17.01.2020

Das waren die Tech-Trends auf der CES 2020

Die CES hat auch heuer wieder traditionell das Tech- und Innovations Jahr 2020 eingeläutet. Georg Fürlinger, Innovationsbeauftragter der Außenwirtschaft Austria in San Francisco hat sich für den brutkasten die wichtigsten Tech-Trends angesehen.
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CES
(c) fürlinger

Das Jahr 2020 begann mit einer Technologie-Explosion: Auf der „Consumer Electronics Show“ (CES) in Las Vegas zeigten unzählige Hersteller ihre neuesten Produktinnovationen, die das Jahr 2020 prägen werden. 4400 Aussteller, davon 1200 Startups, aus 160 Ländern, auf ca. 255.000 Quadratmetern – ca. 36 Fußballfelder – und mehr als 170.000 Fachbesuchern machen die CES zur unangefochtene Weltleitmesse für Konsumelektronik.

Rapide Fortschritte in den zugrundeliegenden Technologien, wie 5G, künstlicher Intelligenz, Chipdesign und Internet of Things, ermöglichen neue Ansätze bei der Entwicklung innovativer Produkte. Auch heuer hat sich gezeigt, dass die CES für die Automobilindustrie immer mehr an Bedeutung gewinnt – siehe Beitrag zu Automotive-Innovation.

Aus österreichischer Sicht ist besonders erfreulich, dass auch heuer wieder etliche österreichische Firmen, seien es große Konzerne oder auch innovative Startups, den Weg auf die CES geschafft und ihre Innovationen der Weltöffentlichkeit präsentiert haben. 

Der CES Eureka Park, in der Sands Expo Halle des Hotel Venetian, ist die globale Bühne für Startups: Mehr als 1.200 Startups nutzten die CES 2020 als Plattform, um ihre Produkte und Innovationen vorzustellen und mit Kunden, Partnern und Investoren in Kontakt zu treten.

Von 5G bis Digital Health: die größten Trends und neuesten Technologien

Jedes Jahr findet vor der eigentlichen Messe der sogenannte Research Summit statt. Dort stellt die Consumer Technology Association (CTA), der Organisator der CES Messe, die Ergebnisse ihrer Forschung des vergangenen Jahres vor. Es werden die zu beobachtenden Trends im Daten-Zeitalter näher beleuchtet. 

„Internet of Things“

„Internet of Things“ wird die Entwicklung der Technologien in den nächsten zehn Jahren maßgeblich bestimmen. Statt Internet of Things sollte jedoch eher von Intelligence of Things die Rede sein. Die letzten zehn Jahre hat die Menschheit damit verbracht Dinge mit dem Internet zu verbinden, in den nächsten zehn Jahren werden wir diese Dinge nun „intelligenter“ gemacht – es ist von „connected intelligence“ die Rede. 

Durch die exponentielle Zunahme von Daten, die von Menschen & Maschinen täglich generiert werden, wird auch künstliche Intelligenz einen immer wichtigeren Stellenwert einnehmen. Erst durch AI-unterstützte Systeme kann Sinn aus dieser riesen Datenflut abgeleitet und Entscheidungen getroffen werden. Es wird in Zukunft mit großen wirtschaftlichen, kulturellen und sozialen Veränderungen zu rechnen sein.

5G Mobilfunkstandard

Neue Mobilfunk Technologien und Standards, wie 5G, wird diesen Anstieg an Daten unterstützen. Diese neue Netzwerktechnologie wird eine Zeit lang neben den bisher bestehenden 4G Netzen parallel existieren, um einen schrittweisen Übergang zu ermöglichen. Die ersten 5G-fähigen Mobiltelefone sollen bereits in diesem Jahr auf den Markt kommen.

Jedoch sehen Experten die ersten Einsatzgebiete eher im industriellen Bereich: Einerseits „massive IoT“ – viele Endpunkte, wie z.B. Sensoren, die für sich jeweils geringe Datenmengen kommunizieren und wenig Energie benötigen. Andererseits “critical – wenige Endpunkte, z.B. Anlagen oder Industrieroboter, die große Datenmengen von sich geben.

