18.03.2025
BLOCKCHAIN

ChainBrain: Grazer Startup automatisiert Krypto-Portfoliomanagement

Das Grazer Startup ChainBrain will mit seiner Software die Portfolioverwaltung von digitalen Assets automatisieren. Derzeit ist es auf der Suche nach Investor:innen für die kürzlich eröffnete Pre-Seed-Runde.
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Das ChainBrain-Team (l.n.r.): Michael Wahlhütter (Full-Stack Developer), Dominik Stiftinger-Lang (CEO, Co-Founder), Ksenia Koller (CMO, Co-Founder) und Alexander Aigner (Data Scientist). © ChainBrain

Asset Manager stehen häufig vor zahlreichen manuellen Aufgaben, obwohl ihr Fokus eigentlich auf der Entwicklung neuer Strategien und der Optimierung von Portfolios liegt. Die Verwaltung von Krypto-Portfolios im zentralisierten (CeFi) und dezentralisierten Finanzmarkt (DeFi) erfolgt bislang über mehrere Plattformen, was einen erheblichen Zeitaufwand für Asset Manager mit sich bringt. Das Grazer Startup ChainBrain will mit seiner Software das plattformübergreifende Portfoliomanagement effizienter gestalten. Ziel ist es, das Portfoliomanagement, einschließlich des Rebalancing digitaler Assets, zu automatisieren.

ChainBrain ermöglicht zentrale Steuerung über eine Plattform

Anstatt verschiedene Plattformen nutzen und Trades manuell durchführen zu müssen, ermöglicht ChainBrain eine zentrale Steuerung über eine einzige Plattform. Das Startup entwickelt laut Produktversprechen „hochgradig anpassbare Softwarelösungen für ein nahtloses und effizientes Portfoliomanagement“. Sein Ziel ist es, die Arbeitsweise von Asset Managern grundlegend zu verändern, indem es ihnen ein intuitives Tool zur Verfügung stellt.

Durch optimales Rebalancing soll die Software Krypto-Portfolios „mühelos optimieren“ und dadurch „Wohlstand generieren“, so das Unternehmen. Statt manueller Prozesse soll die Plattform „automatisierte Effizienz“ bieten. Dies sei nicht nur zeitsparend, sondern würde auch zu finanziellen Vorteilen führen.

ChainBrain will volles Potenzial aus Krypto-Investitionen holen

ChainBrain plant sowohl CeFi- als auch DeFi-Protokolle nahtlos in seine Software zu integrieren. Die Plattform richtet sich in erster Linie an Hedgefonds und Asset Manager im dezentralisierten Finanzmarkt. Der Vorteil für diese liege einerseits in „der Vereinheitlichung und andererseits der optimalen Exekution von gesamten Portfolio-Änderungen“, sagt CEO und Co-Founder Dominik Stiftinger-Lang gegenüber brutkasten.

Die Software bietet Echtzeit-Analysen zu Liquiditätspools, vorübergehenden Verlusten und der Kreditvergabegesundheit. Mithilfe eines eigens entwickelten Algorithmus werden Vorschläge erstellt, die dabei helfen, das Portfolio in regelmäßigen Abständen optimal anzupassen, um die angestrebte Zielgewichtung der verschiedenen Vermögenswerte beizubehalten. Dies unterstützt nicht nur das Risikomanagement im Einklang mit den ursprünglichen Anlagezielen, sondern kann auch Renditepotenziale steigern. ChainBrain sieht sich dabei als strategischer Partner, der hilft, das volle Potenzial von Krypto-Investitionen auszuschöpfen.

Gründer waren „frustriert von der Ineffizienz“

Bereits vor der Gründung von ChainBrain setzten sich die Co-Founder Dominik Stiftinger-Lang (CEO) und Christian Unger (CTO) intensiv mit Krypto-Portfolios auseinander. Im Jahr 2018 gründeten sie Nerox – ein FinTech-Unternehmen, das auf algorithmischen Kryptohandel und Softwareentwicklung spezialisiert ist. Schon damals empfanden sie die Verwaltung von Krypto-Portfolios als aufwendig, da mehrere Plattformen erforderlich waren.

„Wir fragten uns immer wieder, warum es kein Tool gibt, das alles an einem Ort zusammenbringt“, erzählt Stiftinger-Lang. „Frustriert von der Ineffizienz haben wir beschlossen, die Lösung einfach selbst zu entwickeln“. Der Bedarf an einer durchdachten Portfolio-Management-Lösung im Bereich digitaler Assets sei groß. Im Jahr 2023 setzten sie schließlich diese Idee in eine Software um. Derzeit befindet sich ChainBrain noch in der Gründungsphase.

