16.01.2023

ChatGPT: KI-Experte von Google kritisiert Hype – und dämpft Erwartungen

François Chollet ist der Erfinder von Keras, einer bekannten Software-Library im Bereich künstliche Intelligenz. Den aktuellen Hype um den Chatbot ChatGPT von OpenAI sieht er kritisch.
/artikel/chatgpt-google-ki-experte-kritisiert-hype
Francois Chollet, AI expert at Google
Foto: Adobe Stock (Hintergrund)/Ramosset - Wikimedia (CC BY-SA 4.0)

Wer im Bereich künstliche Intelligenz (KI) arbeitet, kennt die Software-Library Keras. Sie ist 2015 erschienen und vereinfacht das Aufsetzen und Trainieren von künstlichen neuronalen Netzen, wie sie den meisten heutigen KI-Anwendungen zugrunde liegen. Der Erfinder der Open-Source-Software, François Chollet, arbeitet bei Google – und äußert sich auch immer wieder öffentlich zu aktuellen Entwicklungen im Themenfeld künstlicher Intelligenz.

Und da gab es in den vergangenen Wochen vor allem ein Thema: ChatGPT. Der Chatbot aus dem Hause OpenAI reagiert auf Spracheingaben und produziert derart treffende Outputs, dass ein richtiger Hype rund um die Anwendung entstanden ist. Genau dazu äußerte sich Chollet nun kürzlich auf Twitter – und zwar kritisch.

Der aktuelle Hype rund um künstliche Intelligenz habe so viele Parallelen zu jenem rund um Web3 (also Krypto/Blockchain) aus dem Jahr 2021, dass ihm unbehaglich sei, schreibt Chollet. „Narrative, die auf null Daten beruhen, werden als offensichtlich akzeptiert. Jeder erwartet, dass ‚Zivilisations-verändernde‘ Auswirkungen (und 100x Renditen auf Investments) eine sichere Sache seien“, kritisiert der KI-Experte.

KI-Experte sieht zwei Szenarien

Chollet sieht dagegen zwei Szenarien, ein optimistisches und ein pessimistisches. Sein optimistisches Szenario sei aber „weit konservativer“ als das, was die durchschnittliche Person in Chollets Twitter-Timeline als völlig offensichtlich ansehe. „Das tatsächliche Ergebnis, das wir sehen werden, wird statistisch gesehen wohl dazwischen liegen, aber etwas näher beim pessimistischen Szenario“, schreibt Chollet weiter.

Was aber sind nun die beiden Szenarien, die der KI-Experte sieht? Das optimistische Szenario ist laut Chollet, dass „Generative AI“ – also künstliche Intelligenz, die Inhalte erschafft – ein weitverbreitetes User-Experience-Paradigma für das Interagieren mit den meisten Tech-Produkten wird. Neue Versionen von aktuellen KI-Modellen „werden unser Interface für die Informationen der Welt“, schreibt Chollet.

Demgegenüber steht ein pessimistisches Szenario: Hier würden sich die Trends von GPT-3 fortsetzen – jenem 2020 ebenfalls von OpenAI veröffentlichten KI-Modell, auf dem auch ChatGPT basiert. In diesem Szenario würden große KI-Sprachmodelle nur eingeschränken kommerziellen Erfolg erreichen – etwa in Bereichen wie Suchmaschinenoptimierung (SEO), Marketing und Werbetexten. KI für Bildgenerierung wiederum sei deutlich erfolgreicher und würde 2024 einen Höhepunkt erreichen. Große KI-Sprachmodelle würden sich als „komplette Blase“ erweisen, schildert Chollet dieses zweite Szenario.

„Weit mehr Belege für pessimistisches Szenario“

Aber welches Szenario ist realistischer? Auch dazu hat Chollet eine klare Meinung: „Derzeit gibt es weit mehr Belege, die auf das pessimistische Szenario hindeuten, und kaum welche, die auf das optimistische Szenario hindeuten“. Gleichzeitig schränkt er aber ein: „Ich denke, dass wir bei der Performance von großen Sprachmodellen derzeit noch immer sehr weit von der Spitze entfernt sind“. Diese Modelle würden sich in den nächsten Jahren noch enorm verbessern – sowohl beim Output als auch bei den nötigen Kosten.

