Green Transition Facility: KfW Capital investiert 100 Mio Euro in ClimateTech-Fonds
Mit dem neu konzipierten Programm "Green Transition Facility" investiert die KfW Capital aus Deutschland ab sofort in Venture-Capital-Fonds, die ihren Fokus auf Climatetech und angrenzende klimarelevante Themenfelder setzen. Insgesamt stehen 100 Millionen Euro zur Verfügung.
In den letzten Jahren sind in Europa immer mehr VC-Fonds an den Start gegangen, die spezifisch in Klimatechnologien investieren. Zu ihnen zählen beispielsweise der 350 Millionen Euro schwere World Fund oder der Climate & Industry Opportunity-Fonds von Speedinvest, der über ein Volumen von rund 80 Millionen Euro verfügt. Mittlerweile fließt übrigens jeder vierte Risikokapital-Dollar in ClimateTech, wie der „PwC State of Climate Tech Report“ für 2022 zeigt.
100 Millionen Euro Für ClimateTech
Mit KfW Capital kommt nun erneut Kapital auf den Markt, das spezifischen in den ClimateTech-Sektor fließen soll. Konkret sollen über ein neu geschaffenes Programm namens „Green Transition Facility“ in den nächsten Jahren 100 Millionen Euro in Venture-Capital-Fonds investiert werden, die ihren Fokus auf Climatetech und angrenzende klimarelevante Themenfelder setzen. Die Ankündigung erfolgte von Jörg Goschin, Co-Geschäftsführer von KfW Capital, in einem Interview mit dem Venture Capital Magazin. KfW Capital ist eine 100-prozentige Tochter der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) aus Deutschland und investiert in deutsche und europäische Venture Capital- und Venture Debt-Fonds.
In welche Fonds investiert wird
Entscheidend ist bei den Investments die Strategie der Fonds, die auf die Kriterien der EU-Taxonomie-Verordnung 2020/852 passen muss. Bei den Climatetech-Fonds handelt es sich um First Time-Fonds, die zuweilen ein erschwertes Fundraising-Umfeld vorfinden und daher laut Goschin unterstützt werden sollen. Investiert werden sollen maximal 19,9 Prozent des Fondsvolumen und die Fondsgröße soll nicht kleiner als 50 Millionen Euro sein.
„Die Zielfonds müssen einen Investitionsschwerpunkt im Bereich ‚Climate Tech‘ und angrenzenden klimarelevanten Technologiefeldern haben, sie müssen nach Artikel 8 oder 9 der Sustainable Finance Disclosure Regulation (SFDR) klassifiziert sein, ihren Sitz in Europa haben und in Deutschland investieren“, so Goschin.
„Die Gebäude von 2050 stehen schon“: Wiener Startup druckt Sandfassaden für die Altbausanierung
Das 2024 gegründete Wiener Startup Joyh nutzt 3D-Druck, um historische Gründerzeithäuser mit Sandfassaden thermisch zu sanieren. Das modulare System soll die Architektur erhalten, den Energieverbrauch senken und langfristig als Software-Abo skalieren.
„Die Gebäude von 2050 stehen schon“: Wiener Startup druckt Sandfassaden für die Altbausanierung
Das 2024 gegründete Wiener Startup Joyh nutzt 3D-Druck, um historische Gründerzeithäuser mit Sandfassaden thermisch zu sanieren. Das modulare System soll die Architektur erhalten, den Energieverbrauch senken und langfristig als Software-Abo skalieren.
Ein Spaziergang durch die Wiener Innenstadt oder den Gürtel genügt: Stuckfassaden, hohe Fenster, verzierte Erker – jene Gründerzeithäuser, wegen derer jährlich Millionen Tourist:innen nach Wien kommen. Fast alle sind heute begehrte Wohnadressen. Dasselbe Bild findet sich auch in vielen anderen europäischen Städten wieder, von Paris bis Berlin.
Doch während die Gebäude nach außen mit ihrer Schönheit glänzen verbirgt sich im Inneren ein Energieeffizienz-Alptraum. Rund 80 Prozent der österreichischen Gebäude stammen aus der Zeit vor der ersten OIB-Wärmeschutzrichtlinie, und liegen großteils in einer der schlechtesten Energieklassen. Die Sanierungsrate lag zuletzt bei 1,2 Prozent, denn aufgrund der Fassadenerhaltung scheitert es meist an der Genehmigung. Genau hier will das Wiener Startup Joyh ansetzen. Mit Sandfassaden aus dem 3D-Drucker will man die Gründerzeithäuser energietechnisch in die Neuzeit holen.