Ein spezieller Bereich, der von 5G revolutionieren wird, ist die Landwirtschaft. Auf der CES wurde u.a. von John Deere ein voll-automatisierter Mähdrescher vorgeführt. Das sich der Einsatz von dieser Technologie nicht nur auf Erntemaschinen beschränken wird, führt zu einem massiven Umbruch der Branche.

Des weiteren ist es durch die genaue Überwachung der Felder und den Einsatz von Drohnen möglich, z.B. Spritzmittel oder Düngemittel nur auf jenen Flächen aufzutragen, bei der es auch wirklich notwendig ist. Logische Konsequenz daraus sind Effizienzvorteile für den Landwirt und auch ökologische Vorteile aufgrund von geringerem Pestizideinsatz.

(c) Fürlinger

Des weitern war von neuen Content-Streaming-Services die Rede, die das Angebot weiter erhöhen werden. Vor allem auch neue Anbieter, die sich auf populäre Kurzformate spezialisieren werden (v.g. Quibi).

Auch im Bereich Virtual and Augmented Reality (VR/AR) ist mit neuen Entwicklungen zu rechnen: Mehr AR-Applikationen, vor allem im B2B Bereich, und neue Smart-Glasses, die sich nun im zweiten Anlauf durchsetzen sollen.

Robotik und Digital Health

Robotik ist ein weiterer Bereich in dem neue Trends zu beobachten sind. Allen voran war ein Anstieg von „social robots“ zu beobachten (z.B. Tombot, Roybi, Pria), die sich nun immer mehr auf spezielle Anwendungsfelder spezialisieren werden.

Digital Health hat ebenso eine zentrale Rolle beim Research Summit und der CES Konferenz eingenommen. Über 150 Aussteller haben in speziellen Unterbereichen, wie SportsTech, SleepTech oder BabyTech, ihre neuen Errungenschaften vorgestellt. Oft ist von einem Ökosystem der Ökosysteme die Rede, deren Entwicklung durch neue Technologien wie AI und 5G weiter vorangetrieben werden. Man beobachtet auch einen starken Trend von der Symptom-basierten Medizin hin zur Evidenz-basierten Medizin und erwartet vermehrte Kooperation zwischen Mensch und Maschine. Krankenhäuser werden Datencenter.

(c) Fürlinger

Delta Airlines, Parallel Reality und Exoskelett

Die Eröffnungs-Keynote wurde dieses Jahr vom CEO von Delta Airlines gehalten. Mit knapp 200 Millionen Passagieren jährlich ist sie die zweitgrößte Fluglinie in den USA. Es wurden einige neue Kooperationen, zum Beispiel mit dem Fahrtdienstleister Lyft vorgestellt, sowie weitere Service Angebote innerhalb der Delta App.

Eines der Highlights der Präsentation war eine neue  Displaytechnologie namens “Parallel Reality”, die gemeinsam mit Misapplied Sciences vorgestellt wurde. Wer kennt sie nicht, die riesigen Displays am Flughafen mit einer überwältigenden Anzahl von Fluginformationen und deren Status-Updates. Delta Air Lines hat in Kooperation mit Misapplied Sciences eine Technologie entwickelt, bei der bis zu 100 Personen eine für sie individuell personalisierte Nachricht auf nur einem einzigen Display zur gleichen Zeit sehen können. Dies ist sogar ohne eine Augmented Reality Brille oder dem eigenen Smartphone möglich. 

Derzeit wird am Flughafen in Detroit in Beta-Test durchgeführt, um Rückschlüsse für die weitere Entwicklung zu gewinnen. Noch Ende des Jahres soll Parallel Reality dann auf den ersten Flughäfen ausgerollt werden. Leider nicht für Flugreisende, aber immerhin für Mitarbeiter hat Delta Airlines in Zusammenarbeit mit Sarcos Robotics ein Exoskelett vorgestellt. Dies soll genutzt werden, um schwere Gegenstände heben und leichter zu transportieren zu können. Derzeit finden erste Tests an ausgewählten Flughäfen statt.

