Cocoquadrat plant zweiten Standort in der Leopoldstadt
Das Wiener Coworking-Café Cocoquadrat wird im kommenden Jahr einen zweiten Standort bekommen, sagt Gründer und CEO Wolfgang Bretschko. Man sei bereits auf der Suche nach einer passenden Immobilie und habe dabei vor allem den zweiten Wiener Gemeindebezirk im Auge. In weiterer Folge könnte sich Bretschko auch ein Franchise-System vorstellen.
Das im vergangenen Juli eröffnete Cocoquadrat in der Wiedner Hauptstraße im 4. Bezirk sei mittlerweile gut besucht und müsse sich nach der Anlaufphase ab 2017 auch finanziell rechnen, sagt Bretschko im Gespräch mit dem Brutkasten. Das Lokal ist eine Mischung aus Kaffeehaus und Coworking-Space, ein Konzept das sich Bretschko aus San Francisco „abgeschaut“ hat und in Wien in dieser Form zum ersten Mal umgesetzt wurde. „Die ersten drei Monate nach der Eröffnung waren sehr ruhig, seit Oktober haben wir gemerkt dass es sukzessive mehr wird und seit Jänner sind wir gut gebucht“, sagt der ehemalige Vorstand des Medienkonzerns Styria.
Heuer gehe es vor allem darum, das Geschäftsmodell zu testen und den bestehenden Standort „gut zum Rennen“ zu bekommen. Für 2017 sein ein zweites Lokal geplant und dafür würde man bereits einen Standort suchen – mit einer Vorliebe für den zweiten Bezirk. Die Suche soll laut Bretschko bis September abgeschlossen werden, damit sich ein Start im ersten Quartal 2017 ausgeht. „Ob wir dann noch weitergehen, möglicherweise mit einem Franchise-System, das wird sich noch weisen. Das ist noch nicht konkret“, so der Gründer.
„Ob wir dann noch weitergehen, möglicherweise mit einem Franchise-System, das wird sich noch weisen. Das ist noch nicht konkret“
Bretschko ist ein bedeutender Name in der österreichischen Venture-Capital-Szene und neben seiner Führungsrolle bei Cocoquadrat auch an dem heimischen Immobilien-Startup Zoomsquare beteiligt. Als Coach berät er außerdem Startups und Manager in Veränderungsprozessen.
Ort zum Arbeiten und Vernetzen
Cocoquadrat verbindet Elemente von Coworkingspaces und klassischen Kaffeehäusern, sei aber vor allem zum Arbeiten gedacht – für die Arbeitsplätze kann man Stunden-Guthaben kaufen, die minutengenau abgerechnet werden. Das Publikum sei bunt gemischt, Gründer von early-stage Startups könne man ebenso antreffen wie „Leute, denen im Büro einfach die Decke auf den Kopf fällt“, sagt Bretschko. Den Unterschied zu einem normalen Kaffeehaus mache eine gewisse „Grundkonzentration“ aus, die von den Gästen ausgehe. „Es lebt davon, dass Leute dort arbeiten und man auch immer wieder interessante Leute findet, die einem bei der ein oder anderen Frage weiterhelfen können. Wenn man sich vernetzen will, kann man das tun – aber man muss nicht“.
Vom Labor zum Markt: Warum Innovation erst in der Produktion Realität wird
Österreich verfügt über starke Forschung, innovative Life-Science-Unternehmen und Top-Talente. Doch zwischen Wissenschaft und erfolgreicher Versorgung liegt ein entscheidender Schritt, der oft unterschätzt wird: die industrielle Umsetzung.
Vom Labor zum Markt: Warum Innovation erst in der Produktion Realität wird
Österreich verfügt über starke Forschung, innovative Life-Science-Unternehmen und Top-Talente. Doch zwischen Wissenschaft und erfolgreicher Versorgung liegt ein entscheidender Schritt, der oft unterschätzt wird: die industrielle Umsetzung.
Christoph Reinwald, General Manager des Pharma-Startups Complex Pharmaceuticals |
Dieser Text ist zuerst im brutkasten-Printmagazin von August 2026 Aufbrechen erschienen.
Wenn über Innovation gesprochen wird, stehen meist Forschung, neue Technologien oder bahnbrechende wissenschaftliche Erkenntnisse im Mittelpunkt. Gerade im Life-Science-Bereich sind es häufig neue Wirkstoffe, innovative Therapieansätze oder vielversprechende Biotech-Unternehmen, die Aufmerksamkeit erzeugen. Der eigentliche Härtetest beginnt aber oft erst dann, wenn aus einer wissenschaftlichen Idee ein marktfähiges Produkt werden soll.
„Zwischen Forschung und erfolgreicher Versorgung liegt die industrielle Umsetzung – eine hochkomplexe Phase“, gibt Christoph Reinwald zu bedenken. Er ist General Manager von Complex Pharmaceuticals, einem österreichischen Pharma-Startup, das mit neuen Ansätzen zur Versorgungssicherheit und Stärkung des Wirtschaftsstandorts Europa beitragen will.
