07.07.2017

Chatbot Steckbrief: Toni – der Fußball Chatbot

Unsere neue Rubrik stellt ab sofort jeden Freitag einen Chatbot vor. Wir starten mit "Toni", einem Bot, der Fußball-Fans aktuelle Ergebnisse und Informationen bereit stellt. Seit dem Start im Jahr 2016 hat der Bot bereits über 15.000 User gesammelt. Dem Brutkasten beantwortet Gründer Klemens Zleptnig ein paar Fragen.
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Gründer Klemens Zleptnig und Teammitglied Katharina Binder.

„Toni“, der Fans über Facebook Messenger mit Informationen rund zum Thema Fußball auf dem Laufenden hält, ist mehr als ein Chatbot. „Toni ist als Nebenprojekt meiner App-Agentur creative workline GmbH gestartet worden. Inzwischen ist Toni.ai aber ein eigenes Startup im Bereich Sport-Chatbots, und “Toni, the Football Chatbot” ist unser erstes Produkt“, erzählt Gründer Klemens Zleptnig dem Brutkasten. Aktuell ist er im ersten Batch des ELEVATE-Programm, einem Wiener Chatbot-Accelerator. Im Interview erzählt er, wieso er Toni gestartet hat und welche Learnings er bereits mitgenommen hat.

Wieso hast du den Chatbot gestartet?

Im wesentlichen bin ich ein Sport- und Fußballfan, und wie die meisten von uns habe ich nicht die Zeit, mir stundenlang auf Websites und in Apps Informationen zusammen zu suchen. Was mir immer wieder abgeht, sind personalisierte Informationen, die auf meine Lieblingsclubs zugeschnitten sind und mir nur die Informationen liefern, die ich persönlich haben möchte. Stell dir vor du bist FC Bayern München Fan und ständig bekommst du Neuigkeiten zu Borussia Dortmund zugeschickt – nervig, oder? Nach einer Mini-Erhebung in meinem ebenfalls fußballbegeisterten Freundeskreis war mir klar, dass nicht nur ich mit diesem Problem zu kämpfen habe.

Wie ging es dann weiter?

Gründer Klemens Zleptnig und Teammitglied Katharina Binder.

Kurz vor der Fußball-EM 2016 öffnete Facebook seine Schnittstellen für Entwickler, wodurch erstmals die Implementierung von Chatbots auf der Facebook Messenger Plattform möglich war. Ich dachte mir, ein virtueller Assistent ist doch prädestiniert dafür, um mich über die Spiele der EM am Laufenden zu halten. Wer kennt das nicht, bei so einer Großveranstaltung gibt es so viele Spiele, Resultate, Tabellen und Statistiken, dass man „nebenbei“ kaum den Überblick behalten kann. Toni ist quasi dein bester Freund, der alles über Fußball weiß und neben dir am Sofa das Spiel co-kommentiert und mit seinem Wissen nicht hinter dem Berg hält. Ein „Freund“, den man befragen kann, z.B. „Wann ist das nächste Spiel?“. Genau das ist Toni – dein persönlicher Fußball-Buddy, der Fußball atmet und sein Wissen gerne teilt.

„Toni ist quasi dein bester Freund, der alles über Fußball weiß und neben dir am Sofa das Spiel co-kommentiert“, Gründer Klemens Zleptnig über den Chatbot.

Seit wann gibt es deinen Bot nun schon und wie viele User hat er? Auf welchen Plattformen findet man Toni?

Den Bot gibt es der Euro im Juni 2016, also etwas mehr als ein Jahr. Bisher hat er ca. 15.000 User. Aktuell gibt es Toni nur für Facebook Messenger, aber wir planen den Bot auch für Telegram, Viber und Slack zu veröffentlichen. In kürze steht ein großer Relaunch an, der Toni noch kommunikativer macht, ihn persönlicher wirken lässt und ein Paket an zusätzlichem Know-How mitbringt.

Wie bist du an das Marketing herangegangen und hast du Tipps für andere, die du teilen kannst?

Zu Beginn konnten wir eine Kombination aus Nachrichten-Sommerloch, Interesse an Chatbots und der Fußball-Europameisterschaft nutzen, um Aufmerksamkeit in Medien zu bekommen. Zwischendurch bekamen wir für ein paar Tage sehr viele User durch eine Promotion von Facebook, genau wissen wir das aber nicht, leider haben wir hierzu keine Details erhalten. Für den Re-Launch im August haben wir einige Aktionen geplant, dazu kann ich aber noch nicht viel verraten. Mit LAOLA1.at haben jetzt wir auch einen Partner an Bord, der über entsprechende Reichweite verfügt.

Was waren die größten Hürden und welche Learnings hast du bereits mitgenommen?