„Aus diesem Grund glaube ich, dass das tatsächliche Ergebnis, das wir sehen werden, irgendwo zwischen den beiden Szenarien liegen wird“, schreibt Chollet weiter. „KI als universelles Interface für Informationen“ sei etwas, das „definitiv in der Zukunft“ passieren werde. Allerdings werde es noch nicht mit der aktuellen Generation an KI-Modellen geschehen.

Chollet weist noch auf einen weiteren Aspekt hin: Sollten große KI-Sprachmodelle künftig tatsächlich große wirtschaftliche Renditen abwerfen, würden sie früher oder später zu einem Standardprodukt werden: „Sie werden dann ein Feature in verschiedenen Produkten, gebaut mit Open-Source-Software“.

Hauptsächlicher Use Case Marketing und Werbetexte?

Was die aktuellen Use Cases von ChatGPT angeht, verweist Chollet auf eine eigene kurze Twitter-Recherche: Demnach seien die erfolgreichsten Tweets rund um ChatGPT allesamt der Kategorie „SEO/Marketing Engagement Bait“ zuzuordnen – also Marketing-Tweets, die nur darauf angelegt sind, möglichst viele Reaktionen zu erzeugen.

Dies sei zwar sowohl mit dem optimistischen als auch mit dem pessimistischen Szenario vereinbar, schreibt der Google-Experte weiter. Aber schon bei jenen Startups, die 2020 und 2021 nach dem Erscheinen von GPT-3 gegründet worden waren, habe sich gezeigt, dass die kommerziellen Use Cases hauptsächlich in die Kategorieren Marketing und Werbetexte fallen würden.

Chollet räumt aber ein: „Das tatsächliche Potenzial von ChatGPT reicht bedeutend weiter als das.“ Erfolgreich eingesetzt werde der Chatbot wohl im Konsumgüter-Bereich werden, möglicherweise auch in den Bereichen Bildung und Suche, vermutet der KI-Experte. Bis Ende des Jahres würde es genug Daten geben, um eine Prognose zu der weiteren Entwicklung abgegeben zu können.

Microsoft-Angriff auf Google mit ChatGPT?

OpenAI dürfte übrigens, wie berichtet, vor dem Abschluss einer Finanzierungsrunde stehen, die das Unternehmen mit 29 Mrd. US-Dollar bewertet. Medienberichten zufolge soll alleine Microsoft dabei 11 Mrd. Dollar in OpenAI investieren wollen. Das Software-Unternehmen könnte ChatGPT dann dazu einsetzen, seine eigene Suchmaschine Bing zu verbessern – ein Angriff auf Google. Zumindest François Chollet scheint sich aber nicht groß davor zu fürchten.

Deine ungelesenen Artikel:
17.06.2026

Jeff Bezos und der „Artificial General Engineer“: Das steckt hinter seinem KI-Projekt Prometheus

brutkasten ist auf der VivaTech in Paris vor Ort. Dort hat Jeff Bezos ausführlich über Prometheus gesprochen - das KI-Unternehmen, das er Ende 2025 mitgegründet hat. Es soll das Erfinden selbst beschleunigen.
/artikel/jeff-bezos-und-der-artificial-general-engineer-das-steckt-hinter-seinem-ki-projekt-prometheus
17.06.2026

Jeff Bezos und der „Artificial General Engineer“: Das steckt hinter seinem KI-Projekt Prometheus

brutkasten ist auf der VivaTech in Paris vor Ort. Dort hat Jeff Bezos ausführlich über Prometheus gesprochen - das KI-Unternehmen, das er Ende 2025 mitgegründet hat. Es soll das Erfinden selbst beschleunigen.
/artikel/jeff-bezos-und-der-artificial-general-engineer-das-steckt-hinter-seinem-ki-projekt-prometheus
Jeff Bezos sprach am Mittwoch auf der Theater-Stage der VivaTech in Paris über sein KI-Projekt Prometheus. (c) Screenshot VivaTech

