27.01.2023

Christian Kern: Ex-Kanzler hat neuen Investoren-Job

Der ehemalige SPÖ-Bundeskanzler Christian Kern startet als Beirat und Co-Investor bei der auf Restrukturierung spezialisierten Zachert Private Equity.
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Christian Kern ist im Beirat von Zachert Private Equity
Der neue Beirat bei Zachert Private Equity: v.l.n.r. Martin von Hirschhausen, Olaf Zachert, Michael Schellenberger, Christian Kern | (c) Thomas Trutschel/ photothek

!!Risikokapital ist, wie der Name nahelegt, mit einem gewissen Risiko verbunden. Nun könnte man meinen, dass Unternehmen, die bereits in Schwierigkeiten sind, kaum an weiteres !!Risikokapital kommen. Doch ganz so ist es nicht. Tatsächlich gibt es auch Beteiligungsgesellschaften, die auf genau solche Restrukturierungs-Fälle spezialisiert sind. Eine davon ist Zachert !!Private !!Equity mit Sitz in Grünheide bei Berlin (ja, das Grünheide, wo auch die Tesla Gigafactory ist). Dort hat Österreichs Ex-Bundeskanzler Christian Kern (SPÖ) nun als Beirat und Co-Investor angefangen.

Zachert will Traditionsunternehmen restrukturieren

„Die Zahl der Unternehmensinsolvenzen steigt derzeit an, immer mehr Firmen geraten in die wirtschaftliche Schieflage. Viele dieser Insolvenzen wären vermeidbar“, meint Olaf Zachert, CEO und alleiniger Gesellschafter von Zachert Private Equity, in einer Aussendung und erklärt: „Unser Ziel ist es, sanierungsbedürftige Unternehmen, vor allem Traditionsunternehmen, durch Einsatz unseres langjährigen Restrukturierungs-Know-hows neu auszurichten und nach Möglichkeit zu erhalten. Ganz bewusst unterscheiden wir uns hierbei von anderen Private Equity-Anbietern am Markt“.

Christian Kern und zwei weitere neu bestellte Mitglieder des Beirats, Vermögens-Experte Martin von Hirschhausen und Wirtschaftsanwalt Michael Schellenberger, sollen nun ihre Erfahrungen und ihr Netzwerk einbringen und damit die „Beteiligungsaktivitäten deutlich voranbringen“, erhofft sich Zachert, „Wachstumschancen, die sich aus dem akuten Neuausrichtungsbedarf vieler Unternehmen ergeben, können wir zukünftig beschleunigt nutzen. Schon jetzt steigt der Deal Flow erheblich an“.

Christian Kern: „Werde mich als Co-Investor und Beirat aktiv einbringen“

Christian Kern kommentiert: „Wir leben in einer Zeit großer wirtschaftlicher und geopolitischer Herausforderungen und gleichzeitig enormer Möglichkeiten. In Europa bahnt sich ein tiefgreifender Strukturwandel an, der auch Unternehmen mit einer langjährigen Erfolgsgeschichte oftmals überfordert. Zachert Private Equity hat, Dank des exzellenten Knowhows, die Voraussetzungen, um Unternehmen in diesem Umfeld effizient zu entwickeln und zu unterstützen. Ich werde mich als Co-Investor und Beirat aktiv einbringen.“

Teil-Ausstieg bei Blue Minds

Für den Ex-Bundeskanzler ist der Risikokapital-Bereich prinzipiell kein Neuland. Als Managing Partner und Miteigentümer der auf Investments in Tech-Unternehmen im Energiebereich fokussierten Wiener Blue Minds seiner Ex-Frau Eveline Steinberger konnte er bereits Erfahrungen sammeln. Laut aktuellen Firmendaten ist er übrigens nur mehr an einem Tochterunternehmen der Gruppe, der Blue Minds Living GmbH, mit 16 Prozent beteiligt und nimmt keine Geschäftsführer-Position mehr ein.

