17.01.2020

Das waren die Tech-Trends auf der CES 2020

Die CES hat auch heuer wieder traditionell das Tech- und Innovations Jahr 2020 eingeläutet. Georg Fürlinger, Innovationsbeauftragter der Außenwirtschaft Austria in San Francisco hat sich für den brutkasten die wichtigsten Tech-Trends angesehen.
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CES
(c) fürlinger

Das Jahr 2020 begann mit einer Technologie-Explosion: Auf der „Consumer Electronics Show“ (CES) in Las Vegas zeigten unzählige Hersteller ihre neuesten Produktinnovationen, die das Jahr 2020 prägen werden. 4400 Aussteller, davon 1200 Startups, aus 160 Ländern, auf ca. 255.000 Quadratmetern – ca. 36 Fußballfelder – und mehr als 170.000 Fachbesuchern machen die CES zur unangefochtene Weltleitmesse für Konsumelektronik.

Rapide Fortschritte in den zugrundeliegenden Technologien, wie 5G, künstlicher Intelligenz, Chipdesign und Internet of Things, ermöglichen neue Ansätze bei der Entwicklung innovativer Produkte. Auch heuer hat sich gezeigt, dass die CES für die Automobilindustrie immer mehr an Bedeutung gewinnt – siehe Beitrag zu Automotive-Innovation.

Aus österreichischer Sicht ist besonders erfreulich, dass auch heuer wieder etliche österreichische Firmen, seien es große Konzerne oder auch innovative Startups, den Weg auf die CES geschafft und ihre Innovationen der Weltöffentlichkeit präsentiert haben. 

Der CES Eureka Park, in der Sands Expo Halle des Hotel Venetian, ist die globale Bühne für Startups: Mehr als 1.200 Startups nutzten die CES 2020 als Plattform, um ihre Produkte und Innovationen vorzustellen und mit Kunden, Partnern und Investoren in Kontakt zu treten.

Von 5G bis Digital Health: die größten Trends und neuesten Technologien

Jedes Jahr findet vor der eigentlichen Messe der sogenannte Research Summit statt. Dort stellt die Consumer Technology Association (CTA), der Organisator der CES Messe, die Ergebnisse ihrer Forschung des vergangenen Jahres vor. Es werden die zu beobachtenden Trends im Daten-Zeitalter näher beleuchtet. 

„Internet of Things“

„Internet of Things“ wird die Entwicklung der Technologien in den nächsten zehn Jahren maßgeblich bestimmen. Statt Internet of Things sollte jedoch eher von Intelligence of Things die Rede sein. Die letzten zehn Jahre hat die Menschheit damit verbracht Dinge mit dem Internet zu verbinden, in den nächsten zehn Jahren werden wir diese Dinge nun „intelligenter“ gemacht – es ist von „connected intelligence“ die Rede. 

Durch die exponentielle Zunahme von Daten, die von Menschen & Maschinen täglich generiert werden, wird auch künstliche Intelligenz einen immer wichtigeren Stellenwert einnehmen. Erst durch AI-unterstützte Systeme kann Sinn aus dieser riesen Datenflut abgeleitet und Entscheidungen getroffen werden. Es wird in Zukunft mit großen wirtschaftlichen, kulturellen und sozialen Veränderungen zu rechnen sein.

5G Mobilfunkstandard

Neue Mobilfunk Technologien und Standards, wie 5G, wird diesen Anstieg an Daten unterstützen. Diese neue Netzwerktechnologie wird eine Zeit lang neben den bisher bestehenden 4G Netzen parallel existieren, um einen schrittweisen Übergang zu ermöglichen. Die ersten 5G-fähigen Mobiltelefone sollen bereits in diesem Jahr auf den Markt kommen.

Jedoch sehen Experten die ersten Einsatzgebiete eher im industriellen Bereich: Einerseits „massive IoT“ – viele Endpunkte, wie z.B. Sensoren, die für sich jeweils geringe Datenmengen kommunizieren und wenig Energie benötigen. Andererseits “critical – wenige Endpunkte, z.B. Anlagen oder Industrieroboter, die große Datenmengen von sich geben.

Ein spezieller Bereich, der von 5G revolutionieren wird, ist die Landwirtschaft. Auf der CES wurde u.a. von John Deere ein voll-automatisierter Mähdrescher vorgeführt. Das sich der Einsatz von dieser Technologie nicht nur auf Erntemaschinen beschränken wird, führt zu einem massiven Umbruch der Branche.

