19.01.2016

Clozer-Launch: Dieses Startup jongliert mit Milliarden

Noch bevor sie offiziell starten, hat Clozer bereits eine Warteliste an interessierten Kunden. Auf der Plattform, die sich als "Uber of sales" bezeichnet, gibt es bereits 35.000 Verkäufer und ein Dealvolumen von 1,3 Milliarden Dollar wartet darauf, "geclosed" zu werden.
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Mattia Varriale ist der Co-Gründer von Clozer.

Unternehmen und ihre Manager kennen das Problem gut, das Clozer löst. Die Messe, bei der man seine Firma repräsentieren muss, die Veranstaltung, wo gepitcht werden soll oder der Kunde, der vielleicht am Produkt interessiert sein könnte, befindet sich zu weit weg. Ob man nun nach London oder Hong Kong fliegen muss, die Reisezeit, der Flug und das Hotel vor Ort, kostet viel Geld – und das, obwohl man sich nicht sicher sein kann, ob sich daraus etwas ergibt.


Update: Business Insider UK berichtet von umstrittenen Methoden des Startups. Hier geht es zum Artikel. Außerdem soll Gründerin Ami Bloomer inkorrekte Angaben auf LinkedIn zu ihrem Investments gemacht haben.


Launch von Clozer: Der Hintergrund

Das dachte sich auch Ami Bloomer, die mit ihrem Startup „Give what you are good at“ viele Kunden in Südasien hatte. Inzwischen hat sie sich aus dem operativen Geschäft der Plattform, die freiwillige Helfer sucht und mit Unternehmen verknüpft, zurück gezogen. Lehrreich war die Zeit allemal, denn nachdem der Premierminister in London auf das Startup verwiesen hatte, erlebte die Gründerin einen großen Hype um ihr Unternehmen. Und stieß damit auf ein weiteres Problem: Der (viel) ältere Kundenstamm, den die blondhaarige, junge Frau damit bekam, nahm sie nicht so ernst, wie sie es gerne gehabt hätte. Ein männlicher Kollege hingegen, den sie schließlich ins Unternehmen holte, schaffte es, die meisten der Verkaufsgespräche positiv abzuschließen.

Die Idee von Clozer war geboren. Zusammen mit Mattia Varriale, der lange Zeit im Sales gearbeitet hat, war auch das Gründerteam perfekt. Unternehmenssitz ist in Wien. Schließlich holten sich die Gründer noch einen CTO an Board. Zuvor hatte man mit Entwickler-Teams in Dubai und Texas gearbeitet – aber die Zusammenarbeit hatte nicht so gut funktioniert. „Wir wussten nicht, welch großer Aufwand hinter so einer Seite steckt“, gibt Varriale offen zu. Im Interview erzählt er dem Brutkasten exklusiv vom Launch.

Ihr habt noch nicht einmal den Launch hinter euch und bereits 35.000 Verkäufer, 17 Deals abgeschlossen und ein Dealvolumen in einer Höhe von 1,3 Milliarden Dollar. Wie ist das möglich?

Die ersten Kunden haben wir über Amis Netzwerk bekommen, die bereits ein Startup gegründet hat. Viele der Kunden sind auch über Mundpropaganda auf uns gestoßen. Der Rest war klassische „handarbeit“. Seit dem Start ist Clozer auf großes Interesse gestoßen. Es ist passiert, dass Unternehmen, die wir rekrutieren wollten, auf uns zugekommen sind. Wir haben ganz gezielt bestimmte Personengruppen angeschrieben – vor allem auf LinkedIN. Manchmal haben wir tausende Nachrichten pro Tag verschickt. Wir haben Unternehmen direkt angeschrieben oder ihre Seite geöffnet, damit sie auf uns aufmerksam werden. Heute Nacht werden 1,4 Millionen E-Mail rausgehen, um unsere User zu informieren, dass unsere Website nun live ist.

„Clozer hat von Anfang an großes Interesse geweckt. Aktuell haben wir 400 Investoren, die investieren wollen“, meint Co-Gründer Mattia Varriale.

Seid ihr auf der Suche nach Investoren?