Die unterschätzte Seite der Innovation
Dabei geht es um weit mehr als Produktion im klassischen Sinn: Verpackung, Serialisierung, Dokumentation, Qualitätssicherung, regulatorische Anforderungen, Lagerung und Distribution bilden gemeinsam jene Infrastruktur, die Innovation überhaupt erst für Patient:innen verfügbar macht.
Genau an diesem Punkt stehen viele europäische Life-Science-Unternehmen vor einer zentralen Herausforderung: „Forschungskompetenz ist vorhanden, technologische Ideen ebenfalls. Doch wenn es um flexible Produktions- und Verpackungskapazitäten geht, fehlen oft geeignete Strukturen“, weiß Reinwald aus eigener Erfahrung. Der Biotechnologe mit Spezialisierung auf Qualitäts- und Risikomanagement beschäftigt sich seit vielen Jahren mit den regulatorischen und industriellen Anforderungen der Pharmabranche. In leitenden Funktionen verantwortete er Entwicklungs-, Produktions- und Qualitätsprozesse entlang der pharmazeutischen Wertschöpfungskette. Als Qualified Person gemäß EU-GMP-Richtlinie kennt er die Herausforderungen, die zwischen wissenschaftlicher Innovation und industrieller Umsetzung liegen, aus erster Hand.
Während viele industrielle Systeme auf große Produktionsmengen ausgelegt wurden, verändert sich die Branche zunehmend. Spezialisierte Therapien und Produkte, kleinere Chargengrößen und klinische Studien erfordern neue Produktionslogiken. „Gefragt sind heute Produktionssysteme, die schnell skalieren können, kurze Umrüstzeiten ermöglichen und unterschiedlichste Anforderungen des Marktes wirtschaftlich abbilden“, so Reinwald.
Infrastruktur als Innovationsmotor
Genau hier setzt er mit seinem Unternehmen Complex Pharmaceuticals an. In Traiskirchen, südlich von Wien, wird derzeit ein hochmodernes Produktions- und Verpackungszentrum für die pharmazeutische Industrie aufgebaut. Ziel ist es, flexible Kapazitäten für unterschiedliche Marktanforderungen bereitzustellen – von Klein- und Kleinstchargen bis hin zu kommerziellen Produktionsvolumina. Dabei versteht sich das Unternehmen nicht nur als Produktionsdienstleister, sondern als Teil eines größeren Ökosystems.
Denn die beste wissenschaftliche Idee bleibt wirkungslos, wenn sie nicht effizient produziert, verpackt und verteilt werden kann. Wettbewerbsfähigkeit entsteht heute entlang der gesamten Wertschöpfungskette – von der Forschung bis zur Auslieferung. Daher braucht erfolgreiche Innovation laut Reinwald die richtige Infrastruktur.
Aus diesem Grund investiert Complex Pharmaceuticals bereits vor dem Produktionsstart Anfang 2027 in den weiteren Ausbau seines Standorts. Die Gesamtfläche wurde auf 15.200 Quadratmeter erweitert und damit beinahe verdoppelt. Neben den bereits vorhandenen Produktionskapazitäten bilden zusätzliche Lagerflächen sowie Infrastruktur für zukünftige Projekte die Grundlage für umfassende pharmazeutische Services.
Die Investition folgt dabei der Überzeugung, dass Europa nicht nur Forschungsexzellenz braucht, sondern auch die Fähigkeit, Innovationen industriell umzusetzen. Gerade Österreich bietet laut Reinwald dafür ideale Voraussetzungen: Universitäten, Forschungszentren, Startups und etablierte Industrieunternehmen bilden ein starkes Netzwerk. Werden diese Kompetenzen durch moderne Produktionsstrukturen ergänzt, entsteht ein Umfeld, in dem Innovation nicht nur gedeihen, sondern auch erfolgreich skaliert werden kann.
Für den Standort Traiskirchen bedeutet das eine langfristige Perspektive: Bis 2028 entstehen mehr als 60 neue Arbeitsplätze, gleichzeitig wird in Automatisierung, Digitalisierung und eine nachhaltige Gebäudetechnik investiert.
Von Science zu Business
Die eigentliche Bedeutung solcher Projekte reicht jedoch weit über einen einzelnen Standort hinaus. Sie zeigen, dass erfolgreiche Innovation nicht nur durch Forschung entsteht; sie entsteht dort, wo wissenschaftliche Erkenntnisse, unternehmerischer Mut und industrielle Umsetzung zusammenkommen. Oder anders gesagt: Der Weg von Science zu Business führt nicht nur durch das Labor, sondern auch durch die Fabrik.
Infobox: Complex Pharmaceuticals ist ein 2024 gegründetes Pharmaunternehmen mit Sitz in Wien und einem Produktions- und Verpackungszentrum in Traiskirchen. Mit seinem Fokus auf hochflexible Sekundärverpackung können unterschiedlichste Chargengrößen effizient und exakt hergestellt werden. So trägt das Unternehmen zur Versorgungssicherheit und Stärkung des Produktionsstandorts Europa bei. www.complex-pharma.com
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