Des weiteren ist es durch die genaue Überwachung der Felder und den Einsatz von Drohnen möglich, z.B. Spritzmittel oder Düngemittel nur auf jenen Flächen aufzutragen, bei der es auch wirklich notwendig ist. Logische Konsequenz daraus sind Effizienzvorteile für den Landwirt und auch ökologische Vorteile aufgrund von geringerem Pestizideinsatz.

(c) Fürlinger

Des weitern war von neuen Content-Streaming-Services die Rede, die das Angebot weiter erhöhen werden. Vor allem auch neue Anbieter, die sich auf populäre Kurzformate spezialisieren werden (v.g. Quibi).

Auch im Bereich Virtual and Augmented Reality (VR/AR) ist mit neuen Entwicklungen zu rechnen: Mehr AR-Applikationen, vor allem im B2B Bereich, und neue Smart-Glasses, die sich nun im zweiten Anlauf durchsetzen sollen.

Robotik und Digital Health

Robotik ist ein weiterer Bereich in dem neue Trends zu beobachten sind. Allen voran war ein Anstieg von „social robots“ zu beobachten (z.B. Tombot, Roybi, Pria), die sich nun immer mehr auf spezielle Anwendungsfelder spezialisieren werden.

Digital Health hat ebenso eine zentrale Rolle beim Research Summit und der CES Konferenz eingenommen. Über 150 Aussteller haben in speziellen Unterbereichen, wie SportsTech, SleepTech oder BabyTech, ihre neuen Errungenschaften vorgestellt. Oft ist von einem Ökosystem der Ökosysteme die Rede, deren Entwicklung durch neue Technologien wie AI und 5G weiter vorangetrieben werden. Man beobachtet auch einen starken Trend von der Symptom-basierten Medizin hin zur Evidenz-basierten Medizin und erwartet vermehrte Kooperation zwischen Mensch und Maschine. Krankenhäuser werden Datencenter.

(c) Fürlinger

Delta Airlines, Parallel Reality und Exoskelett

Die Eröffnungs-Keynote wurde dieses Jahr vom CEO von Delta Airlines gehalten. Mit knapp 200 Millionen Passagieren jährlich ist sie die zweitgrößte Fluglinie in den USA. Es wurden einige neue Kooperationen, zum Beispiel mit dem Fahrtdienstleister Lyft vorgestellt, sowie weitere Service Angebote innerhalb der Delta App.

Eines der Highlights der Präsentation war eine neue  Displaytechnologie namens “Parallel Reality”, die gemeinsam mit Misapplied Sciences vorgestellt wurde. Wer kennt sie nicht, die riesigen Displays am Flughafen mit einer überwältigenden Anzahl von Fluginformationen und deren Status-Updates. Delta Air Lines hat in Kooperation mit Misapplied Sciences eine Technologie entwickelt, bei der bis zu 100 Personen eine für sie individuell personalisierte Nachricht auf nur einem einzigen Display zur gleichen Zeit sehen können. Dies ist sogar ohne eine Augmented Reality Brille oder dem eigenen Smartphone möglich. 

Derzeit wird am Flughafen in Detroit in Beta-Test durchgeführt, um Rückschlüsse für die weitere Entwicklung zu gewinnen. Noch Ende des Jahres soll Parallel Reality dann auf den ersten Flughäfen ausgerollt werden. Leider nicht für Flugreisende, aber immerhin für Mitarbeiter hat Delta Airlines in Zusammenarbeit mit Sarcos Robotics ein Exoskelett vorgestellt. Dies soll genutzt werden, um schwere Gegenstände heben und leichter zu transportieren zu können. Derzeit finden erste Tests an ausgewählten Flughäfen statt.

IBM Quantum

Ein weiterer Kooperationspartner von Delta Air Lines ist IBM. Prominent vertreten in der Central Hall im Las Vegas Convention Center war der Quantum Computer von IBM ein regelrechter Blickfang. Auf der CES 2020 gab IBM bekannt, dass ihr neuester 28-Qubit Quantencomputer sein Ziel erreicht hat, das Quantenvolumen.

