07.03.2022

Cansativa möchte „Amazon“ für Cannabis werden – Snopp Dogg mit 13 Mio. dabei

Der US-Rapper erwartet eine baldige Legalisierung von Cannabis in Deutschland und investiert 13 Millionen Euro ins Frankfurter-Startup Cansativa.
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Cansativa, Snoop Dogg, Cannabis, Gras, Marihuana, Medizinisches Cannabis.
(c) Cansativa/ Harald Schnauder - Die Gebrüder Sons mit einer 13-Mio- Series B.

Die Risikokapitalgesellschaft „Casa Verde“ des US-Musikers Snopp Dogg investiert 15 Millionen US-Dollar (13 Millionen Euro) in einer Series-B-Finanzierungsrunde in Cansativa, einer in Frankfurt ansässigen Cannabis-Vertriebsplattform, die derzeit deutsche Apotheken beliefert. Argonautic Ventures und Alluti beteiligten sich ebenfalls an dieser Finanzierungsrunde.

Es war ein ungewöhnlicher Beginn, der die beiden Brüder Jakob und Benedikt Sons in die Medizinalcannabis-Branche führte. Bei einer Familienveranstaltung diskutierten die Gebrüder gemeinsam mit Vater Hermann, seines Zeichens Herz-, Thorax- und Gefäßchirurg, das damals neue Cannabisgesetz. Im Laufe des Diskurses formte sich eine Idee und schließlich ein grobes Konzept zur Unternehmensgründung. Dieser Abend gilt als der Startschuss für das, was heute über 100 Kilogramm vertriebene Cannabisblüten pro Monat und mehr als 200 verschiedene Medizinalcannabis-Produkte sind.

Cansativa: Das Amazon für Cannabis

Das Startup, das sich selbst als „Amazon von Cannabis“ bezeichnet, hilft deutschen Apotheken beim Kauf von medizinischem Cannabis und kümmert sich um die Lieferkette und Logistik.

Als besonderer Erfolg gilt heute noch der Zuschlag des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) im Sommer 2020, mit dem Cansativa als einziges Unternehmen Cannabis aus deutschem Anbau vertreiben darf. Im Jahr 2021 konnte das Unternehmen so erstmalig eine vierstellige Kilogramm-Menge Cannabisblüten absetzen und damit unternehmensübergreifend einen achtstelligen Umsatz erzielen.

„Legalisierung als Chance für Deutschland“

Cansativa wird die aktuelle Finanzierung nutzen, „um sein medizinisches Cannabis-Produktportfolio zu erweitern und seine Plattform für den Freizeitkonsum im Vorfeld der Legalisierung in Deutschland zu entwickeln“, so das Unternehmen in einer Erklärung.

„Die Legalisierung von Genusscannabis ist die Chance für Deutschland, als Vorbild für eine progressive, europäische Drogenpolitik voranzugehen“, sagt Jakob Sons. Sein Bruder Benedikt ergänzt: „Eine Legalisierung hat vielfältige Vorteile. Dass eine Legalisierung enorme Steuereinnahmen einbringt, Kapazitäten bei Polizei und Justiz freiräumt und eine bessere Prävention ermöglicht, liegt auf der Hand.“

Markt soll 2025 3,6 Milliarden US-Dollar erreichen

Yoni Meyer, ein Partner bei Casa Verde, sieht indes im Frankfurter Startup, einen dominanten Akteur auf dem Markt entstehen: „Cansativa ist strategisch so positioniert, dass es die führende Plattform für medizinisches Cannabis in der größten Volkswirtschaft Europas wird“, sagt er. „Wir glauben fest daran, dass dieses Team eine zentrale Rolle bei der erwarteten Legalisierung in Deutschland spielen und einen entscheidenden Einfluss auf den europäischen Markt haben wird, der bis 2025 voraussichtlich 3,6 Milliarden Dollar erreichen soll.“

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Das Forschungskonsortium von Focus:lfm. | (c) Jacomo Schlumberger

Ein Elektroauto muss nicht unmittelbar nach dem Anstecken mit voller Leistung laden. Auch Wärmepumpen und Batteriespeicher können ihren Stromverbrauch zeitlich anpassen. Mit dem Ausbau erneuerbarer Energien wird diese Flexibilität zunehmend wichtiger. Photovoltaikanlagen erzeugen beispielsweise vor allem tagsüber Strom, während viele Elektroautos erst am Abend geladen werden. Werden viele solcher Geräte intelligent gesteuert und zu sogenannten Flexibilitätspools gebündelt, könnten sie Stromnetze entlasten und erneuerbare Energie besser nutzbar machen.

