19.03.2024

Captcha.eu: OeNB setzt auf Wiener Corporate Startup als Google-Alternative

Captcha.eu ist ein Corporate Startup der Krone Multimedia GmbH & Co KG. Es bietet eine datenschutzfreundliche Alternative zu Verifizierung von online Besucher:innen. Auch die Oesterreichische Nationalbank (OeNB) setzt nun auf die heimische Alternative von Google reCaptcha.
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Captcha.eu Kernteam: v.l.n.r. Manuel Rostorfer, Sabine Schimpf, Helmut Januschka, Claudio Frasca (c) Captcha.eu
Captcha.eu Kernteam: v.l.n.r. Manuel Rostorfer, Sabine Schimpf, Helmut Januschka, Claudio Frasca (c) Captcha.eu

Das Wiener Corporate Startup Captcha.eu entstand, weil sich das „Krone“-Medienhaus vom US-Captcha-Anbieter Google reCaptcha trennte. Captcha steht dabei für „Completely Automated Public Turing test to tell Computers and Humans Apart“. Dieser äußerst sperrige Begriff ist wohl vielen kein Begriff. Die Anwendung, sich auf Internetseiten über Bilderrätsel als Mensch zu authentifizieren, wohl schon eher. Was für User:innen ein nerviger Teil eines Webseitenbesuches darstellt, ist für Unternehmen wichtig, um sich vor Spam durch Bots zu schützen.

Führend auf diesem Gebiet sind Dienste, welche potenziell Daten wie IP-Adressen, Betriebssysteminformationen und Mausbewegungen erfassen und diese speichern. So wie beispielsweise die Google-Lösung reCaptcha. Damit verstoßen diese Anbieter:innen gegen die DSGVO. Da diese allerdings außerhalb der EU gehostet werden, tun sich die Behörden schwer dagegen vorzugehen.

Keine Bilderrätsel mehr notwendig

An diesem Punkt setzt das Startup Captcha.eu mit seiner datenschutzfreundlichen Alternative an. “Uns war es sehr wichtig, absolut konform mit der Datenschutzgrundverordnung zu sein. So erheben wir keine personalisierten Nutzerdaten und setzen keine Cookies“, so der Geschäftsführer Manuel Rostorfer. Ein Plus für Nutzer:innen: Captcha.eu arbeitet im Hintergrund und macht somit Bilderrätsel oder ähnliches obsolet. Dabei passiert der Check im Hintergrund, ohne dass Nutzer:innen davon etwas mitbekommen.

Martin Karanitsch von der OeNB zeigt sich über die künftige Zusammenarbeit erfreut: „Für uns als Oesterreichische Nationalbank sind Informationssicherheit und Datenschutz sehr wichtige Themen. In diesem Bereich möchten wir so weit wie möglich digital souverän sein. Deshalb freut es mich besonders, dass wir hier eine innovative Lösung eines jungen österreichischen Startups einsetzen können und so diesem Ziel wieder ein Stück näherkommen.“ Seit Februar ist die Zusammenarbeit von Captcha.eu und der OeNB live.

Zu weiteren Kunden des Unternehmens gehört beispielsweise der slowenische Ableger von A1, das SalzburgerLand und die Deutsche gesetzliche Unfallversicherung.

Gestartet als interne Captcha-Lösung der Krone

Captcha.eu wurde als 100-prozentige Tochter der Krone Multimedia GmbH & Co KG im März 2023 ausgegliedert. Intern gab es vor rund zwei Jahren Bedenken, weiterhin auf reCaptcha zu vertrauen. „Für uns gab es damals keinen Anbieter am Markt, der unsere Ansprüche erfüllen konnte. Mit über 40 Millionen Visits im Monat, brauchten wir eine stabile und sichere Lösung“, so Captcha.eu-Geschäftsführer Rostorfer zu brutkasten. Daraufhin wurde eine eigene Inhouse-Lösung entwickelt, welche dann aufgrund der hohen Funktionalität und geringer Konkurrenz ausgegliedert wurde.