Wurde im Vorjahr noch ein Quantenvolumen von 16 erzielt waren es heuer 32. Bereits seit 2017 gelingt es IBM, das Quantenvolumen jedes Jahr zu – ein wichtiges Ziel der Quantenindustrie im Allgemeinen. Denn je höher das Quantenvolumen ist, desto komplexere Probleme können von Quantencomputern gelöst werden. Des Weiteren gab IBM bekannt, dass Delta Air Lines, Anthem, Goldman Sachs und Wells Fargo an ihrem Netzwerk IBM Q teilnehmen werden, um mit mehr als 100 anderen Unternehmen an praktischen Anwendungen für den Quantencomputer zu arbeiten.

(c) Fürlinger

Neon

Schon vor Beginn der CES gab es einen Hype um Neon, ein geheimnisvoller Avatar, entwickelt von der Samsung-Tochter Star Labs. Bei Neon handelt sich um virtuelle Personen, die vollständig am Computer erzeugt werden und in Echtzeit (Latenz ca. 20 Millisekunden) autonom reagieren sollen. Grundlage der Avatare ist die Software Core R3 und Spectra. Es wurde erklärt, dass die drei Rs für Reality, Realtime und Responsive stehen und eine erste Betaversion Ende 2020 auf der Neonwelt vorgestellt werden soll.

Erste Experimente in diese Richtung fanden bereits im Oktober 2018 statt, das Projekt Neon ist jedoch erst vier Monate alt. Aufbauend auf Unmengen von Daten von realen Personen mit diversen Hintergründen sollen Mimik, Gestik und andere Körperbewegungen in das System geladen werden. Ziel ist es eine lebensähnliche, virtuelle Version von Menschen zu erstellen, die durch Interaktion mit Menschen lernen und ihr Verhalten anpassen.

Derzeit besitzen die Avatare jedoch noch kein Memory oder Intelligenz und auch auch das Business Model hinter Neon steht auch noch nicht fest. Es wird spannend zu sehen sein, in welchen Bereichen die virtuellen Personen als erstes ihren Einsatz finden.

(c) Fürlinger

Tactsuit

Das im Bereich Virtual Reality Gaming führende Unternehmen präsentierte auf der CES seinen TactSuti. Mit TactSuit können Gamer die Bewegungen, Vibrationen und Soundeffekte eines Spiels so erleben, als ob sie wirklich dort wären. Möglich wird dies aufgrund von 40 Vibrationsmotoren, welche auf der Vorder- und Rückseite des Anzugs verbaut sind. Mithilfe von Bluetooth wird der TactSuit mit einem PC oder Tablet verbunden und kann bis zu zehn Stunden genutzt werden, bevor man den verbauten Akku wieder aufladen muss. Aber nicht nur für Gamer bietet der TactSuit eine neue Erfahrungen, sondern auch für Musikliebhaber. bHaptics zeigte auf der CES eine Sairento VR Demo, welche es ermöglichen soll, Musik fühlbar wahrzunehmen.

 

Omron

Omron Automation, ein japanisches Unternehmen, hat auf der CES einen Tischtennis spielenden Roboter (Forpheus) vorgestellt, welcher auf einer neuen AI-Technologie basiert. Das System von Forpheus beobachtet während des Spiels seinen Kontrahenten und kann mit den gesammelten Informationen Rückschlüsse auf seine Fähigkeiten bzw. seinen körperlichen Zustand ziehen. Da der Roboter seine Fähigkeiten an das Gegenüber anpassen kann, ist der Bot sowohl für Experten, als auch für Anfänger geeignet. Schlussendlich handelt es sich bei Forpheus um einen Trainer, welcher nicht nur die technischen Fähigkeiten, sondern auch das emotionale Verhalten des Gegenspielers beurteilen kann.

Huawei Mate X

Neben einigen anderen Herstellern hat auch Huawei auf der CES ihr neuestes, faltbares Smartphone Mate X ausgestellt. Laut Huawei sollen seit Marktstart im November 2019 bereits mehr als 200.000 Stück des Smartphones verkauft worden sein. Erhältlich ist das Mate X derzeit nur in China, ob sich dies in den nächsten Monaten ändern wird gab Huawei nicht bekannt. Dies hängt wohl auch von der weiteren Entwicklung der Handelssituation zwischen China und der USA ab. Laut ersten Berichten arbeitet Huawei jedoch schon an einer überarbeiteten Version des Mate X, welches mit dem hauseigenen Kirin 990 Chipsatz ausgestattet werden soll. Ob bei der neuen Version die Google Services wieder on-board sein werden ist auch noch nicht bekannt.