IBM Quantum

Ein weiterer Kooperationspartner von Delta Air Lines ist IBM. Prominent vertreten in der Central Hall im Las Vegas Convention Center war der Quantum Computer von IBM ein regelrechter Blickfang. Auf der CES 2020 gab IBM bekannt, dass ihr neuester 28-Qubit Quantencomputer sein Ziel erreicht hat, das Quantenvolumen.

Wurde im Vorjahr noch ein Quantenvolumen von 16 erzielt waren es heuer 32. Bereits seit 2017 gelingt es IBM, das Quantenvolumen jedes Jahr zu – ein wichtiges Ziel der Quantenindustrie im Allgemeinen. Denn je höher das Quantenvolumen ist, desto komplexere Probleme können von Quantencomputern gelöst werden. Des Weiteren gab IBM bekannt, dass Delta Air Lines, Anthem, Goldman Sachs und Wells Fargo an ihrem Netzwerk IBM Q teilnehmen werden, um mit mehr als 100 anderen Unternehmen an praktischen Anwendungen für den Quantencomputer zu arbeiten.

(c) Fürlinger

Neon

Schon vor Beginn der CES gab es einen Hype um Neon, ein geheimnisvoller Avatar, entwickelt von der Samsung-Tochter Star Labs. Bei Neon handelt sich um virtuelle Personen, die vollständig am Computer erzeugt werden und in Echtzeit (Latenz ca. 20 Millisekunden) autonom reagieren sollen. Grundlage der Avatare ist die Software Core R3 und Spectra. Es wurde erklärt, dass die drei Rs für Reality, Realtime und Responsive stehen und eine erste Betaversion Ende 2020 auf der Neonwelt vorgestellt werden soll.

Erste Experimente in diese Richtung fanden bereits im Oktober 2018 statt, das Projekt Neon ist jedoch erst vier Monate alt. Aufbauend auf Unmengen von Daten von realen Personen mit diversen Hintergründen sollen Mimik, Gestik und andere Körperbewegungen in das System geladen werden. Ziel ist es eine lebensähnliche, virtuelle Version von Menschen zu erstellen, die durch Interaktion mit Menschen lernen und ihr Verhalten anpassen.

Derzeit besitzen die Avatare jedoch noch kein Memory oder Intelligenz und auch auch das Business Model hinter Neon steht auch noch nicht fest. Es wird spannend zu sehen sein, in welchen Bereichen die virtuellen Personen als erstes ihren Einsatz finden.

(c) Fürlinger

Tactsuit

Das im Bereich Virtual Reality Gaming führende Unternehmen präsentierte auf der CES seinen TactSuti. Mit TactSuit können Gamer die Bewegungen, Vibrationen und Soundeffekte eines Spiels so erleben, als ob sie wirklich dort wären. Möglich wird dies aufgrund von 40 Vibrationsmotoren, welche auf der Vorder- und Rückseite des Anzugs verbaut sind. Mithilfe von Bluetooth wird der TactSuit mit einem PC oder Tablet verbunden und kann bis zu zehn Stunden genutzt werden, bevor man den verbauten Akku wieder aufladen muss. Aber nicht nur für Gamer bietet der TactSuit eine neue Erfahrungen, sondern auch für Musikliebhaber. bHaptics zeigte auf der CES eine Sairento VR Demo, welche es ermöglichen soll, Musik fühlbar wahrzunehmen.