Konversationen in Chatbots abzubilden kann schnell sehr komplex werden, will man es gut machen, das haben wir zu Beginn etwas unterschätzt. Wenn sich zwei Menschen unterhalten sprechen sie immer in einem gewissen Kontext, aber dem Chatbot muss man das erst beibringen – d.h. programmieren. Zu Beginn wollten wir alles über NLP (Natural Language Processing), also Texteingabe, machen, sind inzwischen aber wieder dazu übergegangen, mehr Buttons und andere UI-Elemente bzw. WebViews, die Messenger bietet, einzubauen. Für den User soll es so einfach wie möglich sein, an die gewünschten Information zu kommen und gerade zu Beginn muss man den User auch entsprechend leiten.

Gibt es inzwischen ein Team? Und welche Ziele möchtet ihr als nächstes erreichen?

Ich bin aktuell mit Toni im ELEVATE-Programm, Europas erstem Chatbot Accelerator hier in Wien, wo wir im Team mit Entwicklern und Marketing-Experten am Projekt arbeiten. Zusätzlich arbeiten wir mit einem Team von Studierenden der WU Wien an wirtschaftlichen Themen. Derzeit bin ich aber auf Suche nach Verstärkung für das Team, vor allem in den Bereichen Business Development, Marketing/Growth-Hacking und Software-Entwicklung. Wer Interesse hat, bei einem Startup einzusteigen, und Leidenschaft für das Thema mitbringt kann sich gerne bei mir melden. Die nächsten Ziele sind der Re-Launch Anfang August und in weitere Folge einen Investor zu finden, der uns unterstützt, das Potenzial der Lösung voll auszuschöpfen.

Hast du den Bot selbst programmiert? Würdest du es so noch einmal wieder machen?

Ich habe den Bot selbst programmiert, auf Basis von JavaScript und node.js. Das würde ich auch wieder so machen, aber das liegt auch daran, dass ich aus dem Bereich Software-Entwicklung komme und die letzten 10 Jahre mit meiner Agentur App-Projekte umgesetzt habe.

Würdest du den Weg über einen Bot-Creator ebenfalls empfehlen?

Für eine schnelle Lösung ohne viel Programmieraufwand oder einen Prototypen sind Bot-Creators sicher auch ein gangbarer Weg. Für eine einfache Website oder Landing Page verwende ich auch WordPress, aber früher oder später stößt man damit an die Grenzen. Ich würde allerdings, wenn ich neu anfangen würde, auf einem (Open Source) Bot-Framework aufbauen, diese gab es vor einem Jahr noch nicht in geeigneter Qualität.

Wie bist du an das (Charakter-) Design herangegangen? Was war dir besonders wichtig?

Mir war es wichtig, dass Toni eine Figur ist, die auch Emotionen zeigen kann. Das heißt, Toni soll gewisse menschliche Züge haben, mit denen sich die User identifizieren können – gerade in einem oft so emotionalen Bereich wie Sport. Aber es soll auch klar sein, dass es sich um einen Bot, also eine Maschine handelt. Alles andere würde nach hinten los gehen. Konkret haben wir auch eine Biografie für Toni geschrieben, aus der sich die Charakterzüge ableiten lassen. Das hilft uns, wenn wir neue Konversationen schreiben. Dieser Prozess ist aber noch nicht abgeschlossen.

Vielen Dank!

Weiterführende Links: Direkt zu Toni- der Fußball Chatbot und zur Toni Plattform

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Am 12. Juni erreicht Anthropic ein Brief des US-Handelsministeriums. Drei Tage zuvor war Claude Fable 5 erschienen, das leistungsfähigste allgemein verfügbare Modell des Hauses. Nun ist es für jede Person ohne US-Staatsbürgerschaft zu sperren, im In- wie im Ausland. Weil sich Staatsangehörigkeit nicht in Echtzeit prüfen lässt, schaltet Anthropic beide Modelle weltweit ab, auch für die eigenen US-Kund:innen. Betroffen sind nicht nur einzelne Nutzer:innen: Anwendungen, die das Modell direkt einbinden, stehen über Nacht still, und der Fall führt vor Augen, wie viele Produkte und ganze Geschäftsmodelle auf einem einzigen, von außen abschaltbaren Modell ruhen. Der „kill switch“, über den Europa seit Jahren theoretisch debattiert, ist plötzlich real, und er trifft die fortgeschrittenste KI ihrer Generation. Anthropic kündigte an, den Zugang so rasch wie möglich wiederherzustellen, zum Redaktionsschluss war die Sperre weiter in Kraft.

Fünf Tage später öffnet in Paris die VivaTech, Europas größte Tech-Messe, zum zehnten Mal. 15.000 Startups, Jeff Bezos als Stargast, und doch reibt sich die KI-Euphorie an der Angst vor der eigenen technologischen Abhängigkeit. Schon auf der Eröffnungsbühne nimmt Frankreichs Wirtschaftsminister Roland Lescure direkt Bezug auf die Anthropic-Sperre: Es gehe nicht länger um eine Zugangsdebatte, Regeln könnten sich über Nacht ändern, und Souveränität heiße, dann noch handlungsfähig zu sein. Tags zuvor hatte Premier Lecornu verkündet, der französische Inlandsgeheimdienst trenne sich vom US-Konzern Palantir zugunsten des heimischen Anbieters ChapsVision. Die Kulisse ist gesetzt.

