25.04.2019

CEE Fintech Atlas: 19 FinTech-Startup-Ökosysteme im Vergleich

Die Raiffeisenbank International (RBI) präsentierte heute die Erstausgabe ihres "CEE Fintech Atlas". Darin werden die FinTech-Startup-Ökosysteme von 19 Ländern in Zentral- und Osteuropa beleuchtet.
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Im CEE Fintech Atlas werden 19 Ökosysteme unter die Lupe genommen.
Im CEE Fintech Atlas werden 19 Ökosysteme unter die Lupe genommen.

Dass die Raiffeisenbank International (RBI) bei ihren FinTech-Startup-Aktivitäten einen Fokus auf Zentral- und Osteuropa (CEE) legt, verwundert ob der Struktur der Bankengruppe nicht. Alleine beim aktuellen Durchgang des Accelerator-Programms Elevator Lab, dessen Call gestern startete, machen zehn Tochterbanken aus der Region mit. Eine umfassende Aufstellung über die FinTech-Startup-Ökosysteme im CEE-Raum habe es aber bisher noch nicht gegeben, sagt Maximilian Schausberger, Head of Fintech Partnerships der RBI, bei der heutigen Präsentation der Erstausgabe des CEE Fintech Atlas.

+++ Fokus-Channel: FinTech +++

CEE FinTech Atlas: 19 Ökosysteme im Vergleich

„Wir haben uns gewundert, dass es keinen umfassenden Report zu FinTech-Aktivitäten in unseren Märkten gibt“, erzählt Schausberger. Daher habe man die Sache selbst in die Hand genommen. Beteiligt am neuen CEE FinTech Atlas, in dem die Ökosysteme von 19 Ländern aus der Region beleuchtet werden, waren unter anderem sämtliche Tochterbanken, Raiffeisen Research, und die BCG-Tochter Expand Research. Auf knapp unter 50 Seiten werden dabei unter anderem FinTech-Startup-Investment-Volumina, führende VCs und Startups sowie makroökonomische Parameter verglichen.

Investment-Volumina: Österreich erreicht knapp Top 5

Herausstechend ist dabei die Führungsposition Russlands, die jedoch teilweise auch auf die schiere Größe des Markts zurückzuführen ist. Mit 292 Millionen in FinTech-Startups investierten Euro zwischen 2008 und 2018 lässt es Tschechien (132 Mio.), Polen (64 Mio.) und Estland (62 Mio.) klar hinter sich. Österreich schafft es mit 29 Millionen Euro kumuliertem Investment im Zeitraum noch knapp unter die Top 5. „Dieses Ranking ist natürlich auch stark beeinflusst durch einzelne Startups, die besonders große Runden abgeschlossen haben“, räumt Schausberger ein. Und insgesamt müsse man die Zahlen in Relation sehen: „Der gesamte CEE-Raum deckt in dem Zeitraum nur fünf Prozent des gesamteuropäischen Investment-Volumens ab“.

Maximilian Schausberger im Video-Talk zum CEE Fintech Atlas und zum Elevator Lab:

Live with Max Schausberger, Head of FinTech Partnerships at Raiffeisen Bank International AG about the new CEE FinTech Atlas and the 3rd batch of Elevator Lab.

Gepostet von DerBrutkasten am Donnerstag, 25. April 2019

CEE-Banking-Markt: Nach Aufholphase folgt Konsolidierung

Und dennoch – oder gerade deswegen: Nicht nur für die RBI bietet der CEE-Raum enormes Potenzial. 200 Millionen klassische Bankkunden hat der gesamte Markt derzeit. 150 Millionen davon nutzen bereits digitale Services. „Wir rechnen damit, dass sich diese Zahl in den kommenden Jahren um 20 Millionen erhöht“, sagt Schausberger. Der Markt im klassischen Bankgeschäft habe sich im CEE-Raum dagegen inzwischen weitgehend konsoldiert, erklärt Gunter Deuber von Raiffeisen Research. „Die vergangenen zwei Jahrzehnte waren von einem Aufholen geprägt. Während manche Märkte weiterhin deutliches Aufholpotenzial haben, hat sich der Trend in Ländern wie Tschechien und Polen bereits massiv abgeflacht“.