Die Server von Captcha.eu stehen bei der Muttergesellschaft im eigenen Rechenzentrum der Krone. „Damit haben wir nicht diesen Kostenfaktor bei der Infrastruktur“, so Rostorfer. Außerdem punkte man mit einer einfachen Implementierung und guten Kundensupport.

Geschäftszahlen kommuniziert Captcha.eu keine. Der Jahresgewinn lag bisher aber unter 100.000 Euro, wie Rostorfer gegenüber brutkasten bestätigte. „Wir sehen im laufenden Jahr ein deutlich gesteigertes Interesse an unserem Unternehmen. Im zweiten Geschäftsjahr ist die Marke von 100.000 Euro auf jeden Fall das Ziel“, sagt Rostofer. Wirtschaftlich steht das Startup auf stabilen Beinen und rechnet sich nach Angaben des Geschäftsführers selbst. Dabei besteht die Captcha GmbH selbst nur aus der Geschäftsführung. Die anderen Mitarbeiter:innen des Projekts sind bei der Muttergesellschaft angestellt.

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(c) Verena Nageler

Mit vierundzwanzig habe ich einen großen Teil meines Ersparten in ein Wiener Mobility-Startup gesteckt. Verrückt, ich weiß, aber ich habe verdammt viel gelernt, als ich am Tisch mit namhaften Business Angels aus Österreich und VCs wie Elevator Ventures, Uniqa Ventures und dem aws Gründerfonds sitzen durfte. Die Firma hieß goUrban, eine Plattform für Car- und Micro-Mobility-Sharing und für die Digitalisierung von Firmenflotten. Im September 2024 wurde goUrban von Wunder Mobility übernommen.

Geblieben ist mir aus dieser Zeit vor allem eine Lektion. Sie kommt in der aktuellen Debatte über autonomes Fahren fast nie vor: Ein Fahrzeug ist noch kein Geschäftsmodell.

Beim Sharing entscheidet nämlich nicht die App. Fahrzeuge wollen geladen, gereinigt, gewartet und umverteilt werden. Sie müssen dort stehen, wo in zwanzig Minuten jemand sucht. Stehen sie falsch, kosten sie Geld. Sind sie defekt, ist die Kund:in weg. Bleibt die Auslastung aus, hilft die beste Technologie nichts.

Beim autonomen Fahren ist und wird das nicht anders sein. Die Person am Steuer kann verschwinden. Der Betrieb bleibt ja trotzdem.

Die USA und China machen es logisch, aber anders

Die USA und China skalieren autonome Mobilität dort, wo Dichte, große Flotten und zahlungsbereite Kund:innen zusammenkommen. Das Robotaxi ist als individuelles Produkt gedacht und fährt zuerst in den Gebieten, in denen sich der Betrieb rechnet. Das ist logisch und funktioniert dort auch.

Bei uns sind die Voraussetzungen andere. Wir haben ein dichtes öffentliches Netz, starke Verkehrsverbünde und die politische Erwartung, dass Mobilität auch dort funktioniert, wo sie sich betriebswirtschaftlich nicht ausgeht.

Ein europäisches Waymo zu bauen, löst diese Frage nicht. Der Bahnhof im Seitental, der Weiler am Dienstagabend, der Tourismusort im November: Da fehlt kein weiteres einzelnes Fahrzeug. Da fehlt das System, das dieses Fahrzeug in den öffentlichen Verkehr einhängt.

Die spannendste europäische Position liegt für mich deshalb nicht im Technologie-Layer. Sie liegt bei denen, die Flotten betreiben, Nachfrage bündeln, Fahrten disponieren, Fahrzeuge laden und warten, Schnittstellen zu den Verbünden bauen und Gemeinden, Betriebe und Behörden an einen Tisch bekommen. Also bei der unglamourösen Arbeit.

