24.04.2026
INSOLVENZ

Carl Labs (ehem. Abundance Gate): BioTech-Inkubator meldet Insolvenz an

Die Carl Labs GmbH, ehemals Abundance GmbH, mit Sitz in Wien, ist insolvent. Wie der Gläubigerschutzverband Creditreform mitteilt, wurde am Freitag ein Eigenantrag auf Eröffnung eines Konkursverfahrens am Handelsgericht Wien eingebracht.
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Biotech, Biotech in Österreich
© Abundance Gate - Timur Topalgoekceli (l.) und Thomas Holzhuber von Abundance Gate.

Carl Labs positioniert sich als Infrastrukturanbieter für junge BioTech-Unternehmen. Das Unternehmen mietete Räumlichkeiten an, stattete sie mit hochwertiger Laborinfrastruktur – darunter BSL-1- und BSL-2-Labore – aus und überließ diese auf entgeltlicher Basis anderen Gründer:innen. Die Idee dahinter: die oft schwierige Lücke zwischen Grundlagenforschung und Marktreife schließen.

„Es gibt kleine Ausgründungseinheiten mit 100 bis 500 Quadratmetern Fläche“, hatte Co-Founder und CEO Thomas Holzhuber im Juni 2025 gegenüber brutkasten erklärt. „Außer in Basel, Zürich oder London gibt es aber keine wirklichen Cluster-Strukturen in Europa in diesem Feld.“ Das wollte man ändern. Das Unternehmen befand sich außerdem in der Gründung eines eigenen VC-Fonds mit einem Zielvolumen von bis zu 50 Millionen Euro. Der Fonds sollte gezielt in frühe DeepTech-Startups investieren.

Das Pilotprojekt am Standort im 23. Wiener Gemeindebezirk schien zunächst aufzugehen. Auf rund 1.200 Quadratmetern entstanden hochmoderne Laboreinheiten, die nach Fertigstellung im Jahr 2023 rasch vermietet waren. Mehrere strategische Investoren stützten das Konzept mit insgesamt 1,25 Millionen Euro, wie der Kurier berichtet.

Dominoeffekt

Doch zwei der größten Mieter sollen laut Kurier-Bericht zuletzt in Insolvenz geraten sein – ein Verlust für ein Geschäftsmodell, das auf stabilen Mieteinnahmen aufgebaut war. Die Einnahmen brachen ein, die Fixkosten blieben. „Die wirtschaftliche Grundlage des Unternehmens ist zuletzt weggebrochen“, wird Karl Quendler von Creditreform zitiert.

Noch schwerer wog das Scheitern des eigentlichen Großprojekts: ein BioTech-Hub mit 18.000 Quadratmetern Laborfläche und einem Investitionsvolumen von über 100 Millionen Euro, geplant in Kooperation mit der 6B47 Real Estate Investors AG. Im Februar 2025 rutschte auch die 6B47 in die Insolvenz.

Passiva von 4,1 Mio. Euro

Die Zahlen: 31 Gläubiger:innen sind betroffen, drei Dienstnehmer:innen verlieren ihre Stelle. Die Passiva belaufen sich laut Creditreform auf rund 4,1 Millionen Euro. Ob eine Fortführung des Unternehmens im Interesse der Gläubiger:innen sinnvoll und vorstellbar ist, muss noch geprüft werden.

BioTech-Insolvenzen

Die Insolvenz von Carl Labs reiht sich in eine schwierige Phase für die österreichische BioTech-Szene ein. Das Klosterneuburger Startup Sarcura konnte sich 2022 noch ein Investment von sieben Millionen Euro sichern und meldete dennoch im Mai 2025 Insolvenz an (brutkasten berichtete). Das börsennotierte Korneuburger BioTech Marinomed, nach einem IPO 2019 lange als Vorzeige-Unternehmen gehandelt, musste 2024 ein Sanierungsverfahren beantragen (brutkasten berichtete).

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© Wiener Börse/Nik Pichler

Österreichische Unternehmen setzten im bisherigen Jahresverlauf 2026 positive Impulse am Kapitalmarkt, auch wenn die Belebung noch nicht alle Marktsegmente erfasste. Wie das aktuelle IPO Barometer der Prüfungs- und Beratungsorganisation EY zeigt, stehen vier Neuzugänge an der Wiener Börse, ein neuer ATX-Rekord sowie zwei Börsengänge österreichischer Unternehmen im Ausland zu Buche.

