02.05.2018

Tech-Konferenz Collision zieht um: Toronto als Rising Star der Startup-Szene?

Die berühmte Tech-Konferenz Collision verlässt die Vereinigten Staaten und wird fortan in Toronto, Kanada stattfinden, wie Paddy Cosgrave, Collision-CEO mitteilt. Ein Grund einen Blick auf die 2,6 Millionen-Einwohner-Stadt zu werfen.
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Collision
(C) Collision - CEO Paddy Cosgrave zieht mit Collision nach Toronto.

Es wird Zeit, dass man über Toronto spricht. Die Gründe für den Umzug der Tech-Konferenz scheinen mannigfaltig zu sein, wenn Paddy Cosgrave, Collision-CEO, über die neue Heimat sagt: Wir sind sehr erfreut mitteilen zu können, dass Collision nach Toronto zieht. Es herrscht eine spezielle Energie in der Stadt, eine offene, kosmopolitische und globale Atmosphäre. Es entstehen große Unternehmen und unglaubliche Talente drängen aus der University of Waterloo und anderen Institutionen hervor“.

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Auch Trudeau begrüßt den Schritt

Auch Kanadas Premier Justin Trudeau begrüßt den Schritt der Web Summit’s Schwesternkonferenz. „Willkommen in Kanada, Collision. Ich bin sehr darüber erfreut, dass Toronto Nord-Amerikas schnellst-wachsende Konferenz hosten darf. Collision wird noch mehr Energie und Vision in Toronto’s Tech-Szene einbringen“, sagt der Staatschef. Die beiden Statements von Trudeau und Cosgrave sind ein Zeichen dafür, inwiefern Politik Einfluss auf die Startup-Szene nehmen kann. Wenn Bloomberg davor warnt, dass lange Wartezeiten für Green Cards schlimm genug wären, jedoch ein Antagonimus gegenüber Immigranten „skilled foreigners“ nach Kanada pusht, so erhält man ein etwas klareres Bild davon, warum gerade der nördliche Nachbar der USA – und in diesem Fall Toronto – für Startups anziehend ist.

 Collision: Abschied aufgrund steigender Intoleranz?

New Orleans war bisher drei Jahre lang die Heimat der Collision-Konferenz, man müsse aber, so Cosgrave, mit dem eigenen Wachstum eine größere und besser vernetzte Basis finden. „Kanada und speziell Toronto lebten bisher stets im Schatten der USA, aber das ändere sich. Es ändert sich schnell“, sagt der CEO. „Eine neue Welle von kanadischen Gründern starte Unternehmen. Und nicht nur aus Kanada heraus, sondern von überall auf der Welt. In Zeiten, in denen Staaten, ihre Grenzen dicht zu machen scheinen und Intoleranz steigt, da steht Toronto für Diversity und Inklusion“. Cosgrave weist darauf hin, dass in den letzten Jahren internationalen Tech-Entrepreneurs, die die Collision-Konferenz besuchen wollten, keine Visas gewährt wurden. „In der selben Zeit stellt Kanada in windeseile internationale Arbeitsvisas aus“, sagt er.

Kanadas Politik zieht mit

Auch wenn es offiziell und in der Deutlichkeit von den Big Playern des Silicon Valley keine Statements und Kritik bezüglich der Immigrationspolitik der USA gibt, so sieht man an Kanadischen Maßnahmen, wie die Politik aktiv die Startup-Szene in einer Region mitentwickeln kann. „Städte wie Vancouver, Montreal und Toronto sind zu Tech-Hubs geworden und haben über die letzte Dekade hinweg, Erfolgsgeschichten wie, Slack, Shopify und Hootsuite hervorgebracht“, erzählt Bill Tam, ehemaliger Präsident der British Columbia Tech-Association, der LA-Times. Die kanadische Regierung habe das Fundament gelegt, die gesamte Region „tech-friendly“ zu gestalten, so Tam weiter. Dazu gehören finanzielle Anreize für Unternehmen, die in R&D investieren, permanente Aufenthaltsgenehmigungen für Studierende an öffentlichen Universitäten und die oben erwähnte „fast tracked-worker’s visa“. Auch Facebook, Microsoft, Google und Uber haben in Kanada Zweigstellen eröffnet, um das Momentum zu nutzen, heißt es im US-Medium weiter – Anfragen zu Trumps-Anti-Immigration-Politik, die auf Startups zurückfalle, seien ignoriert worden.

Toronto das boomende Startup-Ecosystem?