Ohne Nachfrage keine Skalierung

Autonome Fahrzeuge rechnen sich erst, wenn sie regelmäßig fahren. Und genau hier wird der Tourismus unterschätzt.

Eine Destination bündelt Nachfrage räumlich und zeitlich. Samstagvormittag kommen die Gäste an denselben zwei, drei Bahnhöfen an. Sie fahren zu einer überschaubaren Zahl an Unterkünften, Bergbahnen, Veranstaltungsorten und Ausflugszielen. Diese Wege sind planbarer als die einer beliebigen Stadtbevölkerung. Wir sehen das in unseren Daten immer wieder.

Ein einzelnes Hotel wird trotzdem nie eine autonome Flotte aufbauen. Eine Region kann es. Sie kann die Nachfrage aus Beherbergung, Freizeitwirtschaft, Bevölkerung und öffentlichem Verkehr zusammenlegen. Aus einzelnen Fahrten wird ein Bediengebiet, aus dem Pilotprojekt ein Angebot, das bleibt. Und die Einheimischen fahren mit. Das ist der Punkt, an dem Konnektivität das Leben am Land wieder attraktiver macht.

Nur: Irgendwer muss diese Struktur aufsetzen. Wer übernimmt die Buchung? Wer garantiert den Anschluss, wenn der Zug 18 Minuten Verspätung hat? Wer zahlt die schwachen Zeiten? Wem gehören die Daten? Wer haftet, wenn eine Fahrt ausfällt? Und wer entscheidet, ob das Fahrzeug zum gut ausgelasteten Bahnhof fährt oder zum Betrieb am Ende des Tals?

Das klingt weniger nach Zukunft als Sensorik und Fahrzeugmodelle. Wirtschaftlich entscheidet es mehr.

Menschen steigen nicht wegen der Technik um

Das beste Angebot scheitert, wenn es niemand nutzt. Und die Rolle des Klimabewusstseins wird dabei gehörig überschätzt.

Der Gast lässt das Auto nicht stehen, um ein guter Mensch zu sein. Er lässt es stehen, wenn die Alternative bequemer ist und er sich darauf verlassen kann. Wenn sie günstiger ist, umso besser.

Der Urlaub ist dafür ein guter Moment. Menschen sind aus ihren Routinen raus, probieren Sachen aus, organisieren ihre Wege ohnehin neu. Ob das zuhause nachwirkt, ist noch nicht ausreichend belegt, da würde ich mich nicht zu weit hinauslehnen. Für eine Destination reicht der Urlaub trotzdem: Hier lässt sich zeigen, dass es ohne eigenes Auto geht, ohne dass sich jemand einschränken muss.

Die Technologie macht es möglich. Genutzt wird sie erst, wenn sie im Alltag der Gäste die bequemere Variante ist.

Wer das System organisiert, dem gehört der Markt

Europa pilotiert viel und skaliert wenig. Das liegt nicht nur an Regulierung und technischer Vorsicht. Meistens fehlt jemand, der aus Fahrzeug, öffentlichem Verkehr, touristischer Nachfrage und regionaler Verantwortung ein Produkt macht.

Waymo wird uns das nicht bauen. Und auch kein europäischer Fahrzeughersteller wird entscheiden, wie der Gast vom Bahnhof in ein österreichisches Seitental kommt.

Die unternehmerische Chance liegt zwischen den Zuständigkeiten. Sie gehört denen, die Betreiber, Verkehrsverbünde, Destinationen, Gemeinden und Betriebe koordinieren und daraus ein Angebot machen, das an einem Dienstag im November genauso funktioniert wie am Anreisesamstag im Winter.

Wer damit anfangen will, braucht dafür übrigens kein autonomes Fahrzeug. Es reicht, in einer Region die Fragen von oben zu beantworten: Buchung, Anschluss, Finanzierung der schwachen Zeiten, Daten, Haftung. Wer das geklärt hat, ist bereit, wenn die Fahrzeuge kommen. Die anderen pilotieren dann noch.

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