Die Idee dazu entstand zufällig: 2023 druckten und gestalteten die beiden Gründer:innen eine Sandskulptur für die Dubai Design Week. Tagelang stand sie in praller Sonne im Freien. „Wir haben gemerkt, dass sie sich beim Anfassen gar nicht aufgeheizt hat“, erzählt Mitgründer Oliver Hamedinger.
Der Grund liegt in der Porosität des Materials: „Der beste Wärmedämmstoff ist Luft“, erklärt Hamedinger – und 3D-gedruckter Sand enthält davon mehr als Beton oder Ton. Mit dieser Erkenntnis in der Tasche gründeten Oliver Hamedinger und Jade Bailey 2024 ihr Sanierungsstartup mit einer klaren Haltung: „Die Gebäude von 2050 stehen schon. Wir müssen nur einen neuen Weg finden, sie zu sanieren“, sagt Co-Founderin Bailey.
Joyh setzt hier mit seinem System „Brian“ an: mineralische Bauteile, gedruckt per Binder-Jetting aus Sand – demselben Verfahren, mit dem sonst Formen für den Stahlguss entstehen. Aktuell arbeitet man für den Druck der einzelnen Fassadenteile mit der voestalpine Foundry Group zusammen, die über die nötigen Maschinen verfügt.
Für die Sanierung wird die Fassade zuvor digital gescannt. So entsteht auch ein digitaler Zwilling, der vor allem bei Reparaturen interessant wird. Die einzelnen Fassadenelemente sind laut Hamedinger rund 12 bis 15 Kilogramm schwer“ die Größe, die ein Bauarbeiter allein auf der Baustelle handhaben darf“ und werden ohne Kleber ineinandergesteckt. Das ermöglicht laut Gründerduo nicht, nur eine simple Anbringung sondern auch einen separaten Austausch.
Eine vollständige thermische Sanierung kostet aktuell 600 bis 800 Euro pro Quadratmeter. Das ist zwar mehr als klassisches WDVS (Wärmedämmverbundsystem), eine mehrschichtige Konstruktion an der Außenseite von Gebäuden, die zur effektiven Wärmedämmung dient, für Gründerzeitfassaden, durch die ganzheitlich benötigte Abtragung allerdings ungeeignet. „Ein großer Teil des Wiener Altbestands fällt aus der Sanierungslogik heraus, weil die üblichen Systeme dort nicht infrage kommen. Genau diese Gebäude wollen wir erreichen“, sagt Mitgründerin Jade Bailey.
Die operative Sanierung soll allerdings nicht bei Joyh bleiben. Skalieren will man hingegen über die dazugehörige Plattform „D2P“, die aktuell aus den Gebäudedaten die fertigungsfertige Druckdateien erzeugt. Diese soll langfristig als Abo-Modell an Architekt:innen und Fertigungspartner:innen weltweit lizenziert werden. „Ein Produkt kann man kopieren. Ein System, das mit jedem Projekt dazulernt, nicht“, sagt Hamedinger.
Von Architektur und Technik zum Startup
Hamedinger bringt technisches Know-how mit, unter anderem aus seiner Zeit bei Siemens, Bailey ist ausgebildete Architektin mit Erfahrung in Österreich, Deutschland, Großbritannien und den USA. Finanziert haben die beiden ihr Startup bislang aus mehreren Quellen: Rund 30.000 Euro brachten sie privat ein, dazu kam eine FFG-Patentförderung. Zuletzt sicherte sich das Team 202.000 Euro aws-PreSeed-Deep-Tech-Förderung und gewann das nationale Finale des ClimateLaunchpad Austria.
Bevor ihr System auf reale Fassaden kommt, muss es sich noch durch Brandschutz-, Statik- und Frost-Tau-Prüfungen beweisen, erste Pilotprojekte sind für Anfang 2027 geplant. „Der eigentliche Test kommt erst, wenn wir es auf echte Fassaden bringen“, sagt Bailey. Ab Mitte desselben Jahres will das Gründerduo zusätzlich strategische Investor:innen an Bord holen.
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