Unsere Idee kommt gut an. Wir haben aktuell Angebote von 400 Investoren, die sich gerne beteiligen möchten. Wir sind nun dabei, einen VC auszusuchen, der uns neben Kapital mit seinem Know-How unterstützt. Konkret im Finance und im Rechtsbereich. Wir können auch mit guten Zahlen punkten: Seitdem unsere Website seit wenigen Stunden live ist, haben wir bereits 21 neue Kunden und 14 Verkäufer. Und das, obwohl wir die E-Mails noch nicht ausgeschickt haben. Wir haben auch eine lange Warteliste von Kunden, die Clozer nutzen möchten.

Wieso sollte ein Unternehmen einen Verkäufer über Closer akquirieren?

Man stelle sich folgendes Problem vor: Man möchte einen Kunden in Singapur von seinem Produkt überzeugen. Der Sitz der Firma ist aber in Wien und man kann oder will aus Kostengründen nicht hin fliegen. Mit Clozer findet man den richtigen Verkäufer vor Ort: Einen, der sich in der jeweiligen Branche auskennt, der die richtige Vorerfahrung mitbringt und gut aussieht, wenn das einen Vorteil bringt.

Heißt das, dass es gar nicht mehr um die Idee geht, sondern nur um den perfekten „Pitch“?

Natürlich muss man an das Produkt glauben. Aber es gibt viel mehr Leute, die zwar die Leidenschaft mitbringen, aber kein Talent im Sales haben. Oft ist es doch so, dass Gründer – auch wenn ihr Produkt gut ist – nicht verkaufen können. Ein Salesman, den man noch dazu nur bei erfolgreichem Abschluss des Deals bezahlt, ist meistens sogar besser.

Mattia Varriale ist der Co-Gründer von Clozer.
Mattia Varriale ist der Co-Gründer von Clozer.

Gibt es immer den richtigen Verkäufer?

Es gibt über eine Million Verkäufer – da ist für jeden Kunden der richtige dabei. Wir bieten die Plattform, damit sich die beiden finden. Der Salesman wird zu seinem eigenen Interesse nur jene Aufträge annehmen, in denen er erfolgreich sein wird. Zwischen den beiden Parteien wird dann ein non disclosure agreement abgeschlossen. der Kunde bereitet dann den Salesman in mehreren Gesprächen auf den Pitch vor. Das läuft ebenfalls über unsere Plattform. Hier ist auch die Zielsetzung wichtig: Was soll der Käufer erreichen? Gibt es bereits einen Termin oder muss er erst an den potentiellen Kunden herantreten? Unsere Verkäufer sind sehr professionell und kennen die Branche, die für das Unternehmen relevant ist. Sollte er also auch einmal nicht die richtige Antwort parat haben, wird er sich zu helfen wissen.

Stellt ihr alle Verkäufer bei euch an?

Nein, der Verkäufer bekommt vom Unternehmen 10 Prozent des Deals, den er erfolgreich geclosed hat. Wir bekommen 5 Prozent. Das ist trotzdem weniger, als das Unternehmen zahlen würde, wenn es Flug, Hotel und vor allem Reisezeit einplant – Zeit, die der Manager gewinnt, um sich um andere Sachen zu kümmern.

Wie schützt ihr euch vor Missbrauch?

Wir sind der Meinung, dass Clozer den Unternehmen und den Verkäufern einen starken Mehrwert bietet. Außerdem läuft die Kommunikation zwischen den beiden Parteien über unsere internen Channels ab, die wir im Ernstfall monitoren können. Es bringt beiden Seiten keinen Vorteil, wenn wir sie sperren müssten und die Empfehlungen, die am Ende wie bei Airbnb abgegeben werden, schlecht sind.

Im Interview mit dem Brutkasten.
Im Interview mit dem Brutkasten.

Wieso sollten auch Startups Clozer nutzen?