 

Omron

Omron Automation, ein japanisches Unternehmen, hat auf der CES einen Tischtennis spielenden Roboter (Forpheus) vorgestellt, welcher auf einer neuen AI-Technologie basiert. Das System von Forpheus beobachtet während des Spiels seinen Kontrahenten und kann mit den gesammelten Informationen Rückschlüsse auf seine Fähigkeiten bzw. seinen körperlichen Zustand ziehen. Da der Roboter seine Fähigkeiten an das Gegenüber anpassen kann, ist der Bot sowohl für Experten, als auch für Anfänger geeignet. Schlussendlich handelt es sich bei Forpheus um einen Trainer, welcher nicht nur die technischen Fähigkeiten, sondern auch das emotionale Verhalten des Gegenspielers beurteilen kann.

Huawei Mate X

Neben einigen anderen Herstellern hat auch Huawei auf der CES ihr neuestes, faltbares Smartphone Mate X ausgestellt. Laut Huawei sollen seit Marktstart im November 2019 bereits mehr als 200.000 Stück des Smartphones verkauft worden sein. Erhältlich ist das Mate X derzeit nur in China, ob sich dies in den nächsten Monaten ändern wird gab Huawei nicht bekannt. Dies hängt wohl auch von der weiteren Entwicklung der Handelssituation zwischen China und der USA ab. Laut ersten Berichten arbeitet Huawei jedoch schon an einer überarbeiteten Version des Mate X, welches mit dem hauseigenen Kirin 990 Chipsatz ausgestattet werden soll. Ob bei der neuen Version die Google Services wieder on-board sein werden ist auch noch nicht bekannt.

Nreal

Nreal, ein in China gegründetes Unternehmen, hat auf der CES seine neue Light Mixed-Reality Brille vorgestellt. Die Brille ist etwas klobig, dennoch nicht so sperrig und schwer (88 Gramm) wie zum Beispiel eine HTC Vice Cosmos oder Oculus Go. Mithilfe der Brille kann man u.a. virtuelle Bildschirme aufrufen (bei Bedarf auch mehrere), sie nach Belieben verschieben und die Größe verändern. Besonders überraschend war die Bildqualität, welche durchaus mit einer Magic Leap 1 mithalten kann. Die Brille hat keinen eigenen on-board Prozessor verbaut.

(c) Fürlinger: Earl Schaffer, Aussenwirtschaft Austria, beim Ausprobieren der Nreal Brille

Focus Fun

Eine zunehmende Anzahl an Firmen beschäftigen sich mit sogenannter “Brain-Computer Interface” Technologie. Mithilfe dieser können Gehirnströme von Sensoren auf der Kopfhaut bzw. von ins Gehirn implantierten Sensoren aufgezeichnet und in digitale Signale transformiert werden.

BrainCo hat auf der CES ein Stirnband namens FocusFun präsentiert, mit dem man messen kann, wie stark sich jemand fokussiert. Vorgeführt wurde dies auf der CES mit Hilfe eines Carrera ähnlichen Autorennspiels. Dafür wurden den Testpersonen Mathematikaufgaben gestellt, je stärker man sich dann konzentrierte, um die Aufgabe zu lösen, desto schneller wurde das Auto auf der “Carrerabahn”. Als weiteres Einsatzgebiet für dieses Stirnband nennt BrainCo die Schulen. Lehrer sollen erkennen können, wann sich Schüler sehr stark anstrengen oder eher entspannt sind.


Über Georg Fürlinger

Georg Fürlinger.

Georg Fürlinger ist Technologiebeaufragter bei der Außenwirtschaft Austria, die Internationalisierungs- und Innovationsagentur der österreichischen Wirtschaft, sowie Co-Director des Open Austria Büros in San Francisco. Er unterstützt österreichische Startups und etablierte Unternehmen bei ihrer US-Markteintrittsstrategie sowie beim Technologie-, Partner- und Investoren-Scouting. Zuvor forschte er am Austrian Institute of Technology im Bereich innovativer Ökosysteme und arbeitet mit dem Startup Accelerator StartX der Stanford Universität zusammen. Georg ist Co-Autor des Buches „Abseits von Silicon Valley“.