„Digitale Angebote mit zweistelligen Wachstumsraten“

Es sei also zwingend nötig, weitere Wachstumsfelder zu erschließen. Und: „Es ist möglich, digitale Angebote mit zweistelligen Wachstumsraten in die Märkte zu bringen“, sagt Deuber. Dabei würden sich in den CEE-Ländern ganz unterschiedlich große „Lücken“ zwischen der Markt-Penetration mit konventionellen gegenüber jener mit digitalen Bankdienstleistungen zeigen. Im Durchschnitt betrage diese im gesamten Raum 21 Prozentpunkte. Während sie in den osteuropäischen Märkten Russland, Ukraine und Belarus sehr klein sei – allerdings auf insgesamt recht niedrigem Niveau, bestünde in den südosteuropäischen Ländern besonders großer Aufholbedarf.

Klassische Bankdienstleistungen als „wichtige Eintrittskarte“

Dabei sei die Penetration mit klassischen Bankdienstleistungen immer noch eine wichtige Eintrittskarte in die Märkte. Daher würden FinTech-Partnerschaften sowohl für Banken wie die RBI als auch für die FinTech-Startups Sinn machen, sagt Deuber. Genau das hat die RBI mit ihrem Programm Elevator Lab im Sinn. „Die FinTechs brauchen einen Partner, der sich in der Region auskennt. Das sehen wir bei als Chance, die wir mit Elevator Lab institutionalisiert haben“, sagt Maximilian Schausberger.

Elevator Lab: Globale Suche mit CEE-Fokus

Wie auch die Findings des CEE Fintech Atlas zeigen würden, sei der Markt aber „kein leichter“. Seine Kleinteiligkeit und starke Unterschiede in der Regulatorik seien etwa Herausforderungen. Mit Elevator Lab verfolge man zwei große Ziele: „Wir wollen einerseits global die besten Lösungen finden und sie in unsere Märkte bringen. Andererseits wollen wir die besten Lösungen direkt in der Region finden“, sagt Schausberger. Dass es bereits in den ersten zwei Durchgängen Bewerbungen aus rund 50 Ländern gegeben habe, würde zeigen, dass der globale Ansatz aufgehe.

Elevator Ventures soll Wachstumskapital-Situation ändern

Verstärkt setzt man inzwischen auch auf den im Vorjahr gestarteten Corporate VC Elevator Ventures. Zwar sei das Elevator Lab nach wie vor equity free, wie Schausberger betont. Nach dem Programm stünde man aber bereit, gegebenenfalls die Partnerschaften mit Investments zu intensivieren. Über das von Speedinvest gemanagte gemeinsame Vehikel mit Uniqa Ventures seien bereits die ersten Investments erfolgt – man könne aber noch keine Namen nennen. Eigenständig befände man sich gerade mit mehreren Startups in Verhandlungen. Eines sei dabei jedenfalls – im Bezug auf den gesamten CEE-Raum – klar, sagt Schausberger: „Derzeit gilt noch die Devise: ‚Wenn ich Wachstumskapital brauche, muss ich aus dem Land weggehen‘. Dieses Sentiment wollen wir ändern“.

⇒ Offizielle Page zum Fintech Atlas mit Download

⇒ Page des Elevator Lab

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Apollo, KI, Altgiechisch, Mistral
© Österreichische Nationalbibliothek/ÖAW/Daniel Hinterramskogler - Papyrus aus der römischen Kaiserzeit mit einer griechischen Geburtsanzeige, von Apollo rekonstruiert (Römisches Ägypten, 149 n. Chr.) und Anna Dolganov, Forscherin am Österreichischen Archäologischen Institut der ÖAW.

In Museen und Bibliotheken weltweit lagern hunderttausende Inschriften und über eine Million Papyrusfragmente aus der Antike. Der Großteil des Materials ist fragmentarisch und schwer lesbar. „92 Prozent der Papyri warten bis heute auf ihre Entzifferung. Ein gigantischer, unerschlossener Schatz der Geschichte“, heißt es per Aussendung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW). Genau hier möchte Apollo ansetzen.

Apollo: „Neues Fenster zu unserem gemeinsamen kulturellen Erbe“

Entwickelt wurde das Large Language Model (LLM) in einer Kooperation zwischen der ÖAW und den europäischen KI-Unternehmen Mistral AI und SAIL Reply. Am gestrigen Mittwoch präsentierten die Forschungspartner die erste Stufe des Apollo-KI-Systems, das ab sofort der Wissenschaft und der Öffentlichkeit zur Verfügung steht.