Nreal

Nreal, ein in China gegründetes Unternehmen, hat auf der CES seine neue Light Mixed-Reality Brille vorgestellt. Die Brille ist etwas klobig, dennoch nicht so sperrig und schwer (88 Gramm) wie zum Beispiel eine HTC Vice Cosmos oder Oculus Go. Mithilfe der Brille kann man u.a. virtuelle Bildschirme aufrufen (bei Bedarf auch mehrere), sie nach Belieben verschieben und die Größe verändern. Besonders überraschend war die Bildqualität, welche durchaus mit einer Magic Leap 1 mithalten kann. Die Brille hat keinen eigenen on-board Prozessor verbaut.

(c) Fürlinger: Earl Schaffer, Aussenwirtschaft Austria, beim Ausprobieren der Nreal Brille

Focus Fun

Eine zunehmende Anzahl an Firmen beschäftigen sich mit sogenannter “Brain-Computer Interface” Technologie. Mithilfe dieser können Gehirnströme von Sensoren auf der Kopfhaut bzw. von ins Gehirn implantierten Sensoren aufgezeichnet und in digitale Signale transformiert werden.

BrainCo hat auf der CES ein Stirnband namens FocusFun präsentiert, mit dem man messen kann, wie stark sich jemand fokussiert. Vorgeführt wurde dies auf der CES mit Hilfe eines Carrera ähnlichen Autorennspiels. Dafür wurden den Testpersonen Mathematikaufgaben gestellt, je stärker man sich dann konzentrierte, um die Aufgabe zu lösen, desto schneller wurde das Auto auf der “Carrerabahn”. Als weiteres Einsatzgebiet für dieses Stirnband nennt BrainCo die Schulen. Lehrer sollen erkennen können, wann sich Schüler sehr stark anstrengen oder eher entspannt sind.


Über Georg Fürlinger

Georg Fürlinger.

Georg Fürlinger ist Technologiebeaufragter bei der Außenwirtschaft Austria, die Internationalisierungs- und Innovationsagentur der österreichischen Wirtschaft, sowie Co-Director des Open Austria Büros in San Francisco. Er unterstützt österreichische Startups und etablierte Unternehmen bei ihrer US-Markteintrittsstrategie sowie beim Technologie-, Partner- und Investoren-Scouting. Zuvor forschte er am Austrian Institute of Technology im Bereich innovativer Ökosysteme und arbeitet mit dem Startup Accelerator StartX der Stanford Universität zusammen. Georg ist Co-Autor des Buches „Abseits von Silicon Valley“.

 

 

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Umarmungen statt Visitenkarten: Zu Besuch beim ersten Conxious Picnic am Otto Wagner Areal

Zwei Tage lang hat die Community rund um Andreas Tschas auf dem Otto Wagner Areal in Wien an einem „neuen Betriebssystem für unsere Wirtschaft“ gearbeitet. Ein Besuch beim ersten Conxious Picnic.
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Business Angel Hansi Hansmann und Conxious-Gründer Andreas Tschas | (c) Luisazzoe / StudioZucker

Es braucht seine Zeit, bis man oben ist. Wer zum Conxious Picnic will, muss hinauf auf die Baumgartner Höhe in Wien-Penzing, fernab der hektischen Innenstadt. Der Ort ist bewusst gewählt.

Das Otto Wagner Areal wurde vor rund 120 Jahren als Heil- und Pflegeanstalt eröffnet und umfasst rund 50 Hektar. Das entspricht der Fläche von rund 70 Fußballfeldern. Nach einem Jahrhundert klinischer Nutzung wird das denkmalgeschützte Jugendstilensemble neu belebt. 2030 oder 2031 soll hier die Musik und Kunst Privatuniversität der Stadt Wien (MUK) einziehen. Bis dahin wird das Gelände zwischengenutzt, unter anderem von Kreativkollektiven und für Kunst- und Kulturveranstaltungen.

Das Jugendstiltheater am Otto Wagner Areal in Wien-Penzing war Schauplatz des Conxious Picnic. Foto: Luisazzoe / StudioZucker

Am 30. September und 1. Oktober war das Jugendstiltheater mit seinen Gärten Schauplatz des ersten Conxious Picnic. Schon beim Hineingehen weiß man: Hier geht es anders zu als bei einem üblichen Business-Event. Man spricht sich mit Vornamen an. Teilweise umarmt man sich bei der Begrüßung.