 

 

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Mit ihrer Reverse-Mentoring-Agentur forciert Ines Hanusch Zukunftssicherheit in Wirtschaft und Politik. © brutkasten

Dieser Text ist zuerst im brutkasten-Printmagazin von August 2026 „Aufbrechen“ erschienen. Eine Download-Möglichkeit des gesamten Magazins findet sich am Ende dieses Artikels.


Wir leben in einer paradoxen Arbeitswelt: Führungskräfte werden für ihr über Jahrzehnte angesammeltes Wissen bezahlt doch exakt dieses Erfahrungswissen kann angesichts rasanter technologischer und kultureller Umbrüche zum blinden Fleck werden. Genau hier setzt eine Methodik an, die traditionelle Rollenbilder auf den Kopf stellt: Reverse Mentoring.

Ines Hanusch, Gründerin der Reverse-Mentoring-Agentur bond & grow, begleitet Unternehmen und Politik bei diesem Paradigmenwechsel. Für sie ist der Kerngedanke simpel, aber radikal: „Beim klassischen Mentoring lernt die Jüngere von der Erfahreneren. Beim Reverse Mentoring ist es umgekehrt: Die Führungskraft sitzt in der Lernenden-Position gezielt, strukturiert und vor allem nicht nebenbei.“

Kein Kaffeetratsch und keine Therapie

Doch was genau ist Reverse Mentoring in der Praxis? Hanusch wird nicht müde zu betonen, was es nicht ist: Es sei kein lockeres Kaffeegespräch, kein Coaching mit einer einzigen Zielvorgabe und schon gar keine Therapie. Auch der oft gehörte Einwand, man könne sich doch einfach mit den eigenen Kindern austauschen, greift für die Expertin ins Leere: „Mit den eigenen Kindern teile ich eine Sozialisation, ein Machtgefälle, ob ich will oder nicht.

Das Kind wird mir vieles nicht sagen, und ich werde vieles nicht hören wollen.“ Wahre Wirkung entstehe erst durch psychologische Sicherheit ohne persönliche Verstrickung eine Atmosphäre, in der ein junger Mensch kein Interesse daran hat, zu gefallen, sondern ehrlich zu sein.

Der Blick von innen: Reibung als Chance

In klassischen Organisationen verhindert die Hierarchie oft genau jenen Raum der psychologischen Sicherheit, in dem ungefiltert und ohne Angst vor Konsequenzen gesprochen werden kann. Ines Hanusch beschreibt das systematische Dilemma eindrücklich: Je weiter Führungskräfte auf der Karriereleiter nach oben klettern, desto mehr manifestiert sich die Angst vor Inkompetenz und Statusverlust. „Wenn Top-Entscheider:innen plötzlich von jemandem lernen, der dreißig Jahre jünger ist, entsteht unweigerlich intensive Emotion, Irritation und Reibung“ – doch exakt in diesen Momenten verankert sich laut Hanusch der größte Lerneffekt.

Wie sich dieser Rollentausch in der Realität anfühlt, schildert eine 21-jährige Mentorin, die im Rahmen von bond & grow Top-Entscheider:innen begleitet. Kristin Barnowsky sieht in ihrer Aufgabe eine enorme Verantwortung: Für sie bedeutet Reverse Mentoring, erfahrenen Führungskräften neue Perspektiven mit auf den Weg zu geben und dabei auch hin und wieder Reibung zu erzeugen“. Nervosität vor dem ersten Aufeinandertreffen ist keine Seltenheit, wie sie verrät. Ihr persönlicher mentaler Trick für das erste Meeting? „Ich stelle mir einfach vor, dass die Person mich bereits mag und ich sie auch. Dadurch gehe ich wesentlich natürlicher, authentischer und positiver in das Gespräch.“

Die größte Herausforderung im laufenden Prozess ist für sie das Gespür dafür, wie tief man in die Glaubenssätze des Mentees eindringen darf. Wenn auf Mentee-Seite Widerstand entsteht, stecke dahinter oft eine unbewusste Angst; etwa das Gefühl, nicht gehört oder gesehen zu werden. Es erfordere Empathie und präzises Timing, unangenehme Themen anzusprechen, ohne die Führungskraft emotional zu überfordern, erklärt die 21-Jährige.

