28.01.2020

Communi5: Management Buyout aus Berliner Teles AG in Wien

Im Rahmen eines Management Buyout gründet Thomas Haydn in Wien mit Investoren-Unterstützung das auf Cloud Unified Communications spezialisierte Unternehmen Communi5 Technologies aus der Berliner Teles AG heraus. Der aws Mittelstandsfonds übernimmt dabei den Lead.
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Communi5 - aws Mittelstandsfonds beteiligt sich an Wiener Management Buyout aus Berliner Teles AG
(c) Adobe Stock - sdecoret

40 Kunden in 27 Ländern, darunter Serviceprovider für Festnetz- und Mobiltelefonie sowie Systemintegratoren, dazu 35 Mitarbeiter an den Standorten Wien und Berlin – damit geht das Wiener IT-Unternehmen Communi5 an den Start. Der Aufbau des auf cloud-basierte integrierte Kommunikations- und Kollaborationsanwendungen, kurz UCaaS (Unified Communications as a Service), spezialisierten Unternehmens erfolgte freilich schon zuvor. Bislang war es Teil der Berliner Teles AG. Nun erfolgte ein Management Buyout durch Geschäftsführer Thomas Haydn.

+++ Neue Struktur: aws fasst 44 Programme auf 18 zusammen +++

Communi5: aws Mittelstandsfonds übernimmt Lead in Management Buyout

Er ist in der neuen Konstellation aber nur der zweitgrößte Anteilseigner (ca. 22 Prozent). Mehrere Investoren zogen beim Deal mit – den Lead übernahm der aws Mittelstandsfonds, der nun mit rund 34 Prozent die relative Mehrheit der Anteile hält. Daneben steigen unter anderem die strategischen Investoren mvneco GmbH und Telmekom GmbH ein. Haydn kommentiert: „Mit Unterstützung des aws Mittelstandsfonds und unseren strategischen Gesellschaftern haben wir nun die Möglichkeit, unsere Produktlösung entsprechend zu erweitern, vor allem zu den Themen Mobilität in der Arbeitswelt, Vereinfachung in der IT-Welt und Zusammenarbeit im Team. Wir sind überzeugt, dass wir durch unsere neue Gesellschafterstruktur und den damit verbundenen Investitionen ins Unternehmen unseren Kunden echte Vorteile verschaffen, die es Ihnen ermöglichen, relevante Anteile in einem attraktiven Marktumfeld zu gewinnen“.

Vielversprechendes Marktumfeld

Das Marktumfeld seines eigenen Unternehmens umreißt der Geschäftsführer so: „Die Chancen, einen wesentlichen Marktanteil der lokalen Geschäftskundenkommunikation auf cloud-basierte Unified Communications Lösungen zu transferieren, sind so gut wie nie zuvor“. Besonderes Interesse gelte den Kernmärkten DACH-Raum, Italien und Spanien, aber auch der Türkei, dem Mittleren Osten sowie weiteren Wachstumsmärkten. „Diese Dynamik im Markt verlangt von den Cloud-Anbietern, dass sie stabile und sich ständig weiterentwickelnde UCaaS-Lösungen im Einsatz haben, um sich diese Marktanteile zu sichern“, sagt Haydn.

Communi5 als „weiterer Hidden Champion“ für aws-Fonds

Karl Lankmayr, Geschäftsführer des aws Mittelstandsfonds, erklärt seine Beweggründe: „Mit der Communi5 ergänzen wir unser Tech-Portfolio um einen weiteren Hidden Champion. Eine erprobte Technologie, ein hochmotiviertes Team und ein attraktives Marktumfeld bieten gute Chancen für ein erfolgreiches Wachstum. Mit unserem Investment erhält Communi5 den finanziellen Rückhalt für die erfolgreiche Umsetzung der Expansionspläne. Gleichzeitig ist es damit gelungen, das Headquarter eines wachsenden Technologieunternehmens nach Österreich zu bringen, mit dem Ziel, in den kommenden Jahren weitere hochqualifizierte IT-Arbeitsplätze am Standort Wien zu schaffen“.