Als Startup-Gründer sollte man sich eher auf die Produktentwicklung konzentrieren und das Verkaufen anderen überlassen, die darin gut sind. Gerade in der Anfangsphase können sich Startups oft kein Sales-Team leisten, da kommt Clozer ins Spiel. Wir funktionieren ähnlich wie Uber: Wenn du einen Verkäufer für einen Pitch morgen in London brauchst und übermorgen in Moskau, selbst aber bei einer Veranstaltung in London sein musst, bieten wir die ideale Lösung.

„Wir möchten mit Clozer das erste Unicorn aus Wien gebären“, so Mattia Varriale.

Welche nächsten Schritte können wir von Clozer erwarten?

Ab Februar wird ein Datenexperte bei uns anfangen. Wir wollen herausfinden, wieso Deals closen und wer von wem kauft. Mit einer genauen Analyse wollen wir Deals im Vorfeld voraussagen können und immer den perfekten Verkäufer für ein Produkt finden. Wir möchten das „Sales-Geheimnis“ mathematisch lüften.

Ist Sales dann nicht eigentlich oberflächlich?

Menschen kaufen von Menschen – nicht Produkte. Also ja. Die technischen Spezifikationen sind natürlich auch wichtig, aber der Mensch zuerst.

Wird euer Firmensitz in Wien bleiben?

Ja, denn wir glauben nicht daran, dass man in einer bestimmten Stadt sein muss, um ein Milliarden Unternehmen zu gründen. Wien hat eine tolle Lebensqualität und ist auch in Sachen Innovationen laut neuer Studien top. Wir werden den Zweitsitz in London nicht auflösen, aber möchten das erste Unicorn in Wien gebären.

Danke.

Hier geht’s zu Clozer.

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Mitarbeiterbeteiligung - Werner Wutscher | (c) Luiza Puiu
Werner Wutscher | (c) Luiza Puiu

Transkribus ist eine KI-Plattform, die historische Handschriften automatisch erkennt. Entstanden ist sie an der Universität Innsbruck, heute ist sie als Europäische Genossenschaft organisiert und wird weltweit von Archiven und Forschenden genutzt. Ein Paradebeispiel für ein akademisches Spinoff, nur eben keines aus der Technik, sondern aus den Geisteswissenschaften. Genau solche Gründungen will ein neuer Ausgründungsrahmen künftig systematisch ermöglichen.

„SHAPE Austria“ wurde im Rahmen der ECN-Konferenz von Werner Wutscher (New Venture Scouting) und Sektionschef Elmar Pichl vom Bundesministerium für Frauen, Wissenschaft und Forschung (BMFWF) vorgestellt. SHAPE steht für Social Sciences, Humanities and the Arts for People and the Economy. Der Bericht ergänzt den Ausgründungsrahmen von 2024, der den Hochschulen erstmals einheitliche Standards für Spinoffs vorgab. „Da war der klare Fokus auf skalierbare, technologieorientierte Startups. Die Geisteswissenschaften, Sozialwissenschaften und Künste sind zu kurz gekommen“, sagt Wutscher. Das Ministerium habe den Rahmen komplettieren wollen.

27 Institutionen in der Arbeitsgruppe

Erarbeitet wurde der Bericht von November 2025 bis Juni 2026 mit einer Arbeitsgruppe aus 27 Institutionen, darunter 16 Hochschulen von der Universität Wien über das Mozarteum bis zur Kunstuniversität Linz. Dazu kamen Interviews mit 16 Einrichtungen, die bereits weiter sind, etwa dem britischen ARC Accelerator, der Erasmus University Rotterdam oder der Universität Köln.

Das Ergebnis sind elf Empfehlungen, sechs an die Leitungsebene der Hochschulen, fünf an Transferstellen und Career Center. „Um auch strategische Themen zu diskutieren, braucht man unbedingt auch die Leitungsebene, also die Rektorate für diese Diskussionen“, so Wutscher.