Das Betriebssystem von morgen

Hinter dem Format steht Andreas Tschas, Gründer von Conxious. Seine Vision fasst er im Gespräch mit brutkasten in einem Satz zusammen: „Ein neues Betriebssystem für unsere Wirtschaft, das auf Vertrauen und innerer Klarheit beruht.“ Nach diesem Gedanken sei auch die Veranstaltung aufgebaut gewesen. Es gehe darum, Wirtschaft wieder menschlicher zu machen: „Weg vom Business, hin zur Wirtschaft, zum Wirt.“ Der Wirt sei jemand, der auf die Ressourcen schaue, ein Host, der auf die Community achte.

Rund 200 Gäste waren laut Andreas Tschas an den beiden Tagen durchgehend vor Ort. | Foto: Luisazzoe / StudioZucker

Das Interesse war größer als erwartet. 250 Personen waren laut Tschas angemeldet, durchgehend seien rund 200 vor Ort gewesen. Die Gäste kamen auch aus anderen europäischen Ländern, darunter die Niederlande, Portugal, Deutschland und Italien.

Was man mitbringen muss

Wer mitmachen will, braucht vor allem Zeit. Die Veranstalter baten ihre Gäste vorab, an beiden Tagen zu bleiben. Das Picknick sei als ein Bogen gedacht, bei dem jeder Akt auf dem vorigen aufbaut.

Dazu kommen Neugier, Präsenz und die Offenheit für Menschen, die man noch nicht kennt. So stand es in der Einladung an die Gäste. Wer wollte, brachte eine Blume mit, einen Kuchen zum Teilen oder ein Sitzkissen für die Wiese. Einen Dresscode gab es nicht, Farbe war ausdrücklich willkommen.

Wer sitzt, kann etwas vorbringen

Am zweiten Tag geht es im Jugendstiltheater um Träume. Bianca Gfrei von Conxious steht in der Mitte des Raums. Rund um sie sind Vintage-Möbel des Wiener Generationencafés Vollpension aufgereiht, dazwischen liegen Sitzkissen. Wer hier Platz nimmt, soll die Augen schließen und seine Wünsche benennen.

Bianca Gfrei von Conxious leitete am zweiten Tag die Runde zu den Träumen der Gäste. | Foto: Luisazzoe| / StudioZucker

Dann öffnet Gfrei die Runde. Gefragt wird nach Themen: Wer hat einen Traum, wenn es um Business geht? Wer, wenn es um Räume geht? Wer in der Runde sitzt, kann etwas vorbringen und sagen, welche Unterstützung er oder sie braucht.

Auch Tschas bringt einen Traum ein, und der betrifft Bildung. Inhalte für Kinder würden künftig viele Unternehmen liefern, entscheidend sei das Erlebnis rundherum. Mit „Conxious in the Garden“ treffen sich bereits Familien an Wochenenden. Er sei nicht überzeugt, dass sich das Bildungssystem in Österreich so schnell anpassen könne wie nötig. Zugleich gebe es sehr gute Schulen, nur brauche es mehr davon. Für das Vorhaben sucht er einen CEO, ein Investor sei bereits interessiert.

Vertrauen als Business Case

So weich das klingt, Tschas argumentiert wirtschaftlich. Das Fundament von Conxious sei Vertrauen, und das Picknick habe mit genau diesem Gedanken begonnen: „Trust as a Business Case“. Er erzählt dazu von Business Angel Hansi Hansmann, einem der Founding Partner von Conxious. Der habe ihm gesagt, dass es um Vertrauen gehe, sei für ihn ein No-Brainer. Für Tschas ist das der Punkt: „Du lernst den Menschen kennen und du vertraust ihm einmal.“ Daraus seien die großen Erfolgsgeschichten entstanden.

Auch der Autor und NEOS-Mitgründer Matthias Strolz war vor Ort. | Foto: Luisazzoe / StudioZucker

In Unternehmen sehe er oft das Gegenteil. Wenn er in Abteilungen nachfrage, wie viel Zeit in Konflikte und interne Politik fließe, höre er im Schnitt 70 Prozent. Der Grund sei ein Vertrauensproblem.

Bei Startups zeige sich das im Founder-Konflikt. Der „Return on Investment on emotional well-being“ werde völlig unterschätzt, sagt Tschas. Er kenne nur wenige Investoren, die vorbeugend etwas tun. Komme es zum Konflikt, könne man „mindestens 50 Prozent der Bewertung abschreiben“.

