18.06.2025
PITCH-WETTBEWERB

Cellectric Biosciences aus Wien gewinnt beim EIT Health Catapult renommierten Preis

Das Wiener AIT-Spin-off Cellectric setzt mit Elektrodynamik auf eine gänzlich neue Technologie, um mit Zellen zu arbeiten. Nun konnte es einen renommierten Pitch-Wettbewerb gewinnen.
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Klemens Wassermann und Terje Wimberger | (c) Barth Decobecq / EIT Health

Nach dem Phönix Gründerpreis 2022 und dem Sieg beim Startup World Cup Austria 2024 legt das Wiener Deep-Tech-Startup Cellectric Biosciences erneut nach: Beim EIT Health Catapult holte das Startup gestern auf der HLTH Europe in Amsterdam den ersten Platz in der Kategorie Life Sciences. HLTH Europe ist eine mehrtätige Veranstaltung mit über 5.000 Teilnehmer:innen aus ganz Europa, die sich auf die Transformation des Gesundheitswesens spezialisiert.

Pitch-Serie mit Ansage

Der Catapult-Wettbewerb des EU-Netzwerks EIT Health läuft heuer zum neunten Mal. Seit 2016 wurden im Rahmen des Wettbewerbs mehr als 300 Startups gecoacht. Cellectric qualifizierte sich vergangenen Herbst über den regionalen Vorentscheid in Wien, organisiert von EIT Health Austria und AustrianStartups. Im europäischen Finale setzte sich das Team gegenüber mehreren Mitbewerber durch und sicherte sich Preisgeld sowie Sachleistungen von Industriepartnern. In der Parallelkategorie HealthTech gewann das Münchner Startup Custom Surgical.

Elektrische Felder statt Chemikalien

Cellectric Biosciences nutzt Elektrodynamik statt Chemikalien, um Zellmembranen punktgenau zu laden oder zu entladen. Dadurch kann das Wiener AIT-Spin-off Humanzellen in Blutproben kontrolliert platzen lassen, während Krankheitserreger wie Bakterien und Pilze intakt bleiben.

Die zugrunde liegende Plattform eröffnet weit darüber hinausgehende Anwendungen bei denen beispielsweise nur Krebszellen zerstört oder gesunde Zellen gezielt mit Wirkstoffen beladen werden. Im Zuge der Entwicklung erhielt das Startup auch eine aws-Seed-Förderung (brutkasten berichtete).

Stimmen aus dem Ökosystem

„Cellectric ist ein Paradebeispiel für Deep-Tech-Innovation, die Europa braucht“, betont Melanie Hartl, Entrepreneurship-Lead bei EIT Health Austria. Der nationale Vorentscheid illustriere zudem, wie effektiv österreichische Förderprogramme im Life-Sciences-Bereich seien. Cellectric-Co-Founder Klemens Wassermann spricht von „einem starken Motivationsschub“, der das Team anspornt, „weiterhin die Grenzen des Machbaren auszutesten“.

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Die Aitiologic-Gründer (vlnr.): Andreas Posch, Stephan Beisken und Achim Plum | (c) Aitiologic
Die Aitiologic-Gründer (v.l.n.r.): Andreas Posch, Stephan Beisken und Achim Plum | (c) Aitiologic

Im Oktober 2024 verließ das Wiener Startup Aitiologic den „Stealth Mode“. Damals hatte es 2,5 Millionen Euro an Investments und Förderungen eingesammelt. Jetzt folgt eine Seed-Finanzierung über 6,4 Millionen Euro, wie das Unternehmen am Dienstag bekannt gab.

Angeführt wird die Runde von den Healthcare-Investoren Heal Capital und Ananda Impact Ventures. Die bisherigen Investoren Push VC und Lana Ventures sind wieder dabei. Dazu kommen laut Startup mehrere Biotech-Gründer, die bereits Börsengänge und Exits hinter sich haben.

Ein Bluttest, der zeigt, was im Gewebe passiert

Aitiologic entwickelt die Plattform „Aitios“. Sie untersucht zellfreie DNA im Blut und wertet die Daten mit KI aus. Das Ziel: Aus einer normalen Blutprobe soll sich ablesen lassen, aus welchem Gewebe die DNA stammt und was dort gerade passiert. Die Technologie geht auf Forschung von Gründer und CEO Andreas Posch bei Siemens Healthineers zurück. Aitiologic hat sie exklusiv lizenziert.

2024 sprach das Startup noch allgemein von Krebs- und Pränataldiagnostik. Nun ist die erste Anwendung klar: die Risikoabschätzung für Präeklampsie im ersten Schwangerschaftsdrittel. Die Bluthochdruck-Erkrankung betrifft laut Aussendung geschätzt drei bis acht Prozent aller Schwangerschaften. Sie ist eine der wichtigsten Ursachen für Todesfälle von Müttern und Föten weltweit. Aitiologic will dafür dieselbe Blutprobe nutzen, die ohnehin für den nicht-invasiven Pränataltest (NIPT) abgenommen wird. Eine zusätzliche Blutabnahme wäre also nicht nötig.

Eine erste Studie mit Kypros Nicolaides und dem Fetal Medicine Research Institute habe gezeigt, dass sich damit das Präeklampsie-Risiko einschätzen lässt, so das Startup. Jetzt läuft eine größere Studie mit der Fetal Medicine Foundation, an der mehr als 1.000 Schwangere teilnehmen. „Wir sind von einer Technologie-Hypothese zu publizierten klinischen Daten gekommen“, sagt Posch. Das frische Kapital soll in diese Studie und in die Produktentwicklung fließen.

Oxford-Nanopore-Mitgründer im Beirat, neue Chief Medical Officer

Mit der Finanzierung holt Aitiologic zwei bekannte Namen an Bord. Gordon Sanghera hat Oxford Nanopore Technologies mitgegründet, ein britisches Unternehmen für DNA-Sequenzierung. Er führte es 21 Jahre lang als CEO, vom Spinoff der Universität Oxford bis zum Börsengang in London. In der Aussendung wird er als „Pionier der Molekulardiagnostik“ bezeichnet. Für Aitiologic ist das relevant, weil die eigene Plattform auf der Sequenzierung von DNA aus dem Blut aufbaut: Sanghera bringt also Erfahrung mit dem Aufbau, der Finanzierung und der Skalierung genau dieser Art von Technologie mit. Er investiert in die Runde und wird Mitglied des Beirats. Die ersten klinischen Daten von Aitiologic seien „sehr ermutigend“, sagt Sanghera.

Neue Chief Medical Officer ist Rebecca Ertl. Sie ist Fachärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe und hat ein nach eigenen Angaben führendes Zentrum für Pränataldiagnostik in Österreich gegründet. Bei Aitiologic verantwortet sie die medizinische Strategie, zunächst für das Präeklampsie-Programm. Ertl nennt bereits ein mögliches nächstes Thema: Man prüfe, ob der Bluttest auch bei Schwangerschaftsdiabetes früher Hinweise liefern könne.

Neben dem Risikokapital erhält Aitiologic Förderungen von der Österreichischen Forschungsförderungsgesellschaft (FFG), der Austria Wirtschaftsservice (aws) und der Wirtschaftsagentur Wien. Dazu kommt Unterstützung über den Europäischen Investitionsfonds (EIF) im Rahmen von InvestEU. Zugelassen ist die Plattform noch nicht, sie befindet sich weiterhin in der Entwicklung.

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