Für wen das Konzept geeignet ist – und wann es scheitert

Die Zahlen sprechen für sich, doch Reverse Mentoring ist kein Selbstläufer. Laut Hanusch eignet es sich primär für Führungskräfte, die Nichtwissen als Startpunkt und nicht als Schwäche betrachten. In hierarchisch geprägten Unternehmen erfordere das immense Größe. „Statusverlust berührt das Selbstbild direkt, und das ist unbequem“, analysiert Hanusch. Viele Führungskräfte fürchten den Moment, in dem sie erkennen müssen, dass jemand, der viele Jahre jünger ist, über entscheidendes Know-how verfügt – sei es über moderne Arbeitskulturen, neue Konsumgewohnheiten oder schlicht den Umgang mit Unsicherheit in Krisenzeiten.

Wann also scheitert Reverse Mentoring? Die Expertin zieht eine klare Grenze: „Ich rate ab, wenn Unternehmen Reverse Mentoring als Imagemaßnahme einsetzen wollen, ohne wirkliche Bereitschaft, etwas zu verändern.“ Ohne intrinsische Motivation beider Seiten, einen geschützten Rahmen und professionelles Matching wird das Format zur reinen Simulation.

Innovation durch unbefangenes Denken

Wenn die Rahmenbedingungen jedoch stimmen, entpuppt sich Reverse Mentoring als machtvoller Innovationsmotor. In vielen Branchen sind junge Menschen näher an der Zielgruppe oder stellen diese gar selbst dar. Sie spüren kulturelle Trends früher und besitzen den Mut, Unbequemes auszusprechen. Kristin Barnowsky erlebt das regelmäßig in ihren Mentoring-Sessions, etwa wenn es um künstliche Intelligenz, Automatisierung von Workflows oder den Einsatz von Social Media geht. Doch der tiefere Wert liegt oft jenseits der Technologie: Es geht um das Hinterfragen erstarrter Prozesse. „Oft sehen die Dinge, die uns Sorgen machen, nur für uns so aus; aus einer anderen Perspektive sind sie plötzlich Chancen für innovative Veränderungen“, resümiert die Mentorin.

Letztlich profitiert nicht nur die Führungskraft auch die jungen Mentor:innen wachsen, bauen sich ein Netzwerk auf und erleben direkte Selbstwirksamkeit. Die wichtigste Frage für Ines Hanusch: „Was, wenn du von denen lernst, die bisher nicht gefragt wurden? Es tut manchmal weh, sich spiegeln zu lassen. Aber nur so entsteht Fortschritt.“ In einer Wirtschaft, die händeringend nach Fachkräften und neuen Wegen sucht, könnte die Bereitschaft, vom Nachwuchs zu lernen, bald über die Existenz von Unternehmen entscheiden. Oder wie Ines Hanusch sagt: „Wer heute keine Kultur des gegenseitigen Lernens etabliert, verliert morgen den Anschluss bei existenziellen Themen wie Mitarbeiterbindung und Innovation.“

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AI Summaries

Das waren die Tech-Trends auf der CES 2020

Das Jahr 2020 begann mit einer Technologie-Explosion: Auf der „Consumer Electronics Show“ (CES) in Las Vegas zeigten unzählige Hersteller ihre neuesten Produktinnovationen, die das Jahr 2020 prägen werden. „Internet of Things“ wird die Entwicklung der Technologien in den nächsten zehn Jahren maßgeblich bestimmen. Robotik ist ein weiterer Bereich in dem neue Trends zu beobachten sind. Das im Bereich Virtual Reality Gaming führende Unternehmen präsentierte auf der CES seinen TactSuti. Nreal, ein in China gegründetes Unternehmen, hat auf der CES seine neue Light Mixed-Reality Brille vorgestellt. Georg ist Co-Autor des Buches „Abseits von Silicon Valley“.

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