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(c) x-tention / syndena

In den Kliniken liegt medizinisches Wissen aus Jahrzehnten überwiegend als Freitext vor. Für systematische Auswertungen und Forschung ist es damit nur mit erheblichem manuellem Aufwand nutzbar. Genau hier setzt syndena an: Das Unternehmen wandelt gewachsene klinische Dokumentation über einen KI- und NLP-gestützten Prozess mit menschlicher Qualitätssicherung in eine konsistente, interoperable Datenbasis um. Die so entstehenden Real World Data sollen laut Aussendung klinische Forschung und Versorgungsanalysen unterstützen, ohne die klinische Beurteilung zu ersetzen. Möglich werden sollen dadurch ein besseres Verständnis der Wirksamkeit von Therapien in der Versorgung sowie eine breitere Patientenrepräsentation.

Health-IT-Gruppe mit rund 850 Beschäftigten

Mit der nun verkündeten Mehrheitsübernahme erweitert x-tention sein Lösungsportfolio im Umfeld klinischer Daten. Die 2001 von Herbert Stöger gegründete Gruppe ist tief im Bereich Gesundheits-IT verankert: Sie deckt unter anderem Datenmanagement, ELGA, Konnektivität und Managed Services ab und betreut nach eigenen Angaben mehr als 1.000 Kunden im Gesundheitswesen. Heute beschäftigt x-tention rund 850 Mitarbeiter:innen in Österreich, der Schweiz, Deutschland und England sowie in einem Office im Silicon Valley. Erst im Mai berichtete brutkasten über das von x-tention mitgegründete Cybersecurity-Startup SecurITe, das eine Seed-Runde im niedrigen zweistelligen Millionenbereich abschloss (brutkasten berichtete).

syndena bleibt in Innsbruck verankert

Der Hauptsitz von syndena bleibt laut Aussendung in Innsbruck, auch Forschung und Entwicklung sollen weiterhin von Tirol aus vorangetrieben werden. Zugleich soll die Partnerschaft dem Unternehmen die überregionale und internationale Skalierung der Technologie ermöglichen. Zu Kaufpreis und genauer Beteiligungshöhe machen die Unternehmen keine Angaben.

Vorbereitung auf den European Health Data Space

Hintergrund der Beteiligung ist der European Health Data Space (EHDS): Ab 2029 gelten erste zentrale Bestimmungen, darunter Regeln für die Sekundärnutzung der meisten Kategorien elektronischer Gesundheitsdaten. x-tention will österreichische Gesundheitseinrichtungen nach eigenen Angaben frühzeitig anschlussfähig an den Europäischen Gesundheitsdatenraum machen.

„Gesundheitsdaten sind das wertvollste und sensibelste Gut im System. Mit dem European Health Data Space rückt der verantwortungsvolle Umgang damit jetzt europaweit in den Fokus, und genau dafür holen wir syndena an Bord“, sagt Herbert Stöger, Geschäftsführer von x-tention.

Datenhoheit bleibt bei den Einrichtungen

Die Datenverarbeitung erfolgt laut den Unternehmen pseudonymisiert, die Datenhoheit verbleibt demnach bei der jeweiligen Einrichtung: Für Forschung und multizentrische Auswertungen werden Daten nur nach deren Freigabe bereitgestellt. Auf dieser Grundlage sollen auch Kooperationen mit Forschungs- und Life-Science-Partnern stattfinden. x-tention positioniert die Beteiligung zudem ausdrücklich als Gegenmodell zur Abhängigkeit von außereuropäischen Datenplattformen: europäisch, DSGVO-nativ und auf souveräner IT-Infrastruktur basierend.

„In den Krankenhäusern liegt ein jahrzehntelanger Wissensschatz, der bisher nur mit erheblichem Aufwand nutzbar ist. Wir machen ihn für Versorgung und Forschung systematisch nutzbar, ohne dass die Einrichtungen die Kontrolle über ihre Daten verlieren“, sagt Roman Weger, CEO von syndena.

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