Die zwei Auslands-Listings waren das Unternehmen Asta Energy, das im Jänner in Frankfurt an die Börse ging, sowie Innio Jenbacher mit dem Börsengang im Juni an der Nasdaq. Parallel dazu entwickelte sich der heimische Aktienmarkt stark: Der ATX inklusive Dividenden erreichte am 28. September mit 17.618,00 Punkten ein neues Allzeithoch und liegt seit Jahresbeginn mehr als 30 Prozent im Plus.

Vier Neuzugänge an der Wiener Börse

Am österreichischen Kapitalmarkt verzeichnete die Wiener Börse im laufenden Jahr vier Neuzugänge. Mit dem Handelsstart der Biogena Good Vibes AG am 10. September im Segment direct market plus kam der vierte Neuzugang an die Börse – brutkasten berichtete. Dem Listing ging eine außerbörsliche Kapitalerhöhung mit öffentlichem Aktienangebot voraus. Laut Unternehmensangaben zeichneten mehr als 2.300 neue Aktionär:innen Aktien, wobei sich der Mittelzufluss auf fast 18 Mio. Euro belief. Zuvor gingen dieses Jahr die Emerald Horizon AG im standard market (brutkasten berichtete), die FIT Group AG im direct market plus und die K2G Holding AG im direct market an den Wiener Markt.

Ein klassischer IPO eines österreichischen Unternehmens im geregelten Markt wurde im dritten Quartal hingegen nicht verzeichnet. Seit Anfang Juli ist der direct market plus zudem als EU-KMU-Wachstumsmarkt registriert, was insbesondere Wachstumsunternehmen und KMU den Zugang zum Kapitalmarkt erleichtern soll.

„Für nachhaltige Belebung des IPO-Markts braucht es gut vorbereitete Pipeline börsenreifer Unternehmen“

„Das dritte Quartal zeigt ein differenziertes Bild: Ein klassischer IPO im geregelten Markt blieb zwar aus, zugleich belegen die Neuzugänge und insbesondere das zusätzliche Listing von Biogena, dass der Kapitalmarkt auch für österreichische Wachstumsunternehmen eine relevante Finanzierungsoption sein kann. Dass mehr als 2.300 neue Aktionärinnen und Aktionäre gewonnen und fast 18 Millionen Euro eingeworben wurden, ist ein positives Signal für die Mobilisierung privaten Kapitals“, analysiert Martina Geisler, Partnerin und Leiterin IPO bei EY Österreich.

„Für eine nachhaltige Belebung des heimischen IPO-Markts braucht es nun eine gut vorbereitete Pipeline börsenreifer Unternehmen. Entscheidend sind eine überzeugende Equity Story, transparente Governance, realistische Bewertungsvorstellungen und die Bereitschaft, den Kapitalmarkt frühzeitig in die Wachstumsstrategie einzubinden. Der EU-KMU-Wachstumsmarkt kann dabei helfen, die Einstiegshürden für kleinere und mittlere Unternehmen zu senken“, so Geisler weiter.

Wer den Kapitalmarkt in Betracht ziehe, müsse daher „frühzeitig Börsenreife herstellen und seine Equity Story klar auf die Bedürfnisse eines internationalen Investorenkreises ausrichten“, heißt es von EY.

Erweiterung im global market

Neben den Neuzugängen erweiterte die Wiener Börse am 9. September den global market – das Handelssegment für bereits an anderen Börsen notierte internationale Aktien – um 45 Titel aus dem Nasdaq 100 und dem S&P 500. Damit sind dort nun erstmals mehr als 1.000 internationale Wertpapiere in Euro, zu Inlandskonditionen und während der Wiener Börsenzeiten handelbar. Bei diesen Einbeziehungen handelt es sich nicht um österreichische IPOs.

Im weltweiten Vergleich blieben die IPO-Märkte im dritten Quartal 2026 mit 367 Börsengängen nahezu stabil (Vorjahresquartal: 374), während das Emissionsvolumen um 79 Prozent auf 93,3 Mrd. US-Dollar stieg. „Die hohen Emissionsvolumina dürfen nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Erholung des IPO-Markts noch nicht in der Breite angekommen ist. Das dritte Quartal wurde stark von wenigen sehr großen Transaktionen geprägt“, erläutert Geisler.

Weltweit entfielen im dritten Quartal rund 75 Prozent des Platzierungsvolumens auf die Branchen Advanced Manufacturing und Technology. Getragen werde der Markt laut EY von Equity Stories, die auf kritische Infrastruktur und Energie, KI und Robotik sowie Verteidigung einzahlen.

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