15.02.2023

Wiener Investor Round2 Capital steckt Millionenbetrag in Münchner Cloud-Unternehmen

Round2 Capital investiert einen siebenstelligen Betrag in das deutsche Cloud-Unternehmen Actindo. Mit seinem Revenue-Based-Finance-Ansatz möchte Round2 Capital Verwässerung und Kontrollverluste mindern.
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Stefan Nagel, Managing Partner von Round2
Stefan Nagel, Managing Partner von Round2 | Foto: Markus Schlögl

Der Wiener Wachstumsinvestor Round2 Capital investiert einen Millionenbetrag in die deutsche Digital Operations Plattform Actindo, die unter anderem vom Videospielhersteller Nintendo of Europe, der europäischen Nintendo-Zentrale mit Sitz in Frankfurt, und dem deutschen SecureTech Abus genutzt wird.

Wiener Unterstützung in der Wachstumsphase

Round2 Capital soll Actindo mit seinem siebenstelligen Investment in seiner Wachstumsphase unterstützen. Stefan Nagel, Managing Partner des österreichischen Wachstumsinvestors, lobt die letztjährigen Leistungen des Münchner Cloud-Unternehmens: “Das Actindo-Team hat das Produkt erneuert, einen beeindruckenden Kundenstamm aufgebaut und sich als feste Größe im Ökosystem etabliert. Wir freuen uns darauf, sie nun bei der Einführung der nächsten Wachstumsphase des Unternehmens zu unterstützen.” 

Revenue-Based-Finance sichert Kapital ohne Verwässerung

Mit seinem Revenue-Based-Finance Ansatz möchte Round2 Capital europäischen Unternehmen in der Wachstumsphase den Zugang zu Bankkrediten erleichtern. Damit werde deren Wachstum gefördert, ohne dass Anteile abgeben werden müssen.

Seit ihrer Gründung im Jahr 2017 unterstützt Round2 Capital Scaleups und Unternehmen mit digitalen Geschäftsmodellen. Bislang soll der Wiener Wachstumsinvestor in über 26 Unternehmen investiert haben. Round2 Capital möchte europäischen Software-Unternehmen dabei helfen, wiederkehrende Umsätze in eine flexible Wachstumsfinanzierung umzuwandeln. Kapital soll damit ohne Verwässerung und Kontrollverlust gesichert werden. 

Der deutsche Cloud-Anbieter Actindo soll das jüngste Round2-Investment zur Erweiterung seines Produktangebotes nutzen. Weiters kündigt Actindo an, seine internationale Marktposition stärken und sein Partnernetzwerk ausbauen zu wollen.

Über Actindo

Boris Krstic, Mitgründer und CEO von Actindo, erklärt, dass die traditionelle IT-Infrastruktur vieler Unternehmen nicht für digitale Transformationen gewappnet sei. Composable Commerce, also die flexible Zusammenstellung und Integration von “Best-of-Breed”-Software zu einer Gesamtlösung, sei damit nur schwer möglich. Einheitliche Kundenerlebnisse zu kreieren und mehrere Software-Anbieter zu verwalten, sei für viele Unternehmen eine Herausforderung, so Krstic: “Statt labyrinthartiger Integrationen mit API-Tools bringt unsere Plattform ERP-Geschäftslogik, Daten, Inhalte und Auftragsmanagement auf einer Plattform zusammen. So können Unternehmen ihre bestehende IT zuverlässig weiter betreiben. Mit Actindo erhalten sie eine ganzheitliche Lösung für ihr gesamtes Geschäft.”

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iDWELL-Gründer und CEO Alexander Roth mit COO Anna-Katharina Matzenberger | Foto: iDWELL

Das 2017 gegründete Wiener PropTech iDWELL hat sich frisches Kapital gesichert: Der US-Kapitalgeber Riverside Acceleration Capital (RAC) stellt dem Unternehmen einen siebenstelligen Euro-Betrag zur Verfügung. Anders als bei der Finanzierungsrunde im November 2024 handelt es sich diesmal aber um kein Investment im klassischen Sinn.

„Es handelt sich um eine nicht verwässernde Wachstumsfinanzierung. Die Eigentümerstruktur von iDWELL wird dadurch nicht verändert“, bestätigt Gründer und CEO Alexander Roth auf Anfrage von brutkasten. Zu Laufzeit, exakter Höhe und Rückzahlungsmodell will sich das Unternehmen nicht äußern: Mit RAC sei Stillschweigen vereinbart worden.

RAC verfolgt nach eigener Darstellung zwei Strategien: Minderheitsbeteiligungen über RAC Growth Equity und nicht verwässernde Wachstumsdarlehen über RAC Growth Lending. Nach eigenen Angaben hat der Kapitalgeber seit seiner Gründung 2016 mehr als 100 B2B-Softwareunternehmen unterstützt. RAC ist Teil von The Riverside Company.

Bestandsinvestoren: Unterstützung ja, Beteiligung offen

Im November 2024 hatte iDWELL rund zehn Millionen Euro in einer klassischen Runde aufgenommen (brutkasten berichtete). Lead-Investor war die Amsterdamer Investmentgesellschaft Knight Capital, auch die bestehenden Investoren Flashpoint Venture aus London und Wecken & Cie aus Basel beteiligten sich.

Warum diesmal Fremd- statt Eigenkapital, beantwortet Roth allgemein: „In der aktuellen Unternehmensphase war eine nicht verwässernde Finanzierung die passende Lösung.“ Seit der letzten Runde habe man den Umsatz „signifikant“ gesteigert. Konkrete Zahlen nennt das Unternehmen nicht. Die langjährigen Bestandsinvestoren würden den eingeschlagenen Wachstumskurs „weiterhin voll“ unterstützen. Ob sie sich an der aktuellen Finanzierung beteiligt haben, lässt die Antwort offen.

Auch auf die Frage, wie stark der wiederkehrende Jahresumsatz (ARR) zuletzt gewachsen ist und ob iDWELL heute cash-flow-positiv arbeitet, gibt es keine Zahlen. Man verfüge über eine „solide langfristige Basis“, heißt es dazu.

Kapital fließt in KI-Produkte

Das Geld soll in den Ausbau der KI-gestützten Produktwelt fließen. Ein Schwerpunkt liegt auf „iDWELL Finance“, einer Lösung für automatisiertes Rechnungsmanagement. Sie stammt vom Wiener Startup domonda, an dessen Finanzsoftware sich iDWELL im Dezember 2025 die exklusiven Rechte für die Immobilienbranche gesichert hatte (brutkasten berichtete). Domonda hatte im Juni 2023 Insolvenz angemeldet und wurde zwei Monate später saniert. Nach Angaben von iDWELL setzten Ende 2025 rund 100 Immobilienunternehmen die Lösung ein.

Zweiter Baustein ist die hauseigene KI „Greta-AI“, die Verwaltungs-, Dokumentations- und Rechnungsprozesse automatisieren soll. Christian Stein, Senior Partner bei RAC, verweist auf die Positionierung im deutschsprachigen Raum und das Ökosystem an ERP-Integrationen, mit dem iDWELL die Digitalisierung der professionellen Immobilienverwaltung vorantreiben könne.

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