ergänzungen und in 16–20 Prozent der Fälle sogar besser, heißt es.
Apollo erkennt Sprachstufen
Besonders beeindruckend sei zudem, wie präzise Apollo zwischen verschiedenen Sprachstufen des Griechischen unterscheiden kann, betont Dolganov: „Unser LLM kann mit vergleichsweise geringem Wissen über einen Kontext weitreichende Schlüsse ziehen. Anhand von Satzbau und Vokabular erkennt Apollo präzise, ob ein Text zum Beispiel aus Homers ‚Odyssee‘ stammt, und ergänzt ihn im passenden Sprachregister.“
Als Beweis zeigte Dolganov bei der Präsentation von Apollo etwa eine antike Geburtsurkunde, die vollständig rekonstruiert wurde. Zudem wurde eine beim Ausbruch des Vesuvs verkohlte Schriftrolle an entscheidenden Stellen „vollständig lesbar gemacht“. Und mit der Rekonstruktion einer fragmentarischen Inschrift aus dem Schwarzmeerraum hat sich der Forscherin zufolge belegen lassen, dass in einer bestimmten Region bereits römisches Recht galt. Die Aussendung sprach hierbei von einer „weitreichenden Erkenntnis, die durch einen Beleg für die römische Prostitutionssteuer untermauert wird.“
Weitere Stufen geplant
„Mithilfe der KI entsteht ein neues Bild der antiken Sozial- und Wirtschaftsgeschichte, da sich viele Erkenntnisse erst aus der Masse der Dokumente ergeben – etwa bei Steuerquittungen“, präzisiert Dolganov.
Und Heinz Faßmann, Präsident der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, ergänzt: „Apollo bringt die Erforschung von historischen Schriftstücken und Dokumenten in ein neues Zeitalter. Der Einsatz des neuen Sprachmodells wird völlig neue Forschungsfragen zulassen und unser historisches Wissen erweitern. Wir sind stolz, dass die ÖAW gemeinsam mit dem europäischen KI-Unternehmen Mistral diese wegweisende Technologie entwickelt hat. Für die Zukunft streben wir eine vertiefte Zusammenarbeit mit Mistral an.“
Der ersten Stufe des Modells sollen bald noch weitere folgen. „Das Ziel ist ambitioniert, aber machbar“, wie Dolganov betont: Die KI soll künftig unerschlossene Papyri sowohl entziffern als auch rekonstruieren können. Geplant ist außerdem eine Erweiterung, mit der das Modell thematische und semantische Suchen in der gesamten griechischen Textüberlieferung durchführen sowie Parallelstellen suchen soll und so die passende Evidenz für Ergänzungsvorschläge gleich mitliefert.
Dolganov, die ÖAW und Mistral wollen jedoch bei Altgriechisch nicht aufhören. Aufbauend auf den Erfahrungen soll die KI künftig auch mit einem lateinischen Textkorpus trainiert werden. Dafür stehen dann rund zwölf Milliarden Wörter zur Verfügung. Was für das Projekt noch fehlt, sei ein passender Name.
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