Andere Sprache, andere Strukturen

Der zentrale Befund: Gründungen aus diesen Disziplinen folgen einer anderen Logik. Sie entstehen selten aus einer Marktchance, sondern aus einem gesellschaftlichen Problem. Im Bericht ist von „Reluctant Founders“ die Rede, Menschen, die nicht primär ein Unternehmen aufbauen, sondern etwas verändern wollen. „Du musst sehr stark über die Wirkung reden, über den Impact reden, um die dann gut abzuholen“, sagt Wutscher. Empfohlen wird ein „Prinzip der Zweisprachigkeit“: nach innen Wirkungssprache, nach außen klassische Startup-Begriffe, damit Finanzierung und Netzwerke nicht verschlossen bleiben. Statt von Kund:innen spricht man dann von Audiences.

Strukturell sind SHAPE-Gründungen meist günstiger und schneller als Tech-Spinoffs: kein Labor, kein Patentierungsprozess, kürzere Validierungszyklen. Dafür braucht es niederschwellige, mehrstufige Begleitung und offene Rechtsformen. Statt der GmbH kann auch ein Verein, eine Genossenschaft oder ein Hybridmodell passen. „Wenn du einen Verein gründest, um Gesundheitspolitik zu promoten, brauchst du kein Labor“, so Wutscher.

Soft IP statt Patente

Ein eigener Schwerpunkt gilt dem geistigen Eigentum. Wo keine Patente entstehen, sondern Urheberrecht, Software, Daten oder Know-how, greifen die üblichen IP-Richtlinien nicht. Der Bericht empfiehlt getrennte Regeln für Hard und Soft IP mit deutlich günstigeren Konditionen und nennt als Benchmark die University of Bristol: 20 Prozent Beteiligung bei patentbasierten Spinoffs, fünf Prozent bei „IP light“, null Prozent ohne verwertbares IP. Leitprinzip: so offen wie möglich, so geschlossen wie nötig, inklusive Creative-Commons- und Open-Source-Lizenzen.

Weil die Wirkung im Vordergrund steht, sollen Hochschulen auch nicht auf Lizenzeinnahmen hoffen, sondern Impact messen. Anlage 1 des Berichts liefert dafür beispielhafte Indikatoren, von erreichten Nutzer:innen bis zu Impact Case Studies.

Netzwerk und gemeinsames Programm

Weil die Pipelines einzelner Hochschulen klein sind, empfiehlt der Bericht ein österreichweites SHAPE-Netzwerk nach dem Vorbild des britischen Aspect Network und ein gemeinsames Frühphasenprogramm, angedockt an bestehende Strukturen wie AplusB, ECN oder die Ludwig Boltzmann Gesellschaft. New Venture Scouting koordiniert dafür ein Jahr lang Quartalstreffen der Arbeitsgruppe. Dazu kommt die Forderung, Transfer und Gründung in Berufungen und Evaluierungen anzuerkennen, im Sinne der CoARA-Initiative, die von rein publikationsbasierten Metriken abrücken will.

Die Beispiele in Anlage 2 reichen von ArtWave, einem Startup zweier Opernsängerinnen für Stressreduktion und Burnout-Prävention, über die Praxissoftware freudio für Psychotherapeut:innen bis zur Kärntner Freiwilligenplattform inmojo. „Wir haben noch sehr wenige. Deswegen haben wir den Ausgründungsrahmen um Success Stories ergänzt, damit sich die Leute das vorstellen können“, sagt Wutscher.

„Da wären wir mit vorne dabei“

Für Wutscher ist der Zeitpunkt entscheidend: Die großen Fragen rund um KI, Ethik oder Medizin bräuchten interdisziplinäre Teams. Und beim SHAPE-Thema stehe ganz Europa noch am Anfang. „Deswegen wäre das jetzt so spannend, wenn wir das jetzt starten könnten. Da wären wir mit vorne dabei.“

Bleibt der Haken: das neue Universitätsbudget. Wutscher, der auch Vorsitzender des Universitätsrats der Universität Klagenfurt ist, nennt die Kürzungen einen „massiven Dämpfer“. Die große Herausforderung sei, „dass diese Einsparungen nicht dazu führen, dass Innovation und das Neue gedrosselt werden“. Gerade bei Entrepreneurship-Aktivitäten sei die Entwicklung zuletzt nach oben gegangen: Österreichweit gebe es mittlerweile 31 Forschungs-Spinoffs, 2024 waren es noch 25.

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