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Elisabeth Zehetner (Staatssekretärin für Energie, Startups und Tourismus) | Foto: Martin Pacher
Elisabeth Zehetner (Staatssekretärin für Energie, Startups und Tourismus) | Foto: Martin Pacher / brutkasten

Wirklich neu oder gar überraschend ist das jüngste Statement von Startup-Staatssekretärin Elisabeth Zehetner zum mit „bis zu“ 500 Millionen Euro Volumen geplanten „Start-up & Scale-up Dachfonds“ nicht. Wie mehrere heimische Medien berichten, sagte sie zuletzt gegenüber der APA: „Die Ausschreibung für das Fondsmanagement wird im Herbst stattfinden“ – betraut ist damit die aws. Anders wäre es freilich gar nicht möglich, den bereits zuvor kommunizierten Start der operativen Tätigkeit mit Anfang 2027 zu gewährleisten.

Und auch so könnte es schwer werden. Denn „im Herbst“ ist immer noch eine recht vage Zeitangabe und Ausschreibungsverfahren können bekanntlich auch länger dauern, als erhofft – sofern nicht bereits im Hintergrund Vorentscheidungen getroffen wurden, was hier keineswegs unterstellt werden soll.

Kleiner Pool an erfahrenen Dachfonds-Manager:innen

Der Pool an Personen, die konkrete Erfahrung mit dem Management VC-fokussierter Dachfonds mitbringen, hält sich nämlich europaweit in engen Grenzen. Neben dem European Investment Fund (EIF) als dominierendem Player auf EU-Ebene, gibt es einige nationalstaatliche Fonds, die teilweise auch zum Vorbild für die österreichische Version wurden, und einige private Player, die meist mit deutlich niedrigeren Kapitalvolumina arbeiten. Ein schlagkräftiges Team müsse aktiv mit entsprechenden Incentives abgeworben werden. Die Staatsnähe erschwere die Suche zusätzlich, befürchtet ein Branchenkenner gegenüber brutkasten hinter vorgehaltener Hand.

Keine staatliche Einflussnahme?

Dass es, wie versprochen, tatsächlich keine staatliche Einflussnahme auf den Dachfonds geben werde, glaubt er nämlich nicht. So soll etwa die aws laut einer nicht öffentlichen Präsentation, die dem Insider vorliegt, ins Fundraising eingebunden werden. Und das spreche, kombiniert mit dem geplanten staatlichen Ankerinvestment in Höhe von bis zu 20 Prozent bzw. bis zu 100 Millionen Euro (brutkasten berichtete), gegen völlige Unabhängigkeit.

Und auch die Zielsetzung, den Investmentfokus auf Österreich zu legen, passt nicht ganz mit der Idee zusammen, dass das Fondsmanagement völlig freie Hand haben soll. Zehetner äußerte sich auch hierzu gegenüber der APA: Österreich-Fokus ja, „es gibt aber keine genauen Vorgaben für das Fondsmanagement.“ Hinzu kommt natürlich auch, dass es in Österreich gar nicht so viele VC-Fonds gibt – und noch viel weniger im angestrebten Growth-Stage-Bereich.

Politische Überzeugungsarbeit bei potenziellen LPs

Ist das Management dann einmal aufgestellt, dürfte das Finden geeigneter Limited Partners (LPs), also Kapitalgeber für den Dachfonds, zur nächsten Herausforderung werden. Wirklich attraktiv sei die Beteiligung für die institutionellen Investoren, wie Banken und Versicherungen, die man ansprechen will, nämlich nicht, sagt ein anderer Branchenkenner – ebenfalls off the record. Auch wenn – wie angekündigt – begleitende Gesetze die Situation für die in Sachen Risiko sehr restriktiv geregelten Institutionellen verbessern, gebe es nicht automatisch gute Gründe, die für dieses Investment sprechen.

Die Folge: Es bedürfe auch von politischer Seite Überzeugungsarbeit bei den LPs. Dass man bereits jetzt, bevor das Management überhaupt ausgeschrieben ist, hinter verschlossenen Türen versucht, die großen relevanten heimischen Player zu einem Committment zu bewegen, liegt auf der Hand – schließlich soll das Projekt zum politischen Erfolg werden. Dass darunter die angestrebte Unabhängigkeit abermals leidet, ebenfalls.

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