„Apollo zeigt, was europäische Zusammenarbeit leisten kann, wenn KI, die gezielt an wissenschaftliche Anforderungen angepasst werden kann, auf jahrhundertealtes wissenschaftliches Wissen trifft“, sagt Guillaume Lample, Co-Founder und Chief Scientist von Mistral. „Indem Mistrals Technologie dabei hilft, Texte wiederherzustellen, die seit zweitausend Jahren nur fragmentarisch überliefert sind, eröffnet sie ein neues Fenster zu unserem gemeinsamen kulturellen Erbe – und das ist erst der Anfang.“

600 Millionen Wörter

Die meisten Texte der Antike sind nur unvollständig überliefert und es fehlen einzelne Wörter oder sogar ganze Textpassagen. Das Sprachmodell Apollo könne fehlende Inhalte von Fragmenten eigenständig ergänzen und dabei helfen, das Verständnis und die historische Einordnung eines Schriftstückes zu verbessern.

Obwohl für das Training der KI in Altgriechisch nur 600 Millionen Wörter zur Verfügung standen – mehrere zehn Milliarden Wörter gelten üblicherweise als der Standard für LLMs – sei eigenen Angaben nach Apollo treffsicher.

„Bei einem vorhandenen Originaltext auf Papyrus erreicht das Modell bei maskierten, also bewusst versteckten Passagen eine Trefferquote von rund 80 Prozent“, erklärt Anna Dolganov, Forscherin am Österreichischen Archäologischen Institut der ÖAW und Mastermind hinter dem Projekt. Bei tatsächlich unbekannten Textlücken bewerteten internationale Fachexpert:innen, die das KI-System im Rahmen einer Blindstudie evaluiert haben, Apollos Vorschläge in 77 Prozent der Fälle als mindestens ebenso gut wie durch Menschen vorgenommene Ergänzungen und in 16–20 Prozent der Fälle sogar besser, heißt es.

Apollo erkennt Sprachstufen

Besonders beeindruckend sei zudem, wie präzise Apollo zwischen verschiedenen Sprachstufen des Griechischen unterscheiden kann, betont Dolganov: „Unser LLM kann mit vergleichsweise geringem Wissen über einen Kontext weitreichende Schlüsse ziehen. Anhand von Satzbau und Vokabular erkennt Apollo präzise, ob ein Text zum Beispiel aus Homers ‚Odyssee‘ stammt, und ergänzt ihn im passenden Sprachregister.“

Als Beweis zeigte Dolganov bei der Präsentation von Apollo etwa eine antike Geburtsurkunde, die vollständig rekonstruiert wurde. Zudem wurde eine beim Ausbruch des Vesuvs verkohlte Schriftrolle an entscheidenden Stellen „vollständig lesbar gemacht“. Und mit der Rekonstruktion einer fragmentarischen Inschrift aus dem Schwarzmeerraum hat sich der Forscherin zufolge belegen lassen, dass in einer bestimmten Region bereits römisches Recht galt. Die Aussendung sprach hierbei von einer „weitreichenden Erkenntnis, die durch einen Beleg für die römische Prostitutionssteuer untermauert wird.“

Weitere Stufen geplant

„Mithilfe der KI entsteht ein neues Bild der antiken Sozial- und Wirtschaftsgeschichte, da sich viele Erkenntnisse erst aus der Masse der Dokumente ergeben – etwa bei Steuerquittungen“, präzisiert Dolganov.

Und Heinz Faßmann, Präsident der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, ergänzt: „Apollo bringt die Erforschung von historischen Schriftstücken und Dokumenten in ein neues Zeitalter. Der Einsatz des neuen Sprachmodells wird völlig neue Forschungsfragen zulassen und unser historisches Wissen erweitern. Wir sind stolz, dass die ÖAW gemeinsam mit dem europäischen KI-Unternehmen Mistral diese wegweisende Technologie entwickelt hat. Für die Zukunft streben wir eine vertiefte Zusammenarbeit mit Mistral an.“

© ÖAW/Daniel Hinterramskogler – Heinz Faßmann, Präsident der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, bei der öffentlichen Vorstellung von Apollo.

Der ersten Stufe des Modells sollen bald noch weitere folgen. „Das Ziel ist ambitioniert, aber machbar“, wie Dolganov betont: Die KI soll künftig unerschlossene Papyri sowohl entziffern als auch rekonstruieren können. Geplant ist außerdem eine Erweiterung, mit der das Modell thematische und semantische Suchen in der gesamten griechischen Textüberlieferung durchführen sowie Parallelstellen suchen soll und so die passende Evidenz für Ergänzungsvorschläge gleich mitliefert.

Dolganov, die ÖAW und Mistral wollen jedoch bei Altgriechisch nicht aufhören. Aufbauend auf den Erfahrungen soll die KI künftig auch mit einem lateinischen Textkorpus trainiert werden. Dafür stehen dann rund zwölf Milliarden Wörter zur Verfügung. Was für das Projekt noch fehlt, sei ein passender Name.

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