Auch die Freiflächen rund um das Jugendstiltheater wurden bespielt. | Foto: Luisazzoe / StudioZucker

Wer dabei war

Auf dem Programm standen unter anderem der Impact-Investor Charly Kleissner, die Kulturanthropologin Bettina Ludwig, der Autor und NEOS-Mitgründer Matthias Strolz, Thomas Funke, Mitgründer der Tomorrow University, und Eversports-Mitgründer Hanno Lippitsch. Unter den Gästen waren laut Tschas zudem viele Gründer, die diesen Weg schon gegangen sind, darunter TTTech-Mitgründer Georg Kopetz sowie Busuu-Mitgründer und Investor Bernhard Niesner. Auch Digitalisierungsstaatssekretär Alexander Pröll und Bernhard Sagmeister, Geschäftsführer der Austria Wirtschaftsservice GmbH (aws), waren vor Ort.

TTTech-Mitgründer Georg Kopetz im Gespräch mit Conxious-Gründer Andreas Tschas | Foto: Luisazzoe / StudioZucker

Auch der Unternehmer Klaus Buchroithner war dabei, dessen Firma das Merchandise für Conxious produziert. „Die letzten zwei Tage ist es sehr wenig ums Business gegangen und sehr viel um Persönlichkeitsentwicklung“, sagt er. Es habe Sessions gegeben, in denen man sich bewegt hat, aber auch Vorträge. Eine klassische Business-Konferenz sei es sicher nicht gewesen.

Besonders mitgenommen hat Buchroithner den Beitrag von Ludwig über eine der letzten Jäger-und-Sammler-Gemeinschaften. Dort sei jeder von Geburt an Teil eines größeren Ganzen, weil die Gemeinschaft nur gemeinsam überlebt. Sein Schluss daraus: Egoistische Entscheidungen seien „eigentlich kompletter Unsinn“.

Foto: Luisazzoe / StudioZucker

Was aus dem Picknick entstehen soll

Beim Reden soll es nicht bleiben. Tschas formuliert eine Hypothese: Unternehmen und Startups, die auf dieser Basis von Vertrauen gegründet werden, funktionieren besser. Aus der Community heraus würden gerade die ersten Unternehmen gemeinsam gestartet.

Konkret denkt man laut Tschas über drei Dinge nach. Ein Magazin, das sich um Bewusstsein in der Wirtschaft dreht. Räume für Meetings, in denen man präsenter und weniger abgelenkt ist. Und eine Schule. In drei bis vier Monaten werde man mehr dazu sagen können.

Das Prinzip dahinter beschreibt er so: „Dem Glück auf die Sprünge helfen, indem wir coole Leute und coole Ideen zusammenbringen und die Erfolgswahrscheinlichkeit erhöhen.“


Video-Tipp: Andreas Tschas über Conxious: „Ein neues Betriebssystem für die Wirtschaft“

Andreas Tschas spricht im Talk über sein Projekt Conxious – eine kuratierte Community, die Vertrauen und innere Klarheit ins Zentrum des wirtschaftlichen Handelns rücken möchte.

Im Gespräch erklärt Tschas, warum Vertrauen ein unterschätzter Produktivitätsfaktor in Unternehmen sei, wie aus tiefen menschlichen Verbindungen nachhaltige Projekte entstehen können und wie ein zukunftsfähiges Betriebssystem für die Wirtschaft aussehen soll.

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AI Summaries

Das waren die Tech-Trends auf der CES 2020

Das Jahr 2020 begann mit einer Technologie-Explosion: Auf der „Consumer Electronics Show“ (CES) in Las Vegas zeigten unzählige Hersteller ihre neuesten Produktinnovationen, die das Jahr 2020 prägen werden. „Internet of Things“ wird die Entwicklung der Technologien in den nächsten zehn Jahren maßgeblich bestimmen. Robotik ist ein weiterer Bereich in dem neue Trends zu beobachten sind. Das im Bereich Virtual Reality Gaming führende Unternehmen präsentierte auf der CES seinen TactSuti. Nreal, ein in China gegründetes Unternehmen, hat auf der CES seine neue Light Mixed-Reality Brille vorgestellt. Georg ist Co-Autor des Buches „Abseits von Silicon Valley“.

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