Am Mittwoch fiel der Startschuss für die zehnte Ausgabe der VivaTech. Das Event in Paris zählt zu den größten Startup- und Technologie-Treffen Europas und bringt über vier Tage hinweg Startups, Investor:innen, Tech-Konzerne und Forscher:innen zusammen. Schon am Vormittag herrschte dichter Andrang in den Hallen der Pariser Porte de Versailles: Zwischen Roboterarmen, Demo-Bühnen und unzähligen Startup-Ständen schoben sich Gründer:innen, Investor:innen und Tech-Fans durch die Gänge. brutkasten ist vor Ort. Für besonderen Andrang sorgte eines der Highlights der diesjährigen Ausgabe: Jeff Bezos, der erst zu Wochenbeginn als Speaker angekündigt worden war. Am Vormittag trat der Amazon-Gründer auf der Theater-Stage auf.

Gemeinsam mit Blue-Origin-CEO Dave Limp saß Bezos schließlich auf der Bühne, moderiert vom früheren NASA-Astronauten Mike Massimino. Der Großteil des Gesprächs drehte sich um Raumfahrt. Aufhorchen ließ Bezos aber, als er auf sein jüngstes Projekt zu sprechen kam: Prometheus, das KI-Unternehmen, das er 2025 mitgegründet hat und als Co-CEO führt.

Bezos beschrieb Prometheus als Versuch, einen „artificial general engineer“ zu bauen, also eine KI, die nicht primär Texte verarbeitet, sondern Ingenieursarbeit leistet. Das Ziel sei, den „dream-build cycle“ zu verkürzen, also die Zeit zwischen der Idee für ein Produkt und seiner serienreifen Fertigung.

„Aller Wohlstand beruht auf Erfindungen“

Diesen Anspruch rahmte Bezos grundsätzlich ein: „Aller zivilisatorische Wohlstand beruht auf Erfindungen. Vor 6.000 Jahren hat jemand den Pflug erfunden, und wir alle wurden wohlhabender.“ Wer den Erfindungszyklus beschleunige, schaffe realen Wohlstand. Was das praktisch heißt, machte er an einem Beispiel fest: Ein neues, sparsameres Triebwerk sei heute ein Zehn-Jahres-Programm. Prometheus solle das schrittweise auf fünf, drei, am Ende ein Jahr drücken.

Klassische Sprachmodelle reichen dafür nach seiner Überzeugung nicht aus. „Mit herkömmlichen großen Sprachmodellen lässt sich das nicht machen. Sie haben ihre Berechtigung“, sagte Bezos. Sein Bild dazu: „Wenn ich tausend Bücher darüber lese, wie man ein großartiger Turner wird, wäre ich danach immer noch ein miserabler Turner.“ Engineering brauche eine andere Art von Training als reine Symbolmanipulation, wie sie Sprachmodelle beherrschen.

Der Sorge, KI könnte Menschen überflüssig machen, widersprach Bezos ausdrücklich. Er erwarte eher das Gegenteil: „KI wird einen Arbeitskräftemangel erzeugen, weil sie es den Menschen ermöglicht, mehr Probleme zu identifizieren.“ Heute sei man „nicht durch unsere Vorstellungskraft begrenzt, sondern durch das, was wir tatsächlich umsetzen können“. Beschleunige man das Bauen, drehe sich dieses Verhältnis um. Als Vorgeschmack nannte er die eigene Erfahrung mit Coding-Tools: „Vor drei Jahren war ich ein miserabler Informatiker. Heute aber kann ich an einem einzigen Nachmittag eine iOS-App schreiben.“ Genau das wolle Prometheus in die physische Welt übertragen.