Laut dem 2017er Global Startup Ecosystem Report gehört Toronto mittlerweile zu den Top 20 Tech-Ecosystems weltweit. Die Stadt gilt als Hub für Entrepreneurship und Innovation und bildet mit dem nahe gelegenen Kitchener-Waterloo und Vancouver weiter westlich eine Triade der boomenden Tech-Szene Kanadas. Über 400.000 Personen arbeiten in Toronto allein im Tech-Bereich, Tendenz steigend. Insgesamt befinden sich laut einem 2016er Bericht von „Tech-Toronto“ zwischen 2.500 und 4.100 aktive Tech-Startups und über 60 Inkubatoren und Accelerators in der Stadt. Mit dem Gewinn der Collision-Tech-Konferenz setzt die Stadt nun einen weiteren Schritt in ihrer Entwicklung als „Rising Star“. Die nächste Konferenz findet im Mai 2019 statt.


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Die Aitiologic-Gründer (v.l.n.r.): Andreas Posch, Stephan Beisken und Achim Plum | (c) Aitiologic

Im Oktober 2024 verließ das Wiener Startup Aitiologic den „Stealth Mode“. Damals hatte es 2,5 Millionen Euro an Investments und Förderungen eingesammelt. Jetzt folgt eine Seed-Finanzierung über 6,4 Millionen Euro, wie das Unternehmen am Dienstag bekannt gab.

Angeführt wird die Runde von den Healthcare-Investoren Heal Capital und Ananda Impact Ventures. Die bisherigen Investoren Push VC und Lana Ventures sind wieder dabei. Dazu kommen laut Startup mehrere Biotech-Gründer, die bereits Börsengänge und Exits hinter sich haben.

Ein Bluttest, der zeigt, was im Gewebe passiert

Aitiologic entwickelt die Plattform „Aitios“. Sie untersucht zellfreie DNA im Blut und wertet die Daten mit KI aus. Das Ziel: Aus einer normalen Blutprobe soll sich ablesen lassen, aus welchem Gewebe die DNA stammt und was dort gerade passiert. Die Technologie geht auf Forschung von Gründer und CEO Andreas Posch bei Siemens Healthineers zurück. Aitiologic hat sie exklusiv lizenziert.

2024 sprach das Startup noch allgemein von Krebs- und Pränataldiagnostik. Nun ist die erste Anwendung klar: die Risikoabschätzung für Präeklampsie im ersten Schwangerschaftsdrittel. Die Bluthochdruck-Erkrankung betrifft laut Aussendung geschätzt drei bis acht Prozent aller Schwangerschaften. Sie ist eine der wichtigsten Ursachen für Todesfälle von Müttern und Föten weltweit. Aitiologic will dafür dieselbe Blutprobe nutzen, die ohnehin für den nicht-invasiven Pränataltest (NIPT) abgenommen wird. Eine zusätzliche Blutabnahme wäre also nicht nötig.

Eine erste Studie mit Kypros Nicolaides und dem Fetal Medicine Research Institute habe gezeigt, dass sich damit das Präeklampsie-Risiko einschätzen lässt, so das Startup. Jetzt läuft eine größere Studie mit der Fetal Medicine Foundation, an der mehr als 1.000 Schwangere teilnehmen. „Wir sind von einer Technologie-Hypothese zu publizierten klinischen Daten gekommen“, sagt Posch. Das frische Kapital soll in diese Studie und in die Produktentwicklung fließen.

Oxford-Nanopore-Mitgründer im Beirat, neue Chief Medical Officer

Mit der Finanzierung holt Aitiologic zwei bekannte Namen an Bord. Gordon Sanghera hat Oxford Nanopore Technologies mitgegründet, ein britisches Unternehmen für DNA-Sequenzierung. Er führte es 21 Jahre lang als CEO, vom Spinoff der Universität Oxford bis zum Börsengang in London. In der Aussendung wird er als „Pionier der Molekulardiagnostik“ bezeichnet. Für Aitiologic ist das relevant, weil die eigene Plattform auf der Sequenzierung von DNA aus dem Blut aufbaut: Sanghera bringt also Erfahrung mit dem Aufbau, der Finanzierung und der Skalierung genau dieser Art von Technologie mit. Er investiert in die Runde und wird Mitglied des Beirats. Die ersten klinischen Daten von Aitiologic seien „sehr ermutigend“, sagt Sanghera.

Neue Chief Medical Officer ist Rebecca Ertl. Sie ist Fachärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe und hat ein nach eigenen Angaben führendes Zentrum für Pränataldiagnostik in Österreich gegründet. Bei Aitiologic verantwortet sie die medizinische Strategie, zunächst für das Präeklampsie-Programm. Ertl nennt bereits ein mögliches nächstes Thema: Man prüfe, ob der Bluttest auch bei Schwangerschaftsdiabetes früher Hinweise liefern könne.

Neben dem Risikokapital erhält Aitiologic Förderungen von der Österreichischen Forschungsförderungsgesellschaft (FFG), der Austria Wirtschaftsservice (aws) und der Wirtschaftsagentur Wien. Dazu kommt Unterstützung über den Europäischen Investitionsfonds (EIF) im Rahmen von InvestEU. Zugelassen ist die Plattform noch nicht, sie befindet sich weiterhin in der Entwicklung.

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