Souveränität, messbar gemacht

Ausnahmsweise lässt sich Souveränität hier auch messen. Nvidia hatte auf der VivaTech 2025 mehr als 20 KI-Fabriken für Europa versprochen und Mistral zum souveränen Compute-Champion erklärt. Und anders als im Vorjahr liefert die Messe Konkretes: Mistral Compute geht als europäische GPU-Cloud teilweise in Betrieb, Foxconn und Bull kündigen eine Serverfertigung im französischen Angers an. Aus Ankündigung wird Auslieferung. Nur ist selbst das Souveräne es nur halb: Mistral Compute läuft auf 18.000 Nvidia-Chips. Die ganze europäische KI ruht auf einem nicht-europäischen Silizium-Sockel. Doch genau hier liegt Europas einziger echter Trumpf: Ohne die EUV-Lithografie des niederländischen Konzerns ASML, dessen Chef Christophe Fouquet ebenfalls in Paris war und der inzwischen Europas wertvollstes Unternehmen ist, kann weltweit niemand Spitzenchips fertigen. Abhängig auf der einen Ebene, unverzichtbar auf der anderen. Souveränität als Baustelle, nicht als Zustand.

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Und Österreich? Steht in dieser Debatte überraschend weit vorn. Die „Declaration on European Digital Sovereignty“, die inzwischen alle 27 EU-Staaten mittragen, geht auf eine österreichische Initiative rund um Digitalisierungs-Staatssekretär Alexander Pröll zurück. Wien als Anstoßgeber dessen, worüber Paris nun diskutiert. Und das Bundesheer hat seine 2020 begonnene Migration von rund 16.000 Arbeitsplätzen auf LibreOffice 2025 abgeschlossen, bewusst ohne Cloud, also ohne fremden Schalter. Die unbequeme Frage für die heimische Szene lautet, ob aus solchen Verwaltungsentscheidungen auch ein Markt für österreichische Anbieter wird, oder ob Souveränität Behördensache bleibt.

Verhandeln aus der Schwäche

Den wahren Lackmustest liefert nicht die Bühne, sondern eine Frage am Rande. Auf die Fable-5-Sperre angesprochen, fordert Emmanuel Macron keine Unabhängigkeit. Er appelliert an die USA, ihre Spitzentechnologie zu teilen, und kündigt zugleich mehr Geld für die französische KI-Industrie an. Zuerst die Bitte um Zugang, dann, hilfsweise, die eigene Souveränität. Das kann man als Schwäche lesen. Man kann es auch als nüchterne Arbeitsteilung verstehen: das Beste nutzen, das es gibt, und parallel absichern, falls es wegbricht. Dass Macron sich die politische Bühne mit Indiens Premier Narendra Modi teilte, der für eine menschenzentrierte KI jenseits von Washington und Peking wirbt, unterstreicht denselben Reflex: Souveränität wird als Wertegemeinschaft inszeniert, die offene Frage nach Compute, Kapital und Chips bleibt.

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„Souveränität ist keine Isolation, sie ist Offenheit aus einer Position der Stärke“, sagt Deutschlands Digitalminister Karsten Wildberger. Schön gesagt, nur verhandelte Europa diese Woche aus Abhängigkeit, nicht aus Stärke. Alibabas Joe Tsai formulierte es zynisch ehrlicher: Europa solle seine Eier in zwei Körbe legen. Ein zweiter Lieferant ist keine Unabhängigkeit. Und doch, hier wird es unbequem, ist Diversifizierung für eine Region, die den ganzen Stack realistisch nie allein bauen wird, womöglich nicht die feige, sondern die rationale Antwort. Die ehrliche Variante von Souveränität wäre dann nicht Autarkie, sondern die Fähigkeit, den Lieferanten zu wechseln, wenn einer den Schalter umlegt, ohne dass das eigene Geschäft mit ihm stillsteht.

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Bleibt die Frage, die diese Ausgabe aufwirft. Dass Europa Souveränität will, bestreitet niemand. Die eigentliche Frage ist der Preis: höhere Kosten, langsamere Verfügbarkeit, weniger Zugriff auf das jeweils beste Modell. Und ob das Geld dafür da ist. Auf die USA entfallen rund 50 Prozent des globalen Risikokapitals, auf China 40, auf Europa fünf. Solange sich daran nichts ändert, bleibt Souveränität das würdevollere Wort für eine gut gemanagte Abhängigkeit. Die Fable-5-Woche hat Europa beides gegeben, den Schreck und die Ausrede. Welche Lehre hängen bleibt, entscheidet sich nicht in den Hallen von Porte de Versailles, sondern in den Beschaffungsabteilungen, die nächsten Monat wieder eine Lizenz verlängern müssen.

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