Wie groß das Potenzial ist, verdeutlichen Zahlen, auf die das Forschungskonsortium verweist: Einer EU-Analyse zufolge könnte die nachfrageseitige Flexibilität bis 2030 rund 120 Gigawatt erreichen. Momentan sind in der EU rund 44 Gigawatt Pumpspeicherleistung installiert. Zwar können flexible Stromverbraucher große Pumpspeicher nicht vollständig ersetzen, die Zahlen zeigen jedoch, welches Potenzial in Haushalten, Unternehmen und Energiegemeinschaften bislang ungenutzt bleibt.

Genau hier setzt das Forschungsprojekt Focus:lfm (From Open Coexistence to Unified Systems for Local Flexibility Management) an. Unter der Koordination von e7 energy innovation & engineering entwickeln 18 österreichische Partnerorganisationen eine offene digitale Infrastruktur. Beteiligt sind unter anderem die Technologieunternehmen Keba und AVL, der Netzbetreiber Energienetze Steiermark sowie Salzburg Research und Reisenbauer Solutions.

Offene Software soll Geräte miteinander verbinden

Die intelligente Steuerung von Stromverbrauchern ist grundsätzlich nicht neu. Eine zentrale Herausforderung liegt jedoch darin, dass Geräte unterschiedlicher Hersteller häufig eigene Kommunikationssysteme nutzen. Viele bestehende Lösungen sind zudem geschlossen, wodurch die gemeinsame Steuerung aufwendig und kostspielig sein kann.

Focus:lfm entwickelt deshalb ein sogenanntes Open-Source-Framework. Die Software soll unterschiedliche Geräte, Energiemanagementsysteme, Stromhändler und Netzbetreiber über gemeinsame Schnittstellen miteinander verbinden. Bestehende Systeme sollen dabei nicht ersetzt, sondern vernetzt werden.

Auch der Zeitpunkt des Forschungsprojekts ist laut Projektkoordinator Guntram Preßmair günstig. Das neue Elektrizitätswirtschaftsgesetz (ElWG) schafft die Grundlage für einen Markt, auf dem Netzbetreiber flexible Stromverbraucher gezielt zur Entlastung ihrer Netze einsetzen können. Anders als auf bisherigen Strommärkten spielt dabei eine entscheidende Rolle, wo sich die Anlagen befinden. So könnten beispielsweise Elektroautos oder Batteriespeicher in einem bestimmten Netzgebiet helfen, lokale Engpässe zu beheben.

Startups sollen eigene Geschäftsmodelle entwickeln können

Besonders für kleinere Technologieunternehmen soll die offene Software neue Möglichkeiten schaffen. Denn die gesamte technische Verbindung vom einzelnen Gerät bis zur Vermarktung der Flexibilität selbst aufzubauen, ist laut Preßmair für kleine Unternehmen kaum machbar. „Deswegen wollen wir denen ein Open-Source-Werkzeug in die Hand geben“, erklärt er.

Mit Focus:lfm sollen Startups eine kostenlos verfügbare technische Grundlage erhalten, auf der sie eigene Dienstleistungen und Geschäftsmodelle entwickeln können. Ein Unternehmen, das beispielsweise Prognosen zum Energieverbrauch erstellt, könnte seine Lösung mit der Infrastruktur verknüpfen, ohne selbst sämtliche technischen Schnittstellen entwickeln zu müssen.

Ein begleitendes Accelerator-Programm soll Unternehmen bei der Integration unterstützen. Sobald erste Prototypen verfügbar sind, sollen interessierte Betriebe die Software erproben und Rückmeldungen zur Weiterentwicklung geben. Dadurch will das Projekt bereits während seiner Laufzeit eine möglichst breite Nutzerbasis aufbauen.

Praxistests bis 2030 geplant

Die entwickelte Infrastruktur soll zunächst in Simulationen und Laborumgebungen getestet werden. Anschließend sind Feldtests mit Elektroauto-Ladeinfrastruktur, Elektroboilern und Energiemanagementsystemen geplant. Auch Energiegemeinschaften und das Reallabor Waldviertel sollen eingebunden werden.

Das Projekt ist im Juni 2026 gestartet und läuft über 48 Monate. Gefördert wird es aus Mitteln des Klima- und Energiefonds sowie des Bundesministeriums für Innovation, Mobilität und Infrastruktur.

Langfristig soll ein Konsortium aus Industriepartnern die Weiterentwicklung der Software tragen. Für Preßmair wäre das optimale Ergebnis, wenn bis zum Projektende 2030 rund zehn Unternehmen die Infrastruktur aktiv nutzen und damit eigene Geschäftsmodelle betreiben.

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