Pre-Seed-Runde kürzlich gestartet

Kürzlich startete ChainBrain seine Pre-Seed-Runde. Dabei sucht das Unternehmen gezielt nach strategischen Investor:innen. „Nicht einfach die ‘Shut up and take my Money’-Case, sondern die Leute, die sich wirklich auskennen und wirklich mitwirken wollen“, sagt Ksenia Koller, CMO und Co-Founder, im Gespräch mit brutkasten. Bisher war ChainBrain bootstrapped. Abgesehen davon ist das Startup Teil des HighTech-Inkubators des Science Park Graz.

Wie das Geschäftsmodell konkret ausschauen wird, befinde sich noch in der „Überlegungsphase“. Der derzeitige Plan sieht jedoch vor, eine einmalige Einrichtungsgebühr für die Implementierung sowie eine jährliche Lizenzgebühr zu erheben. „Wir wollen, dass es für größere als auch kleinere Hedgefonds leistbar ist“, so Koller.

Fokus auf Schweiz und Großbritannien

Das Grazer Team konnte bereits erste Testkunden für seine Software gewinnen. Dazu gehören Crypto United aus der Schweiz und unter „anderem haben wir die österreichische Venionaire Capital AG, die ein Global Player sind. Sie sind in Crypto mit eigenem Web3 Fond tätig und haben viel In-House Kompetenz“. Für ChainBrain sei die Schweiz und Großbritannien besonders interessant, da dort die meisten Hedgefonds ansässig sind. „Ich würde sagen, wir sind kurz vor den ersten zahlenden Kunden, aber noch nicht ganz dort“, verrät Stiftinger-Lang gegenüber brutkasten.

In naher Zukunft steht zunächst der erfolgreiche Abschluss der Pre-Seed-Runde im Fokus des Startups. Langfristig hat sich das Team jedoch ein klares Ziel gesetzt: Innerhalb der nächsten fünf Jahre wollen sie „130 Kunden mit zwei Milliarden Asset Management“ verwalten, verrät das Co-Founder-Team.

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GoStudent
© brutkasten - Felix Ohswald, Gründer GoStudent.

Im November 2024 habe ich hier geschrieben, dass wir bei KI in der Bildung an einem Wendepunkt stehen. Die entscheidende Frage war damals, ob wir KI nutzen, um Lernen zu verbessern, oder nur, um es zu beschleunigen. Zwei Jahre später haben wir die Antwort, zumindest für die Schule: Die Kinder beschleunigen. Verbessert wird wenig.

Ich sage es direkt: Die Debatte über KI an Schulen läuft in die falsche Richtung. Wir reden über Tablets, Apps und Prompt-Kurse. Dabei fehlt vielen Jugendlichen die Voraussetzung, um mit KI überhaupt etwas Sinnvolles anzufangen.

Was die Zahlen zeigen

Für den GoStudent Bericht zur Zukunft der Bildung 2026 haben wir in sechs europäischen Ländern 3.001 Eltern, ihre Kinder zwischen 8 und 16 Jahren und 300 Lehrkräfte befragt, in Österreich 500 Familien.

  • 65 Prozent der österreichischen Schülerinnen und Schüler, die KI für die Schule nutzen, haben nach eigenen Angaben schon KI-Inhalte als eigene Arbeit abgegeben.
  • 43 Prozent wurden noch nie im Umgang mit KI unterrichtet. Nur 15 Prozent hatten eine strukturierte Stunde dazu.
  • Nur 24 Prozent der Eltern meinen, die Regierung tue genug für klare KI-Regeln an Schulen. Das ist der niedrigste Wert aller sechs Länder.
  • Nur 36 Prozent sehen ihr Kind gut auf das Leben nach der Schule vorbereitet. Auch das ist der niedrigste Wert.

Die Kinder nutzen KI also längst. Die Schule bringt ihnen nicht bei, wie man es richtig macht. Und sie sichert immer seltener das, was man dafür braucht.

Wer nicht lesen kann, kann keine KI prüfen

Eine KI schreibt in Sekunden einen Aufsatz, löst eine Textaufgabe, fasst ein Buch zusammen. Ob das Ergebnis stimmt, erkennt nur, wer selbst genau lesen kann, ein Ergebnis im Kopf überschlagen kann und einen eigenen Gedanken zu Papier bringt. Der größte Teil von KI-Kompetenz ist schlicht Grundkompetenz.

Genau dort verlieren wir gerade. Bei PISA 2025 liegt Österreich in Lesen und Mathematik auf dem niedrigsten Stand seit Beginn der Erhebung. Die Hälfte der von uns befragten Lehrkräfte sagt, das Leseverständnis ihrer Schülerinnen und Schüler sei in den letzten fünf Jahren schlechter geworden, 42 Prozent sehen einen Rückgang in Mathematik.

Ein Jugendlicher, der einen Text nicht versteht, wird durch KI nicht klüger. Er wird nur schneller darin, Dinge abzugeben, die er nicht versteht. Deshalb ist mein erster Punkt nicht technisch: Lesen, Schreiben und Rechnen zuerst. Jeden Tag, auch in der Oberstufe.

