22.05.2020

China: Ein Tech-Konjunkturpaket, um die USA endgültig zu überholen

China will aus der Coronakrise gestärkt hervorgehen. Teil eines umfassenden Konjunkturprogramms ist laut Bloomberg auch ein 1,3 Billionen Euro schweres Tech-Paket, das dieser Tage im Volkskongress beschlossen werden soll.
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China: Tech-Konjunkturpaket, um die USA zu überholen
China kämpft mit Technologie gegen den Coronavirus. (c) blackday/Adobe Stock

Heute startet – mit Corona-bedingter mehrwöchiger Verzögerung – die Tagung des Volkskongress in Peking. Dieses Jahr steht das Polit-Spektakel mit rund 3000 Abgeordneten natürlich ganz im Zeichen der Coronavrius-Pandemie. So wird dieses Jahr etwa erstmals seit fast zwei Jahrzehnten kein Wachstumsziel ausgegeben. Die Ausgabe weiterer Staatsanleihen im Umfang von umgerechnet rund 128 Milliarden Euro zur Finanzierung eines weiteren Konjunkturprogramms  und regionaler Anleihen für Infrastrukturprojekte im Umfang von ganzen 480 Milliarden Euro wurde bereits angekündigt. Und wie Bloomberg gestern berichtete soll der Volkskongress dieser Tage auch ein eigenes Tech-Konjunkturpaket beschließen. Und zwar mit einem Volumen von rund 1,3 Billionen Euro.

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Drei große Bereiche im Tech-Konjunkturpaket

Das Ziel ist klar: Es soll endgültig gelingen, die USA im Tech-Bereich zu überholen. Es ist ein Ziel, das durch die besonderen Härte, mit der die Coronakrise derzeit die USA trifft, ein zusätzliches Momentum bekommt. Konkret soll das Mega-Paket der Chinesen drei große Bereiche umfassen:

Erstens sollen über den umfassenden Ausbau des 5G-Netz und von Kameras und Sensoren im öffentlichen Raum, die Grundlagen für autonomes Fahren geschaffen werden und der (AI-gestützte) Überwachungsapparat gleichzeitig weiter perfektioniert werden. Zweitens soll Geld in die Antrengungen im Bereich AI, insbesondere IoT und Machine-to-Machine-Communication fließen. Drittens soll Kapital für den innerchinesischen Tech-Infrastruktur-Ausbau, vor allem Zug-Hochgeschwindigkeitsstrecken und Hochspannungsleitungen locker gemacht werden.

Wettlauf der Tech-Riesen – nur ein Kampfschauplatz

Beauftragt werden klarerweise die chinesischen Tech-Riesen wie Huawei, Alibaba, Tencent und China Mobile, die so weitere Meter auf ihre US-Pendants gut machen sollen. Die Devise ist „China first“. Schon seit Jahren ist der Wettlauf der größten Tech-Unternehmen der Welt eine rein chinesisch-amerikanische Angelegenheit. An der Spitze – nach Marktkapitalisierung – stehen derzeit noch die US-Riesen Microsoft, Apple, Amazon und Alphabet (in wechselnder Reihenfolge).

Der Tech-Bereich ist freilich nur ein Kampfschauplatz im Wettlauf um die Vorherrschaft in der Weltwirtschaft zwischen China und den USA, in dem die Coronakrise derzeit die Karten neu durchmischt. Gerade die Tech-Riesen kommen in der Krise aber da wie dort gut weg – nicht nur am Aktienmarkt. Die Nachfrage nach ihren Produkten ist vor allem im Lockdown teils massiv angestiegen. Von steigender Arbeitslosigkeit ist die ganze Branche dagegen kaum bis nicht betroffen. Ob China den großen Wettlauf also genau mit einem Tech-Konjunkturpaket für sich entscheiden kann, ist mehr als fraglich.

Generell steht die Volksrepublik in der Krise aber deutlich besser da, wie sich etwa an der erwarteten Arbeitslosigkeit im Krisenjahr zeigt: In den USA sind derzeit mehr als 38 Millionen Personen arbeitslos gemeldet. Aufs ganze Jahr gerechnet wird man laut Prognosen trotz Entspannung der Lage bei über zehn Prozent landen. In China dagegen geht man von sechs Prozent städtischer Arbeitslosigkeit aus.