Querverweis zu Emmi AI

Für die heimische Szene hat die Idee einen vertrauten Klang. Mit Emmi AI verfolgt seit 2024 ein Linzer Startup einen ganz ähnlichen Ansatz, nämlich KI-Modelle, die auf die Physik der realen Welt statt auf Sprache trainiert sind und Ingenieurssimulationen drastisch beschleunigen sollen. Das Unternehmen aus dem Umfeld des KI-Labors NXAI wurde im Mai 2026 vom französischen KI-Konzern Mistral übernommen. Die Stoßrichtung, die Bezos nun auf der großen Bühne skizziert, ist also auch in Österreich prominent vertreten.

Was sonst noch ansteht

Die VivaTech feiert heuer ihr zehnjähriges Bestehen und läuft noch bis Samstag, den 20. Juni. Inhaltlich dreht sich die Jubiläumsausgabe vor allem um Künstliche Intelligenz, Deeptech, Cybersecurity und Energie, wobei sich KI durch nahezu jede der vier Bühnen zieht. Neben Bezos sind weitere prominente Stimmen angekündigt, darunter Nvidia-CEO Jensen Huang mit der GTC-Paris-Keynote, Yann LeCun (AMI Labs, zuvor Meta) und Arthur Mensch, CEO des französischen KI-Konzerns Mistral, der das Linzer Startup Emmi AI übernommen hat. Der Deeptech-Schwerpunkt reicht von Quantencomputing bis Biotech. Zum Abschluss verwandelt sich der Publikumstag am Samstag erstmals in ein offenes VivaTech-Festival, das Technologie einem breiten Publikum zugänglich machen soll.

Toll dass du so interessiert bist!
Hinterlasse uns bitte ein Feedback über den Button am linken Bildschirmrand.
Und klicke hier um die ganze Welt von der brutkasten zu entdecken.

brutkasten Newsletter

Aktuelle Nachrichten zu Startups, den neuesten Innovationen und politischen Entscheidungen zur Digitalisierung direkt in dein Postfach. Wähle aus unserer breiten Palette an Newslettern den passenden für dich.

Montag, Mittwoch und Freitag

AI Summaries

ChatGPT: KI-Experte von Google kritisiert Hype – und dämpft Erwartungen

AI Kontextualisierung

Welche gesellschaftspolitischen Auswirkungen hat der Inhalt dieses Artikels?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

ChatGPT: KI-Experte von Google kritisiert Hype – und dämpft Erwartungen

AI Kontextualisierung

Welche wirtschaftlichen Auswirkungen hat der Inhalt dieses Artikels?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

ChatGPT: KI-Experte von Google kritisiert Hype – und dämpft Erwartungen

AI Kontextualisierung

Welche Relevanz hat der Inhalt dieses Artikels für mich als Innovationsmanager:in?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

ChatGPT: KI-Experte von Google kritisiert Hype – und dämpft Erwartungen

AI Kontextualisierung

Welche Relevanz hat der Inhalt dieses Artikels für mich als Investor:in?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

ChatGPT: KI-Experte von Google kritisiert Hype – und dämpft Erwartungen

AI Kontextualisierung

Welche Relevanz hat der Inhalt dieses Artikels für mich als Politiker:in?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

ChatGPT: KI-Experte von Google kritisiert Hype – und dämpft Erwartungen

AI Kontextualisierung

Was könnte das Bigger Picture von den Inhalten dieses Artikels sein?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

ChatGPT: KI-Experte von Google kritisiert Hype – und dämpft Erwartungen

AI Kontextualisierung

Wer sind die relevantesten Personen in diesem Artikel?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

ChatGPT: KI-Experte von Google kritisiert Hype – und dämpft Erwartungen

AI Kontextualisierung

Wer sind die relevantesten Organisationen in diesem Artikel?

Leider hat die AI für diese Frage in diesem Artikel keine Antwort …

ChatGPT: KI-Experte von Google kritisiert Hype – und dämpft Erwartungen