Handys gehören nicht in die Schule

Ich bin persönlich dafür, dass private Smartphones an allen Schulen tabu sind, nicht nur bis zur achten Schulstufe, sondern bis zur Matura. Frankreich hat sein Verbot im September auf die Oberstufe ausgeweitet. Österreich sollte nachziehen.

Die Gründe stehen in unseren Daten. Fast zwei Drittel der befragten Lehrkräfte sagen, ihre Schülerinnen und Schüler können sich schlechter konzentrieren als vor fünf Jahren. Mehr als die Hälfte der österreichischen Eltern ist ohnehin für ein vollständiges Handyverbot.

Das ist kein Widerspruch zu mehr KI im Unterricht. KI gehört in die Schule, gezielt, angeleitet und auf Schulgeräten. Der private Feed mit TikTok und Messenger gehört nicht in die Klasse. Wer beides gleichsetzt, verwechselt ein Werkzeug mit einer Ablenkung.

Warum das eine Standortfrage ist

Jedes Unternehmen, mit dem ich spreche, baut Prozesse gerade um KI herum neu: Angebote, Kundenservice, Buchhaltung, Software. Gesucht werden nicht Menschen, die KI bedienen können. Bedienen kann jeder. Gesucht werden Menschen, die eine KI-Antwort prüfen, verbessern und dafür geradestehen. Das ist dieselbe Fähigkeit wie vor hundert Jahren: lesen, verstehen, rechnen, urteilen.

Die Politik antwortet darauf mit einem neuen Fach: „Informatik und KI“ in der AHS-Oberstufe ab 2027/28. Ich halte das für die falsche Antwort. Ich hatte in meiner Schulzeit selbst Informatik als Fach. Es war ein Witz, und an diesem Muster ändert ein neuer Name wenig. KI-Kompetenz entsteht nicht in einer Stunde pro Woche mit eigenem Lehrplan. Sie entsteht in jeder Deutschstunde, in der ein Text wirklich verstanden wird, und in jeder Mathestunde, in der ein Kind ein Ergebnis selbst überschlagen kann. Wer gut lesen, schreiben und rechnen kann, lernt den Umgang mit KI in wenigen Wochen. Wer es nicht kann, lernt ihn auch in einem eigenen Fach nicht.

Was Schulen morgen tun können, ohne Verordnung

1. Grundlagen täglich trainieren. Zwanzig Minuten Lesen pro Tag, Kopfrechnen, Texte mit der Hand schreiben. Unspektakulär, aber die Basis für alles andere.

2. Bei der Hausübung den Weg bewerten. KI ist erlaubt, aber mit drei Beilagen: der Prompt, die ursprüngliche KI-Antwort und drei Sätze dazu, was das Kind geändert hat und warum. Dazu fünf Minuten mündliche Nachfrage in der nächsten Stunde.

3. Mehr mündlich prüfen. 44 Prozent der befragten Lehrkräfte halten Präsentationen und Prüfungsgespräche inzwischen für die wirksamste Form der Leistungsbewertung. Einen Aufsatz schreibt ChatGPT in Sekunden. Spontane Rückfragen beantwortet er nicht für das Kind.

4. KI als Fehlersuche unterrichten. Die Klasse lässt die KI eine Mathematikaufgabe lösen und sucht den Fehler. Die KI fasst einen Zeitungsartikel zusammen, die Schüler prüfen jede Aussage gegen das Original. So trainiert KI genau die Grundkompetenzen, die sie sonst ersetzt.

5. Die Lehre mitdenken. 42 Prozent der österreichischen Eltern mit klarer Präferenz wünschen sich zuerst eine Lehre für ihr Kind, nur 34 Prozent ein Studium. Dann gehört KI auch in die Berufsschule: der Elektriker-Lehrling, der ein Angebot mit KI vorbereitet und jede Position selbst nachrechnet.

Was wir selbst gelernt haben

Bei GoStudent setzen wir KI im Unterricht ein, für Zusammenfassungen und Übungsfragen nach jeder Stunde. Unsere Erfahrung: KI macht gute Lehrpersonen wirksamer, ersetzt sie aber nicht. Nur 1 Prozent der befragten Lehrkräfte glaubt, dass KI sie ersetzen könnte. Ich glaube das auch nicht.

Handy raus, Grundlagen rein, KI mit Anleitung. Dafür braucht es kein neues Fach und kein zusätzliches Budget, nur Entscheidungen der Direktionen und den Mut der Politik.

Methodik: Der GoStudent Bericht zur Zukunft der Bildung 2026 basiert auf einer Erhebung von Censuswide unter 3.001 Eltern und ihren Kindern (8 bis 16 Jahre) sowie 300 Lehrkräften in Österreich, Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien und dem Vereinigten Königreich (Juni/Juli 2026). Der vollständige Bericht: gostudent.org/de-at/education-report/2026

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