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KI-Startups gibt es bekanntlich wie Sand am Meer. Siebt man jedoch jene aus, die sich über ein eigenes Large Language Model (LLM) trauen (und auch die Kompetenz dazu mitbringen) werden es plötzlich sehr wenige. Innerhalb Österreichs ist hier bislang das Linzer Startup NXAI rund um KI-Pionier Sepp Hochreiter zu nennen. Mit dessen Spinout Emmi AI, das zwar kein LLM, aber ein Foundational Model im Bereich Physical AI entwickelt hat, und dieses Jahr an Mistral aus Frankreich verkauft wurde, sollte ein zweites Linzer Unternehmen nicht ausgelassen werden. Und nun kommt ein drittes dazu.

Klarer Fokus auf Europa und digitale Souveränität

Auch Ablatic AI, ein Spinoff des LIT Open Innovation Center der Johannes Kepler Universität Linz, baut mit Talos ein eigenes LLM – und zwar mit klarem B2B-Fokus. Dass das Unternehmen rund um Florian Zimmermann und Julian Mauerkirchner dieses sehr rechenintensive Unterfangen stemmen kann, wird unter anderem über eine Kooperation mit AI Factory Austria AI:AT, wo man im Rahmen des EuroHPC-Programms europäische Hochleistungsrechenressourcen nutzt.

Doch wie wollen sich die Linzer gegen die übermächtige internationale Konkurrenz durchsetzen? Einmal mehr lautet die Antwort auf die Frage: digitale Souveränität. Talos sei bereits in seiner Architektur DSGVO- und AI-Act-konform; man decke den gesamten „Life Cycle“ des Produkts inklusive Hosting innerhalb Europas ab und falle so nicht unter den US-Cloud-Act. „Nicht das erste europäische KI-Modell. Das beste. Talos ist das fähigste, transparenteste und rechtssicherste Modell, das Europa jemals hervorgebracht hat, und wir haben es in Linz gebaut“, schreiben die Gründer durchaus selbstbewusst auf ihrer Website.

Kein Risikokapital

Der Plan ist dabei klar: den europäischen B2B-Markt erobern. Kernzielgruppe sind Unternehmen in regulierten Branchen wie Banken und Versicherungen sowie Softwareunternehmen. Schon in der aktuell noch laufenden Beta-Phase arbeitet Ablatic AI nach eigenen Angaben mit mehr als 100 Firmen zusammen. Schon Ende August soll der Marktstart erfolgen – dabei befindet sich das Unternehmen laut Impressum aktuell noch in Gründung.

Ob die großen Pläne aufgehen, bleibt freilich abzuwarten. Einen Teilaspekt könnte das Gründer-Duo früher oder später überdenken müssen. Man finanziere sich durch die EU, nicht durch Risikokapital, geben die beiden auf ihrer Website stolz an: „Wir bauen für Kunden, nicht für Investoren.“ Um mit den US-Riesen mit ihren bis zu elfstelligen Kapitalrunden konkurrieren zu können, könnte natürlich doch mehr externes Kapital notwendig werden.

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China: Ein Tech-Konjunkturpaket, um die USA endgültig zu überholen

  • Heute startet – mit Corona-bedingter mehrwöchiger Verzögerung – die Tagung des Volkskongress in Peking.
  • Dieses Jahr steht das Polit-Spektakel mit rund 3000 Abgeordneten natürlich ganz im Zeichen der Coronavrius-Pandemie.
  • unter anderem soll laut Bloomberg ein 1,3 Billionen Euro Tech-Konjunkturpaket beschlossen werden.
  • Der Tech-Bereich ist freilich nur ein Kampfschauplatz im Wettlauf um die Vorherrschaft in der Weltwirtschaft zwischen China und den USA, in dem die Coronakrise derzeit die Karten neu durchmischt.
  • Generell steht die Volksrepublik in der Krise aber deutlich besser da, wie sich etwa an der erwarteten Arbeitslosigkeit im Krisenjahr zeigt: In den USA sind derzeit mehr als 38 Millionen Personen arbeitslos gemeldet.
  • In China dagegen geht man von sechs Prozent städtischer Arbeitslosigkeit aus.

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